Einzelbild herunterladen
 
  

Seite 6

großen Plantagenbesitzern das beste Land zngetheilt werde. Die Bezahlung der Arbeiter auf den großen Plantagen, ihre Behandlung und Ernährung ließen es erklärlich erscheinen, daß dort großer Mangel an Arbeitern herrsche. Es wäre auch angebracht, daß die Soldaten ihre Frauen mitnehmen, denn unter Puttkamer herrschten dort schauderhafte Zustände.

Kolonialdirektor S t ü b e l versichert, daß er die Mißstände nach Möglichkeit abstellen und sorgen werde, daß die schwarzen Arbeiter besser behandelt werden.

Der Etat für Togo wird ohne Erörterung genehmigt. Beim Etat für Südwestafrika fragt

Abg. Bebel, wie die Grund- und Bodenverhältnisse in Swakopmund seien. Für ein Quadratmeter sollen zwei Mark bezahlt sein. Die Einfuhr deutscher Mädchen in Südwestafrika sei bedenklich, sie machten dort schlechte Erfahrungen und kämen vielfach nach kürzester Zeit zurück. Die Begnadigung des Lentuants Prinzen Prosper Arenberg zu Gefängnißstrafe müsse außerordentliches Aufsehen erregen.

Präsident Graf B a l l e st r e m erklärt: Ich kann nicht zugeben, daß Sie einen Gnadenakt des Kaisers kritisiren. Das ist ein Recht der Krone, worüber sie Niemandem Rechenschaft schuldet. Ich habe bisher zugelassen, daß das Begnadigungs­recht im Allgemeinen besprochen wird, einen speziellen Akt können Sie nicht kritisiren. (Bravo! rechts.)

Abg. Bebel: Ich erlaube mir, zu bemerken, daß wir beim Militäretat Gnadenakte, namentlich in Duellsachen, hier auch in einzelnen Fällen erörtert haben. Gnadenakte sind doch von einem Minister gegengezeichnet.

Graf B a l l e st r e m : Es hat sich dann immer um eine Prinzipienfrage gehandelt. Ich ersuche Sie dringend, von einer Kritik eines speziellen Begnadigungsaktes abzustehen.

Abg. Bebel: Ich bin anderer Ansicht, der Herr Präsident hat aber das Recht, mir hierüber Vorschriften zu machen. Auch mein Schweigen wird draußen genügend ver­standen werden.

Kolonialdirektor Stübel erklärt: Das Eigenthum an Grund und Boden in Swakopmund gehört der deutschen Kolonialgesellschaft. Einer Einwanderung von Mädchen steht die Kolonnialverwaltung fern. Die deutsche Kolonialgesell­schaft hat die Einwanderung nicht nur von Mädchen, sondern auch von Familien angestrebt. Daß sich unerfreuliche Verhält­nisse gezeigt, insbesondere daß Mädchen Selbstmord verübt hätten, ist uns unbekannt. Ich werde aber eine bezügliche An­frage an das Gouvernement in Windhoek richten.

Lei Titel Fortführung der Eisenbahn und des Telegraphen Swakopmund nach Windhoek bemerkt

Abg. Hasse, daß in der Denkschrift nichts über die Konzessionsverhältnisse steht.

Der Kolonialdirektor erklärt, daß eine bezügliche Darstellung dem Hause noch vor der dritten Lesung zugehen werde.

Bei Titel Vermehrung der Artillerie, erste Rate, wünscht

Abg. V o l m a r (Soz.), daß eine Einwanderung der Buren nach Südwestafrika möglichst gefördert werde.

Abg. Arendt (Reichsp.) bemerkt: Da wir nicht wissen, wie lange und in welchem Grade die Verhältnisse in Süd­westafrika bedenklich bleiben, so müssen unsere Kolonien auf jeden Fall gerüstet sein, schon um die Neutralität zu wahren, sei es gegen die Buren, sei es vielleicht im Laufe der geschicht­lichen Entwicklung auch einmal gegen eine andere Macht.

Abg. Hasse spricht sich in ähnlichem Sinne aus.

Die Abgg. Müller- Sagan und Vollmar wider­sprechen dem.

