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Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

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Nr. 41

esses"

Spontan den 18. Februar

1901

Amtliches

Der am 12. April 1897 zwischen dem Ortsdiener Ludwig Kirstein, Konrad's Sohn, und dessen Ehefrau Regine, geb. Rehm zu Oberdorfelden, bezüglich Aufhebung der Er­rungenschaftsgemeinschaft hier geschlossene Vertrag wird ouf- gehobtN.

Windecken den 14. Februar 1901.

Königliches Amtsgericht. 2942

Die China-Vorlage.

Der Nachtrags-Etat für die China-Expedition in Höhe von rund 152 Millionen Mark ist vom Reichstage gegen die Stimmen brr Sozialdemokratie bewilligt worden. Es hat sich auch bei dieser Gelegenheit wieder gezeigt, daß trotz mancher unerquicklichen Zustände, welche der Parlamentarismus auch bei uns gezeitigt hat, die Reichsregierung in Fragen großen nationalen Stils, in Fragen, welche das Sein des deutschen Volkes berühren, doch immer noch auf eine geschlossene Phalanx zu rechnen vermag.

Die Debatte, welche der Bewilligung des Nachtrags-Etats vorausging, bestand der Hauptsache nach in mehrfachen Reden Bebels und deren ebenso schlagender wie nachdrücklicher Wider­legung. Insbesondere hat der Kriegsminister von Goßler dem Sozialistenführer trefflich gedient. Bebel leistete das Menschen­möglichste in der Beschimpfung der deutschen Armee, der deutschen Diplomatie und der deutschen Missionare, nannte die China-Expeditionbeschämend" und warf mit Ausdrücken wie Raub",Schmach" undSchande" nur so um sich. Zur Grundlage für seine Beschimpfungen aber mußten ihm vor Allem die famosen Hunnenbriefe dienen. Der Kriegsminister jedoch vernietete diese Grundlage, daß das ganze Lug- und Tvug-Gebäude in sich zusammensank. Insbesondere forderte er den Sozialistenführer auf, ihm doch die betreffenden Dokumente zu überreichen, damit er die amtliche Untersuchung einleiten könne. Doch Bebel schwieg hierauf; vermuthlich verhält es sich demnach mit deu meisten angeblichen Soldaten-Briefen so wie mit dem berüchtigten Tucker-Briefe, der auch nur im Hirn Bebels existirt.

An einem bestimmten Beispiele, auf das sich Bebel ganz besonders zu stützen suchte, aber wußte der Kriegsminister so­dann auch den grenzenlosen Unsinn zu kennzeichnen, der in den fraglichen Machwerken sein Wesen treibt. Der Gewährs­mann Bebels berich et beispielsweise in seinem angeblichen Briefe von einem Zuge nach Peking, der am 12. Oktober vor sich gehen sollte, während Peking bereits am 15. August ge­nommen war. Mit Recht erklärte der Kriegsminister, die Leichtgläubigkeit Jemandes nicht begreifen zu können, der auf

Feuilleton.

Erasmus Hiberus,

Lebensbild eines Wetterauer Reformators.

(Ein Gedächtnißblatt zum Todestage Dr. Martin Luthers.)

Als am 18. Februar des Jahres 1896 im Anschluß an die Feier des 350 jährigen Todestage Dr. Martin Luthers ein Bild von dessen Leben und Reformationswerk entrollt wurde, da wurde auch jener Männer gedacht, die den großen Refor­mator in seinem Wirken unterstützt haben. Heute nun, am Todestage Luthers, wollen wir eines Mitarbeiters desselben aus unserer Gegend gedenken, der sich schon frühzeitig zu ben Anhängern des Reformators bekannte und seine Lehre auszu­breiten bestrebt war. Dieser Mann war Erasmus Alberus.

