Einzelbild herunterladen
 
  

Zweites Blatt.

Br-AKspreis:

Meneljä-rltch 1M WM., monatlich 60 Pjg., für auS- «»artige Ldonnenten mit bem b«refieuden Psstaufschlag. Die ei» Shtmeiei kostet 10 Pfg.

Emrücknngsgrbühr:

Für ^odt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die«f« ga-âne-Petitzeil« oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg-, im Reklamerttheil die Zeile 25 Pfg , für Auswärts 35 Pfg.

ettewTt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Gtkeral-Akzeiger.

A«tliihts Organ für Stadt- und KandKreis Hanau.

Erscheint täglich mit AuLnahme der Sonn- und ^tiertegt, mit belletristischrr Beiloge.

» .................... n ^ini! a,.n.n ii M , >. «-»MM«VMM».-

Verantwort!. Redakteur : G. S ch r e ck e r in Hanau.

Nr. 52.

Samstag den 2. März

1901.

86 K-mmuvaUandtag für den Kesierungs- bezirk Castel.

t igenbcricht desHanauer Anzeiger".

x. Cassel, 1. März.

Die heute stattgehabte zweite Vollsitzung wurde vormittags 10 Uhr durch den Vorsitzenden Hrn. Kammerherrn v. Pappen- h e i m, mit der Mittheilung mehrerer Eingänge eröffnet. Unter den letzteren befindet sich eine Vorlage betr. Umbau des Ständehauses zu einem Geschäftshause. Mit dem Eintritt in die Tagesordnung erstattet Herr Forstmeister Hebel den Bericht des Legitimations-Ausschusses, welcher die erfolgtenNeu- bezw. Ergänzungswahlen für richtig befindet und demgemäß Anträge stellt, die gutgeheißen werden. Es sei nur bemerkt, daß an Stelle des Oberbürgermeisters Herrn Westerburg Stadtverordneter Ruetz, für den verstorbenen Justizrath Rieß Juftizrath Dr. Harnier als Casseler Vertreter gewählt wird. Es werden danach die Berichte der Rechnungs-Kommission ent­gegengenommen und deren Vorschlägen entsprechend erledigt. In weiterer Erledigung der Tagesordnung werden eine Reihe von Vorschlägen kommunalständischer Anstalten, wie sie vorge­legt werden, genehmigt. Wir führen davon Folgendes an:

Im Voranschlag über die Einnahmen und Ausgaben des Landkrankenhauses Hanau für 1900 war eine Durchschnittsbelegung von 129 Kranken mit 47 085 Ver­pflegungen vorgesehen worden. Die wirkliche Belegung des Landkrankenhauses ergab während des Jahres 1899 = 45 169 . und im ersten Halbjahr 1900 26 339 Krankenverpflegungs- iage. Mit Rücksicht auf diese Steigerung ist dem Voranschlag für das Etatsjahr 1901 eine Durchschnittsfrequenz von 140 Kranken und 51100 Verpflegungstagen zu Grunde gelegt worden. Der Voranschlag für 1901 stellt sich ^ n Einnahme und Ausgabe auf 128 750 Mk. einschließlich 2500 Mk. zu einmaligen ordentlichen Ausgaben gegen 122930 Mk. ein­schließlich 3300 Mk. zu einmaligen ordentlichen Ausgaben im laufenden Jahr und erfordert einen Zuschuß aus der Landes­hauptkasfe von 80 040 Mk. für 1901 gegen 80 920 Mk. für 1900.

Der Voranschlag der Landeskreditkasse zu Cassel und des Reservefonds derselben für das Etatsjahr 1901 schließt in Einnahme und Ausgabe ab mit 3 849 200 Mk., mithin um 282 800 Mk- höher wie für 1900. Der Voranschlag des Hauptfonds des Leihhauses zu Cassel schließt in Ein­nahme und Ausgabe mit 17850 Mk., also gegen den des Etatsjahres 1900 um 3650 Mk. niedriger ab, was haupt­sächlich in der Bildung des Reservefonds seinen Grund hat. Der Voranschlag des Reservefonds schließt in Einnahme und Ausgabe mit 4956,28 Mk. ab.

Stadttb eater in Danau.

Hanau, 2. März.

