Drittes Blatt.
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General-Anzeiger
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ANtiichks Organ für Statt* und ZMKms ZMM
Erfchrint täglich ir.it Aw^NrchM der Sonn- und Friertags, mit belletristischer Beilage.
Derantivsrll. Nedakteur: G. Schrecker'in Hanau.
Nr. 70. Samstag dc« 23. März 1901
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politischer MocKenbericKt.
Im Reichst age, der während der verflossenen Woche auf sein dreißigjähriges Bestehen zurückblicken konnte, hat die Berathung der zweiten Forderung für die China-Expedition statt gefunden. Bei dieser Gelegenheit nun wie auch bei der dritten Lesung des Etats gab der Reichskanzler Gras v. Bülow eingehende Auskunft über die Tinge in China. Unsere ostasia- tischen Interessen sind danach rein wirtschaftlicher Natur, und auch das deutsch-englische Yang« se-Abkommen ist unter ausschließlich wirt' schaftlichem Gesichtspunkte zu beurtheilen. Dasselbe bezieht sich nicht auf die Mandschurei, und überhaupt ist uns die ganze mandschurische Frage gleichgiltig, obschon wir im Allgemeinen selbstverständlich wünschen müssen, daß China sich nicht auf dem Wege von Sonder-Verträgen wichtiger Vermögens-Objekte entäußert, ehe es seinen finanziellen Gesammt-Verpflichtungen gegenüber den verbündeten Mächten nackgekommen ist. Von einer Jsolirung Deutschlands in China ist keine Rede und ebenso wenig von irgendwelchem deutschrussischen Gegensatze. Die Ausführungen des Grafen v. Bülow sind im Inlande wie Auslande mit fast allseitiger Zustimmung ausgenommen worden, und insbesondere hat auch der russische Minister des Auswärtigen unserem Petersburger Botschafter Grafen Alvensleben feite lebhafte Genugthuung über dieselben geäußert. — Im Reichstage gab es zwischen dem Abgeordneten Stöcker und mehreren sozialdemokratischen Abgeordneten auch einen Rede-Kampf, der mit einer kläglichen Niederlage d:r Sozialdemokratie endete. Schon daß die Sozialdemokraten auf die Stöckerschen Darlegungen nur mit öden Schimpfereien und persönlichen Ausfällen zu antworten wußten, zeigt, auf wessen Seite das stärkere Recht war.
Leider erscheint das Einvernehmen der Mächte in China augenblicklich durch die Streitigkeiten zwischen Engländern und Russen über das Tientsiner Bahngeleise ein wenig getrübt. Daß aber auS dieser geringfügigen Veranlassung ein ernster Konflikt erwachsen könnte, darf man getrost als ausgeschlossen ansthen, und es ist mit Sicherheit zu hoffen, daß die unerquickliche Situation der gegenseitigen Ueberwachung demnächst von den beiden Regierungen beseitigt werden wird. Was von der Meldung ernes weiteren russisch-englischen Zwischenfalls zu halten ist, wonach ein englischer Konsulats- Wächter in Niutfchwang von Kosaken getödtet sein soll, bleibt abzuwarten.
Als ein erfreuliches Zeichen der Festigkeit und Herzlichkeit deutsch-österreichischer Beziehungen darf die Thatsache gelten, daß der Kronprinz des deutschen Reiches sich Mitte nächsten Monats auf Einladung Kaiser Franz Josefs nach Wien begiebt, um dort einige Tage als Gast am österreichischen Kaiserhofe zu weilen.
Feuilleton*
Die amerikanische Dausfrau.
Eine Studie von Emil Berdau.
(Nachdruck verboten.)
Seitdem die Nordamerikaner ihr Debüt auf der politischen Weltbühne machten, haben sie es verstanden mehr als das vorübergehende Interesse aller zivilisirten Völker auf sich zu ziehen. Die Schüsse vor Cavite tragen noch immer ihre Schallwellen über die Erde und wecken die Aufmerksamkeit auf das im großen Westen in verhältnißmäßiger Stille herangewachsene Volk immer und immer wieder. Und mit Recht. Denn von keinem Volke der Erde können wir Europäer, und vor allen Dingen wir Deutschen, mehr lernen, als vom Volke der großen Republik der neuen Welt.
