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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern des verein, ev. Waisenhauses i# Hanau.

Wlichts Organ für Stadt- und FandKreis Hanau

Erjchrmt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur : G. S ch r e ck e r in Hanau.

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Nr. 70.

Samstag den 23. März

1901.

Vom Kuren Krieg.

Die Frie-ensbe-ingnngen der englischen Regierung.

London, 22. März. Dem Parlament sind die Schrift­stücke über die Friedensverhandlungen mit den Buren nunmehr zugegangen. Nach diesen Berichten sind die Be­dingungen, welche.den Buren angeboten, von Botha aber abgelehnt worden, folgende: Sobald sich alle Burenstreitkräfte ergeben, gewährt die englische Regierung in den Kolonien Transvaal und Oranje Amnestie. Gegen die Engländer in­dessen, die aus Natal oder der Kapkolonie stammen, soll nach dem in diesen Kolonien während des Krieges zur Anwendung gelangten Ausnahmegesetz verfahren werden. Die auf St. Helena, Ceylon und anderswo in Kriegsgefangenschaft be­findlichen Buren sollen in die Heimath zurückbefördert werden. Die jetzige Militärverwaltung soll durch eine Verwaltung als Kronkolonie ersetzt werden. Es soll ferner in weitestem Maße Selbstregierung zugestanden werden. Das Kirchen­eigenthum, der Besitz öffentlicher Gesellschaften, die Fonds für die Waisen, sollen respektirt werden. Die englische und holländische Sprache solle in gleicher Weise zur An­wendung gelangen. Die englische Regierung kann nicht ver­antwortlich gemacht werden für die Schulden, welche die letzten republikanischen Verwaltungen gemacht haben, ist aber bereit, eine Summe von nicht über einer Million Pfund Sterling zur Deckung von Schadenersatzansprüchen von den Buren zu bewilligen. Den Farmern soll für ihre Verluste im Kriege ein Beistand durch eine Anleihe gewährt werden. Kriegssteuer sollen die Farmer nicht bezahlen. Diejenigen Burghers, welche des Schutzes von Feuerwaffen bedürfen, sollen die Erlaubniß erhalten, Waffen zu tragen, wenn sie sich einen Erlaubnißschein geben und in die Liste eintragen lassen. Den K a ff er n soll in beschränktem Maße das S t i m m- recht gewährt werden. Wenn eine das Volk vertretende Regierung eingerichtet ist, soll die gesetzliche Stellung der Farbigen in ähnlicher Weise geregelt werden wie in der Kapkolonie.

Unter den Schriftstücken befinden sich folgende Telegramme: Ein Telegramm, worin Kitchener über die Unterredung mit Botha am 28. Februar in Middelburg berichtet:Ich lehnte ab, mit Bolha über die Frage der Unabhängigkeit zu sprechen. Botha hätte gern gesehen, wenn gleich eine re­präsentative Verwaltung eingerichtet würde, schien aber auch befriedigt über die Einrichtung, der Kronkolonie. Botha fragte, ob den Buren erlaubt sei, Gewehre zum Schutze gegen die Eingeborenen zu behalten und legte namentlich Gewicht auf die Frage, ob Großbritannien die legalen Schulden der Re­publiken, auch die während des Krieges gemachten, übernehmen würde. Botha schien nichts dagegen zu haben, daß den Auf­ständischen aus den Kolonien das Wahlrecht entzogen würde. In einem zweiten Telegramm vom 3. dss. übermittelt Milner Chamberlain die Bedingungen Kitcheners, der Botha nur in dem Punkte beschränkte Amnestie anbot, daß die bri­tischen Unterthanen, die gegen England gekämpft haben, das Wahlrecht verlieren. Milner ist gegen die Amnestirung der Aufständischen, die in Natal und der Kapkolonie eine beklagens- werthe Wirkung hätte.

