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Abg. Kropatscheck (kons.) meint, die Zusammensetzung der letzten Schulkonferenz war nicht ganz zweckentsprechend. Redner schildert' die geschichtliche Entwicklung der humanistischen Gymnasien und warnt davor, die Anforderungen für das philosophische Studium herabzusetzen. Das würde zur Auf­lösung der Gymnasien in lauter Realschulen führen. Wolle man Gleichwerthigkeit der Anstalten, müsse man auch alle Abi­turienten zu allen Studien zulassen. Eine Verminderung des Andranges zur humanistischen Bildung werde nicht eintreten. Es müsse mehr der Grundsatz befolgt werden multum non multa. Die modernen Wissenschaften, namentlich der englische Unterricht, müßten vor den eigentlichen Zielen der humanisti­schen Bildung zurücktreten. Aber gerade Diejenigen, die immer von Ueberlastung der Bildungsanstalten redeten, verlangten Berücksichtigung der Realwissenschaften. Redner gibt der Ver­wunderung Ausdruck, daß der Minister, der im Vorjahr den idealen Standpunkt der Gleichberechtigung vertrat, jetzt die Medizin anders einschätzte und die Philosophie opferte. Gegen die Verlegung der Prüfung im Lateinischen und Griechischen in das Staatsexamen müsse er Bedenken erheben. Er schlage vor, eine neue Schulkonferenz zu berufen, nm zu prüfen, was bei der Reform heraus gekommen sei.

Ministerialdirektor A l t h o f f vertheidigt den Stand­punkt des Ministers bezüglich der philosophischen Fakultät. Ein Ueberströmen von Realabiturienten in Fächer, die bisher nur den Gymnasialabiturienten offen standen, fürchte er nicht.

Abg. Gamp (frk.) steht auf dem Boden der Schulreform. Dem Minister gebühre Dank, daß er den Stein ins Rollen brachte. Wäre in allen Städten neben Gymnasien noch eine Realschule, so wäre die Wahl leicht. So könne eine Ab­hilfe nur erfolgen durch Vermehrung der Realschulen oder Aufnahme des realen Lehrstoffes in Gymnasien. Eine Ueber­lastung der theologischen und juristischen Fakultät durch die Reform befürchte er nicht. Er hoffe, daß die Reform segens­reich wirken werde.

Abg. Langerhans (sreis.) spricht von den Berliner Schulen und betont, daß es keine besseren Realschulen in Deutschland gebe als in Berlin.

(Während der Rede ist das vom Wolff'schen Bureau ver­breitete Bulletin über das Befinden des Kaisers im Hause vertheilt worden.)

Abg. L o t i ch i u s tritt für die humanistischen Gymnasien ein und hält freie Konkurrenz für alle neunklassigen Schulen für wünschenswerth. Er glaubt, das humanistische Gymna­sium werde seinen Werth behalten, da es die beste Basis für alle gelehrten Berufe gewähre. Wegen der Reformgymnasien, die ein ideales Streben befolgten, sei zunächst eine abwartende Haltung wünschenswerth, bis weitere Erfahrungen gesammelt feien. Redner wünscht ein humanistisches Gymnasium in Ober­lahnstein und freut sich, daß durch den kaiserlichen Erlaß künftig die Weltgeschichte, auch die alte Geschichte, gründlicher gelehrt werden soll wie seither.

Geheimrath Gruhl sagt die Errichtung eines Gymnasiums in Oberlahnstein zu.

Abg. Schall (kons.) tritt für humanistische Bildung und altklassische Philologie ein. Man tödte geradezu die Ver­gangenheit des Volkes, wenn man den idealen humanistischen Bildungsgrad fallen lasse, daher bedauere er, daß die Re­gierung durch die Schulreform in den realen Bestrebungen nachgegeben habe.

Der Regierungskommissar widerlegt die Be­fürchtung, daß die Ideale auf den Gymnasien künftig zu kurz kommen würden.

