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Gaissichauses iu Hanau.
Gedruckt und »erlegt in der Bikchdrucksrei des verein, cv.
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Nr. 43 Mittwoch den 20. Februar 1901
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Amtliches.
Landkreis Danau.
Bekasntmachungeu des Königlichen Landrathsamtes.
Die Herren Ortsvorstände werden verrmlsßt, d«für Sorge zu tragen, daß bei den gegenwärtigen Schneefällen die Landwege und Ortsstraßen stets fahrbar sind, damit der Berkehr nicht gehemmt ist. Sollte die Ausräumung der Wege durch Bahnschlitten sich als unzureichend erweisen, so müssen Arbeitskräfte zur Beseitigung der Verkehrshemmungen angestellt werden. Auf alle Fälle ist dafür zu sorgen, d«ß nach jedem in der Nocht erfolgten größeren Schneefalle gleich am frühen Morgen — zwischen 6 und 7 Uhr — sie Verkehrswege frei gemacht werden.
Wegen der Landstraßen wird die ksmmunrlständische Wegebau-Verwaltung das Erforderliche veranlassen. Nur soweit das der genannten Verwaltung regelmäßig zu Gebote stehende bezw. leicht zu beschaffende Arbeiterperssnal zur Beseitigung der Verkehrshindernisse in kurzer Zeit nicht genügt, ist die Inanspruchnahme von Landfolgediensten auch bezüglich der Landstraßen statthaft.
Hanau den 19. Februar 1901.
Der Königliche Landrath.
V 1837 v. Schenck.
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 weißlicher Regenschirm mit gelbem Rohrstock und gebogenem Griff.
Eingefangen: Auf einer Eisscholle am Main in Dörnigheim 2 weiße Gänse.
Entlaufen: Am Sonntag in Hochstadt 1 grauer Wolfsspitz.
Zugelaufen: 1 Mopshund m. Geschl.
Hanau den 20. Februar 1901.
^endenzlügen.
Die Geschichte von einer „neuen englischen Herausforderung", die darin liegen sollte, daß der Gouverneur der Kapkolsnie Milner dem deutschen Generalkonsul v. Lindequist die Thür gewiesen habe, hat sich als reiner Schwindel herausgestellt. Herr v. Lindequist war zur amtlichen Aeußerung aufgefordert worden und hat darauf gemeldet, daß er nicht den geringsten, persönlichen Konflikt mit Sir Alfred Milner gehabt habe. Wir stehen somit in der That, wie die „Nordd. Allg. Ztg." feststellt, vor der Thatsache, daß Tendenzlügen in die Welt gesetzt werden, um die anti-englische Stimmung in Deutschland
Feuilleton.
Johann Hemrick Voss.
Eine Skizze zu seinem 150. Geburtstage, 20. Februar.
Von August Hagemann.
v (Nachdruck verboten.)
Das Urtheil über Johann Heinrich Voß und seine Werke hat merkwürdige Schwankungen durchgemacht. Goethe hat seinen Gedichten überaus warme, fast begeisterte Anerkennung gespendet, die Romantiker dagegen haben sie als „schwarze Suppen-Poesie" des gemeinen Menschenverstandes verhöhnt. Sein berühmtestes Werk, die „Luise", ward früher fast über alles Maß bewundert; meinte doch Niebuhr, sie werde für unsere Nachkommen das sein, was für die Griechen Homer war! Diese Prophezeiung hat sich nun nicht erfüllt, vielmehr ist die einst so gefeierte Idylle in neuerer Zeit eher wieder in ihrem wirklichen Werthe unterschätzt worden. Auf Eines lassen uns aber diese Wandlungen des Urtheils von vornherein schließen: daß Voß ein Charakter war; denn es sind nur die scharf geprägten Persönlichkeiten, zu denen die einander ablösenden Perioden des Geschmacks sich so bestimmt Stellung zu nehmen veranlaßt fühlen. Und sein Charakter ist allerdings der Schlüssel zu Vossens Persönlichkeit.
Nach seiner dichterischen Begabung kann man Voß sicherlich nur ein Talent nennen. Es gebrach ihm an Phantasie, an Feinheit, an Schwung. Keiner der die gegenwärtig so gesuchten „ästhetischen Sensationen" liebt, wird bei ihm auf seine Rechnung kommen. Unter allen, die dem Göttinger Dichlerkreise angehörten, besaß er auch nach Hettners Meinung am wenigsten innere Poesie. Und doch hat gerade sein Werk eine Vollendung und einen Einfluß erreicht, wie das keines seiner Genossen. Während manchem echteren Poeten jener Sturm- und Drangperiode Leben und Dichten zerrann, hat Voß sein bescheidenes Talent mit ernstester Hingabe gepflegt und ihm
in Athem zu halten. Es ist dies ja nicht der erste Fall dieser Art.
