Einzelbild herunterladen
 

Erstes Blatt.

BeW^PrriS:

Kierteljährltch 1,80 MK, monaüâ- 6<^ - Pfa., füy aus- »äxtige AdcmmMèN mit hèMtvdi« Pastausschtag, Die «inzâ« NmkM«r Wèt-M.

Aedrvckt und verlegt in dH VuHdrsckerri> deS vtteir» ev. Watseohau^es in Hannu.

General-Anzeiger.

Amtlichts Organ für Stadt- und FaudKreis Kanan.

Einrückungsgedühr:

$üt Stadt- und Landkreis Haumr 10 Pfg. die fünf» gkspâÜèns-PeMzeils odet deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im ReklaweMheit die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

^EM^WJ! JIW1 um in'"*

Trschrmt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwortl. Redakteur: G. S ch redet in Hanau.

Kr. 63.

Freitag dm 15. März

1901

BS®B8WSy|

Amtliches.

Stadtkreis Panau. Bekanntmachung.

In Berfolg meiner Veröffentlichung vom 9. v. Mts. ? 1314 wird hiermit der Ausbruch der Brustseuche auch mter den Pferden der 1. Eskadron des Thüringischen Ulanen- Kegiments Nr. 6 hier bekannt gegeben.

Hanau den 15. März 1901.

Königliche Polizei-Direktion.

P 2305 I. A.: gez. Valentiner, Reg.-Assessor.________

Candhreis Danau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Bekanntmachung

betreffend die Einrichtung von Sitzgelegenheit für Angestellte in offenen Verkaufsstellen vom 28. No­vember 1900. Auf Grund des § 139 h Abs. 1 der Gewerbe- Ordnung hat der Bundesrach über die Einrichtung von Sitz­gelegenheit für Angestellte in offenen Verkaufsstellen folgende Bestimmungen erlassen:

1. In denjenigen Räumen der offenen Verkaufsstellen, in welchen die Kundschaft bedient wird, sowie in den zu solchen Verkaufsstellen gehörenden Schreibstuben (Kontoren) muß für die daselbst beschäftigten Gehilfen und Lehr­linge eine nach der Zahl dieser Personen ausreichende, geeignete Sitzgelegenheit vorhanden sein. Für die mit der Bedienung der Kundschaft beschäftigten Personen muß die Sitzgelegenheit so eingerichtet sein, daß sie auch wäh­rend kürzerer Arbeitsunterbrechungen benutzt werden kann. Die Benutzung der Sitzgelegenheit muß den be­zeichneten Personen während der Zeit, in welcher sie durch ihre Beschäftigung nicht daran gehindert sind, gestattet werden.

2. Unberührt bleibt die Befugniß der zuständigen Behörden, im Wege der Verfügung für einzelne offene Verkaufs­stellen (§ 139 g der Gewerbeordnung) oder durch all­gemeine Anordnung für die offenen Verkaufsstellen ihres Bezirks (§ 139 h Abs. 2 a. a. O.) zu bestimmen, welchen besonderen Anforderungen die Sitzgelegenheit in Rücksicht auf die Zahl der Personen, für welche sie bestimmt ist, sowie hinsichtlich ihrer Lage und Beschaffen­heit genügen muß.

3. Die vorstehenden Bestimmungen treten mit dem 1. April 1901 in Kraft.

Hanau den 11. März 1901.

Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.

P 2052 v. Schenck.

familien mit Kindern bevorzugt!

Zur Frage der Dienstbotennoth veröffentlicht die Neue badische Landeszeitung" folgende lehrreiche Mittheilung: Ein Leser übersendet uns das Ergebniß einer Umfrage, die er auf eigene Faust veranstaltet hat. Er hatte Ende voriger Woche nachstehende Anzeige erscheinen lassen:

Junges kräftiges Mädchen, welches kochen u. alle häusl. Arbeiten verrichten kann, s. aufs nächste Ziel Stell. Es wird weniger auf Lohn als auf gute Behandlung ges. Fam. mit Kindern bevorz. Offert, unter Nr. 13206 an die Exped. ds. Bl.