Abg. Dittrich: Der Sieg der modernen Richtung, wie sie in der Schulreform zum Ausdruck gelangte, sei in Wahrheit eine Niederlage. Die Universitäten seien nur auf humanistische Bildung zugeschnitten.

Abg. Sänger erkennt die Gleichberechtigung aller neun­klassigen Anstalten an, sie müsse unbedingt Gleichwerthigkeit nach sich ziehen. Redner steht auf dem Boden des Reform­erlasses, doch bleibe im Einzelnen noch Vieles zu wünschen übrig. Auch müsse der deutsche Unterricht mehr berücksichtigt werden. Daß von Obersekunda ab der englische Unterricht auf Kosten des französischen obligatorisch gemacht werden solle, wolle ihm nicht gefallen. Redner bittet, die Reform bald auszuführen.

Abg. Metzger schließt sich dem an.

Hierauf wird die Weiterberathung auf morgen 11 Uhr vertagt.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 7. März.

Am Bundesrathstische: v. Tirpitz.

Präsident Graf B a l l e st r e m eröffnet die Sitzung mit den folgenden Worten: Meine Herren! Ich babe dem Hause

Hanauer Anzeiger

die betrübende Mittheilung zu machen, daß Se. Majestät der Kaiser gestern bei einer Fahrt in Bremen durch ein Eisenstück, welches ein noch nicht 20 Jahre altes Individuum gegen den kaiserlichen Wagen schleuderte, nicht unerheblich im Gesicht ver­letzt worden ist. Es scheint bis jetzt, daß durch Gottes gnädige Fügung die Verletzung keine gefährliche ist, und daß unser kaiserlicher Herr, welcher jedoch zur Zeit bettlägerig ist, in nicht allzu langer Zeit wiederhergestellt sein wird. Indem ich im Namen des Reichstages dem Abscheu über die unselige Unthat hiermit Ausdruck gebe, verbinde ich damit den Dank gegen den gütigen Gott, welcher den Kaiser und das deutsche Vaterland vor schwererem Unheil gnädig bewährt hat, und die Bitte an Gott um baldige Wiederherstellung des geliebten Monarchen und um ferneren^ Schutz und Schirm seiner er­habenen Person. Sie haben Sich von den Plätzen erhoben, um Sich meinen Worten und meinen Gefühlen anzuschließen ich konstatire das.

Auf der Tagesordnung steht der

Marine-Etat.

Bei dem TitelStaatssekretär" antwortet auf eine Be­schwerde des Abg. Rösicke-Kaiserslautern

Staatssekretär v. Tirpitz, diese Beschwerde sei unbe­rechtigt. Die Verträge mit ausländischen Konserven Lieferanten seien infolge der Bestimmungen des Fleischschaugesetzes ge­kündigt worden; seit dem 1. Oktober würden daher keine aus­ländischen Konserven bezogen.

Abg. Bebel rügt es, daß noch immer, trotz früherer Bemängelungen, der Flottenverein Geldbeiträge für Flotten­zwecke an das Marineamt abführe, welche von diesem ange­nommen würden.

Staatssekretär o. Tirpitz: Einstweilen ist diese An- gelegenhrit von ganz theoretischer Bedeutung; denn, wenn auch der Flottenverein, so viel ich weiß, für eine Auslandsflotte sammeln will, so hat er doch bis jetzt Gelder noch nicht be­kommen. Im Uebrigen weiß ich nicht, falls uns ein Kanonen­boot geschenkt wird, wieso wir verpflichtet sein sollten, dasselbe abzulehnen.

Abg. Molkenbuhr erklärt, daß die Unfälle bei unserer Marine besonders schwer seien. Bei derGneisenau"-Kata- strophe sei nicht genug geschehen. Der Kapitän habe nicht einmal anbefohlen, daß die Matrosen sich in die Masten retten sollten.

Staatssekretär v. Ti rp i tz : Wir haben schon schwere Unfälle gehabt, bei denen kein Mann verloren ging. Auch bei dem Gneisenau" sind von 460 Mann Besatzung 420 gerettet worden. Das ist doch ein nicht ungünstiges Verhältniß. Daß 460 Mann schwerer zu retten sind als etwa nur 20, das liegt doch auf der Hand. Der Kapitän desGneisenau" hat nur des­halb den Matrosen nicht befohlen, in die Masten zu klettern, weil die Masten jeden Augenblick über Bord gehen konnten.