Der Kolonialdirektor erklärt: Es handelt sich ausschließlich darum, das Schutzgebiet so auszurüsten, daß es für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Sicherheit innerhalb des Schutzgebietes selbst zu sorgen stets in der Lage ist. Auf Grund der militärischen Gutachten ist eine Vermehrung der Artillerie in Angriff genommen, da eine Vermehrung der In­fanterie eine außergewöhnliche Erhöhung des Budgets mit sich bringen würde.

Der Rest des Etats wird gemäß den Beschlüssen der Kommission erledigt.

Der Etat für Neu-Guinea, die Karolinen und Samoa wird debattelos genehmigt, ebenso die auf die Kolonien bezüg­lichen Besoldungstitel im Etat des Auswärtigen.

Nächste Sitzung morgen 3 Uhr. Etat des Reichseisenbahn­amtes. Schluß 5^4 Uhr.

Preußischer zandlag.

Abgeordnetenhaus.

(Sitzung vom 11. März.)

Die Spezialberathung des

Kultus-Etats wird bei der PositionSchulaufsicht" fortgesetzt.

Hierzu liegt vor der Antrag der Budgetkommission, welche die Streichung von 5 Kreisschulinspektoren und die Einstellung des dafür fortfallenden Gehaltbetrages einschließlich Dienst­unkosten-Vergütung und Wohnungsgeldzuschuß mit zusammen 22 340 M. in den Titel:Zu widerruflichen Remunerationen für Kreisschnlinspektoren im Nebenamte" beantragt. Außerdem schlägt sie folgende Resolution vor:die Regierung zu er­suchen, im nächsten Etat eine wesentliche Verstärkung des Fonds für nebenamtliche Schulinspektoren vorzunehmen, damit die im Allgemeinen als unzureichend erachtete Remuneration dieser Schulinspektoren angemessen erhöht und zugleich die Möglichkeit geschaffen werde, in geeigneten Fällen kleinere nebenamtliche Schulaufsichtsbezirke neu zu bilden."

Abg. Faltin (Z.) tritt auch bei dieser Gelegenheit für die Zulässigkeit der polnischen Sprache beim Religions-Unter­richt ein.

Referent Abg. Winckler (k.) befürwortet die Anträge der Budgetkommission, die zu dem Entschlusse gekommen sei, die bisher nebenamtlich verwalteten Inspektionen in Eschweiler, Preuß.-Holland, Stutthof, Itzehoe und Recklinghausen auch ferner wie bisher nebenamtlich verwalten zu lassen.

^ Minister Dr. Studt erklärt sich bereit, für die neben­amtliche Verwaltung der Kreisschulinspektion nach Möglichkeit einzutreten.

Hanauer Anzeiger

Abg. E r n st (fr. Vp.) wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Schall vom Samstag. Seine Freunde würden die geforderten Kreisschulinspektoren bewilligen und billigen den einseitig konfessionellen Standpunkt, den der Minister im Volksschulwesen einnimmt, nicht.

Abg. Frhr. v. Zedlitz (fk.): Die hauptamtliche Schul­inspektion hat sich durchaus bewährt und seine Freunde be­dauern deshalb lebhaft die Stellung der Konservativen zu den neu geforderten Kreisschulinspektionen.

Äbg. Hackenberg (ntl.) weist darauf hin, daß die Re­muneration in den einzelnen Kreisen sebr verschieden bemessen sind. Im Allgemeinen hat der Geistliche für die Schulin­spektion nicht die genügende Zeit. Auch wird er nicht immer in allen Einzelfragen so Bescheid wissen wie der Schulinspektor im Hauptamt. Daß das Band zwischen Schule und Kirche durch Kreisschulinspektoren im Hauptamt nicht gelockert wird, davon sind meine politischen Freunde überzeugt.

Abg. v. Bülow- Bothkamp (k.) tritt für die Bewilligung der beiden Inspektionen Itzehoe und Recklinghausen ein.

Abg. Dittrich (Z.): Ein Theil seiner politischen Freunde werde in den Fällen, wo ein Bedürfniß dafür anerkannt werde, für die hauptamtlichen Kreisschulinspektoren eintreten. Andere halten an der Auffassung fest, daß die Kreisschulinspektion im Nebenamte das allein richtige sei.