Ein Volk ist aber das, wozu es seine Mütter machen, denn der Spruch, daß die Welt aus der Kinderstube her regiert werde, gilt auch mehr als anderswo drüben überm Ozean. Es ist daher ganz in der Ordnung, wenn wir den Leser einmal auf die Schöpferinnen des größten Republikanervolkes der Erde ein wenig aufmerksam machen und uns^ die amerikanische Hausfrau in diesen Zeilen ein wenig näher ansehen.
Dem Leser einen erschöpfenden Einblick in das amerikanische häusliche Leben zu geben, müssen wir uns jedoch von vornherein der ungeheuren Vielseitigkeit und Vielartigkeit desselben wegen versagen. Was wir liefern wollen, soll ein Durchschnittsbild der amerikanischen Hausfrau als solcher sein und betrachten wir dieselbe daher in Bezug auf ihre Charaktereigenschaften im Allgemeinen.
Eine der hervorragendsten Charaktereigenthümlichkeiten der amerikanischen Hausfrau wie aller Amerikanerinnen, jung oder alt, ist ihre große Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit. Ich stelle diese Eigenschaft allen übrigen voran, weil keine andere
Wie sehr man überhaupt in den leitenden Kreisen Oesterreichs gewillt ist, an den bisherigen Bundesverhältnissen festzuhalten, beweist die Entschiedenheit der Sprache, mit welcher kürzlich von der offiziösen Wiener Presse die Versuche einzelner französischer Blätter, Mißtrauen zwischen Oesterreich und seinen Verbündeten zu säen, zurückgewiesen worden sind. Das parlamentarische Leben Oesterreichs zeigt augenblicklich einen ruhigen Gang, hoffentlich dauert dieser Zustand recht lauge an.
In Sü d a f r i k a hat B o t h a die englischen Kapitulations- Bâingungen nunmehr endgiltig zurückgewiesen. Ob der kluge Burenführer die Möglichkeit eines Friedensschlusses überhaupt ernsthaft ins Auge gefaßt hatte, oder nur Zeit gewinnen wollte, um seine Streitkräfte wieder zu sammeln und um sich mit den anderen BurengenerÄleu über die weitere Fortführung des Feldzuges zu verständigen, läßt sich noch nicht beurtheilen. Soviel aber darf man wohl jetzt annehmen, daß Lr in der Zwischenzeit nicht unthätig geblieben sein wird. Das Ende des Krieges .erscheint danach von Neuem in nebelhafte Ferne gerückt, und Tod und Elend werden weiter wüthen, zumal auch die P e st sich immer unheimlicher bemerkbar macht.
In England hat der Brodricksche Heeresreform-Plan den Beifall des Parlaments gefunden, und auch die weit- gehsnden Marine-Forderungen dürften keinem ernsten Widerstände begegnen. Das britische Thronfolgerpaar aber hat die Reise nach den Kolonien angetreten, um dort durch seine Gegenwart für die imperialistische Idee zu wirken. Rußland und Ungarn leiden unter Studenten-Un- ruhcn, und in F r a n k r e i ch hat der Marseiller Streik zu argen Plünderungs-Szenen geführt, während sich die parlamentarische Debatte über das Vereinsgesetz langsam hinwindet und dem Gegensatze zwischen dem klerikal-monarchistischen und dem antiklerikal-republikanischen Lager immer neue Nahrung zuführt.
handel, Gewerbe und Verkehr.
