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schwer die Deleidigsng für Oberstabsarzt Stümer gewesen, wie diese seinem heißgeliebten Bruder angethane Schmach den An- gefragten tief aufregen mußte. Ein überlegter Ms d liege hier nicht vor. Das Wort Mord weist der Vertheidiger weit von sich. Der Angeklagte war berauscht, die auffallende Ruhe, die er gezeigt, fei das Synptom seiner fürchterlichen Aufregung gewesen, wie man es bei ihm gewohnt sei. Auch von einem Borsatze könne nicht die Rede sein, § 212 des Strafgesetz- Luch-s könne nicht zur Anwendung kommen. Mildernde Um­stände seien zu bewilligen, das Motiv der That sei ein ideal- schönes. Einfache Körperverletzung mit nachzffolgtem Tose, $ 226 des Strafgesetzbuches, müsse angenommen werden, aber hier sei Nothwehr vorhanden gewesen und zwar zur Rettung eines Angehörigen aus Gefahr für Leib und Leben. Der Ver­theidiger beantragte daher Freisprechung.

Das Urtheil.

Nachdem der Vertreter der Anklagebehörde und der Ver­theidiger nochmals kurz geredet, zog sich das Gericht zur Be­rathung zurück, eine halbe Stunde darauf wurde das Urtheil verkündet. Oberleutnant Rüger wurde, wie schon erwähnt, zu 12 Jahren Zuchthaus und Entfernung aus dem Heere verurteilt und zwar auf Grund des § 212 des Strafgesetz buches. Es lautet: Wer vorsetzlich einen Menschen tobtet, wird, wenn er die Tödtung nicht mit Ueberlegung ausgeführt hat, wegen Todtsâ lages mit Zuchthaus nicht unter fünf Jahren bestraft. Mildernde Umstände hatte das Gericht nicht zugebilligt.

Hus Stadt und Cand.

Hanau, 12. Februar.

* Retrutenvorftellung. Heute Vormittag wurden die Rekruten vom 1. Bataillon des Jnf.-Rgts. Nr. 166 be­sichtigt. Hierzu waren erschienen der koinmandirende General v. Lindequist uns der Generalmajor v. Kalkstein. Morgen Vormittag werden die Rekruten des 2. Bataillons besichtigt.

* Rheinische Hypothekenbank Mannheim. In der gestrigen Sitzung des Au'sichtsrathes der Rheinischen Hypothekenbank, welcher auch der Staatskommissar anwohnte, wurde über das günstige Gcschäftsergebniß des abgelaufenen Geschäftsjahres berichtet und beschlossen, der Generalversamm­lung die Vertheilung einer Dividende von 9°/o für das Ge­schäftsjahr 1900 (im Vorjahr 81/2°/o) vorzuschlagen. Die Generalversammlung ist auf den 28. Februar d. Js. ein- berufen.

* Der Provinzialvereiu für Schwindsuchts- Bekämpfung in der Piooinz Hessen-Nassau, welcher Ende vorigen Jahres in einer unter Vorsitz des Oberpräsidenten Grafen v. Zedlitz-Trüschler in Frankfurt a. M. stattge- habteu Vertammlung begründet wurde und die Schaffung von Freistellen für nicht versicherte unbemittelte Lungenkranke als eine seiner ersten Aufgaben ansiehl, hat bereits 12,000 Mark laufende Jahresbeiträge für den Frelbenenfonds zugesichert erhalten.

* Kammermusik-Abend. Mit dein gestrigen dritten Abonnements-Konzert der Frankfurter Quartettvereinigung (die Herren Hock, Dippel, Melotte und H. Appunn) fanden die Darbietungen für diese Saison einen glänzenden Abschluß. Zum Vortrag kamen das harmonisch hochinteressante 6-âur-Quartett von Mozart, das äußerst ansprechende v-âur-Trio von Beethoven, Serenade genannt, sowie das prägnante Klavierquintett in Es-dur von R. Schumann. In sämmtlichen Vorträgen war es wiederum das der Quartettvereinigung nachzurühmende fein abgetönte, tech­nisch sichere Zusammenspiel selbst bei den schwierigsten Passagen und her seelische Ausdruck, wodurch sich die Künstler einen großen Erfolg sicherten. In dem Klavierquintett von Rob. Schumann führte sich Frau Eibenschütz aus Wiesbaden als eine vor­treffliche Pianistin ein, die mit fein musikalischer Auffassung und gut entwickelter Techttik dem interessanten, durch seinen Glanz und sein Feuer sich auszeichnenden Werke zu prächtigster Klangwirkung verhalf. So bot das Kammermusikkonzert auch diesmal einen hohen musikalischen Genuß, für den das Publi­kum durch herzliche Beifallspenden dankte. Den Vortragenden rufen wir zu: Auf Wiedersehen! in der nächstjährigen Konzert­saison !