Daß unser Theaterpublikum eine solch hervorragende künstlerische Kraft wie sie unser Bühnen-Ensemble nun schon seit Jahren in Fräulein Marie Brandow besitzt, auch voll zu würdigen weiß, das äußert sich am deutlichsten an den Benefizai enden der Künstlerin. Denn außer dem bisher stets bemerkten übervollen Hause fauch diesmal war das Orchester geräumt) beweisen es auch die überreichen Spenden, die der beliebten Dame an ihrem Ehrenabend dargebracht werden und die gestern an Zahl das halbe Hundert überstiegen haben. Und Fräulein Brandow verdient diese große Auszeichnung auch in vollem Maße. Alle ihre Darbietungen auf der Bühne, selbst die wenig hervortretenden, sind von der Künstlerin stets auf das sorgfältigste ausgestattet und führen in stark ausgeprägten Zügen ihr realistisches Darstellungstalent vor Augen. Mit der geistigen Beherrschung ihrer Aufgaben verbindet sich eine vollendete Sicherheit der Bewegungen und die ebenfalls nothwendige Toilettenfrage wird von der Künstlerin mit einem solchen Geschmack beantwortet, daß ihr neidlos die allgemeine Anerkennung der darin besonders streng richtenden Damenwelt entgegengebracht wird. So ist Frl. Brandow bisher eine künstlerische Zierde unserer Bühne gewesen und wird es hoffentlich auch ferner sein. In der Wahl des Benefizstückes folgte die Benefiziantin der in diesem Jahre ganz besonders bekundeten Vorliebe unserer Benefizianten für die französische Litteratur und brachte inPrinzessin Georges" ein hier bisher noch nicht aufgeführtes Sittendrama des jüngeren Dumas zur Aufführung. Ob es gerade einen besonderen Verlust bedeutet hätte, wenn dem Publikum von der Bühne herab die Bekanntschaft mit bem Werke erspart geblieben wäre, wollen wir hier nicht weiter untersuchen. Der Versafser stellt darin eine sittenreine Frau in die von der bekannten Leichtlebigkeit durchseuchte Atmosphäre der Pariser Lebewelt und erhebt durch ihren Mund die schwersten Anklagen wieder diese Gesellschaft des Genusses, ohne jedoch nach irgend einer Seite hin einen befreienden Ausblick zu gewähren. Es muthet einem an wie ein leichtfertiges Spiel mit einer ernsten Frage, die der Verfasser am Schlüsse leicht und flüchtig und von einseitigem Stand­punkt zu beantworten sucht. Der deutschen Auffassung von der uner­schütterlichen Grundlage einer moralischen Ordnung in der menschlichen Gesellschaft entspricht die Lösung des Konfliktes nicht, obwohl eine starke Liedesleidenschaft das einigende Element ist. Gespielt wurde ganz vor­züglich, besonders Frl. Brandow fand in der Titelrolle eine Aufgabe, in der sie alle gerühmten Eigenschaften ihrer Darstellungskunjt entfalten konnte und die wohl auch maßgebend für die Mahl des Stückes gewesen ist. In der Vornehmheit und Eleganz ihrer Erscheinung wurde sie nach der repräsentativen Seite hin der Rolle gerecht, in der lebenswarmen Aus­gestaltung des darzustellenden Eharakters, in der tiefen Innerlichkeit ihres

Der Voranschlag des Hauptfonds der Leihbank zu Hanau schließt in Einnahme und Ausgabe mit 184 700 Mk., also gegen den des Etatsjrhres 1900 um 12 500 Mk. höher ab, der Reservefonds mit 22 730 Mk.

Trotz des früheren ablehnenden Beschlusses des Komunal- Landtags empfiehlt der Landesausschuß auf Grund eingehender Erwägungen jetzt wiederum, eine Theilnng der Landes- r e n t e r e i zu Cassel in der Weise zu genehmigen^ daß der Landesrenterei I die Landesrentereigeschâfte für den Stadtkreis Cafsel und dazu die Kassengeschäfte des Landkrankenhauses da­hier, der Landesrenterei II die Geschäfte für den Landkreis Casfel, die gesammten Kassengeschäfte der Landstraßen- und Landwegebau-Verwaltung, sowie der hiesigen Landesbibliothek übertragen werden.