Berliner Marktbericht. An den amerikanischen Märkten hat in der am 20. d. M. beendeten Berichtswoche die für eine Aufwärtsbewegung der Preise thätige Spekulation das Uebergewicht gehabt. Umstände verschiedener Art haben mitgewückt. Vor Allem hat das wider Erwarten hohe Zurückbleiben der argentinischen Ausfuhr gegen das Vorjahr die Hausse-Spekulation zu entschiedenem Vorgehen veranlaßt, zumal da die Weizenvorrätbe in Rumänien und in Süddeutschland anscheinend verhältnißmäßig gering find. Ferner tauchten Gerüchte auf, daß man in England den seit dem Jahre 1869 abgeschafften Registrirzoll von 1 Schilling pro Quarter wieder
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den Fremden, sowohl als Neuling oder ^greenborn" als auch als Naturalisirten und längst mit der Gesellschaft und den Landessittten Vertrauten, so sehr anheimelt und gefangen nimmt. Im höchsten Grade entwickelt findet man diese Eigenschaft bei den amerikanischen Hausfrauen angelsächsischer Abkunft, weniger, aber auch immer noch in hohem Maße ist sie »bei denen deutschen oder irischen Stammes bemerkbar. Wer der amerikanischen Hausfrau höflich naht, der wird förmlich überschüttet mit oft von äußerst feinem Taktgefühl zeugender Gefälligkeit und Zuvorkommenheit. Da ist kein herzerkältendes Standesvorurtheil, keine bigotte Prüderie, keine dummstolze Eigenliebe, kein zehrender Argwohn zu finden. Der Deutsche begeht gar oft die Thorheit, diese harmlose Herzlichkeit für etwas Anderes zu nehmen, als was sie in der That ist, und sich auf diese Weise nicht nur ernsthaften Enttäuschungen sondern auch der souveränsten Verachtung da auszusetzen, wo er sich erquicken und die Freiheit von ihrer schönsten, reinsten Seite kennen lernen könnte. Schreiber dieses hat dreizehn Jahre von dieser lobenswerthen Eigenschaft der Amerikanerinnen Zeuge sein dürfen und fühlt sich von Grund seines Herzens bewogen, ihnen diesen wohlverdienten Tribut auch von hier aus zu zahlen. Die amerikanische Hausfrau, wie alle Amerikanerinnen, hat ferner ein außerordentlich entwickeltes Selbstgefühl, um das sie unsere gesammte Mädchen- und Frauenwelt, mit sehr wenigen Ausnahmen, beneiden dürfte. Dieses Selbstgefühl ist ihr von ihrer Mutter anerzogen und von der Schule und den Lebensverhältnissen ausgebildet worden und sie und die Schule und das Leben vererben es der Nachkommenschaft. Die aus diesem innewohnenden Selbstgefühl heraus sich entwickelnde Selbständigkeit wird von unserer Frauenwelt gleich als Emanzipationssucht verschrieen, wohl mehr aus dem Grunde, aus welchem der Fuchs in der Fabel die Trauben „sauer" fand, als aus den Thatsachen. Wenn es in Amerika so etwas wie eine Frauenbewegung gibt, so hat dieselbe ganz andere und viel höhere Motive als die bei uns. Die Amerikanerin ist selbständig und will aus dieser Selbst
einzuführen beabsichtige, und schließlich wies man auf Grund der in China entstandenen Streitpunkte auf die Möglichkeit eines kriegerischen Zusammenstoßes zwischen England und Rußland hin. Die höchsten Preise der Woche konnten sich jedoch an den nordumerikanischen Plätzen nicht behaupten, weil über den Stand der Saaten fast ausschließlich Günstiges berichtet wird und die Ablieferungen der Farmer namentlich in letzter Zeit einen bedeutenden Umfang angenommen haben. Von den europäischen Märkten schlossen sich die englischen am bereitwilligsten der von Amerika ausgehenden Anregung an. Zögernd und vielfach schwankend verhielt sich Berlin. Es hatte dies seinen Grund in der geringen Bewegungsfreiheit, welche die spekulativ Thätigkeit hier hat. In Roggen blieb der Absatz wegen des darniederliegenden Mehlgeschäftes schwierig. Erst am letzten Tage kam auf dem Berliner Getreidemarkte eine starke Preissteigerung zum Durchbruch. Den Anlaß gab das rauher gewordene Wetter, auch wurden Klagen laut über den Stand der Weizenfelder. Die Festigkeit Berlins ist um so bemerkenswerther, als sie im Gegensatz zu der inzwischen in Amerika nach den letzten Marktberichten eingetretene Abschwächung steht. Einer bedeutenden Preissteigerung für Hafer wirkte die Erwartung südrussischer Waare entgegen. Mais folgte im Allgemeinen der von Amerika ausgehenden Anregung. Die Preissteigerungen betrugen gegen den Schluß der vorigen Berichtswoche bei Weizen 2’/* Mk., bei Roggen ^i Mk., bei Hafer 1 Mk., bei Mais 3 * Mk. Die Schlußpreise für Mai stellten sich am 20. er. für Weizen auf 161,75 Mk., für Roggen aus 142,75 Mk., für Hafer auf 137,75 Mk., für Mais auf 107,50 Mk.
