Erstes Blatt.
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B«DM«Vrtl.>Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
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teeren Raum, für Auswärts 15 Pf-* ^M lSUlamNuheil di« Z-i!« 25 Pfg., £ für Auswärts 35 Pfg.
Nr. 75
1901
HR
VOSSBRSa
1$)
Hue Stadt und £and.
Hanair, 29. März.
Grffentliche Sitzung der Stadtverordneten- versammümg
vom 28. März 1901.
Anwesend die Herren: Canthal, Vorsteher ; Bader, Bailly, Brüning, Eberhardt, Föll, Fritz, Glaser, Dr. Heraeus, Hoffmann, Hock, Jost jun., Jung, Körner, Kreuter, Koch, König, Küstner, Loßberger, Lucht, Müller, Ott, Roth, Rodde, Schwabe, Schroeter, Seitz, Spatz, Steinheuer, Treusch, Voltz, Wörner. Vom Magistrat die Herren Dr. Gebeschus, Bove, Pannot.
Neuwahl von Magistratsmitgliedern.
Für die am 1. April d. J. ausscheidenden fünf Magistratsmitglieder hat Neuwahl stattzuftnden. Es scheiden aus die Herren Dr. Eisenach, Wilh. Fues, Alexander Jung, Martin Nicolay, Wilh. Lieber. Das Resultat der Wahl ist, daß die vier erstgenannten Herren einstimmig wiedergewählt werden, während an Stelle des auf eine Wiederwahl Verzicht leistenden Herrn Wilh. Lieber der Stadtverordnete Herr Karl König gewählt wird. Der neugewählte Herr Karl König nahm die Wahl dankend an, worauf der Vorsteher Herr Canthal Veranlassung nahm, seinen Glückwunsch auszusprechen.
Ersatzwahl.
Für das auf seinen Wunsch aus dem Bauausschuß ausscheidende Mitglied Herrn Rechtsanwalt Eberhardt wurde Herr Spenglermcister Lucht gewählt.
Stand der Gemeindeangelegenheiten.
In Gemäßheit des § 66 der Städteordnung erstattete der Erste Beigeordnete Herr B o d e den Bericht über den Stand der Gemeindeangelegenheiten. Wir werden noch Gelegenheit nehmen, auf den Bericht zurückzukommen. Hervorheben wollen wir heute aus den Darlegungen, daß das Gaswerk voraussichtlich etwa 20 000 Mk., die Steuern etwa 23 000 Mk. mehr als wie im Voranschlag eingestellt, ergeben werden.
Dring l iche r A ntra g.
Dom Stadtv. König u. Kons, ist ein Antrag etngkbracht worden, der Zustimmung zu einer Resolution empfiehlt, in der Einspruch gegen jede Erhöhung des Zolles auf Getreide erhoben und für das System langfristiger Handelsverträge ein- getreten werden soll. — Herr König plaidirt dafür, daß die Dringlichkeit des Antrages anerkannt werde, schon im Hinblick darauf, daß ihm durch seine Wahl in den Magistrat später die Gelegenheit mangele, die Begründung in der Stadiverord- neten Versammlung vorzubringen. Der Antrag auf Dringlichkeit der Besprechung der Resolution stößt auf Widerspruch Herr Dr. Heraeus führt aus, daß die Einbringung der Resolution überraschend gekommen sei, jedenfalls hätte es für wünschenswerth gehalten werden können, daß der Resolution in der Kommission erst eine Besprechung zu theil geworden wäre. Gegen die Dringlichkeit sei er unbedingt. Herr W. Schroeter ist ebenfalls gegen die Dringlichkeit. Herr Hoffmann erklärt, daß er, ganz gleich ob die Dringlichkeit anerkannt würde oder nicht, gegen die Resolution stimmen werde. Die Frage sei eine politische und gehöre nicht ins Stadtparlament. Herr Ott, Mitunterzeichner der Resolution, spricht für die Dringlichkeit, desgleichen nimmt der Antragsteller Herr König nochmals das Wort, um für den Antrag einzutreten. Vom Magistratstische wirb dem Vorsteher mitgetheilt, daß Herr König vor dem 13. April nicht in sein Amt eingeführt werden könne, da bis dahin Herr Lieber noch amtire. Darauf erklärt Herr Rechtsanwalt Ebe r - hard, daß nach diesem Aufschluß jeder Grund, die Dringlichkeit der Resolution anzuerkennen, fortfalle. Herr König zieht hierauf den Antrag auf Dringlichkeit der Resolution zurück; in die materielle Berathung derselben soll in der nächsten Sitzung eingetreten werden.