Solche Aeußerungen sind doppelt verwerflich, wenn damit gleichzeitig Verunglimpfungen der Thätigkeit der Vertreter des deutschen Reiches im Auslande verbunden sind. So war z. B. der Konsul Rels in Johannesburg wegen seiner Thätigkeit bei den fertigen Massen-Ausweisungen von Ausländern den allergröbsten Angriffen in alldeutschen Versammlungen ausgeseyt. Jetzt sehen sich die alldeutschen Blätter genöthigt, eine Erklärung der Ortsgruppe Johannesburg abzudrucken, die eine vollständige Ehrenerklärung für den verfehmlen Konsul enthält.
Solche Blamagen lassen sich nicht durch Berufung auf angebliche offiziöse Artikel rechtfertigen, die einen falschen Eindruck erweckt hätten. Dieses Mittel, die sogenannten „Offiziösen" vorzuschieben, um die eigene Kritiklosigkeit zu verschleiern, ist zu verbraucht; man sieht es in der Regel angewandt, wenn Blätter durch vorschnelles Absprechen oder durch tendenziöse Ausbeutung von Falschmeldungen sich hineingelegt haben. Auch die Berufung auf die eigene nationale Gesinnung ist keine Entschuldigung; denn diese sollte im Gegentheil davon abhalten, Angriffe gegen die Vertreter des Reiches im Auslande oder Beschuldigungen der eigenen Regierung leichtfertig aufzugreifen und breitzutreten.
Denlschsr Reichstag.
Sitzung vom 19. Februar.
Ueber die Berathung der Vorlage bezw. des Bundesroth- beschlusfes betreffend Einreihung der Porzellan-Brennöfen, der Brennöfen für andere Thonwaaren, der Cement-Brennöfen und der Gypsöfen sowie der Anlagen zur Herstellung von gebrannten Kalk unter die genehmigungspflichtigen Anlagen entsteht eine kurze Debatte über bie. Genehmigungspflicht. Die zweite Berathung der Vorlage wird von der Tagesordnung abgesetzt. Es wird dann die Berathung des Postetals fortgesetzt beim Ausgabetitel Postksssirer, Oberpostsekretär, Psstsekretäre.
Abg. Eickhoff (freis. Volksv.) wünscht Gleichstellung der Postkassirer und Oberpsstdirektions-Lekretäre mit den Assessoren.
Staatssekretär Podbielski gibt zu, daß ein Theil der Beamten der höheren Laufbahn sich in wenig günstiger Lage befinde. Eine Reorganisation der höheren Laufbahn sei in Bearbeitung. Er hoffe, demnächst den berechtigten Wünschen entsprechen zu können.
Der Titel wird genehmigt.
Beim Titel Assistenten liegt eine von der Kommission vorgeschlagene Resolution vor, welche einen Nachtrags-Etat fordert zwecks Erhöhung sämmtlicher Gehaltszwischenstufen zwischen dem Anfangsgehalt von 1500 und dem Endgehalt von 3000 Mark
durch weitreichende und tiefgehende Studien Fülle und Bedeutung gesichert. Sein Charakter adelte sein Talent. Er war eine niederdeutsche Kernnatur: ernst und gediegen, sittlich und überzeugungstreu, freilich auch bis zum Fanatismus halsstarrig; und einen niederdeutschen Zug von Tüchtigkeit und Gesundheit hat er unserer Litteratur zugebracht, der immer sympathisch berühren und als eine wahrhafte Bereicherung unserer Poesie empfunden wird. Um aber den Werdegang seines Charakters zu verstehen, muß man Voß aus seinem Lebenswege begleiten.
Er war der Sohn eines unbemittelten Pächters und späteren Schullehrers zu Sommersdorf in Mecklenburg, der den geweckten und befähigten Knaben nur unter dem Beistände opferwilliger Freunde auf das Gymnasium in Neubrandenburg schicken konnte. Eine warme Begeisterung für die antike und die deutsche Litteratur füllte des Knaben Herz, und wie ein kalter Wasserstrahl mußte es auf ihn wirken, daß er nach Ab- solvirung des Gymnasiums wegen Mangels an Mitteln dem Besuche der Universität entsagen mußte. Da war es noch ein Glück, daß ihn ein Herr v. Oertzen auf Anckers- hagen mit 70 Thalern jährlich als Hauslehrer engagirte; er hoffte in dieser Stellung so viel zu erübrigen, daß er die Universität beziehen könnte. Aber bittere Jahre erwarteten ihn.
Da änderte sich sein Leben mit einem Schlage. Er hatte an Boie, den bekannten Herausgeber des Göttinger Musenalmanachs ein Gedicht eingesandt und Boies Antwort war so ermunternd, daß er kurz entschlossen seine Stellung aufgab und nach Göttingen ging, wo er sich mit Hilfe Boeis und anderer Freunde bald die Mittel zu seinem Lebensunterhalte und zum Studium sicherte. Welch eine Wandlung! Eben noch in trauriger Vereinsamung lebend, sah sich Voß jetzt mit einem Male als freier Bruder Studio inmitten in das angeregte und bewegte Leben und Treiben der begeisterten Göttinger Dichterjünglinge hineinversetzt, an dem er sich mit wahrem Enthusiasmus betheiligte. Es war die Zeit, da die Göttinger für Klopstock schwärmten und Wieland haßten, und Voß, der
um je 100 Mark. Eine weitere Resolution ersucht um Verkürzung der diätarischen Dienstzeit und Verbesserung in den Anstellungs-Verhältnissen der nicht etatsmäßig angestellten Assistenten.