k- Rezitationsabend. Bei Ansehung des materiellen Strebens der Gegenwart ist es gewiß ein durchaus zu billigen­des und edles Streben, wenn sich juitge Leute zusammeuschließen in Begeisterung für unsere Poesie und deren Pflege als Ziel ihrer Bestrebungen setzen. Vor etwa einem Jahre wurde aus diesen Stimmungen heraus der Verein „Calliope" gegründet, der gestern Abettd im Sälchen der „Stadt Bremen" einen Rezitationsabend veranstaltete. Es kamen vornehmlich Produkte der großen Dichterfürsten unseres Vaterlandes, wie Goethe, Schiller, Urlaub und Lenau, zu Gehör. Eine angenehme Ab­wechselung boten die Darbietungen einiger Dialektdichtungen. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Mißler, bot in seinen Rezitationen eine gute Leistung. Natürlich und frisch, ver- stândnißvoll und belebt von Wärme des Herzens trug er die einzelnen Nummern des Programms vor. Wenn auch, wie sich dieses hauptsächlich in der Rezitation des „Taucher" zeigte, der Vortragende noch nicht vermag, die Zuhörer mit Allgewalt hinauszuziehen auf die lichten Höhen der dramatischen Kunst, wenn er auch den Intentionen des Dichters nicht in allen Punkten vollkommen gerecht wird, besonders in lebendiger Wiedergabe der bewegteren Momente der Dichtung und der tragischen Parthien, sodaß der Vortrag dadurch an einzelnen Stellen zu monoton erscheint, so verfügt Herr Mißler doch über eine gut wirkende Natürlichkeit, die die Leistungen weit über das Maß des Durchschnitts emporheben. Eine zahlreichere Versammlung wäre der Sache würdig gewesen.

42 Kaufmännischer Fachvortrag. Im Saale des Stadtschlosses sprach gestern Abend Herr Syndikus Jos. Schloßmacher aus Frankfurt a. M. über: „Neuere Handelspolitik unter spezieller Berücksichtigung der Handels- vertrazspolnik" und wies einleitend daran' hin, daß heute kein Land mehr, falls e5 kulturell nicht rückwärts schi eiten will, auf den Außenhandel, d. h. auf den Güieraustausch mit fremden Nationen verzichten und die Weltwirthschafi zu Gunsten der inneren Volkswirthschaft aufgeben kann, kam jobann auf

Hanauer Anzeiger ^^

die Bedeutung der Handelsverträge im Allgemeinen zu sprechen und erläuterte in längeren Ausführungen die verschiedenen Zoll- und Tarifsysteme, wobei er das Doppel-Tarifsystem (Minimal- und Muximal-Tarif), welches eine Zeit lang von deutschen maßgebenden Kreisen ernstlich in Betracht gezogen worden sei, als verkehrselschwerend und in mancher Beziehung ohne Sondertarife nicht durchführbar verwarf. Auf Grund seiner Erfahrung--« trat Redner für langfristige, auf min­destens 10—12 Jahre festzulegende Handelsverträge ein und behandelte schließlich eingehend die gegenwärtig brennende Ge­treidezollfrage. Der Herr Vortragende suchte statistisch nachzu- weisen, daß nur ein verhâltnißmäßig sehr kleiner Bruchtheil der Landwirthschaft treibenden Bevölkerung Getreide zum Ver­kauf zu bringen in der Lage sei und infolge dessen Vortheil von einer Erhöhung der Getreidezölle hätte, daß dagegen bei einer Steigung der Getreidepreise auch der Preis des Grund und Bodens ein höherer würde und daß man, weil dadurch hauptsächlich der Großgrundbesitz prontnenund finanziell sichkräf- tigen könnte, durch Unterstützung dieser Bestrebungen nur der Verzentralisirung des Grund und Bodens Vorschub leistete. Wenn Redner weiter meint, daß die übrigens,nur mäßige nume­rische Überlegenheit der industriellen Bevölkerung über die landwirthschaftliche eine Berechtigung der letzteren zur Forderung größeren Zollschutzes ausschließe, so dürfte das nicht ganz logisch sein, wie auch seine Ansicht, daß durch Gewährung höherer Zölle Und dadurch erreichter Verbesserung ihrer Lage die Landwirthe ihre intensive Schaffenskraft, ihr -streben nach Vervollkommnung der technischen Mittel einbüßten, eins sicher nicht von Jedermann getheilte ist. Man soll ja an den Er­rungenschaften der Kultur die ganze Nation partizipiren und auch die Landwirlhsckaft von dem glänzenden Aufschwung der Judustrie Nutzen ziehen lassen, wenn man das Wohl der Ge­sammtheit im Auge bat.

