Erstes Blatt.
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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 P'g di- H;nf* gespâ^en« Petitzeil« oder deren Raum, für Lusmartâ l') 'Via-, im ffieflamentheil die Zeile 2b Psg, für Auswärts 3d Pf-,.
<Bdw<t vad verletzt in der Buchdruckern des «rein-, ev.
Gmeml-AMiger.
ANtliihts Grgss sät Stadt- und Zaudkrtis Samu.
GatsenhaufeS in Hanau.
Vrschrint täglich mit Ausaahmr der Sann- und FatrrtaM, mit belletristisch« Brilsgo.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 57.
Freitag den 8. März
1901.
ESSE
Amtliches.
Gchndelie und verlorene Gegenstände etc.
Verloren am vergangenen Sonntag in der Zentral- Halle 1 kleine schwarze lederne Bristascke ohne Verschluß mit einem Lehrzeugniß und 2 Fünfmarkscheinen.
Zugelaufen: 1 gelblicher schottischer Schäferhund mit weißer Brust, m. Geschl.
Vom Wasenmeister am 7. d. Mts. eingefangen:
1 großer schwarzer Pinscher, m. Geschl.
Hanau den 8. März 1901.
Oeffentliche Zustellung.
Der Gutspächter Karl Koch zu Bruderdiebacher- Hof — vertreten durch Rechtsanwalt O s i u s in Hanau — klagt gegen den Schweizer Hermann Werner, früher zu Bruderdiebacherhof, jetzt unbekannt wo abwesend, mit dem Anträge den Beklagten kostenpflichtig zu verurtheilen, an den Kläger 66 Mark 25 Pfge. nebst 4 vom Hundert Zinsen seit Klagzustellung zu zahlen und das Urtheil für vorläufig vollstreckbar zu erklären und ladet den Beklagten zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreits vor das Königliche Amtsgericht zu Langenselbold auf den
25. April 1901, vormittags 9 Uhr.
Zum Zwecke der öffentlichen Zustellung wird dieser Auszug der Klage bekannt gemacht.
Langenselbold, 4. März 1901.
Heeger, 3927 als Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts.
Zum Attentate.
Zweimal in kurzer Frist ist ein persönlicher Angriff auf unseren allverehrten Kaiser gerichtet worden, und wenn auch der zweite Versuch glücklicherweise keine lebensgefährlichen Folgen nach sich gezogen hat, so ist er doch ernster ausgegangen als der erste. Der Thäter ist ein Arbeiter, Namens Dietrich Weiland, welcher schon 1'/« Jahr in einer Heil- Anstalt für Epileptische zubrachte; dieser Umstand deutet auf die That eines Irren hin. Wie dem aber auch sein mag, wir erheben dankend unsere Herzen und Hände zu Gott empor, daß der Kaiser vor ernster Schädigung bewahrt geblieben ist, und flehen die göttliche Gnade an, es das letzte Mal sein zu lassen, daß sich die Hand eines Frevlers oder Irren gegen das Haupt des geliebten Monarchen erhob. — Heute Vormittag wurde das nachstehende Bulletin ausgegeben:
Berlin, 8. März, 11 Uhr 30 Min. (Privattelegramm.) Das Befinden des Kaisers war am gestrigen Tage befriedigend. Der Schlaf in der Nacht gut. Die Wunde zeigte fich beim Verbandwechsel reizlos. Mäßiges Schwellen der Augenlider und der Wange, kein Fieber. Dr. V. Bergmann, Dr. V. Leuthold, Dr. Jlberg.