In einem Telegramm vom 6. März theilt Chamber­lain Milner mit, es müsse ausgesprochen werden, daß die Uebergabe alle Buren einschließen müsse, nicht Botha allein. Chamberlain ist mit Milner der Ansicht, daß die Am­nestirung der Rebellen nicht räthlich ist, und bemerkte nur die Burghers und Kolonisten, welche Kriegsgefangene seien, sollten nach Südafrika zurückgeschafft werden, die Aus­länder müßten in die Heimath zurückkehren. Die Re­gierung könne nicht auf das Recht verzichten, das Kriegs­recht zu proklamiren, wo sie es für nöthig halte, er weist daher Milner an, sich folgendermaßen auszudrücken : Die militärische Verwaltung wird thunlichst bald aufhören, statt, wie Kitchener vorschlage, das Kriegs­recht wird sofort aufhören. Chamberlain erachtet das Versprechen Kilchener's die legalen Schulden des Staates zu bezahlen, selbst wenn sie während der Feindseligkeiten gemacht wurden, für gefährlich, da es schwierig sein werde, die Summe aus eine Million zu beschränken, ist aber einverstanden, zur Deckung vor dem Gericht erhobener Schadenersatz-Ansprüche eine Million Pfund zu reserviren. In der Klausel, welche den Farmern Unterstützung zusichert, setzt Chamberlain die Worte durch eine Anleihe" hinein. Bezüglich der Kaffern sagt er, er könne nicht einverstanden sein, den Frieden damit zu er­kaufen, daß man die farbige Bevölkerung in der Stellung belasse, die sie vor dem Kriege inne hatte.

Milner erwidert in einem Telegramm an Chamberlain vom 9. März: Er und Kitchener seien gegen die Einfügung der Wortedurch eine Anleihe", da die Buren hierin Mittel

wittern könnten, die Farmen in die Hände der Regierung zu bekommen, sie hätten aber wegen den mit der weiteren Ver­zögerung verbundenen Unzuträglichkeiten sich schließlich darin gefügt, diese Worte im Vertrage stehen zu lassen.

London, 22. März. (Unterhaus.) William Redmond fragte an, ob mit Rücksicht auf den Abschnitt des englisch-deut­schen Abkommens, der für die Aufrechterhaltung der Inte­grität des chinesischen Reiches eintritt, die eng­lische Regierung bei der deutschen Regierung anfrage, ob be­züglich des Vorgehens Rußlands in der Mandschurei irgend ein Schritt beabsichtigt sei. Cranborne antwortet: Die russische Regierung erklärte wiederholt, es sei ihre Absicht, die Integrität Chinas zu achten, und.die englische Regierung habe keine Kennt­niß davon, daß Rußland die Integrität verletzte. Redmond fragt weiter an, ob von den Führern der Buren kürzlich Bedingungen mitgetheilt seien, worunter diese bereit seien, dem Krieg ein Ende zu machen. Chamberlain erklärt, es sei dies, abgesehen von der Besprechung, die Botha mit Kitchener gehabt habe, nicht der Fall. Trevelyan fragt an, welcher Theil der von der englischen Regierung gestellten Bedingungen die Ablehnung seitens der Buren hervorgerufen habe. Chamberlain erklärt, er habe keine weiteren Mittheilungen, als diejenigen, welche in der Korrespondenz enthalten seien, die heute zur Vertheilung ge­langt sei. Campbell-Bannerman bringt einen Vertagungantrag ein, zwecks Besprechung einer dringenden politisch wichtigen An­gelegenheit, nämlich des Versäumnisses der Regierung, das darin liege, daß sie dem Unterhaus die Mittheilung über den kritischen Stand der Dinge, die sie an das Oberhaus gelangen ließ, nicht habe zukommen lassen; er führt aus, die Lage der Dinge in Tientsin hätte im ganzen Lande eine große Unruhe hervorgerufen. Die Vertreter des Volkes hätten davon unterichtet werden müssen. Balfour erwidert, niemals sei ein Antrag auf Vertagung unter einem frivoleren Vorwand gestellt worden. Hätte Campbell-Bannerman seine Anfrage an­gekündigt, hätte das Haus eine ähnliche Mittheilung erhalten, wie die, die dem Oberhause zu Theil geworden sei. Nach einer lebhaften Debatte wird der Antrag Campbell-Bannerman mit 250 gegen 168 Stimmen abgelehnt.

Kunst und Leben.