Die Kassengeschäfte der Landesrenterei zu Casfel übersteigen alljährlich bezüglich der Postenzahl der vorwiegend hier in Betracht kommenden Einnahmen die Kassengeschäfte anderer größerer Landesrentereien fast um das Doppelte. Während beispielsweise die Landesrentereien zu Fulda, Hersfeld, Marburg und Rinteln rot. 12 bis 14 000 Einnahmeposten im Jahre zu verzeichnen haben, belaufen sich die Einnahmeposten bei der Landesrenterei zu Cassel auf rot. 22 bis 23 000. Ein weit größerer Unterschied tritt bezüglich der Summe der Einnahmen hervor, die sich bei der Landesrenterei zu Cassel durchschnittlich auf mehr als sechs Millionen Mark, bei den genannten anderen Landesrentereien auf etwa eine Million Mark im Jahre beziffern. Dazu kommt, daß die Verwaltungsgeschäfte für die Landeskreditkafse und die Brandversicherungsanstalt bei der zunehmenden Bevölkerung, der regen Bauthätigkeit und dem sich steigernden Jmmobilienverkehr in dem Stadt- und Landkreis Cassel den Landesrentmeister dahier in ganz außer­ordentlicher Weise in Anspruch nehmen. Bei einer derartigen Inanspruchnahme ist es dem Landesrentmeister bei aller Pflicht­treue und Thätigkeit nicht möglich, sich allen einzelnen Dienstgeschäften so, wie es erforderlich ist, persönlich zu widmen, und er ist auf die von ihm nicht genügend kontrolirbare Mitwirkung seines Assistenten und seiner Gehilfen angewiesen.

Die fgl. Voranschläge, sowie der Antrag betr. die Landes­rentereien werden zum Theil glatt, zum Theil nach mehr oder minder erheblicher Debatte genehmigt. Bei Genehmigung des Voranschlags der Hessischen Brandoersicherungs- An st a l t und der Entgegennahme des Berichtes über den Geschäftsbetrieb derselben wurde von dem Abg. Vogt der Antrag gestellt, den Landes-Ausschuß zu ersuchen, dem nächsten Kommunallandtag eine Denkschrift über die Frage zu unter­breiten, ob bei Festsetzung der Umlage die verschiedene Höhe der Feuersgefahr in den einzelnen Gemeinden, namentlich mit Rücksicht auf die Anforderungen für Feuerlöschzwecke, Berück-

Spieles, namentlich in der feinen Charakterisirung der einzelnen felischen Züge offenbarte sich ihr hervoragendes Darstellungstalent. Für die leiden­schaftlichen Aufwallungen der von dem Gatten betrogenen Frau standen ihr die überzeugenden Töne der echten Leidenschaft zu Gebote, wie sie denn alle die feinen Nüancen des sich gesteigerten Seelenleidens zu glaubhaftem Ausdruck brachte. Das Publikum lohnte ihre Darstellung durch lebhaften Beifall und wiederholten Hervorruf. Auch die übrigen Darsteller, unter denen sich noch befonders Herr Becker in der Wiedergabe des Fürsten von Birac auszeichmte, fanden in dem Beifall des Abends die verdiente Belohnung. Am letzten Mittwoch hatte die Neueinstudirung vonHof­gunst" von Thilo von Trotha wieder den lebhaften Heiterkeitserfolg. Das leichtgefügte Lustspiel vermag sein Publikum für einige Stunden ange­nehme und leichte Unterhaltung zu bieten, besonders wenn die ausschlag­gebende Rolle der Naiven so frisch und lustig dargestellt wird wie diesmal durch Frl. Muck. Das kleine Fräulein Viky von Hohenstein, das plötz­lich von der gesunden Landluft des väterlichen Gutes in die steifen Eeremoniells der Hofluft verpflanzt wird und dort durch ihre frische Natür­lichkeit und Offenheit und durch ihre Theilnahme und Hilfsbereirschaft für- fremde Verhältnisse sich selbst in große Verlegenheiten bringt, konnte kecker und resoluter kaum dargestellt werden als es durch unsere niedliche Naive geschah.

Kunst und Leben.