Abg. Singer (Soz.) fordert, daß der unpolitische Charakter der Post auch gewahrt werde gegenüber dem Flotten- Verein und dessen Zeitung. Seine Fraktion stimme für die Resolution.
Abg. Müller- Sagan (freis. Volksp.) kritisirt das rücksichtslose Verhallen gegenüber den früheren Beschlüssen des Hauses und ist gleichfalls für Annahme der Resolution, ebenso der Abgeordnete Müller- Duisburg (natl.)
Nach einer kurzen Bemerkung des Äbg. K a r d o r f f (Rp.) erklärt
Staatssekretär P o d b i e l s k i was die Resolution betreffe, so liege in den jetzigen Zwischenstufen eine Anomalie vor, doch müsse, um Beträge in den Etat einzustellen, die Zustimmung der verbündeten Regierungen vorher eingeholt werden. In seinen «eiteren Ausführungen sagt der Staatssekretär, eine Verfügung, daß die Unterbeamten die Zeitung des Flotten- Vereins halten oder verbreiten sollten, existire nicht.
Nachdem Geheimrath Neumann namens des Schatzamtes um Ablehnung der zweiten Resolution gebeten und die Abgg. Müller- Sagan, Kirsch (Zentr.) und Singer nochmals sich zur Sache geäußert, nimmt
Staatssekretär P o d b i e l s k i nochmals das Wort, um zu erklären, er fühle sich mit seinen Beamten eins in den Bestrebungen zur Erhaltung des Reichs. Amtliche Einwirkungen zu Gunsten der Bestrebungen eines politischen Vereins halte er nicht für zulässig.
Die Debatte wird geschlossen. Der Titel wird genehmigt. Die erste Resolution wird einstimmig, die zweite gegen die Stimmen der Konservativen und eines Theiles der Nationalliberalen angenommen. Beim Titel Unterbeamten wird die Debatte abgebrochen.
Morgen 1 Uhr Theater-Zensur und Diäten-Antrag.
Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus.
(Sitzung vom 19. Februar.)
Das Haus tritt in die Spezialberathung des
Etats der
Berg-, Hütten- und Salinen-Berwaltung ein. —
Vom Abg. Schul tz-Bochum (ntl.) ist zn Titel 1 der Einnahmen „für Produkte" 146,000,000 Mk. folgender Antrag gestellt: Die Regierung zu ersuchen,. für die Bodenerforschung reichlichere Mittel in Zukunft in den Etat einzustellen, ins-
schon auf der Schule Klopstock und Ramler verehrt hatte, schloß sich ganz diesen Tendenzen an und stimmte seine Leier auf den Klopstockschen Odenton. Er machte auch jenen historisch gewordenen Spaziergang nach dem lieblichen Dorfe Weende am 12. September 1772 mit, wo die Freunde — außer Voß waren u. A.' auch Hölty, Miller und Hahn anwesend — unter den Wipfeln eines kleinen Eichenhains den Bund der Freundschaft beschworen und so den Grund zum „Hainbünde" legten. Der Schutzheilige und Abgott des Bundes war Klopstock und Wieland gleichsam der Antichrist; sein Bildniß fiel an Vater Klopstocks Geburtstag den Flammen zum Opfer. Niemand war bei all dem eifriger betheiligt als Voß; Niemand sang eifriger von Vaterland und Freiheit, von Unsterblichkeit und Freundschaft in Klopstocks Weise als er. Wunderlich berührt ja immerhin die Empfindsamkeit und die einigermaßen nebelhafte Schwärmerei dieser Tage an dem im Grunde nüchternen und dem Realen zugeneigten Mecklenburger. Unterschied er sich doch von seinen Freunden und Bundesbrüdern nach Kochs feiner Bemerkung*) schon dadurch, daß er nicht ihre sentimentale Sehnsucht nach der Natur theilte, sondern eine behagliche Freude i n und a n der ihn umgebenden Natur empfand und — können wir hinzufügen — als ein Kind des Landes sie auch mit den Augen des thätigen Landmanns ansah.
Bald genug brach sich sein echtes Wesen Bahn, als er seit 1776 sich der Idylle zuwandte. Vossens Verdienste um diese Dichtungsart können kaum überschätzt werden. An die
*) In der „Geschichte der Deutschen Litteratur", die einen Theil der trefslichen, vom Bibliographischen Institute in Leipzig herausgegebencil Serie der „Jllustrirten Litteraturgeschichten" bildet. Der ganze Abschnitt über unseren Dichter ist sehr lesenswerth. Er bildet gleichsam eine Stichprobe für das ganze Werk, das wohl als die beste gegenwärtig epistuende volkstümliche Behandlung dieses so wichtigen Stoffes gelten kann Die Kunst mit der das gewaltige Material zusammengefaßl und lichtvoll dargestellt ist, verdient höchste Anerkennung, und die Illustration ist mit
einer Umsicht ausgewählt und gestaltet, die ihr einen wahrhaft wissen
schaftlichen Werth gibt.