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Amtliches Orss» für Stadt- and Faudkreis Kam«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertags mit belletristischer Beilage.

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Verantwort!- Redakteur: G. Schrecker in Hanam

Donnerstag den 14. Februar

1901

Amtliches.

Warnung.

In der Tagespresse wird gegenwärtig unter dem Namen Epstein s Polygonum-Thee '(Russ. Knöterich) ein an­geblich gegen Brust- und Halsleiden wirksames Mittel ange­priesen und seitens eines F. Epstein in Dresden in Päckchen von etwa 70 gr Inhalt zum Preise von 1 Mark, zuzüglich 40 Pfg. Nachnahmegebühr, versandt.

Der Thee besteht lediglich aus zerkleinerten Theilen des gewöhnlichen Vogelknölerichs, wie er auf allen Wegen und namentlich auch oft an wenig verkehrsreichen Straßen zwischen den Pflastersteinen wächst. Der in Rußland vorkommende Vogelknöterich ist von dem in Deutschland wachsenden in keiner Weise verschieden.

Eine spezifische Heilwirkung hat der Vogelknöterich nicht; 70 gr desselben in zerschnittenem Zustande haben im Groß­handel einen Werth von etwa 10 Pfg.

Berlin den 6. Januar 1901.

Der Polizei Präsident.

V 1605 v. Windh e im.

Landkreis Danau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.

Die Herren Bürgermeister erinnere ich an:

1. Berichterstattung über die bis zum 1. d. Mts. ver­bliebenen Gemeinde-Rückstände (Verfügung v. 15./10. 94 A 2921),

2. Einsendung der Berichte über chemische Unter­suchung von Nahrungsmitteln (Verfügung o. 3./10. 96 A 2493).

Hanau den 13. Februar 1901.

Der Königliche Landrath.

A 636 v. Schenck.

Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 schwarzes Portemonnaie ohne Inhalt. 1 Kwiser mit Nickelbeschlag. 1 weißes Gürtelschloß. 1 schwarzes Notizbuch mit vielen Notizen, anscheinend von einem Bäcker.

Verloren: 1 goldener Ring in Schlangenform mit einem Nupin.

Hanau den 14. Februar 1901.

.......-..... -

politische Rundschau.

Aenderungen in dem Berechtigungswesen der höheren preußischen Lehranstalten. In der durch Allerhöchsten Erlaß vom 1. Dezember 1891 genehmigten Be­kanntmachung, betreffend Aenderungen in dem Berechtigungs­wesen der höheren preußischen Lehranstalten, sind für alle Zweige des Subalterndienstes, für welche bis dahin der Nach­weis eines siebenjährigen Schulkurses erforderlich war, als Er­weise zureichender Schulbildung neben den Reifezeugnissen der f einstufigen höheren Lehranstalten die Zeugnisse über die nach Abschluß der Unter-Sekunda einer neunstufigen höheren Lehr­anstalt bestandene Prüfung anerkannt. Mit Genehmigung Seiner Majestät des Königs wird diese Bestimmung, soweit sie die neunstufigen höheren Lehranstalten betrifft, dahin ge­ändert, daß es zum Erwerbe der Berechtigung der Abschluß­prüfung nicht mehr bedarf, vielmehr die einfache Versetzung nach Ober-SeArnda genügt.

Die neuen Kornzölle. Auf Grundbestimmtester Versicherungen" eines Abgeordneten, der auf dem Boden des sogenannten Klinckowströmschen Kompromisses steht, wird in den Blättern mitgetheilt, daß in das neue Zolltarifschema, das demnächst dem Bundesrathe zugehen werde, als Mindestsätze eingestellt seien für Gerste 3 Mk., für Hafer 4 Mk., für Roggen 5 Mk. und für Weizen 6 Mk.

EinHunnenbrief", den sozialdemokratische Blätter aber sicherlich ihren Lesern vorenthalten werden,, ist derNeisser Zeitung" Dorr einem deutschen Soldaten aus dem Lager von Shanghai zugegangen. Der Brief, datirt vom 30. Dezember v. I., hat folgenden Wortlaut:

Lieber Großvater, Onkel und Tante! Eben habe ich Euren lieben Brief erhalten und will ihn Eurem Wunsche gemäß auch gleich beantworten. Bei uns ist hier alles noch ziemlich beim Alten, es ist kein Frieden, aber auch kein richtiger Krieg, man weiß eigentlich gar nicht, woran man ist. Was die Zeitungen dort schreiben, von den Miß­handlungen Unschuldigen gegenüber, ist ja alles Schwindel. Von deutscher Seite aus ist jedenfalls nichts Unrechtes geschehen, und was die Truppen anderer Mächte thun, dafür sind wir doch nicht verantwortlich. Hier wenigstens