Verlegung des Meldeamts.
Für das städt. Meldeamt müssen weitere Räumlichkeiten beschafft werden, ohne Rücksicht darauf, ob das Arbeitsamt mit dem Meldeamt verbunden wird oder nicht. Der frühere Beschluß des Magistrats, für die Steuerverwaltung in dem Hause Marktplatz 1 Räume zu miethen, wurde ebenfalls rückgängig gemacht und sind für die Unterbringung beider Institute nunmehr Räume im Stadtschloß in Aussicht genommen und zwar die jetzt v. Buttlar'sche Wohnung, welche per 1. Juli zu kündigen ist. Referent befürwortet die Vorlage, auch schon deshalb, weil damit die Verwirklichung der Idee, das Arbeitsamt mit dem Meldeamt zu verbinden, in greifbare Nähe gerückt werde. Die Vorlage wird genehmigt.
Satzungen für die Sparkasse.
Die neuen Satzungen für die städt. Sparkasse erhalten
endgiltige Zustimmung.
Der Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 190L
Einleitend zu seinem Referat hierüber hebt Herr Küstner die erfreuliche Thatsache hervor, daß der Haushaltsplan ohne Steuererhshung und ohne Erhöhung des Schulgeldes balanzire, obwohl er mit einem Mehrbedürfniß vsn 76,630.75 M. gegen das Vorjahr abschlicßt. Der Etat selbst schließt ab in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 1,599,000.— M., im Ertra-Ordinarium mit 1,073,300.— M. Die Etatsansätze im Ordinarium sind aus nachstehender Tabelle ersichtlich. (Die Zahlen sind in runden Summen mit Auslassung der Pfg. mitgetheilt.)
Abcheilung.
Einnahme.
Ausgabe.
Voranschlag f. d. R. 1901.
Wk.
Gegen des Vorjahr
Voran-1 schlag f. b. R. 1901.
1 Mk.
Gegen daS Vorjahr
mehr Mk.
wenig. Mk.
mehr Mk.
wenig.
1 Mk.
I. Aus Vorjahren.
46000
—
—
40000
—
—
IT. Allgemeine Verwaltung.
a. Persönliche Einnahmen
300
125426
9005
bezw. Ausgaben
4330
—
—
b. Ruhegehälter u. bergt
c. Sächliche Einnahmen
5892
1499
—
16349
27260
—
1605
4040
bezw. Ausgaben
—
—
III. Vermögens-Verwaltung
a. Grundvermögen
b. Kapitalvermögen und
26827
328
15775
7472
367068
23817
1100
bergt bezw. Schulden
209300
—
—
IV. Steuer-Verwaltung.
834070
23570
—
105830
1630
V Bau-Verwaltung.
a. Hochbau
400
—
—
16460
—
300
b. Tiefbau
9413
35
—
109585
4035
—
c. Sielbau
20
—
—
16800
500
—
VI. Gemeide Anstalten und
Einrichtungen.