Abg. Graf Klinkowström erklärt es für geradezu erstaunlich, wie Molkenbuhr voraussetzen könne, daß bei unserer Marine bei Unglücksfällen nicht alles geschehe, um Menschen­leben zu retten.

Damit schließt diese Debatte, der TitelStaatssekretär" wird genehmigt. Ebenso ohne jede weitere Debatte der ganze Rest des Ordinariums.

Morgen 2 Uhr: Unfallfürsorgegesetz für Militârbeamte ; kleinere Vorlagen.

Schluß 2»/. Uhr.

Dom surenkrieg.

Transvaal. In der englischen Berichterstattung ist nach den letzten Mißerfolgen der Engländer die übliche Grabes­stille eingetreten, und das Letzte, was von Christian De Wet gesagt wurde, war, daß er ebenfalls wie üblich scharf verfolgt wurde. Dabei schienen die englischen Generale sich nicht einmal darüber klar zu sein, wo De Wet, Steijn und Hertzog sich augenblicklich befinden. Ob fie inzwischen in Fauresmilh eingetroffen oder auf dem Marsche nach Bloem­fontein sind, bleibt einstweilen eine offene Frage. Im Uebrigen hat De Wet auf seinerFlucht" vor den Engländern immer noch Zeit genug gehabt, in den verschiedenen Orten der briti­schen Kolonie, wie z. B. in Petrusville, alle brauchbaren Vor- räthe mitzunehmen, die Telegrahen und Postämter zu zer­stören und die vorhandenen Gelder der englischen Kassen als gute Kriegsbeute in den Satteltaschen davon zu tragen. Ueber den Generalkommandanten Louis Botha verlautet, daß er sich bereits nördlich von der Delagoabahn befindet und die Absicht haben soll, sich neuerdings mit dem stellvertretenden Präsidenten der Transvaal-Republik, Schalk- Burger, in Ver­bindung zu setzen. Die englische Presse fährt fort, hieraus weitere Gründe herzuleiten, welche beweisen sollen, daß that­sächlichKapitulations Verhandlungen" zwischen Botha und Kitchener stattgefunden haben oder noch stattfinden, und daß der Generalkommandant jetzt auf dem Wege ist, mit dem Vize-

________8. März

Präsidenten die vereinbarten Bedingungen zu besprechen. MU diesen Phantasiegebilden sucht man sich eben über die Ent i täuschungen der letzte 14 Tagen hinweg zu helfen, ohne je doch damit Erfolg zu haben. Inzwischen ist derGouver neur" Sir Alfred Milner in Bloemfontein mit Lord Kitchener zusammengetroffen und von dort aus weiter nach Norden, nach Pretoria, abgereist. Es kann sich schwerlich darum Handelns daß Milner bereits dieVerwaltung der beiden neuen Kron- Kolonien" förmlich übernimmt, aber er dürfte jedenfalls, wik aus zuverlässiger Quelle gemeldet wird der Träger gewisser Botschaften sein- welche dem weiteren Verlaufe des Krieges voraussichtlich ein gänzlich verändertes Gepräge geben dürften, und zwar hauptsächlich deshalb, weil zum ersten Male in den 18 langen Kriegsmonaten das englische Prinzip von der be­dingungslosen Uebergabe der Buren erschüttert zu sein scheint. Im englischen Parlament wurde der Kriegsminister aufs Neue befragt, ob er irgend welche Nachrichten über die Ab­sichten des Generals Botha, sich zu übergeben, erhalten habe, und ob in solchem Falle irgend welche Aussicht auf ein günstiges Ergebniß dieser Verhandlungen vorhanden sei. Mr. Brodrick, der Verweser des Kriegsamtes, gab auf diese An­frage die ausweichende Antwort, daß ermit Bezug auf den > erwähnten Gegenstand keine Erklärung abzugeben habe." Im Uebrigen ist die Lage auf dem Kriegsschauplatz, auch was die übrigen Burenkorps in der Kapkolonie und im Transvaal anbelangt, unverändert und nach wie vor für die Engländer recht wenig erfreulich. General Delarey hält in unverminderter Stärke die Magaliesberge im Westen von Pretoria besetzt und hat seine äußersten Vorposten kaum zwei Stunden von der Stadt entfernt aufgestellt. Das britische Hauptquartier scheint es endgiltig aufgegeben zu haben, diesen unbequemen Gegner überhaupt noch zu berücksichtigen, so lange er nicht seine Gegenwart allzusehr fühlbar macht. Delarey bleibt auf diese Weise eine dauernde Gefahr für die englischen Truppen im Bezirke von Pretoria und Johannes­burg, während der wohlhabende Rustenburg-Distrikt ihm anscheinend beinahe gefahrlos als bequemer Rückhalt für die Ernährung seiner Mannschaften und seiner Pferde dient.