Preise des städtischen Schlachtviehmarktes (Preise für 100 Pfund Schlachtgewicht): Ochsen beste Qualität 62—65 Mk., geringere 48—60 Mk., Bullen beste Qualität 59—62 Mk., geringere 46—58 Mk., Kühe beste Qualität 51—53 Mk. geringere 38—50 Mk., Kälber beste Qualität 66—70 Mk., geringere 35—60 Mk., Schafe beste Qualität 59—62 Mk., geringere 45—57 Mk., Schweine beste Qualität 55—56 Mk., geringere 48—54 Mk., Sauen 50—52 Mk.
Schiffsbericht.
Der Hamburger Dampfer „Batavia" ist am 19. März wohGchalten in New-Dork eingetroffen.
Hamburg, 20. März. Der Dampfer „Saxonia" von der Hamburg-Amerika-Linie ist gestern in Penang und der Dampfer „Polaria" vorgestern in St. Thomas eingetroffen.
Bremen, 21. März. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Aller" ist gestern in New-Aork und der Dampfer „Borkum" DOrgeftem in Galveston eingetroffen.
ständigkeit nur die äußersten Konsequenzen ziehen; die Deutsche aber ringt erst nach der Selbständigkeit und das ist völlig zweierlei. Das Ringen nach der Selbständigkeit an sich hat die Amerikanerin nie nöthig gehabt, dazu waren und sind noch die Verhältnisse ihres Vaterlandes viel zu freie und spielraumgewährende. — Sodann besitzt die Amerikanerin durchweg einen glühenden Patriotismus, 'den sie und die Schule ihrer Nachkommenschaft einfloßt und erhält. Für sie existirt nur ein Land, ihr herrliches freies Heimathland, das sie mit der ganzen Gluth ihrer Seele umfaßt und für welches ihr kein Opfer zu schwer ist. Dieser Patriotismus ist aber kein nur oberflächlich eingedrillter, o nein, die amerikanische Hausfrau kennt die Verfassung ihres Landes, sie weiß, daß ihre Regierung eine Regierung „des Volkes, durch das Volk und für das Volk" ist. Sie darf sich ungescheut mit ihrer Regierung indentifiziren, und darum geht sie auch Mes das unmittelbar an, was dieser Regierung und damit das Volk selbst interessirt. So ist Patriotin nicht nur im Krieg, worin es die Frauen anderer Völker ihr nachmachen dürfen; sie ist auch Patriotin im Frieden, und darin hat sie wenige auf Erden ihresgleichen. — Die amerikanische Hausfrau ist Durchaus nicht arbeitsscheu, wofür man sie diesseits des Ozeans so gerne und mit einer gewissen Selbstgefälligkeit zu verschreien pflegt. Daß sie es sich, wenn es die Mittel ihres Gatten oder die eigenen erlauben, gern ^bequem macht wer wollte es ihr verargen oder den ersten Stein auf sie werfin? Darin aber liegt ihr großer Vorzug: sie scheut dw Arbeit niot, wenn kümmerliche Verhältnisse oder finanzielle Bedrängnisse ihres Gatten es auf kürzere oder längere Zeit erheischm. Sie kennt eben nicht das bornirte Kleben am LtandeH- Herkommen; sie hat den Muth, das Diktum, „ChrliH Arbeit schändet nicht", in der That umzusetzen, statt er unbeqriffen und pharisäisch ihren ausländischen «chwestern nackzuleiern. Schreiber dieses hat die gebildetsten amerikanischen Hausfrauen mit bis zum Ellenbogen und darüber hinaus aufgerollten Aermeln am Backtroge Brod kneten sehen,