a. Märkte und Messen
13600
1500
4050
1140
—
b. WaageanstaUen
2303
—
1
luu
—
—
c. Aichamt
4400
200
—
3280
250
—
d. Feuerlösch- u. Rettungs wesen
e. Volksbad
—
—
—
4370
1300
—
_
f. Gewerbegericht
30
10
300
—
—
g. Arbeitsamt
—
—
—
—
—
2400
h. Arbeiterspeisehallen
55
—
—
35t
—
—
i. Oefsentliche Uhren
k. Latrinengruben - Entlee-
—
—
—
920
22815
170
3805
—
rung
21010
2000
—
—
VII. Bildungs-Anstalten.
a. Oberrealschule
66510
2810
—
128700
6100
—
b. Höhere Mädchenschule
28650
—
2700
57900
1500
—
c. Knabenmilteischule
14300
860
—
61300
4600
—
d. Mädchenmittelschule
128001
iiool
50250
2550
—
e. Knabenvolksschule
23700
2550
—
83800
4450
—
f. Mädchenvolksschule
26800
——
1250
86250
4400
—
g. Handelsschule
h. Gewerbl. Fortbildungs-
6750
2120
L851
—
12770
26400
2420
150
—
schule
14000
—■
—
i. Kleinkinderschule
5735
—
90
9300
520
—
k. Hilfsschule für Schwachbefähigte
—
—
—
2800
100
—
1. Schulhausbaustock
—
—
—
30000
—
—
m. Verschiedenes für Schulzwecke
63
2
—
9616
488
n. Stadtbüchersammlung
—
—
—
2500
—
—
o. Stadltheater
—
—
3215
50
—
VIII. Armenpflege und
Wohlthätigkeit.
a. Armenpflege
35200
2900
85050
1000
b. Wohlthätigkeit
—
—
—
5500
2000
—
IX. Reichs-Staatsangelegen
10687
700
32030
3730
heilen u. s. w.
—
—
X. Gewerbliche Betriebe.
Ueberschüsse und Zuschüsse der städtischen Betriebe:
1. Gaswerk
168000
33500
—
—
—
—
2. Wasserwerk
3. Elektrizitätswerk
4. Badeanstalt
14000
5000
23000
2550
23000
500
—
XI. Insgemein.
157
31
—
16332
2534
—
1599000
100841
5841
1599000
104445
9495
Ausgabe bezw. Zuschuß gleichen sich aus
1599000
—
—
—
—
—
—
—
—
—
—
—
Die heutige Rum«?«* umfaßt anßw dem «uteehuttuu-edlutt 12 «âeu
Herr Eberhard bemängelt die Mehransätze bei den Titeln Straßcnreinigung und Latrinenreinigung. Herr Oberbürgermeister Dr. G e b-r s ch u s erwidert, bvâ komme daher, daß man früher für die Straßenreinigung einen billigen Unternehmer gehabt Habe, während die Stadt dieselbe jetzt mangels eines solchen in eigene Regie nehmen mußte, was _ihr theurer komme; ein weiterer Grund seien die schlechten Straßenverhältnisse. Bei der Latrinenreinigung komme die Ursache davon her, daß immer mehr Aborte an die Kanalisation angeschlossen würden, wodurch eine Wenigereinnahme für den Verkauf von Latrine entstehe. Die Verminderung der Einnahmen rufe also hier die höheren Ausgaben hervor.
Zu dem ordentlichen Haushaltsplan gehört eine Sondervorlage, betr.
Errichtung eines Arbeitsamtes.