Erasmus Alberus war einer der ersten Reformatoren der Wet.erau. Als seine Heimath wurde zwar in Königs Bibliotheka das Voigtland genannt, jedoch ist diese Behauptung von Anderen mehrfach widerlegt worden, und Erasmus Alberus selbst hat in seinen Schriften hin und wieder die Wetterau als seine Heimath bezeichnet. So sagt er beispielsweise in seinerBe­schreibung der Wetterau", er habe sie seinem Vaterland zu Ehren gemacht; auch in seinen 49 Fabeln nennt er die Wetterau sein Vaterland und die Wetterauer seine Landsleute. Sein Vater, Tilemann Alber, war längere Zeit Pfarrer in Engel­rode (Oberhessen) im Dienste der Herren von Riedesel. Ueber das Geburtsjahr des Erasmus Alberus finden sich nirgends Aufzeichnungen. Der Vater bestimmte ihn zum Studium der Theologie. In seinen 49 Fabeln erzählt uns Alberus auch über seinen ersten Schulunterricht, und zwar, daß erzu Nied ein klein Schülerlein' gewesen seye und als ein Knab von 8 Jahren den Donat gelernt habe." Wie schlecht es damals um die Schule bestellt war und was für ungeeignete Persönlich­keiten den Unterricht ertheilten, erzählt uns Erasmus Alberus in seinem 1534 herausgegebenenTraétat von der Ehe,

solchen Brief hineinfalle. Wie in der Wirklichkeit der Krieg in China geführt wird, darüber geben die Berichte des Ober- kommandos des Expeditionskorps zutreffende Auskunft. Es geschieht Alles, um unnütze Grausamkeiten zu vermeiden und Zucht und Ordnung unter den Truppen aufrecht zu erhalten. Der Erfolg ist denn auch ein derartiger, daß im Ganzen bis­her nur drei schwere Vergehen vorgekommen sind, die sofort exemplarische Strafe fanden.

Im klebrigen hat gerade Bebel als Vertreter der Sozial­demokratie am allerwenigsten Grund, sich über angebliche Grau­samkeiten und Rohheiten der Kriegsführung zu ereifern. In wirksamer Weise wußte der Abgeordnete Stöcker diesen Wider­spruch festzunageln. Die Greuel der Kommune, wie alle übrigen revolutionären Unthaten haben bisher noch imner in den Reihen der Sozialdemokratie eifrige Fürsprecher und Lob­redner gefunden, und von der Tribüne des Reichstages herab suchte einst Bebel den Fürstenmord zu rechtfertigen. Tas ganze heuchlerische Komödienspiel, das die Sozialdemokratie gegen­wärtig mit den Hunnenbriefen aufführt, wird durch solche Thatsachen in das richtige Licht gesetzt.

Die Sozialdemokratie hat bei der jüngsten Chinadebatte eine Niederlage erlitten, wie sie größer gar nicht gedacht werden kann. Die gehässigen Pfeile, welche von sozialdemokratischer Seite ohne einen Schatten des Beweises auf unsere tapferen Soldaten gerichtet würden, sind auf den Schützen zurückgeprallt. Bisher wußte man nur, daß die Angriffe auf Offiziere eine Lieblings-Beschäftigung Bebels bilden, künftig werden auch die Mannschaften wissen, welcher Feindschaft sie sich von der Sozialdemokratie zu versehen haben.

Denlscher Reichstag.

Sitzung vom 16. Februar.

Die Berathung des Etats der Post- und Telegraphen-Verwaltung wird fortgesetzt.

Abg. Graf O r i o l a (natl.) drückt seine Befriedigung über die gestrige Erklärung des Staatssekretärs aus, wendet sich dann gegen einige Punkte der gestrigen Rede Singers und kommt schließlich auf die planmäßige Anwendung von polnischen Adressen zu sprechen, welch letztere den Postbetrieb erheblich erschwerten.

Abg. Fürst Radziwill (Pole) ist mit der Einrichtung der Uebersetzungs-Bureaus einverstanden, wodurch anerkannt werde, daß polnische Adressen nicht zu verbieten seien.

Abg. Oertel (kons.) bestreitet, daß die Abwehr der polnischen Bestrebungen von Haß geleitet sei.

Abg. Glebocki (Pole) kommt auf die Polenstage zurück.