* Kaufmännisches Auskurrftswesen. Auch am hiesigen Platze ist ein „Verein Auskunftei Bürgel" gebildet worden. Die Geschäftsstelle des Hanauer Ver­eins befindet sich Wichelmstraße 8, Geschäftsführer ist Bank­agent Val. Klug. Die in Deutschland schon zahlreich ge­bildeten Vereine dieses Namens bauen sich auf den seit schon längeren Jahren bestens renommirten Handelsauskunfteien Martin Bürgel, Gesellschaften mit beschränkter Haftung in Berlin, Dresden, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Köln, Leipzig, Mannheim, München und Nürnberg auf. Das Be­streben der Gesellschaften unb Vereine war und ist es, dem Auskunftswesen eine Bedienung zu Theil werden zu lassen, welche mit der gewissenhaftesten und z u ver - l ä s s i g st e n Wahrung der dabei in Frage stehenden ge­schäftlichen Interessen in vollkommenem Einklänge steht, in Ausübung peinlichster Sorgfalt Auskünfte b e st e r Qualität zu ertheilen und das Auskunftswesen zu einer denkbar hohen Stufe der Funktionen und des öffentlichen Ansehens zu erheben. Bei Gelegenheit dieser Vereinsbildung dürfte es von Interesse sein, milzutheilen, was das „Hand­wörterbuch der Staatsw ssenschaften", dieses von den be­kannten Volkswirthschaftlern Conrad, Elster, Lexis und Löning herausgegebene monumentale Werk, in dem soeben erschienenen zweiten Bande der zweiten Auflage sagt. Daselbst heißt es: „Unzweifelhaft ist es ein nützliches, im höchsten volkswirth- schaftlichen Sinne „produktives" Gewerbe, gegen Entgelt Aus­kunft über Kreditverhältnisse zu ertheilen. Trotzdem hat dieses Gewerbe noch gegen viele Vorurtheile zu kämpfen, selbst bei der Geschäftswelt, die auch bei uns in Deutschland noch keines­wegs das volle, richtige Verständniß für dasselbe gewonnen hat. Zahlreiche Geschäftsleute haben den Nutzen der Aus­kunfteien überhaupt noch richt erkannt oder sie unterschätzen die Schwierigkeiten wirklich guter Auskunftsertheilung oder sie schauen die dafür nothwendige geringe Ausgabe. Ganz be­sonders bedauerlich ist die noch sehr weit verbreitete Anschauung, daß jede Anfrage über Kreditverhältnisse schon ein beleidigendes Mißtrauen in sich schließe und fast ebenso verkehrt ist die eifersüchtige Geheimnißkrämerei, mit der manche Geschäftsleute ihre eigenen Erfahrungen über fremde Kreditverhältnisse be­wachen. Unser heutiges Kreditwesen bedarf zur Heilung der schweren Schäden, an denen es leidet, nothwendiger Weise eines gewissen Maßes der Ocff ntlichkeil. Ein großes, mit Ernst, Gewissenhaftigkeit und Intelligenz geleitetes Auskunfts­bureau vertritt dieses unentbehrliche Maaß von Oeff-ntlichkeit und Vertrauen. Natürlich muß diese Oeffenllichkeit mit großer Diskretion gepaart sein." An der Spitze des Ver­bandes der Vereine Auskunftei Bürgel steht der wegen seines genialen Organisationstalentes bekannte Martin Bürgel, der auch Schöpfer eines deutsch-russischen Verbandes zur Förderung der Handelsbeziehungen mit Rußland ist. Bei der Dezentrali­sation der bestehenden Gesellschaften wird vor Allem Werth auf die Einsetzung einer befähigten und kundigen Geschäfts­führung an jedem Platze gelegt. Die Aufgaben des Auskunfts wesens bewegen sich fortdauernd in steigender Richtung und es muß Alles, was für das Verkehrswesen bedeutsam ist, auch von den Auskunfteien mit lebhaftem Verständniß verwerthet werden können.