Er wollte feststellen, wie viele und was für Briefe auf diese Anzeige hin einlaufen würden. Er hat sich also eine kleine Irreführung des Publikums erlaubt, über die wir ihm um so weniger böse sind, als er uns das ganze eingegangene Material zur Verfügung gestellt hat.

Nicht weniger als vierzig Zuschriften waren auf dieses Angebot hin eingelaufen und zwar Zuschriften aus allen mög­lichen Gesellschaftskreisen, was aus Form und Stil ersichtlich ist; Zuschriften auf einer einfachen Postkarte, auf einem der jetzt seltener gewordenen Kartenbriefe, auf einer Mittheilung mit Firma, auf satinirten und unsatinirten, parfümirten und unparfümirten, altmodischen und hochmodernen Briefbogen. Sie alle sprechen den Wunsch ihrer Schreiber aus, das junge kräftige Mädchen für ihren Haushalt zu gewinnen, das in allen Arbeiten erfahren ist, mehr auf gute Behandlung als auf hohen Lohn sieht und obendrein Familien mit Kindern bevorzugt.

Der Satz:Es ist der Ton, der die Musik macht", gilt auch hier. Man muß diese Zuschriften lesen, und man wird sehen, daß das frühere Verhältniß zwischen Herr­schaft und Dienstboten sich völlig verschoben hat. Wie lange ist es her, daß die Dienstboten über grobe Behandlung, Mangel an Rücksicht klagten! Aus allen uns vorliegenden

Stadtkreis Danau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Der in der Schweinekuttelei aufgestellte, seit 1897 in Betrieb befindliche, und noch gut erhaltenestehende Röhren­kessel" einschl. Blechschornstein, eiserne Treppe und Gallerie ist sofort zu verkaufen.

Der Kessel har 1,10 m lichten Durchmesser, 15 qm Heiz­fläche, 7 cm Ueberdruck und ist 3,50 m hoch, der Blechschorn­stein ist ca. 8 m hoch.

Zeichnung mit Revisionsbuch und Bedingungen liegen von heute an werktäglich während der Sprechstunden von 10 bis 12^8 Uhr vormittags im Stadtbauamt Abth. 1 Zimmer Nr. 23 des Rathhauses, für Interessenten auf, woselbst auch die Angebote verschlossen mit der AufschriftVerkauf des stehenden Röhrenkessels im Schlachthof Hanau" bis zum 19» d M., vormittags 11 Uhr kinzureichen sind.

Hanau den 12. März 1901.

Der Magistrat.

_________________I. A.: Schmidt.____________4354

Gesundem und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 fast neues Taschenmesser, 1 rother Kinder-Filzhut mit schwarzem Band und schwarzer Feder, 1 katholischer Katechismus mit dem Namen Centner, Nord­straße 8.

Vom Wasenmeister am 14. d. Mts. eingefang e n: 1 schwarzer Spitz mit weißen Abzeichen und 1 gelber Bastard, beide m. Geschl.

Hanau den 15. März 1901.

Hus Stadt und £and.

Hanau, 15. März.

Versetzt Stationsverwalter Föhr von Heldenbergen- Windecken nach Wirges zum 1. April als Stationsvorsteher 2. Klasse.

* Musterung. Samstag den 16. März: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinde Fechenheim.

(?) Mangel an gedeckten Wagen. In jüngster Zeit ist auf den preußischen Staatsbahnen wieder empfindlicher Mangel an gedeckten Wagen eingetreten. Infolgedessen wird eine peinliche Ueberwachung in der Ent- und Beladung der Wagen ausgeführt.

(?) Vom Ostbahn hofe. Auf dem hiesigen Ostbahnhofe sind die großen elektrischen Läutewerke (Anmeldung der Züge) durch kleine Läutewerke ersetzt worden.

