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Erstes Blatt.

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^ Waisenhauses in Hanau.

Nr. 62.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecke r in Hanau.

Dolinctstag den 14. März

1901.

GcsMdcne und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 gelbes Portemonnaie ohne Inhalt mit dem Namen Hanau.

Verloren: 1 wasserdichte braune Pferdedecke mit dem

Namen H. P. Kurz, 1 Meerschaumzigarrenspitze.

Zugelaufen: 1 gelber Bastard, m. Geschl.

Hanau den 14. März 1901.

Hue Stadt und £and.

Hanau, 14. März.

Beamtenpersonal-Nachrichten.

Ernannt: der Pfarrer Grimmell zu Istha zum Pfarrer zu Borken,

der außerordentliche Pfarrer Dellit zum Verweser der 1. lutherischen Pfarrstelle zu Gemünden,

der Hilfspfarrer Römheld zu Schlierbach, Klasse Geln­hausen, zum Pfarrer zu Burghaun,

der Rechtskandidat Müller aus Hersfeld zum Referen­dar unter Ueberweisung an das Amtsgericht Rodenberg,

die Rechtskandidaten Fenner und Gerntholtz zu Referendaren,

die beauftragten Gerichtsvollzieher Arnold und Sielaff zu Gerichtsvollziehern bei den Amtsgerichten zu Netra bezw. Meerholz.

Uebernommen: der Referendar Führer aus dem Ober­landesgerichtsbezirk Köln in den Bezirk des Oberlandesgerichts Cassel.

Bestätigt: der zum Bürgermeister der Stadt Melsungen auf die Dauer von 12 Jahren gewählte Königliche Rentmeister a. D. Karthaus zu Wiesbaden

Verliehen: dem Ober-Psstdirektor Hoffmann zu Cassel der Charakter als Geheimer Ober-Postralh mit dem Range eines Rathes zweiter Klasse.

Versetzt: der Ober - Postassistent Schwer von Witzen­hausen nach Ziegenhain (Bez. Cassel).

* Erledigte Stelle. Die Pfarrstelle zu Istha, Klasse Wolfhagen, ist infolge Versetzung ihres seitherigen Inhabers erledigt. Bewerber um dieselbe haben ihre Meldungsgesuche durch Vermittelung ihres zuständigen Superintendenten binnen 4 Wochen an Königl. Konsistorium in Cassel einzureichen.

* Musterung. Freitag den 15. März: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Bruchköbel, Baiersröder­hof, Butterstadt, Dörnigheim, Dottenfelderhof, Erbstadt, Eichen, Gronau, Grouauerhof und Großkrotzenburg.

* Versetzt wurde der Proviantamtskontrolleur Schwarz von Hanau nach Lyck.

Kleines Feuilleton.

Kunst und Leben.

Ueber das chinesische Gigerl bringt eine englische Zeitung folgende Charakteristik: Der Sohn des himmlischen Reiches, der für einen wirklichen Stutzer gelten will, muß einen mindestens tausend Jahr alten Stammbaum haben. Mit einer Ahnenreihe von nur fünf oder sechs Jahrhunderten würde man ihn, wollte er sich als Dandy aufspielen, ohne Gnade zum Parvenu stempeln. Hohes Ansehen in derGesellschaft" genießt erst der Chinese, dessen Familie bereits vor zwei bis drei Jahrtausenden existirt hat. Durch Reichthum kann auch in China in dieser oder jener Beziehung etwas erreicht wer­den ; man darf sogar ein Amt kaufen, aber in der gesellschaft­lichen Stellung eines Mannes spielt Geld überhaupt keine Rolle.Daß Kleider Leute machen," davon ist man selbst im Reiche der Mitte überzeugt. Die Galatracht des aristokratischen Chinesen hat aber nur dann Werth, wenn sie von irgend einem Urahn herstammt. Seltene Pelze, kunstvolle Stickereien, kostbare Schmuckstücke, besonders schöne Nephritsteine werden daher von Generation zu Generation vererbt. In seine un­schätzbaren Erbgewänder hüllt sich der chinesische Edelmann natürlich nur bei den wichtigsten Anlässen. Es ist seine heilige Pflicht, die Sachen möglichst zu schonen, damit sie seinen Nachkommen erhalten bleiben. Häufiger als er seine Zobel­oder Silberfuchspelze und reichgestickten Roben anlegt, schmückt sich der bezopfte Dandy vielleicht mit einem Jahrtausende alten Nephritring von zart seegrüner Farbe. Dieser Ring, der eine Breite von 2 cm hat und am Daumen getragen wird, ist das unverkennbare Zeichen dafür, daß der Besitzer seinen Stamm­baum bis in die graue Vorzeit zurückdatiren kann. Die Länge der Fingernägel zeigt ebenfalls Rang, gesellschaftliches Prestige, Macht und Reichthum an. Der feine Chinese läßt seine Nägel IV2 und nicht selten 2 Zoll lang werden. Sie biegen sich