Aus der nächsten Umgebung des Kaisers wird dem „B. L.-A." in datikenswerther Würdigung des berechtigten öffentlichen Interesses an dem Bremer Vorkommniß folgende genauere Schilderung gegeben: Wie bei ähnlichen Gelegenheiten erfolgte die Abfahrt vom Bremer Rathskeller derart, daß ein Theil des Gefolges dem Kaiserlichen Wagen vorausfuhr, der andere ihm folgte. Während die zuerst abgefahrenen Herren garnichts bemerkten, sahen die folgenden einen Mann am Boden, glaubten aber, daß derselbe nur um- geritten oder umgestoßen sei, da der Wagen des Kaisers unbeirrt weiter fuhr. Auch der Kaiser selbst hat thatsächlich von dem ganzen Vorfall nichts bemerkt, bis er auf dem Bahnhöfe angelangt war. Die Beobachtung, daß der Kaiser scheinbar abgewehrt habe, mag dadurch entstanden sein, daß der Monarch, als ihn das Eisenstück getroffen hatte, unwillkürlich nach der Stelle faßte, wo er verletzt worden war, ohne sich selbst der Ursache bewußt zu sein. Aus dem Bahnhof bemerkte der Kaiser gleichzeitig mit seiner Umgebung, daß er verwundet sei. Durch die hiernach angestellten Ermittelungen wurde ein kleiner Aufenthalt herbeigeführt, während dessen auch schon der Vorfall, wie er sich nach Beobachtung der an der Stelle stationirten Gendarmen, beziehungsweise Unbetheiligter abgespielt hatte, dem Kaiser zur Kenntniß gebracht wurde. Nuxmehr wurde sofort ein Telegramm an die Kaiserin aufgesetzt, in welchem ihr der Vorfall mitgetheilt und betont wurde, daß jede Gefahr ausgeschlossen sei. Dies Telegramm hatte weniger den Zweck der Mittheilung, als der Beruhigung, falls hier in Berlin etwa noch in der Nacht alarmirende Nachrichten eintreffen sollten. Der Kaiser selbst hat der Sache eine ernste Bedeutung nicht beigelegt, blieb vielmehr noch eine halbe Stunde in heiterer Stimmung im Kreise der begleitenden Herren und begab sich
dann, nachdem der zweite Leibarzt, Dr. Jlberg, einen Verband angelegt hatte, zur Ruhe und hat bis zur Ankunft in Berlin ungestört geschlafen. Die Kaiserin dagegen war trotz der beruhigenden Nachricht nicht ohne Sorge um ihren Gemahl und hat die Pflege selbst übernommen, wie es bei der liebevollen Sorgfalt, die sie als Gattin stets beweist, gewiß nicht überrascht. In der Umgebung des Kaisers und auch bei dem Monarchen selbst ist durch dieses Vorkommniß naturgemäß wieder die Frage angeregt, wie wohl derartigen Geschehnissen vorzubeugen sei, umsomehr, als es ja leider .nicht das erste Mal ist, daß der Kaiser in eine derartige Situation gekommen ist. Es mirb hier als die einzige Möglichkeit, ähnliche Anschläge zu verhindern, die Mitwirkung des Publikums angesehen. Gerade in diesem Falle hätte der Wurf verhindert werden können, da das umstehende Publikum, lange bevor der Kaiserliche Wagen in Sicht war, Unruhe und Nervosität bei dem Thäter bemerkt hatte. Es wäre doch recht einfach gewesen, einen Polizisten auf das Gebaren dieses Menschen aufmerksam zu machen, der ihn dann sicherlich hinter die Front der Zuschauer gebracht hätte. Es wäre ein gutes Zeichen für die beobachtende Thätigkeit der Polizei gewesen, wenn dieser selbst die Person genügend aufgefallen wäre und wenn man sie auch ohne Hilfe des Publikums unschädlich gemacht hätte. Es muß naturgemäß die Kaiserliche Familie in hohem Grade verstimmen, daß es so leicht ist, ihrem Haupte ein Leid zuzufügen. Ein Schutz von Seiten der nächsten Umgebung des Kaisers ist fast immer ausgeschlossen, da der überlegt handelnde Thäter stets von der Seite des Wagens seinen Angriff richten wird, auf der er den Kaiser bestimmt sitzen weiß. Der Vorfall hat, wenn er auch nur die That eines Geisteskranken ist, wieder gezeigt, daß der Schutz der Person des Monarchen fast illusorisch ist; um ihn aber herbeizuführen, könnte die Beobachtung von Seiten der Polizei, nicht die Absperrung und die Mitthätigkeit des Publikums allein fördernd wirken.