* Kunstsalon Hermes Frankfurt a. M. Die erneuerte März-Ausstellung im Kunst-Salon Hermes, Frankfurt a. M., enthält eine Sonder-Ausstellung des Pferde- Malers Hermann Junker, Karlsruhe und des Berliner Landschafters Otto H. E n g e l. Außerdem ist vertreten Eduard v. Gebhardt mit 3 bedeutenden Werken, Franz Courtens mit einer Waldlandschaft, Keller-Reutlingen, Lud. Willroider, L. von Zumbusch mit neuen soeben vollendeten Gemälden, F. von Leubach mit 3 Portraits und die beiden verstorbenen belgischen Meister Eugene Verbeekhoven, der Thier­maler und F r an coi s Musin, der Marinemaler, mit je einem Werk. Die Ausstellung enthält ferner eine große Anzahl ausgewählter Werke anderer Meister, wie H. Bai sch, G. von Bochmann, Anton Burger, Viktor Gilsoul, Paul Mathien, Udhe Zügel rc. rc.

sichtigung finden kann. Herr Vogt wies zur Begründun seines Antrages gleich wie im Vorjahre daraus hin, wie hoch die Städte, speziell Cassel, zur Deckung der Feuerschäden bei­zutragen haben, während hier die besten Maßregeln gegen Feuersgefahr in der Bau-Anlage und der Schaffung tüchtiger Feuerwehren und Feuerlosch-Utensilien getroffen seien. Das müsse auch in der Umlage zur Aussprache gebracht werden. Dem Voranschlag der Brand-Versicherungs-Anstalt zufolge erschien es nothwendig, den für 1901 ausgeschriebenen Brandsteuerzusatz mit 18 Pfg. für je 100 Mark Umlagekapital beizubehalten.

Rach dem obigen Brandsteuersatz von 18 Pfg. für je 100 Mark Umlagekapital berechnet sich die Jahres-Brandsteuer für je 1000 Mark der Versicherungssumme

in Bauartklasse I aus . . Mk. 90 Pf.

II 1 w 26 HI - . 1 ,62

, , IV 1 u 98

, , V . 2 52 ^

Der Voranschlag für 1901 würde alsdann in Einnahme und Ausgabe auf 2 040 000 Mk. abschließen, mithin gegen den laufenden Voranschlag 42 200 Mk. mehr betragen.

Herr Brandkassen-Direktor, Geh. Rath Knorz, widersprach dem Antrag Voigt, während die Abgg. Ruetz und Hornier denselben unterstützen. Der Antrag Voigt fand dann noch am Ende die Annahme durch die Versammlung.

Nächste Sitzung Sonnabend Vormittag 11 Uhr.

Hus ptab und fern.

x. Castel, 1. März. In dem Prozeß gegen den Bankier August Kersten beantragte der Vertreter der Staatsanwalt­schaft, den Angeklagten wegen Untreue und Unterschlagung in einer Anzahl von Fällen, sowie wegen einfachen Bankrotts und Vergehens gegen das Depotgesetz zu verurtheilen und gegen denselben auf 5 Jahre Gefängniß und Ehrverlust der gleichen Zeitdauer zu erkennen. Die Urtheils-Publikation er­folgt am 8. März.

FC. Wiesbaden, 1. März. Der Hauptbetheiligte am Königsteiner Mord, Heinrich Wetteroth, soll geistig anor­mal sein. Es wurde deshalb vom Gericht beschlossen, ihn auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen.

FC. Frankfurt a. M., 1. März. Wie bei Sub­missionen unterboten, resp, überfordert wird, dafür können wir heute ein weiteres Beispiel anführen. Das Hoch­bauamt hatte die Weißbinderarbeiten für das städtische historische Museum ausgeschrieben. Es liefen 15 Angebote ein, das höchste mit 2002.16 Mk., das niedrigste mit 936.75 Mk.

St. Frankfurt, 1. März. Direktor Alb. Schumann, welcher ein großartiges Engagement mit dem neuen Pariser Hippodrom abgeschlossen hat, kommt vorher einige Wochen hierher und wird wohl am 5. oder 6. ds. Mts. seine Vor­stellungen beginnen. Das neue AusstattungsstückChina", welches monatelang in Berlin so Furore machte, wird sicherlich auch hier zum Zugstück werden. Im Orpheum ziehen heute neue Kräfte ein, darunter ein Stern erster Größe: Mlle. Larive, die berühmte Pariser Excentrice, welche monate­lang der Magnet des Wintergartens in Berlin war. Fischer und Wacker, die trefflichen Duettisten, erscheinen auch auf dem Programm.

Die städtische Bibliothek

Bangertstraße 2, erster Stock, ist Sonntags, Mittwochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr zur kostenfreien Benutzung für das Publikum geöffnet.

Barometerstand mittags 12 Uhr am 1./3. 2./3.

Sehr trocken Beständig

Schön Veränderlich

Regen (Wmd

Biel Regen Sturm