Abg. Ehlers (fr. Vp.) bittet die Herren vom Zentrum, doch ganze Arbeit zu machen und einen Grundsatz festzulegen, nach dem künftig die Anstellung der Kreisschulinspektoren erfolgen soll. Er stimmt für volle Be­willigung.

Minister Dr. Studt stellt fest, daß das Zentrum durch die Dittrichsche Erklärung seine prinzipielle Stellung aufge­geben habe und künftig nur seinen Willen entscheidend sein lassen wolle. Die Stellung mag bequem sein, vielleicht sei sie zu bequem.

Es werden hierauf fünf Stellen (Bochum, kath. und evang., Itzehoe, Recklinghausen, Charlottenburg) im Hauptamt bewilligt, der Besoldungsbetrag für die in Eschweiler, Preuß.-Holland und Stutthof geforderten Stellen aber in dem Titel für die nebenamtliche Verwaltung der Kreisschulinspektionen eingestellt. Die Resolution der Budgetkommission wird angenommen.

Bei dem Titel:Remuneration für die Thätigkeit der Ortsschulinspektoren" bringen die Abgg. Zimmermann (fk.), S t a u k e (Z.) und S z m u l a (Z.) verschiedene lokale Angelegenheiten zur Sprache.

Bei dem Abschnitt:Höhere Mädchenschulen" bedauert

Abg. E r n st (fr. Vg.), daß die bei diesem Abschnitt ein­gestellten Mittel gegen das Vorjahr keine Erhöhung erfahren haben; auch das Besoldungswesen sei wenig einheitlich an diesen Schulen geregelt.

Abg. v. Knapp (nl.) wünscht, daß die Frage der akademischen Bildung der erforderlich vorgebildeten Schülerinnen einheitlich geregelt wird. Ferner sei wünschenswerth, daß den Mädchenschullehrern der Rücktritt an eine Knabenschule offen gehalten wird.

Reg.-Kommissar Geh. Reg.-Rath Dr. W â tz 0 l d t theilt mit, daß wegen der Besoldungs - Regelung der akademischen Mädchenlehrer gegenwärtig Unterhandlungen mit dem Finanz­minister schweben. Daß diesen Mädchenlehrern der Rücktritt an eine Knabenschule offen gehalten werde, sei ein Wunsch, den die Regierung theile.

Abg. M i z e r s k i (Pole) kommt auf die Einführung der deutschen Sprache in den Religionsunterricht der Posener Schulen zurück.

Minister Studt erwidert, daß die Verfassungsmäßigkeit des betreffenden Oberpräsidial-Erlasses gerichtlich anerkannt sei. Wenn es den Polen gelänge, die rohen Angriffe, die von polnisch-nationaler Seite jetzt fortgesetzt erhoben werden, einzu­stellen, so könnte vielleicht ein friedlicher Zustand herbeigeführt werden.

Abg. Schall (k.) wünscht den übertriebenen Emanzipations­Bestrebungen der Mädchen auf dem Gebiete des höheren Schul­wesens entgegenzutreten.

Abg. Dasbach (Z.) trägt eine Reihe von Ziffern vor, die eine Zurückstellung der katholischen gegenüber" den evan­gelischen Schulen beweisen sollen.

Regierungs-Kommissar Dr. Kügler bringt seinerseits Zahlen vor, aus denen er folgert, daß die Regierung sich be­mühe, die Interessen beider Konfessionen in gerechter Weise zu wahren.

Auf eine Anregung des Abg. Schmitz- Düsseldorf (Z.) bemerkt

Minister Studt, daß er für eine gesetzliche Regelung der Schulpflicht ein Votum des Hauses für sehr wichtig halten würde.

Weiterberathung morgen (Dienstag), 11 Uhr.

Schluß l1^ Uhr.

Rußland und die Mächte in China.