Ueber den Attentäter Weiland
läßt sich der „L.-A." noch folgende Einzelheiten aus Bremen berichten:
Allem Anscheine nach handelt es sich bei dem Zwischenfall um die That eines Unzurechnungsfähigen. Der Vorgang würde somit ein Seitenstück zu dem bekannten Beilwurf der irrsinnigen Schnapka in Breslau darstellen. Dietrich Weiland hatte an der Stelle, wo bei der Einmündung der Buchtstraße in den Domeshof eine starke Einschnürung der Fahrstraße seinem Beginnen günstig war, Ausstellung genommen. Als der Wagen des Kaisers, an dessen Seite Bürgermeister Dr. Schultz saß, den Domeshof vom Rathskeller her heraufkam, machte Weiland nicht etwa, wie abends in Bremen vielfach erzählt wurde, den Versuch, auf das Trittbrett zu springen und mit dem scharfkantigen und schweren Eisen nach dem Kaiser zu schlagen, er schleuderte es vielmehr mit starkem Schwung sofort auf den Monarchen ab. Der Kaiser wandte sich in demselben Moment grüßend zur Seite. Das Eisen streifte seine rechte Wange und flog dann, ohne daß der Kaiser oder Dr. Schultz es wahrgenommen hatten, über den Wagen hinweg und auf dessen linker, entgegengesetzter Seite zu Boden, wo es ein Photograph alsbald aufhob. In demselben Augenblick wurde Weiland überritten und dann unter den bereits geschilderten Umständen verhaftet und zur Polizeidirektion gebracht. Der Kaiser selbst hat, als ihn ^as Eisen streifte, eine etwa vier Centimeter lange Hautwunde davongetragen, aus der alsbald in dünnem Strahl Blut herabrann. Justinktiv faßte er, als das Eisen ihn traf, mit der Hand nach der verletzten Stelle, hatte jedoch zunächst ebenso wenig wie sein Begleiter eine Ahnung davon, daß etwas Ungewöhnliches geschehen sei. Als er einige Sekunden später das Blut merkte, meinte er, gewiß habe wieder Jemand mit einem Bukett geworfen, dessen Draht ihn verletzt habe. Erst bei seiner Abfahrt erfuhr der Monarch, woher in Wirklichkeit die Wunde stammte. Bei seinem ersten Verhör erklärte Weiland, der mit relativ leichten Verletzungen davon gekommen ist, er habe keine Ahnung, wie er zu der ihm zur Last gelegten That gekommen sei. Er sei Epileptiker und leide an Aufregungs-Zuständen, während deren ihm das Bewußtsein schwinde. Ganz unbekannt sei ihm, daß er einen Anschlag gegen den Kaiser ausgeführt habe; geplant habe er jedenfalls einen solchen in keiner Weise. Er bekomme in seinen Erregungszuständen gefährliche Wuth- anfälle : so habe er einmal infolge seiner Krankheit seinen Stiefvater mit dem Messer attackirt und verletzt; ein ander
mal habe man ihn mit Gewalt davon abhalten müssen, in einer Fabrik seinen Arm in siedenden Theer zu stoßen, auch bereits in psychiatrischer Behandlung gewesen.
er sei
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Zwei Wochen im Zimmer.
Der Kaiser wird, wie die „Nordd. Allg. Ztg." mittheilt, voraussichtlich etwa 14 Tage das Zimmer hüten müssen. Die
Die heutige Nummer umfaßt außer dem UnterhaltungSblatt 10 Seiten-
Verwundung ist ziemlich nahe am Auge, das deshalb jetzt geschont werden muß.
Telegramme.
Berlin, 7. März. Der Bürgermeister Schultz traf nachmittags aus Bremen ein und wurde alsbald vom Reichskanzler empfangen, um über die Vorgänge des gestrigen Abend bei der Abfahrt des Kaisers aus Bremen zu berichten. Im allerhöchsten Auftrage theilte der Reichskanzler dem Bürgermeister mit, daß der Kaiser die freundlichste Gesinnung für Bremens Bürgerschaft bewahre und sich hierin durch die Unthat eines Einzelnen in keiner Weise beirren lasse.
Königsberg, 7. März. Die Bürgerschaft, die die Majestäten Sonntag hier zu sehen hoffte und für den festlichen Empfang schon Vorbereitungen traf, ist tief„ ergriffen über die gegen den Kaiser gerichtete fluchwürdige That. Die nach und nach gemeldeten Einzelheiten, die von den Zeitungen durch Extrablatt und Anschlag schnellstens verbreitet werden, bilden das allgemeine Gesprächsthema. Laut amtlicher Bekanntmachung ist die Einweihung der „Königin Luise-Gedächtnißkirche" vorläufig verschoben.