In der letzten Sitzung der Stadtv.-Vers. vom 14. Febr. war bereits eine diesbezügliche Vorlage von Seiten des Magistrats gemacht und ein Betrag von 2400 M. für die Errichtung ein s Arbeitsamtes zur Bewilligung vorgeschlagen. Doch war die Genehmigung für die sich allseitiger Sympathie erfreuende Vorlage daran gescheitert, daß vom Magistrat für die Sielle des Vorstehers des Arbeitsamtes ein Militäranwärter vorgeschlagen war, was die Billigung der Stadtv.-Vers. nicht fand. Es wurde deshalb der Vorlage die Zustimmung verweigert und an den Magistrat das Ersuchen gerichtet, eine geeignetere Persönlichkeit vorzuschlagen, ev. auch ein höheres Gehalt zu bewilligen. Der Magistrat hat daraufhin beschlossen, von der Errichtung eines städt. Arbeitsamtes überhaupt Abstand zu nehmen. Auf die neuerliche Anregung dieser Angelegenheit in der Kommission durch Herrn Dr. Heraeus hat eine nochmalige Klärung der Ansichten iu einer sehr eingehenden Debatte stattgefunden, und wurde u. a. auch der Standpunkt vertreten, daß eine Verbindung des Arbeitsamtes mit dem Meldeamt wohl durchführbar und nutzbringend erscheine, welche Ansicht auch die Billigung des Herrn Oberbürgermeisters fand. Diese Idee war auch bereits früher erörtert worden, doch stand dem ein Hinderniß in den unzulänglichen Räumlichkeiten des jetzigen Meldeamlsbureaus entgegen. Nachdem sich jetzt doch eine Verlegung der gedachten Räumlichkeiten als nothwendig erwiesen hat, erscheint die Zusammenlegung beider Institute durchführbar. Herr Vorsteher Canthal schlug in der Kommission vor, den Magistrat zu ersuchen, seinen Beschluß rückgängig zu machen und den Betrag von 2400 Mk. erneut einzusiellen, ferner eine gemischte Kommission, bestehend aus je 3 Mitgliedern des Magistrats und der Stadlverord- neten-Versammlung einzusetzen, welche sich darüber zu verständigen haben werde, in welcher Weise die Angelegenheit geregelt werden solle. Dieser Antrag fand Annahme. Herr Oberbürgermeister Dr. Gebeschus erklärte hierauf, daß die Sachlage gegenüber dem letzten Stadtoerordneten-Leschluß eine ganz andere geworden sei und daß sich nunmehr auch eine Verständigung finden lassen werde; er werde es sich dann auch gewiß nicht nehmen lassen, zur Lebensfähigkeit des Arbeitsamtes nnd zu seiner Fortentwicklung nach Kräften beizutragen. Der Antrag der Kommission wird im Plenum ohne Debatte angenommen und die von derselben vorgeschlagenen Herren für die Arbeitsamtskommission einstimmig gewählt.
Der gefammte Etat im Ordinarium wird hierauf einstimmig angenommen.
JmExtraordinarium erscheint eine Sondervorlage, betr. Bewilligung von 6900 Mk. für
Herstellung erhöhten Cementtrottoirs in der Vor st adt.
Der Referent, Herr Lucht, bemerkt zu der Vorlage, wenngleich er die in Aussicht genommene südwestliche Seite der Vorstadt theilweise auch noch nicht für reparaturbedürftig halte, so empfehle er doch die Annahme wegen der Mißstände, welche z. Z. in der Vorstadt, namentlich an den Markttagen, infolge des starken Fuhrwerksverkehrs herrschen; dieselben würden zum Theil wenigstens durch einen erhöhten Fußsteig beseitigt. Herr Körner regt an, ob nicht auch die andere Seite mit berücksichtigt werden könne, welche doch in wesentlich schlechterer Verfassung wie die in Aussicht genommene sei, ferner werde sich dadurch der Verkehr auch mehr vertheilen. Herr Oberbürgermeister Dr. Gebeschus erwidert, das andere Trottoir dürfte zum Ablenken des Verkehrs kaum geeignet sein, da man hier im Sommer mit der prallen Sonnenhitze zu rechnen habe. Anßerdem sprächen noch andere Argumente gegen dieses Projekt, u. a. die zahlreichen vorspringenden Treppen und die hohen Kosten. - Die Magistratsvorlage wird angenommen.
Aufnahme von Darlehen.
^wei weitere Sondervorlagen im Extra-Ordinarium betreffen die Aufnahmen von Darlehen. Für noch ungedeckte Ausgaben, für das Gaswerk, sowie zur anderweiten Ver-