* StuDttyeater. Die Einführung der Schüler Billets zu halben Pi eisen für klassische Vorstellung°n ist erstmalig bei Lessings „Nathan" von den hiesigen Lehranstalten freudig be­grüßt worden, sodaß auch für die am nächsten Mittwoch statt- findende Aufführung von „Minna von Barnhelm" sehr lebhafte Nachfrage in Aussicht steht. — Herr Fritz Schmith hat für sein Benefiz (am Friitag) Sardous span­nendes, und hier sehr beliebtes Schauspiel „Dora" gewählt. — ElN neuer Schwank der Frankfurter Schriftstellerin Frau Anna Hill, betitelt „Erlköni g" wird in der nächsten Woche hier erstmalig aufgeführt. — Für die Kindervorstellung zu Fastnacht ist das prachtvolle Märchenspiel „Aus dem Märchenreich" von Oscar Will, das an vielen Bühnen mit größtem Erfolg gegeben wurde, gewählt worden.

* Kttnstiuduftrie-Vereitt. Am nächsten Montag den 18. Februar spricht der bekannte Historiker Prof. Dr. E. Gathein aus Bonn über „Katharina JI, Voltaire und Diderot". Ein Bild französisch-russischen Geisteslebens im 18. Jahrhundert wird also vor uns entrollt werden, das ge­wiß seine Anziehungskraft nicht verfehlen dürfte.

12. Februar.

* SpeffarL-Touristeu-Vereiu. In der am Don­nerstag den 7. d. M. abgehaltenen Hauptversammlung wurde für das Jahr 1901 folgendes T ourenp ro gram m aufge­stellt :

1. Tour am 17. Februar: Brücken, Hahnenkamm, Wasser­los, Alzenau.

2. Tour am 10. März: Dettingen, Hörstein, Mömbris, Johannesberg, Aschaffenburg.

3. Tour am 24. März: Rückingen, Niederrodenbach, Michelbach, Alzenau.

4. Tour am 21. April: Darmstadt, Ludwigshöhe, Ruine Frankenstein, Seeheim, Jugenheim.

5. Tour am 5. Mai: Gelnhausen, Neffenkopf, Büdingen.

6. Tour am 23. Juni: Erbach, Lauerbach, Hüttenchal, Hiltersklingen, Lärmseuer, Michelstadt.

7. Tour am 20. und 21. Juli: Cronberg, Feldberg, Saalburg, Bad-Nauheim.

8. Tour am 18. August: Rückersbacher Schlucht, Stern­berg, Rückersbach, Hörstein.

9. Tour am 22. September: Michelbach, Schanzenkopf, Dörnsteinbach, Mittel-Krombach, Schöllkrippen.

10. Tour am 13. Oktober: Wasserlos, Hahnenkamm, Alzenau.

Am 16. Mai und 8. September: Familien-Touren.

* Panorama. (Ecke Hirsch- und Salzstraße.) Eine wunderhübsche, mit Naturlchönheiten und interessanten Sehens­würdigkeiten reichlich ausgestattete Serie bildet der zweite Theil der Schweiz, die Reise durch die Alpenwelt des Berner Oberlandes. Die Ansichten befriedigen von Anfang bis zu Ende voll und ganz, gleichviel, ob wir die prächtigen. Szenerien der Hochgebirge, die schaurig-tiefen Schluchten der Felsenformationen, die sprühenden und dampfenden Wasserfälle oder die lieblichen grünen Thäler und malerisch gelegenen Alpenstädte an unserem Auge vorüberziehen lassen. Einige besonders gefahrvolle Stellen des Grindelwald-Gletschers bilden ein wildzerklüftetes, glitzerndes Eisgebirge mit gähnenden Ab­gründen und schwindelnden Höhenzügen. Die zu demselben Gletscher gehörende Eis-Grotte gleicht einem Schlößchen aus strahlendem Edelgestein, einem wirklichen Krystallpalaste. Die Bilder sind zum Theil von poetischer, zum Theil von recht wilder, düsterer Romantik, und man weiß mitunter wahrhaftig nicht, was man mehr anstaunen soll, die Tollkühnheit der wag­halsigen Bergtouristen ober die gefahrdrohenden, in ihren grotesken Gestaltungen unheimlich wirkenden Naturgebilde.