* Direkte Steuern. Im Etatsjahre 1901 gelangen gleichfalls wie im Vorjahre 100 pCt. der Einkommensteuer, 130 pCt. der Grund- und Gebäudesteuer und 105 pCt. der Gewerbe- und Betriebssteuer zur Erhebung.

* Marienkirchenchor. Laut Inserat findet Heure Abend im Marienkirckenchor keine Probe statt.

* Gesellen-Prüsungsordnungen. Auf Grund des § 131b des Reichsgesetzes, betreffend die Abänderung der Ge­werbeordnung, vom 26. Juli 1897 hat der Herr Regierungs­präsident im Einvernehmen mit der Handwerkskammer zu Cassel Gesellen-Prüfungsordnuugen für folgende Handwerke im Bezirke der Handwerkskammer erlassen: 1) Bäcker, 2) Tischler, 3) Schornsteinfeger, 4) Schmiede, 5) Maler, An­streicher, Weißbinder und Lackirer, 6) Dachdecker, 7) Schlachter,

8) Schneider, 9) Stellmacher und Wagner, 10) Buchbinder, 11) Barbiere, Friseure und Perrückenmacher, 12) Drechsler, 13) Sattler, 14) Schuhmacher, 15) Konditoren, Pfefferküchler und Bonbonkocher, 16) Maurer, 17) Zimmerer, 18) Orgel­bauer und Instrumentenmacher, 19) Tuchmacher, Weber und Wirker, 20) Färber, 21) Seiler, 22) Töpfer, 23) Pflasterer.

** Die zu Ostern hier stattfindende Gewerbe- ausstellung. Gestern Abend hielt der Gewerbe- und Hand- werkeroerein in derAllemania" eine General-Versammlung ab, in der über die zu Ostern in den städtischen Schulgebäuden stattfindende Gewerbeausstellung berichtet wurde. Der Vor­sitzende, Herr Müller, gab einen Bericht über den Stand der Vorarbeiten, aus dem zu entnehmen ist, daß die Betheiligung an der Ausstellung eine über Erwarten zahlreiche werden wird, da aus Stadt- und Landkreis Hanau sehr viele Anmeldungen ergangen sind. Zur Ausstellung gelangen die Arbeiten seit 112 Handwerker-Lehrlingen in praktischer Ausführung, sowie die theoretisch ausgeführten Arbeiten von über 400 Schülern der städt. geweröl. Fortbildungsschule. Außerdem kommen von Handwerksmeistern hervorragende Arbeiten in großer Zahl zur Ausstellung und zwar von Meistern sowohl aus dem Stadt- wie aus dem Landkreis, sodaß für die Meisterarbeiten allein bis jetzt ein Raum von 140 qm vergeben ist. So wird auch den Meistern, welche keinen Laden und keine größeren Schau­räume besitzen, Gelegenheit geboten, ihre Arbeiten in vortheil- hafter Weise zu Gesicht zu bringen. Auch die finanzielle Seite der Ausstellung ist soweit gesichert, da neben den anderen entgegenkommenden Unterstützungen, welche die Handwerker bei den Behörden gefunden, nunmehr auch noch der Herr Minister für Handel und Gewerbe einen Beitrag von 200 Mk. bewilligt hat. Den ausstellenden Lehrlingen, welchen kein Geldpreis zu­fällt, soll wenigstens durch Verleihung eines Diploms ein Sporn zu weiterem Eifer gegeben werden. Bezüglich der Er­werbung künstlerischer Diplome werden gegenwärtig noch Ver­handlungen mit leistungsfähigen Firmen gepflogen. Die Aus­