Zuschriften spricht das Bestreben, das Mädchen von . vorn­herein günstig für den Schreiber zu stimmen und durch alle möglichen Versprechungen zum Dienstantritt zu gewinnen. Es sind Briefe darunter, deren Schreiberinnen oder auch Schreiber denn ein ansehnlicher Prozentsatz ist von den Hausherren geschrieben auf ein, zwei, drei und gar vier Seiten ein in den rosigsten Farben gehaltenes Bild ihres Haushaltes entwerfen. Vier Seiten, um ein Dienstmädchen zu veranlassen, sich vorzustellen: was unsere Großmütter wohl dazu gesagt haben würden? Mehr als einer der Briefe ist mitSehr geehrtes Fräulein" überschrieben undHoch­achtungsvoll" unterzeichnet. Manerbittet höflichst" den Be­such des Fräuleins; fragt an, wann sie die Familiedurch ihren geschätzten Besuch erfreuen" will, oder wann es ihr paßt, die Damebehufs Rücksprache zu empfangen". Eine Schreiberinerlaubt sich", demwerthgeschätzten Fräulein" ihre Adresse einzusenden, eine andere bittet umgütiges Vor­kommen, falls Sie geneigt sind, meine Offerte berücksichtigen zu wollen". Und ein Herr schreibt wörtlich:Wenn Sie uns zur Besichtigung unserer Häuslichkeit morgen Nachmittag einen Besuch machen wollen, so bin ich überzeugt, daß Sie die Gewißheit mit fortnehmen, daß wir in jeder Beziehung Ihren Wünschen entspreche n." Mehr Höflichkeit kann man doch beim besten Willen nicht verlangen.

Eine Dame äußert sich folgendermaßen:Ich schreibe deswegen gleich, weil Sie in Ihrer Annonce eine Kinder- familie suchen; das findet man selten. Gerade das zog mich an, denn wer meinen Kindern gut ist, dem bin ich auch gut. Wir haben sieben Stück, wovon das älteste 15, das jüngste 7 Jahre alt ist. Wir haben viel zu arbeiten, aber nie mehr als man kann, da ich eine Frau habe, die immer noch hilft. Die Kinder sind keine von den sanften, doch wenn man Kinder gern hat, ist das leicht zu überwinden.

Ein anderes Schreiben führt aus:Ich suche wegen Selbständigmachung meines Mädchens, welches fast sieben Jahre im Hause ist, ein Mädchen, das gut kochen kann und etwas

6 Lillian Sanderson - Konzert. Frau Lillian Sanderson veranstaltete gestern Abend imDeutschen Haus" ein Konzert. Die Künstlerin, schon durch ihre äußere Erscheinung außerordentlich einnehmend, brachte eine größere Anzahl Lieder der berühmtesten Meister mit ihrer weichen und äußerst sympathischen Altstimme zum Vortwge und zeigte bei allen Darbietungen ihre ausgezeichnete Schule Frau L. Sanderson ist bekanntlich eine Schülerin Stockhausens - Frank­furt a. M. und ihre vollendete Vortragskunst, besonders die vortreffliche Gestaltungskraft, die sie in allen Gesängen, selbst im einfachsten und schlichtesten Liede bewährte, sicherte ihr einen vollen Erfolg. Die vielen herrlichen Lieder einzeln zu werthen, würde in dem Rahmen einer kurzen Besprechung zu weit führen. Nur sei noch bemerkt, daß jeder einzelne Vor­trag, seinem edlen Stimmungsgehalt entsprechend, tadellos zur Wiedergabe gelangte und der Künstlerin warmen Beifall ein­trug. Die Begleitung der Gesänge durch Herrn Ernst Hoff­zimmer war einwandfrei; er folgte der Intention der Sängerin aufs beste und unterstützte die gesanglichen Vorträge durch sein fein durchdachtes Spiel. Außerdem bewährte sich Herr Hoffzimmer als ausgezeichneter Solist auf dem Klavier in den Stücken von Chopin und Liszt rc. durch geläufige und saubere Technik, gepaart mit echter Wärme und zarter Empfindung. Auch ihm zollten die Zuhörer reichen Applaus. Leider war das Konzert schwach belügt. Jedenfalls waren die gesanglichen Vorzüge der Künstlerin hierorts nicht genügend bekannt.