* Bei Ausübung seiner Berufsthätigkeit hat sich leider Herr Kreislhierarzt Collmann eine schwere Infektion in der linken Hand zugezogen. Er mußte vor 8 Tagen in Dörnigheim bet einer Kuh einen operativen Ein­griff unternehmen, wobei ihm der Geburtshaken in die linke Hand drang und, wie gesagt, eine schwere Infektion ver­ursachte. Glücklicherweise scheint es ärztlicher Kunst gelungen, die Infektion auf die eigentliche Wunde zu lokalisiren.

* Schwindel. Ein Elektrotechniker versuchte auf dem Wege des Zeitungsinserats zu einer Lebensgtführtin zu gelangen und erhielt aus Seligenstadt von einer dortigen Frau Sp. die Vermittelung angeboten, die ihn in eine Hanauer Wirth­schaft bestellte. Hier legte ihm die Frau einen Schuldschein zur Unterschrift vor, bei welchem es auf offensichtlichen Betrug abgesehen war. Als die in einem Nebenzimmer geführten Ver­handlungen nicht den für die Frau gewünschten Abschluß fanden, versuchte dieselbe den Elektrotechniker einzusperren und machte sich auch noch der Freiheitsberaubung schuldig.

* *

X Niederissigheim, 12. Februar. Unser langjähriger Bürgermeister Schröder ist in verflossener Nacht ver­schieden.

Ans dem Gerichtssaai.

Sitzung des Schöffengerichts vom 12. Februar.

Der Backwaaren-Austräger M. unterschlug seinem Auf­traggeber 14 Mark für verkaufte Backwaaren. Er erhielt 14 Tage Gefängniß. — Der Spenglèrmeister W. erhält 25 Mark Geldstrafe wegen Vergehens "gegen die Reich^gewerbe- ordnung. Er hatte einen Arbeiter ohne, polizeiliche Erlaubniß am Sonntag beschäftigt. — Der Taglöhner H. von Bruch­köbel hatte bei einer bekannten Frauensperson mit seinen Er­folgen bei den Damen seines Bekanntenkreises renommirt. Die Folge war eine Klage gegen den H., denn die erwähnte Frauensperson hatte nichts Eiligeres zu thun gehabt, als die ganze Geschichte denen zu erzählen, die es anging. H. nahm dafür an der Erzählerin Rache, in dem er sie bei den Haaren zog und sie ohrfeigte. Die ganze Affaire kostet dem H. 10 Mk. Geldstrafe. — Der Ausläufer A. sollte einige übermütige Jungen mißhandelt haben. Er wird freigesprochen. — Der Wagner F. von Bruchköbel begegnete eines Abends dem Bahn­wärter I., mit dem er auf feindlichem Fuße steht und infolge gegenseitiger Stichelreden kam es zwischen Beiden zu Thät­lichkeiten. F. ergriff dabei einen immensen Knüppel, rückte dem I. zu Leibe und stieß ihn damit zu Boden, wodurch I. mehrere Tage arbeitsunfähig wurde. F. erhält 6) Mk. Geld­strafe. — Der Taglöhner G. erhob Widerspruch gegen einen Strafbefehl von 2 Mk. den er erhielt, weil er einen mit Blut gefüllten Eimer unbedeckt aus dem Schlachthause in die Stadt trug. Sein Einspruch wird als unbegründet verworfen.

Telegraphischer Wetterbericht der dcutsibea Secwarte.

Telegramm aus Hamburg vom 12. Februar,

9 Uhr 35 Min.

Ein Maximum von 775 mm lagert westlich von Irland, ein Minimum unter 755 mm über dem finnischen Busen. In Deutschland herrscht kälteres, ruhiges, vielfach heiteres Frostwetter.

Prognose für den 13. Februar: Ruhiges Frostwelter, stellen­weise Schnee wahrscheinlich.