Frankfurter Ouaeteitvereinigung. Frankfurt a. M., 22. März. Die Herren Hock, Dippel, Alle- ko t t e und A p p u n n haben es verstanden, durch vorzügliche Leistungen das Vertrauen des Publikums zu gewinnen. In ihrem dritten und letzten Kammermusikabend haben sie gestern der Reihe ihrer Konzerte die Krone aufgesetzt. Ganz beson­ders war die Wiedergabe des Mozart-Quartettes in C-dur geeignet, die Sympathien für die jungen, strebsamen Künstler zu erhöhen. Denn, da wo Fleiß und künstlerische Fähigkeiten zusammenwirken, um sich in den Dienst unserer größten Meister zu stellen, muß es einen guten Klang geben. Und den gab es auch. Das reizende Quartett von Mozart war so sauber und nett ausgefeilt, wurde mit solch aufrichtiger Begeisterung gespielt, daß es jedem Musikliebenden eine helle Freude sein mußte, zuzuhören. Das Andante mit dem innigen Zwiegespräch zwischen erster Violine und Violoncello wirkte ganz besonders durch den schönen Ton, den die Träger der Melodie zu entwickeln wußten. Nicht minder eindrucksvoll gelangte unter Mitwirkung der Herren Prof. Naret- Koning und Sand by das erste Sextett in B-dur von Brahms zum Vortrag. Jeder Satz dieses von der Sonne Beethovens beschienenen Werkes birgt neue Schönheiten, und man erfrischt sich bei jedesmaligem Anhören von Neuem an den sorglos heiteren Melodien und den üppigen Klang­wirkungen, die der Komponist aus seiner unerschöpflichen Phantasie heraus erfinden konnte. Zwischen Mozart und Brahms trat Robert Schumann mit dem Klavier-Quartett in Es-dur. Herr Engesser, ein Künstler, der für die unergründlichen Tiefen eines Brahms stets den rechten Ton findet, sand ihn begreiflicher Weise auch bei der verwandten Natur Schumanns. Daß technisch alles tadellos war, bedarf keiner Erwähnung. Er wurde schon bei seinem Auftreten mit lebhaften Beifall begrüßt, der sich nach seinem Spiel zur Be­geisterung steigerte.- Auch die Leistungen der Herren Quartet- tisten, die auf den Verlauf ihrer diesjährigen Konzerte mit Recht stolz sein können, wurden von dem äußerst zahlreichen Publikum reichlich mit Applaus belohnt.

Wo steht der neue Stern, durch den nach der An­nahme einiger Astronomen eine Welt-Katastrophe herbeigeführt werden soll? Man schreibt: Nicht bloß in Fachblättern, auch in den verschiedensten Tagesblättern ist in der letzten Zeit viel geredet worden von dem neuen Stern, der im Sternbild Perseus erschienen ist. Doch unter 100 Lesern der Tages­blätter werden sich keine 3 finden, welchen das Sternbild

Perseus bekannt sein dürfte. Sehr leicht jedoch läßt sich der neue Stern finden nach folgenden Angaben. Jedermann, auch jedes Schulkind auf dem platten Lande kennt die Sterngruppe Gluckhene" und den Polarstern. Letzterer steht ja bekanntlich in der Verlängerungslinie der Hinterräder des Wagens. Zieht man von der Gluckhenne nach dem Polarstern eine gerade Linie, so trifft diese im ersten Drittel die Spitze eines von 3 hellen Sternen im Perseus gebildeten gleichseitigen Dreiecks und geht durch den Mittelpunkt der Querlinie (diese liegt nach der Gluck zu) und trifft auch in der Mitte des Dreiecks den neuen Stern, welcher vor wenigen Tagen durch sein intensiv rothes Licht sich kennzeichnete, nicht unähnlich einer glühenden Kohle im Aschehaufen. Um ganz sicher zu gehen, sei hier noch eine weitere Angabe: Mit anbrechender Dunkelheit steht über uns ein Stern erster Größe, Capella im Fuhrmann. In seiner Nähe, etwa in der Entfernung von zwei Rädern des Wagens, steht ein Stern zweiter Größe. Verbindet man Beide und verlängert über Capella, so treffen wir ebenfalls den neuen Stern.

Hue aller Melt.