wie die Krallen eines Vogels nach innen und legen Zeugniß dafür ab, daß derHochgeborene" es nicht nöthig hat, seine Hände zu irgendwelcher Arbeit zu gebrauchen. Nimmt der stolze Eigenthümer dieser Krallenfinger nicht eine zu hohe soziale Stellung ein, so besteht seine hauptsächlichste Zerstreuung darin, in die sogenanntenSpielhäuser" zu gehen. Gehört er zu den ältesten Geschlechtern des Landes, dann geziemt es sich für ihn zum Beispiel nicht, daß er sich in das Theater bemüht; die Schauspieler müssen in diesem Falle zu ihm kom­men und auf seinerHausbühne" aufführen, was er zu sehen begehrt. Einem ungeschriebenen Gesetze gemäß muß jeder gelb- häutige Aristokrat ein geübter Bogenschütze, ein perfekter Reiter und ein leidenschaftlicher Spieler sein. Noblesse oblige! Selbst wenn er in einem Restaurant speist, erfordert es der gute Ton, daß er mit dem Wirth oder mit dem Zählkellner ein Spielchen macht, um zu erfahren, ob er das Mahl dop­pelt zu bezahlen hat oder ob es ihm umsonst überlassen wer­den muß. Geht ein zopftragendes, echtes Gigerl in den Klei­dern, deren Stickereien schon seinen Urgroßvater entzückt haben mögen, an festlichen Tagen spazieren, so ist er von einem Gefolge von Dienern umgeben. In der linken Hand hält er fast immer einen kleinen Zweig, auf dem ein braunes Vögelchen sitzt. Diesen gefieberten Begleiter schleudert er alle fünfzig Schritte hoch in die Luft. Das Thierchen schwirrt lustig ein wenig umher, schießt dann plötzlich herab und läßt sich, nachdem es ein Körnchen von den Lippen seines Gebieters genommen hat, wieder auf dem Zweig nieder. Dies ist die liebste Beschäf­tigung des chinesischen Gigerls. Man sieht, auch die chine­sischen Dandies sind sehr geistreiche Leute.

Fürstliche Besucher am Spieltisch Monte Carlo. Einer sehr hübschen Plauderei der bekanntenTruth", Mit­arbeiterin desBerl. Lok.-Anz.", entnehmen wir nachfolgende Stellen : Nach dem Baron Arthur Rothschild ist der glücklichste, nicht so ruhige, aber sehr sympathische Spieler Großfürst Nikolaus von Rußland. Jung, elegant, brünett und frappant seinem Großvater Nikolaus I., demschönsten Mann von

Die heutige Nummer umfatzt außer dem Uuterhaltuugsbiatt 10 Seiten

stellung selbst dauert eine Woche und zwar vom Ostermontag den 8. bis Sonntag den 14. April und wird Vollkommenes und Neues in überraschend großer Zahl enthalten, sodaß auch unserem heimischen Kleingewerbe einmal Gelegenheit geboten ist, seine Leistungsfähigkeit, die wahrhaft keine geringe ist, in einem vortheilhasten Lichte zu zeigen. Während der Ausstellungstage ist ein Konzert vorgesehen. Der Wirthschaftsbetrieb in dem Ausstellungsraum wurde Herrn C. A. Schüßler übertragen. Für die künstlerische Ausschmückung der Räume, Dekoration der Eingänge rc. sind unsere bekanntesten und leistungsfähigsten Firmen gewonnen, sodaß auch das äußere Bild der Ausstellung zu einem imposanten und anziehenden sich gestalten und reges Interesse zu erwecken berufen sein wird. Alles Nähere wird noch durch die Blätter und durch Plakate bekannt gegeben.

* Stadttheater. (Benefiz Frau Franziska Rieger.) Die Hauptrollen in Charlotte Birch-PfeiffersDer Leiermann und sein Pflegekind" sind wie folgt besetzt: Frau Bäckermeisterin Sterwens: Frau Rieger, Riekchen: Frl. Muck, Jette: Frl. Schu­mann, Margarethe: Fräul. Leonardi, Frau Brüklein: Frau Hantke, Wilms Peterson: Herr Schwarz, der auch die Regie führt, Friedr. Kranich: Herr Gehrmann, Stephan Balder: Herr Metz, Lude: Herr Casterra, Striegelmeier: Herr Lindenlaub, Fabian: Herr Schmith, Günther: Herr Becker u. s. w. Vorrecht der un­geraden Nummern bis Freitag 11 Uhr.