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Telegramme:

London, 8. März.Daily Mail" erfährt aus Kap - st a d t: Es bestätigt sich, daß Präsident Steijn sich nicht mehr in der Nähe von Dewet befindet.

London, 8. März. Aus Kapstadt wird gemeldet: Die Schulen sind infolge des Ausbruches der P e st geschlossen worden. Die Hafenarbeiter haben die Arbeit vollständig ein­gestellt.

London, 8. März. Die Zahl der gefangenen Buren beträgt bis jetzt insgesammt 16 318 Mann. Davon sind 427 auf Ehrenwort freigelassen worden.

London, 8. März. Aus A l i w a l North wird be­richtet : Wie verlautet, besetzte eine Abtheilung Buren von 200 bis 400 Mann die Stadt Rouxoille. Andere Buren- Abtheilungen sind in verschiedenen Orten des Distriktes auf­gestellt, um die Bewegungen der Engländer zu beobachten. Aus bester Quelle wird versichert, daß Präsident Steijn sich in Smithfield befindet.

London, 8. März. Wie aus K a p st a d t berichtet wird, hat die Bürgerwehr, die sich am vergangenen Sonntag den Buren ergab, nur geringen Widerstand geleistet. Die Buren erbeuteten sämmtliche Gewehre, 2000 Patronen, Pferde und Lebensmittel.

London, 8. März. Die vom K r i e g s a m t veröffent­lichte tägliche Verlustliste vom gestrigen Tage umfaßt 6 Todte, 2 Erkrankte, 14 Verwundete, 24 an Krankheit Verstorbene und 29 Schwerkranke. 32 Offiziere und 329 Mann sind nach ihrer Heimath zurückgesandt worden.

Frankfurt a. M., 7. März. (Ab endbörs e.) Creditaktien 216.6070 b. Diskonto-Commandit 184.8090 b. Darmstädter 134 40 b. Staatsbahn 145.3040 b. Lombarden 25.4050 b. Northern 88 b. Anatolische 85.40 b. Nordwest 119.70 b Elbthal 125.20 b. Gotthard 168.20 b. Nordost 115 b. Dresdner 151 cpl. Bochumer 190 50 b. Gelsenkirchener 175.40 b. Hibernia 181.35' b. Concordia 275.40 b. Portugiesen 38.50 b. Chinesen 83 b. Harpener 170 55 b. Helios 75.20 b.

Im Abendverkehr waren österreichische Werthe weiter fest, besonders Lombarden. Northern konnten auf höheres London gewinnen. Banken waren behauptet, Jndustriewerthe fest, Concordia 4 Prozent höher.

Berlin, 7. März. Produktenmarkt. Weizen per Mai 160 25, per Juli 162, per September.,

Roggen per Mai 143.25, per Juli 142.50, per September., Hafer per Mai 137.25, per Juli 135.50.

Mais amerik. Mixed loco, per Mai 106.75, per Juli 106.60.

Rüböl per Mai 54., per Oktober 48.30.

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