Staatssekretär Podbielski erklärt, es sei ihm besonders von Bankdirektoren gesagt worben, wir würden gern deutsch adressiren, aber die Adressaten haben erklärt, sie brächen dann alle Verbindungen mit den betreffenden Banken ab. Sollten die Uebersetzungs-Bureaus nicht genügen, so würden alle Briefe mit polnischer Adresse als unbestellbar betrachtet werden müssen. Bezüglich des Strafportos strebe er ein Einheitsporto an.

in dem er wörtlich schreibt:Zu der Zeit, da ich in die Schule gienge, habe ich oft gesehen wie man so greulich mit den armen Kindern umgienge; da stieß man ihne die Köpf wider die Wende, und zwar hat man mirs auch nit gespart. Ich war acht Jahr alt, da bekam ich eyn Schulmeyster zu Niedd, wann der voll Weins, ja voll Teufel war, da zöge er mich schlafend vom Strosak, darauf ich schliefe und nam mich bei den Füssen und zöge mich umher uff und ab, als were ich ein Pflug, daß mir das Haupt, uff der Erden hernach geschlept, vil Puff leiden must, darnach finge er ein ander Spill mit mir an, da nam er eyn Stange und zwang mich, daß ich hinauf klimmen must, darnach lies er die Stange aus der Hand gehen und mit mir zu Boden fallen, das solle gute Ingenia machen. Zuletzt nam er mich und stieß mich in eyn Sak und hienge mich zum Fenster hinaus; wann ich dann schri, da hörte mich eyn Prister, freilich eyn frommer Mann, der rieffe meinem Schulmeyster zu und sprach:Du Narr, was treibstu mit dem Kinde." Nit mer will ich erzelen, für solchen Schelmen­stücken sollen sich die hüten, die mit Kindern umgehen. So fein wart ich underwisen, dabey ich, da ich XHI. Jar alt war, nit ein Nomen kunt decliniren." Wohin Alberus sich nach Verlassen der Schule 31t Med, welches in seinem 14. Lebens­jahre geschah, gewandt hat und wo er weiter die Schule be­suchte, ist uns nicht bekannt geworden. Erst auf derhohen Schul zu Mayntz" finden wir ihn wieder; denn er schreibt selbst in seinemTraétat wider die Carlstätter":Es hieß einer M. Philippus Stumpf von Eberbach, der war etwan mein guter Gesell in der Universität zu Mayntz."

Inzwischen hatte die Reformation begonnen, für die sich Erasmus Alberus alsbald mächtig begeisterte. In Mainz aber, wo Albert, ein geborener Markgraf von Brandenburg, damals Kur­fürst und Erzbischof war, der sich der Reformation mit größtem Eifer widersetzte, durfte Alberus. seine Meinung nicht offen bekennen. Darum eilte er an die hohe Schule zu Wittenberg, um Lutherum selbsten zu hören". Es war dies um das Jahr 1520. Nach Beendigung seiner theologischen Studien wurde

Abg. Stöcker (wildkons.) berührt die Sonntagsruhe im Post­verkehr.

Staatssekretär Podbielski bezeichnet eine völlige Sonntagsruhe für alle Beamten für unmöglich.

Abg. Tiedemann (Reichsp.) kommt nochmals auf die polnischen Adressen zu sprechen.

Abg. Müller-Sagan (freis. Volksp.) bemerkt, der Unter- beamten-Verband habe noch immer mit dem Uebelwollen der Ver­waltung zu kämpfen.

Nach kurzer unwesentlicher Debatte, an welcher sich die Abgeord­neten Ledebour (Soz.), Glebocki (Pole) und Fürst Radziwill (Pole) betheiligen, wird der Gehaltstitel Staatssekretär genehmigt, sowie eine Reihe weiterer Titel. Dienstag 1 Uhr: Fortsetzung der Berathung. Schluß 51/« Uhr.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

(Sitzung vom 16. Februar.)

Etat des Innern.

Fortsetzung der Berathung des Etats des Ministers des Innern.