ist uns Deutschen immer nur Lob ausgesprochen worden für strenge Mannszucht und Disziplin, und wenn dort ein radaulustiger Reporter schreibt, daß wir uns an unschuldigen Weibern und Kindern vergessen haben, so verdient der Schuft dafür an den Galgen gehängt zu werden. Bis jetzt haben wir Deutschen uns immer noch von den Aus­schreitungen anderer Truppen ferngehalten, und wenn auch hin und wieder ein räudiges Schaf darunter war, so haben sie auch nach unseren strengen Kriegsgesetzen ihren bitteren Lohn dafür erhalten. Hier, wo man stündlich dem Tode ausgesetzt ist, lernt man Recht und Unrecht auch viel klarer unterscheiden als zu Hause in geordneten Zuständen. Weih­nachten haben wir auch ganz gut verlebt. Am hl. Abend hatten wir in Shanghai in der Arkadiahalle eine Einbe- scheerung, worin wir reichlich bedacht wurden. An Liebes­gaben erhielt jeder eine wollene Unterjacke, ein paar Unter­hosen, ein Hemd und ein paar Strümpfe; von der Kom­pagnie bekam ich eine Tabakpfeife und unser Hauptmann schenkte jedem ein seidenes Taschentuch. Die deutschen Damen von Shanghai hatten auch jedem ein kleines Packet mit Geschenken verschiedener Art beigelegt. Mein Packet ent­hielt drei weiße Taschentücher, ein paar Strümpfe, ein Packet Tabak und sechs Stück Zigarren. Ein Weihnachtsbaum war aus Japan herbeigeschafft worden, da hier Tannen, Fichten oder Kiefern nicht zu finden sind. Unser vier­stimmiger Chor sang mehrere Weihnachtslieder und wir vergaßen auf einige Zeit ganz, daß wir so weit von der Heimath unser Fest feiern müssen. Nach der Bescheerung fand ein kleines gemeinschaftliches Essen im Nebensaale statt. Unser Kommandeur, Oberstleutnant Graf v. Schlippenbach, forderte uns dabei auf, allen unseren Wohlthätern in der Heimath wie hier ein Hurrah des Dankes zu bringen, und freudig stimmten an 800 deutsche Männerkehlen ein. Um 9 Uhr ging es dann wieder zurück in unser Feldlager, und mancher Gedanke richtete sich nach der Heimath, wie wohl unsere Lieben daheim Weihnachten feiern. . ."

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 13. Februar.

Eisenbahn-Etat. Chinavorlage.

Vor Eintritt in die Tagesordnung ergreift Abg. Heine (Soz.) das Wort gegen die von Minister Schönstedt in der Sitzung des Abgeordnetenhauses am 8. d. Mts. gegen ihn gerichteten Angriffe, die er nicht völlig unbeachtet lassen wolle und die er zurückweise. Diese seien, abgesehen von der Form, sachlich ungerechtfertigt, da ihn Schönstedt Dinge sagen lasse, die er nie gesagt habe. Er behalte sich vor, bei der dritten Lesung des Justiz Etats mit Schönstedt abzurechnen.

Bei der Berathung des Etats der Reichs.Eisenbahn-Ver­waltung weist

Abg. Paasche (nat.-lib.) darauf hin, daß im Extra- ordinarium, also auf Anleihekonto Folge-Raten gefordert würden für Positionen, deren vorausgehende Raten noch gar nicht aufgebracht seien.

Nach einer Erwiderung des Ministers Thielen werden yiehrere Titel mit den Abstrichen der Kommission angenommen.

Bei Titel 8Zweite Rate der Kleinbahnen Lützelburg Pfalzburg und Drillingen" hat die Kommission beantragt, von den geforderten 600 000 Mark die Hälfte abzusetzen.

Abg. Riff beantragt die Wiederherstellung der Regierungs- Vorlage. - ^W'?^ W " -

Abg. Schädler (Ztr.) tritt für die Kommissions-Vorlage ein, ebenso Abg. M üNer-Sagan.

Ebenio liegt ein Kommissions-Antrag zu Titel 9Ausbau der Bahnstrecke Hagendingen-Rembach" vor, von den geforderten 800 000 Mark 700 000 Mark abzusetzen.

Der Rest des Etats wird nach den Beschlüssen der Kommission bewilligt.

Es folgt Berathung der China-Vorlage.

Abg. Paasche (nat.-lib.) berichtet über die Kommissions- Verhandlungen unter Bezugnahme auf den gedruckten Bericht.

Die einzelnen Titel des Nachtrags-Etats werden debattelos bewilligt.

Die Kommission hat eine Resolution beantragt, daß in dem die Wirren in China abschließenden Staatsvertrag die Freiheit der christlichen Religionsübung in China ausbedungen und unter den Schutz der bei dem Vertrage betheiligten Staaten gestellt werde.

Abg. Bebel (Soz.) beantragt, falls die Resolution an­genommen würde, folgenden Zusatz: Den Missionaren ist die Verpflichtung aufzuerlegen, daß sie sich weder in die wirth- schaftlichen noch sozialen und politischen Angelegenheiten des chinesischen Reiches und seiner Bevölkerung einmischen, ins­besondere auch sich nicht den Charakter eines chinesischen Be­amten oder Würdenträgers beilegen oder beilegen lassen.