Die Lage in China ist noch immer wenig ge­klärt. Die Initiative der amerikanischen Regierung hat aber wenigstens das Gute gehabt, daß sie Rußland zu einer Gegenäußerung und damit zu einer bestimmten Stellung­nahme veranlaßt hat. Wie nämlich aus Washington tele- graphirt wird, ergibt sich ans der Veröffentlichung des Schrift­wechsels der Vereinigten Staaten mit den Mächten, daß außer der an die Mächte gesandten identischen Note eine weitere Note an China abgesandt wurde. In dieser wird China davon verständigt, daß die Vereinigten Staaten nicht geheime Verhandlungen zwischen China und einer anderen Macht gut­heißen könnten, welche auf eine Abtretung eines Gebietstheils hinzielten. Die Note fügt hinzu, die Vereinigten Staaten hielten den gegenwärtigen Zeitpunkt nicht geeignet für Ab­tretungen, bezw. Verhandlungen über Abtretungen. Beinahe alle Mächte billigten die Note und sprachen ihre Zustimmung aus; darunter Rußland als eine der ersten.

Nach einer Meldung, die aus englischer Quelle stammt, besteht trotzdem eine Spannung zwischen Rußland nnd den Vereinigten Staaten. Es wird darüber telegraphirt:

1s. März

London, 11« März. DieTimes" meldet aus ; New-Dork vom 16. März: Es ist zweifellos, daß die Regie­rung der Vereingten Staaten, obwohl sie noch immer wünscht, die intimen Beziehungen zu Rußland aufrecht zu erhalten, doch mit Besorgniß das russische Vorgehen in der Mandschurei betrachtet, welches die amerikanischen Interessen schädige und es unmöglich zu machen drohe, daß China seine diplomatischen Verpflichtungen gegen Amerika erfülle durch diejenigen Handelskonzessionen, welche die Regierung der Vereinigten Staaten als Kompensation für ihr selbst­loses Eintreten für China gegenüber der gesummten Christen­heit schließlich erwarte.

Die englische Presse ist überhaupt bemüht, andere Gegner der russischen Ansprüche namhaft zu machen, während sie sich über die Stellung der eigenen Politik ausschweigt. Japan war von jeher die Hoffnung Englands im fernen Osten. Ueber Japans Stellung liegt folgendes Telegramm vor:

London, 11. März. DieDaily Mail" meldet aus Yokohama, das in Elswick in England neugebaute japanische SchlachtschiffHatsuse" erhielt telegraphisch dringende Be­fehle, mit möglichster Eile via Colombo direkt nach Japan zu kommen. Die japanische Flotte erhielt weitere Befehle, welche die ernste Auffassung der Lage seitens der japanischen Regierung beweisen. Das SchlachtschiffHatsuse" ist augen­blicklich das stärkste Panzerschiff der Welt. Die japanische Flotte, die an sich schon jeder anderen Flotte in Ostasien und speziell der russischen überlegen ist, würde durch diesen Zuwachs eine ganz bedeutende Verstärkung erhalten.

Auf der andern Seite scheint die chinesische Regierung ein gewisses Interesse daran zu haben, sich als von Rußland ge­drängt und fast vergewaltigt hinzustellen, ohne daß es klar wird, welche Absichten sie mit dieser Politik verfolgt. Wie aus Peking telegraphirt wird, verlautet dort aus chinesischer Quelle, der russische Gesandte von Giers bestehe auf der Unter­zeichnung des Mandschureiabkommens und stelle Zwangsmaß­regeln in Aussicht, falls die Unterzeichnung nicht innerhalb einer bestimmten Frist erfolgen werde.

Ein Begräbnitz in Peking.

In der chinesischen Hauptstadt sind jetzt endlich auch die Opfer jener Schreckensperiode, da die Gesandtschaften, von aller Welt abgeschnitten, von den fanatischen Horden der Chinesen bestürmt wurden, endgiltig beigesetzt worden. In dem Drange der Noth konnte man ihnen zuerst kein würdiges Grab bereiten. Jetzt haben sie inmitten der Gesandtschaft, die sie bis zum letzten Athemzug getreu vertheidigt haben, ihre letzte Ruhestätte gefunden. Ueber die Feierlichkeit berichtet demB. L.-A." folgendes Privatkabeltelegramm:

Peking, 11. März. In Gegenwart zahlreicher Offi­ziere und Diplomaten fand hier unter Entfaltung großen militärischen Pompes die feierliche Ueberführung und Beer­digung der Opfer des vergangenen Jahres statt, deren sterbliche Ueberreste nur provisorisch beigesetzt worden waren. 32 englische Soldaten wurden im Garten der englischen Gesandtschaft bestattet, während vier deutsche Marinesoldaien: Reitmeister, Strauß, Meinhardt und Kaussen, sowie fünf Italiener auf den gemeinschaftlichen deutsch-italienisch-öster­reichischen Friedhof übergeführt wurden. Dort fand um 4 Uhr nachmittags die kirchliche Einsegnung nach evangelischem und katholischem Ritus statt, woraus die Leichen unter dem Donner der Ehrensalute zur ewigen Ruhe gebettet wurden. Die frischen Gräber sowohl, wie das v. Kettelers, schmückte dann Legationssekretär von Bergen mit Blumen als letzten Gruß vor seiner Abreise nach Europa, die heute erfolgte.

Hus aller Mell.

Für die Eltern von Konfirmanden hat der Evangelisch-Soziale Preßverband der Provinz Sachsen" ein Flugblatt Herausgegebeen, in dem den Eltern der tiefe Ernst der Konfirmation recht eindringlich ans Herz gelegt und ihnen die Aufgabe vorgehalten wird, ihren Kindern die rechten Führer beim Eintritt ins Leben zu sein. Das Blatt zerfällt in 5 Abschnitte: 1. Elternpflichten, 2. Der Ernst des Lebens, 3. Sonnenschein fürs junge Leben, 4.' Zur Beachtung beim Unterbringen von Dienstboten, 5. Zur Beachtung beim Unter­bringen von Lehrlingen. Das sehr empfehlenswerthe Flugblatt ist zu beziehen von Pastor Swierczewski in St. Ulrich bei Mücheln, Bezirk Halle; der Preis ist: 25 Stück 0.75 Mk., 50 Stück 1.25 Mk., 100 Stück 2 Mk. portofrei.

Kinder und geistige Getränke. Bei der Be­sprechung eines Falles von chronischer Alkoholvergiftung vor jungen Aerzten sagte Hofrath Professor Nothnagel Folgendes: Ich stehe nicht auf dem Standpunkte der Temperenzler, aber Folgendes muß ich Ihnen doch ans Herz legen: Es ist eine schwere Sünde, wenn man Kindern Schnaps, Bier, Thee oder Wein zu trinken gibt. Bis zum 14. Lebensjahre sollte kein Kind Wein, Bier, Thee oder Kaffee trinken. Es ist ein Ver­brechen, zu behaupten, der Wein nähre, und geradezu kindisch ist es, wenn ein Arzt noch sagt, der rothe Wein stärke mehr als der weiße. Ich bitte Sie, darauf in ihrer ärztlichen Praxis besonders zu sehen; denn die Nervosität unserer Zeit beruht gerade auf diesem frühzeitigen Alkoholgenusse. "Was den Alkoholgenuß beim Erwachsenen betrifft, so ist nichts da­gegen einzuwenden, wenn die von der Natur gezogene Grenze nicht überschritten wird. Allerdings schwankt das Maß des Erlaubten in weiten Grenzen; aber die Leute, die ganz unge­mein viel Alkohol ohne sichtbaren Schaden vertragen, sind Ausnahmen. Diese Ausnahmen können nicht als Entschuldigung für den mißbräuchlichen Genuß des Alkohols dienen."

Die Frau mit den Tausendmarkscheinen. Vor etwa Monatsfrist erschien auf einem Breslauer Postamte eine unbekannte Frau, die am Schalter erklärte, einen Beitrag für die Buren abgeben zu wollen. Auf die Bemerkung des Beamten, er könne nur Gaben für die in Ostasien kämpfenden Deutschen annehmen, sagte die Frau kurzweg :Auch gut, es bleibt sich gleich, für wen das Geld verwendet wird, legte drei Tausendmarkscheine auf das Schalterbrett und ging davon. Am selben Tage sprach auf der Redaktion desBreslauer