Bremerhaven, 7. März. Bei dem heutigen Stapellauf des ersten Schulschiffs des deutschen Schulschiffsvereins hielt, wie „Boesmanns telegr. Bureau" meldet, Prinz Heinrich folgende Ansprache an die Versammelten: Mit Genehmigung der hohen Festversammlung mochte ich in einigen Worten dessen gedenken, der unser Herz tief bewegt. Ich bin in der glücklichen Lage, sagen zu können, daß es Sr. Majestät den Verhältnissen nach gut geht. (Lebhaftes Bravo.) Eine Schonung von 8 bis 44 Tagen wird nöthig sein, um S.eine Majestät wied erherzustellen. Ich möchte dem noch anknüpfen, daß ich glaube, mit Bestimmtheit sagen zu können, auf Grund meiner Kenntniß des Charakters und des hohen Sinnes Seiner Majestät des Kaisers: Seine Majestät wird angesichts der treuen Bremer nicht im Mindesten auf den Staat Bremen auch nur ein Gränchen fallen lassen, was wider ihn sprechen würde. (Lautes Bravo.) Hierauf vollzog Herzog Adolf von Mecklenburg-Schwerin im Auftrage der Großherzogin von Oldenburg die Taufe des Schiffes.
Gerlin, 8. März. Wie dem „Lokal-Anzeiger" aus London gemeldet wird, hat sich durch die weiteren Meldungen, welche die Verwundung des Kaisers erheblicher erscheinen ließen, als man nach den ersten Berichten angenommen, die allgemeine tiefe Theilnahme dort noch bedeutend erhöht. König Eduard hat sich sehr eingehend nach dem Befinden des Kaisers erkundigt, worauf ihm beruhigende Auskunft ertheilt wurde. König Eduard sandte ferner den Oberst Davidson auf die deutsche Botschaft, um seine warme Anteilnahme auszudrücken. Ferner sind aus politischen Kreisen zahlreiche Sympathie - Bekundungen auf der deutschen Botschaft eingegangen.
Berlin, 8. März. Dem „Berliner Tageblatt" wird aus Kopenhagen depeschirt: Die Mittheilung von dem Attentat auf Kaiser Wilhelm wurde anfangs nicht als ernsthaftes Ereigniß ausgenommen. Spätere Nachrichten ließen jedoch vermuthen, daß der Kaiser einer wirklichen Gefahr ausgesetzt war. König Christian und Prinz Waldemar statteten vormittags einen Besuch beim deutschen Gesandten ab und weilten ziemlich lange bei ihm.
Berlin, 8. März. Geheimrath Professor von Bergmann, mit dem ein Mitarbeiter des „Berliner Tageblatt" eine Unterredung .hatte, bezeichnet die Verwundung des Kaisers a l s ungefährlich. Herr von Bergmann war gestern früh telegraphisch ins Schloß berufen worden. Die Depesche traf ihn aber nicht an. Erst am Vormittag kehrte er aus Petersburg zurück und begab sich sofort ins Schloß. Er traf den Kaiser bei bestem Wohlbefinden. Namentlich zeigten sich keine Fiebererscheinungen und auch keine Schmerzen. Geheimrath von Bergmann legte nach eingehender Untersuchung der Wunde einen neuen Verband an, den der Kaiser wohl 8 Tage zu tragen gezwungen sein wird. Rach der Meinung des Chirurgen sind weitere Komplikationen kaum zu befürchten. Die Wunde stellt sich als reine Fleischwunde dar, ohne daß ein Knochen verletzt ist. Geheimrath von Bergmann wird heute wiederum zur Konsultation hinzugezogen werden. Zor- aussichtlich erfolgt auch im Laufe des heutigen Tages die Ausgabe eines zweiten Bulletins. Der Kaiser hat von den Bundesfürsten zu seiner glücklichen Errettung Gluckwuillch- Telegramme erhalten. Auf den Glückwunsch des prlnz- regenten von Bayern antwortete der Kaffer nach einem Telegramm des „Lokal Anzeigers" aus München, daß die Verwundung zum Glück unbedeutend sei. Gott habe ihn sichtlich bewahrt. Es hätte sehr leicht schlimmer s-m können. — Wie aus Karlsruhe gemeldet wird, sprach das Groß- Herzogspaar in besonderer Audienz dem preußischen Gesandten die freudige Theilnahme aus, daß der Kaiser in großer Lebensgefahr gnädig bewahrt blieb.