Abg. Bebel erklärt dazu: Tie Resolution der Kommis­sion geht sehr weit. Nach dem, was wir in den letzten sechs Monaten erlebt haben, glaube ich, haben wir keine Gelüste nach weiteren Konflikten mit dem chinesischen Reich. Der chinesische Konflikt wurde größtentheils durch die Missionare provozirt. Seit Monaten berathen die Vertreter der euro­päischen Mächte über die Friedensverhandlungen. Wir er­schweren ihnen die Arbeiten nur, wenn wir die Resolution annehmen. Die Missionare haben fortgesetzt die Rechtsan­schauungen des alten Kulturvolkes der Chinesen beleidigt. Wir wollen den Missionaren bezüglich ihrer religiösen Thätigkeit nichts in den Weg legen und wünschen ihnen viel Glück und glückliche Reise dazu. Aber sie sollen sich von politischen Bs- einflussungen fernhalten.

Abg. Graf Stolberg-Wernigerode: Ich vermag mich nicht auf die internationale Höhe zu schwingen, die Chinesen für uns gleichwerthig zu halten. Die Resolution will nur den Status quo Herstellen. Wenn wir den Schutz der deut­schen Christen in China vernachlässigen wollen, würde ihnen dieser Schutz von anderen Mächten gewährt werden, die nur darauf lauern. Die Resolution hat nicht nur einen christlichen zivilisatorischen, sondern auch nationalen Charakter. Gerade darum ist es erfreulich, daß sie vom Zentrum eingebracht ist. Ich bitte, die Resolution anzunehmen und den Zusatz Bebel abzulehnen.

Abg. Bachem (Ztr.): In allen Verträgen, die mit China geschlossen sind, hat man es für nöthig gehalten, be­sondere Bestimmungen über den Schutz der Missionare auf­zunehmen. Vor einigen Jahren warf Bebel den christlichen Regierungen vor, daß sie die armenischen Greuel zuließen. Warum sollen wir nicht für die christ' len Chinesen ein­treten ? Hier liegt ein Zwiespalt vor, der nur dadurch zu erklären ist, daß Bebel immer das Bedürfniß hat, in der Opposition zu sein. Der Zusatzantrag Bebels sei ein Miß­trauensvotum gegen die Milsionare. Warum schlage er einen solchen nicht auch gegen die Kaufleute und Ingenieure vor? Die Missionare haben den Rang der Mandarinen. Dies stammt nicht aus der deutschen Mission in Schantung, son­dern ist durch Verträge mit der französischen Regierung ein­geführt worden. Redner weist dann die Angriffe Bebels gegen die Missionare zurück. Der Zusatzantrag Bebels könne nur auf der Antipathie Bebels gegen alles Christliche be­gründet sein.

Staatssekretär v. Richt Hofen erklärt, daß die Stellung des Auswärtigen Amtes zur Resolution bereits in der Bud­getkommission eingehend dargelegt sei. Die Resolution wolle ja die Wiederherstellung des Status quo ante, welche, sei de jure nicht unbedingt geboten, da eine Unterbrechung der Verträge und ein formeller Krieg nicht staitgefunden habe und die diplomatischen Beziehungen zwischen China und dem Reiche nicht unterbrochen worden seien. Nothwendig sei aber die faktische Wiederherstellung des Status quo ante. In dieser Beziehung sei die Regierung entschlossen, Alles zu thun und habe ihrem Gesandten in Peking entsprechende Weisungen gegeben. Der Zusatz Bebels sei vom Standpunkte des Aus­wärtigen Amtes höchst bedenklich, denn ganz abgesehen von jeder Bedürfnißfrage sei die praktische Durchführung unmöglich. Weder die kaiserlichen Konsularbehörden in China hätten eine Handhabe dafür, noch sei die Verleihung des Mandarinen­ranges als Eintritt in den chinesischen Staatsdienst aufzu­fassen. Man könne diesem Zusatz keine Folgen geben, ohne die Klinke der Gesetzgebung in Bewegung zu setzen.

Abg. Müller-Sagan spricht sich gegen die Resolution aus, da er die Religion nicht mit der Politik verquicken wolle.

Abg. Graf Bernstorff legt dar, die Resolution wolle nur den Missionaren das zugestehen, was sie bereits hatten.

Abg. Schrader (fr. Vergg.) hält es nicht für ange­bracht, die Missionare unter den Schutz fremder Mächte zu stellen.

Abg. Bebel meint, das Zentrum habe über den Status quo hinausgehen wollen. Die Resolution der Kommission wolle die Missionare vor den Kaufleuten und Ingenieuren be­vorzugen.

Als'Beb el von der Kiautschou-Expedition sagt, die. fa­mose Expedition nach Kiautschou oder der Einbruch nach Kiautschou und der Raub von Kiautschou, wird er vom Präsi­denten Grafen Ballesirem zur Ordnung gerufen.

Abg. Lieber (nat.-lib.) hält es für selbstverständlich, daß das deutsche Reich seinen Missionaren denselben Schutz ange- deihen läßt, wie den anderen Bürgern, «seine Partei nehme deshalb die Resolution an.

Aba. Gröber (Zentr.) hält das Reich für verpflichtet, die deutschen Missionare zu schützen auf Grund ihrer Staats­angehörigkeit. Deutsche und christliche Interessen fielen in China zusammen.