Abg. Kelch (frk.) wendet sich gegen die Behauptung Richters, daß das Ministerium des Innern seit fast 25 Jahren nichts leistete. Wenn Richter das Fürsorge- und Erziehungs­gesetz gekannt hätte, würde er den Vorwurf der Unfruchtbar­keit gegen den Minister nicht aufrecht erhalten können. Das Fürsorge- und Erziehungsgesetz ist eine der größten sozialen Thaten. Der Minister erwarb sich damit den Dank des ganzen Volkes.

Abg. Kindler (frs.) bemerkt bezüglich der gestrigen Aus­führungen Roerens, daß die Freisinnigen ebenso wie das Zen­trum wünschen, daß die Aufführungen von Obszönitäten in den Tingeltangeln verboten werde. Redner verlangt sodann bessere Vertretung der Städte und Landgemeinden auf den Kreistagen und fragt an, ob eine diesbezügliche Vorlage noch in dieser Session zu erwarten sei.

Der Minister erwidert, er sei mit Kindler in der Sache einverstanden, könne aber nicht versprechen, daß noch in der gegenwärtigen Session die Angelegenheit verabschiedet werde.

Abg. Trimborn (Ztr.) wendet sich an den Minister wegen der Schreibweise vonKöln". Nach einer Polizei­verfügung solle es mitC." geschrieben werden. Redner schließt: Geben Sie uns, Herr Minister, unser gutes deutsches K" wieder, und wenn Sie die Stimmung in Köln kennen lernen wollen, dann kommen Sie zu uns, übermorgen ist Fast­nacht. (Große Heiterkeit.) Alaf Köln. Großer Beifall, Händeklatschen.)

Der M i n i st e r erwidert: Schwerwiegende Gründe sprechen für dasC". Reichspost und Reichsbank schreiben C", aber verehrter Herr Trimborn, darum keine Feindschaft.

Erasmus Alberus im Jahre 1525 an die Schule des damals den Herren von Königstein und Eppstein gehörenden Oberursel berufen, woselbst die Reformation frühzeitig Eingang fand. Bezeichnend sind die Worte, die er in Beziehung auf seine dortige Lehrthätigkeit schrieb:Ich bin mein Leben lang Lügen­feind gewesen, kan auch mit falschen Leuten nicht umgehen. Vnd da ich Schulmeister war, strafte ich die Kinder, so ich auf Lügen fand, viel ehe und mehr, denn die ihre Lektion nicht konnten." Dem Orte Oberursel spendete er in seinen 49 Fabeln folgendes Lob:

Ursel im Königsteiner Land

Ist nicht groß, doch eine feyne Statt,

Die mir viel Guts erzeiget hat,

Drum wünsch ich ihr viel guter Jahr,

Sie hats verdient um mich fürwahr."

Weshalb Erasmus Alberus die Stelle zu Oberursel bereits nach zweijähriger Thätigkeit wieder verließ, ist nirgends ersicht­lich. Im Jahre 1527 hielt er sich zuHe l t enberg en, ohnweit Windecken," bei dem Ritter Conrad von Hatten­stein auf. Diesem Ritter widmete er folgendes Gedicht:

Es hat dem Herrn gefallen,

Daß ich in dieß Schloß kommen soll.

Zum Dienst meim Junker dieß zu schreiben,

Damit ich mög die Zeit vertreiben.

Daß ich dieweil nicht müßig gieng

Wiewohl die Arbeit war gering.

Doch war sie nutz und angenehm

Und zwar mir and) nicht unbequem.

Meins Junkers nemlich will ich melden,

Des edlen theuren frommen Helden,

In fernen Landen wohl bekand,

In Pohlen, Frankreich, Welschenland,

' In Kriegesläuften und übcrauß , er erfahren und mit im Hauß,

Wie etlich zarten Kindlein zwar

Erzogen, was ich lag ist wahr. *

Deshalben haben ihn die Herrn, Die wohlgebornen Grafen gern Zu ihrem Hauptmann angenommen.