x Der Zitherverein Hanau gab Sonntag Abend in Gelnhausen im Saale zur schönen Aussicht ein Konzert, welches zahlreiche Liebhaber des Zitherspiels angezogen hatte. Wie uns von dort berichtet wird, zeugten die Darbietungen von guter Schulung, was sich besonders durch ein exaktes Zu­sammenspiel angenehm bemerkbar machte. Eine besonders hervorragende Leistung bot:Ein Sonntag in Tirol," charak­teristisches Tonstück von Rixner und die Schlittenfahrt vom Dirigenten Herrn Lanzer. Auch die von Mitgliedern der Kapelle Haldy ausgeführten Einlagen gelangten in bekannt guter Weise zum Vortrag. Der Besuch war ein guter zu nennen.

* Erfreulich. Unser Hanauer Landsmann Herr Archi­tekt H. I a s s o y, ordentlicher Professor an der Stuttgarter technischen Hochschule, ging bei dem Wettbewerb um Entwürfe für eine neue evangelische Kirche in Coblenz a. Rh. als mit dem ersten Preise gekrönter Sieger hervor.

* Sterblichkeit. Nach den unterm 8. d. M. heraus­gegebenen Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamtes zu Berlin über die Gesammtsterblichkeit in den 279 deutschen Städten und Orten mit 15,000 und mehr Einwohnern «ährend des Monats Januar d. J. hat dieselbe auf je 1000 Ein­wohner auf den Zeitraum eines Jahres berechnet betragen: a) weniger als 15,0 in 23, b) zwischen 15,0 und 20,0 in 107, c) zwischen 20,1 und 25,0 in 108, d) zwischen 25,1 und 30,0 in 35, e) zwischen 30,1 uiib 35,0 in 11 Orten und f) mehr als 35,0 in 1 Orte. Die geringste Sterblichkeitsziffer

Asien und Europa", ähnelnd, erregte der junge Großfürst mit seiner Schwester, Großherzogin Anastasia von Mecklenburg, hier wahre Sensation; letztere eine hohe, schlanke Gestalt in wundervoller, einfacher, mit Silberfuchs verbrämter, schwarzer Tuchtoilette, über dem rassigen Gesichte den großen, schwarzen Rembrandthut.A, der höchste Satz auf Roth das

sind die Prinzen!" Die Prinzen, das sind die in Monte Carlo sich einer unglaublichen Popularität erfreuenden Erz­herzöge Otto und Ferdinand. Besonders der Erstere, ein bildschöner Mann wird hier förmlich vergöttert. Während er mit größter Nonchalance setzt, gewinnt, verliert und mit sieg­gewohntem Blick all diese so stark gemischte Frauenwelt be­trachtet und bannt, sind es die schönsten, reichsten, vor­nehmsten, extravagantesten Damen der großen Welt, die ihm, wie unter dem Einfluß eines magnetischen Fluidums von Tisch zu Tisch folgen, selig, einen Blick aus einem allerdingsver­flixt" schönen blauen Augenpaar zu erhaschen. In der Um­gebung des Prinzen befinden sich einige wie toll spielende Mitglieder des transleithanischen Adels, die sich noch nicht be­ruhigt haben über die Kompromittirung, die ihr stolzestes Mit­glied ihnen zugefügt. Der 83jährige Fürst Batthyanyi hat sich bekanntlich in Venedig mit der 21jährigen Tochter eines Zeitungsausträgers vermählt und verbringt die Flitterwochen in Monte Carlo, ostentativ jeden Pußtatory ansprechend und ihmdie Fürstin" vorstellend. Wenn auch Alter^ ihn nicht vor Thorheit geschützt, so hat der greife Fürst, der stets ein Kenner und Verehrer der Schönheit ge­wesen, doch seinen bewährten Geschmack auch jetzt nicht verleugnet. Die neue Fürstin ist schön, zieht sich gut an schwarzes TüUkleio mit herrlichen Brüsseler Spitzen und da sie obendrein klug sein soll, so wurde vie nun fürstliche Parvenue rasch zu Monte Carlos Glanznummer. Förmliche Cercles bilden fick um die junge Frau, die mit verblüffender SicherheitCour" am Trente et Quarante abhält. Inmitten mehrerer gerade nicht vom Spielglück verfolgter Mitglieder des deutschen Hochadels bewegt sich viel bewundert und viel betrachtet