Jack the Kipper in -er Pfalz. Aus Ludwigs­hafen wird geschrieben: In den letzten Wochen werden regel­mäßig in entlegeneren Stadttheilen auf einsamen Wegen von einem anscheinend irrsinnigen perversen Verbrecher imMonden­schein" lustwandelnde Liebespärchen überfallen. Auch Mädchen, die spät abends in die Stadt zum Einkauf gesandt werden, bedroht der Unhold. So wurde eine junge Arbeiterin, die mit ihrem Geliebten nächtlich am Mundenheimer Bahndamm lust­wandelte, plötzlich durch zwölf Stiche in den Unterleib auf den Tod verwundet, ihr Freund, als er sich zur Wehr fetzte, gräß­lich verstümmelt. Der junge Mann schleppte sich nach der nächsten Polizeiwache, während seine Geliebte auf der Straße liegen blieb. Das Attentat geschah blitzschnell; der Thäter ent­floh. Ein ähnlicher Fall ereignete sich zum ersten Male vor einigen Wochen. In geradezu barbarischer Weise wurde eben­falls auf der Mundenheimer Chaussee in einer Sonntagsnacht ein Pärchen überfallen und das Mädchen dabei am Unterleib durch Dolchstiche verwundet. Man glaubte anfangs an den Racheakt eines verschmähten Liebhabers der Verletzten. Die Ludwigshafener Polizei recherchirte aber vergeblich in dieser Richtung. Eine Woche später ereignete sich ein ähnlicher Fall; nur war das Opfer, das glücklicherweise nur leicht verletzt wurde, diesmal ein vom Einkauf nach Hause eilendes, einer besseren Familie zugehöriges junges Mädchen. In den Ludwigs­hafener Vororten herrscht infolge all' dieser Vorkommnisse jetzt eine förmliche Panik. Kein Dienstmädchen wagt sich mehr über die Straße; keine verheirathete Arbeiterfrau kauft mehr abends ein, sie schickt ihren Mann zumKaufmann"! Hoffentlich wird die Behörde bald Mittel und Wege finden, um des Uebel­thäters habhaft zu werden und der Bevölkerung ihre Ruhe wiederzugeben.

Mutterglück im Souffleurkasten. Aus Berlin wird geschrieben: In einem Vergnügungslokal des Frankfurter Viertels feierte ein Theaterverein sein Stiftungsfest und führte Hasemanns Töchter" auf. Das Amt der Soufleuse hatte die Gattin eines Kaufmanns B. Während des zweiten Aktes hörten die in den Vorderreihen Sitzenden plötzlich aus dem Innern des Soufleurkastens dumpfes Geschrei. Die Darsteller unterbrachen sich und starrten nach dem Blechkasten. Gleich darauf fiel der Vorhang. Des Publikums bemächtigte sich Schrecken, da trat der Vorsitzende vor den Vorhang und ver­kündete unter lautloser Stille, daß die Vorstellung abgebrochen werden müsse, weil die Souffleuse Frau B. soeben eines ge­sunden Knâbleins genesen sei. Der nun losbrechende Lärm spottet jeder Beschreibung. Während Mutter und Kind in einem Krankenwagen weggeschafft wurden, ließ man den so­eben angelangten Weltbürger ein über das andere Mal hoch­leben und trug den glücklichen Vater auf den Schultern durch den Saal. Eine sofort veranstaltete Sammlung ergab ein ansehnlichesPathengeschenk", und der Vorstand des Vereins verpflichtete sich, dasTheaterkind" aus der Taufe zu heben.

Verurteilung eines Oberarztes. Das Kriegs­gericht der zwölften Division verurtheilte den Oberarzt Dr. Pientka aus Breslau wegen Gehorsamsverweigerung zu zwei Monaten und einer Woche Festungshaft und Dienstentlassung. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentuch- keit statt. . , _ . .

Fünffache Hinrichtung. Vor einiger Zert wurde in Czenstochau ein Werkmeister ermordet, wert er in dem Ver­dachte stand, russischer Polizeispion zu sein, welcher der Re­gierung über die sozialistische Organisation in Polen Mit­theilungen gemacht habe. Als Mörder wurden fünf Arbeiter ermittelt und verhaftet; sie sind jetzt in der Warschauer Zita­delle durch den Strang hingerichtet worden.