* 25. Mittelrhsinifches JubUäums-KrcisLurn- fest. Bei Gelegenheit des letzten Kreisturnfestes in Wiesbaden im August 1899 wurde das 25. Jubiläums-Kreisturnfest der Stadt Offenbach a. M. übertragen, weil diese als Geburts­und Feststätte des 1. Festes im Jahre 1860 gewiß das meiste Anrecht dazu hat. Jetzt schon sind die Einzel-Ausschüsse sehr rührig und tapfer bei der Arbeit. Nach den Vorbereitungen zu schließen dürste das Fest einen großartigen Verlauf nehmen und sei hierüber Einiges über den Festplatz u. s. w. erwähnt. Den Festplatz bilden die sog. Löwenwiesen. Der Haupteingang hierzu ist an der Frankfurter Straße, den städtischen Anlagen gegenüber. Ein zweiter Eingang wird am Kreuzungspunkt der Löwen- und Lessingstraße errichtet. Der ganze Festplatz ist ca. 77,600 Quadratmeter groß und in seiner Längsrichtung von Ost nach West 500 Meter lang. Durch eine von Süd nach Nord führende Allee wird derselbe in zwei ziemlich gleiche Hälften getheilt. Auf dem östlichen Theil, rechts der Allee, befindet sich der eigentliche Turnplatz und die Festhalle. Links der Allee der westlichen Hälfte werden die Wirthschafts­hallen errichtet, dahinter befindet sich der Juxplatz. Der Turn­platz hat bei dem diesjährigen Fest eine Länge von 130 Mir. und eine Breite von 95 Meter. Die Festhalle soll Raum für

Hausarbeit verrichtet. Beste Behandlung und gutes Gehalt selbstverständlich. Auch haben wir Kinder, überhaupt einen Haushalt, in dem ein braves anhängliches Mädchen sich wohl­fühlt." Manche Herrschaften bieten Vierteljahrlöhne von 25 bis 55 Mk., eine andere sichert 60 Mk. nebst 1,80 bis 2 Mk. monatliches Biergeld und die abgelegten Kleider der Hausfrau zu. Wieder andere sagen, die.Höhe des Lohnes spielte keine Rolle!

Die zu leistende Arbeit wird allgemein als äußerst leicht hingestellt. Nur einmal wird angeführt:Bei uns gibt es wie in jeder pünktlichen Haushaltung Arbeit, aber das Mädchen hat sehr gute Behandlung." Andere bemerken wieder:mein Mann ist viel auf Reisen." Eine andere Dame wünscht ein braves, fleißiges Mädchen,dem ich nur alle 14 Tage A u s- gang geben kann". Meist wird das WortDienst" ver­mieden und durch das feinereThätigkeit" ersetzt.Ihre Thätigkeit bei uns wird keine sehr anstrengende sein," heißt es einmal; ein anderes Mal gar:Ich habe es den jungen Mädchen, die bei mir waren, immer so leicht wie möglich ge­macht." Die Wüsche versprechen so ziemlich alle aus dem Hause zu geben, wenigstens die große.Für grobe Arbeiten kommt täglich eine Frau," heißt es in einem Brief, in ver­schiedenen anderen wird die gute Verköstigung hervorgehoben.

Gute Behandlung wird natürlich in allen diesen Briefen versprochen, in einigen derselben wird sogarvor­zügliche Behandlung garantirt". Auch Dienstherrschaften ohne Kinder gibt es unter den Suchenden. L-ehr naiv schreibt eine junge Frau:Kinder haben wir leider noch nicht, aber trotzdem sind wir so glücklich und zufrieden, daß wir auch die, welche unser Haus theilen, zufrieden sehen wollen.

Dasleider" hat seinen besonderen Grund. Die Anzeige besagt ja:Familien mit Kindern bevorzugt." Merkwürdiger­weise hat das Niemanden stutzig gemacht.

Und alle haben ihre Hoffnungen vergebens auf die Nummer 13206 gesetzt! schade!