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Zweites Blatt.

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WatsenhaufeS in Hanau.

General-Anzeiger.

AMchrs Organ für ÄsKt- and Landkreis Kam«.

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Berimtwortl. RedaStour: G. G-chrecker in Hanau.

Nr. 34.

Deutsche Waffenlieferungen nach Gngland.

In manchen Blättern wird eine starke Entrüstung darüber ausgesprochen, daß einige deutsche Firmen Kriegsmaterial nach England geliefert oder doch englische Bestellungen angenommen haben. Der Tadel wird aber nicht auf die beteiligte Fabriken beschränkt, sondern auch auf die deutsche Regierung ausgedehnt, die einen solchen Bruch der Neutralität unter keinen Umständen dulden dürfe. Betrachten wir darum einmal ganz leidenschafts­los die Sachlage.

Wir wissen nicht, cb das gelieferte oder noch zu liefernde Material zur Verwendung im Kriege gegen die Buren be­stimmt ist, nehmen wir es aber als gewiß an. Die betheiligten Firmen unterstützen demnach eine der kriegführenden Parteien, obgleich das deutsche Reich strenge Neutralität beobachtet. Wie das Verhalten der Waffenfabriken vom moralischen oder natio­nalen Standpunkt aus zu beurtheilen sei, lassen wir beiseite; die Frage ist, ob und wie die deutsche Regierung gegen die Lieferungen einschreiten mußte und konnte. Sie hat erst der Firma Krupp, später einer Düsseldorfer Firma den Wunsch geäußert, die Lieferungen für die Dauer des Krieges einzu­stellen. Das konnte natürlich erst geschehen, nachdem die Lieferungen bekannt geworden waren. Die erwähnten Firmen haben sich darauf bis auf Weiteres bereit erklärt, dem Wunsche uachzukommen.

Wenn nun aber doch von diesen oder andern Firmen ge­liefert wird? So wenig der Regierung gesetzliche Mittel zur Verfügung stehen, um rechtzeitig von Vertragsabschlüssen nach dem Auslande Kenntniß zu erhalten, so wenig ist sie in der Lage, die Erfüllung jenes Wunsches gegen widerstrebende Firmen zu erzwingen. Die Reichs- und Staatsgesetze geben ihr keine solche Macht gegen Reichs- und Staats-Angehörige, und es ist sogar wahrscheinlich, daß Zivil-Klagen auf Schaden- Ersatz gegen die Regierung, die auf dem Verwaltungswege eine solche Einmischung in den Geschäfts-Betrieb Privater durch­setzen wollte, von Erfolg sein würden. Denn auch auf das Völkerrecht kann man sich nicht berufen, da dieses nur den Staat als solchen bindet, den privaten Handel mit Kriegs- kontrebande aber der eigenen Gefahr der Unternehmer über­läßt. Insoweit sich der Tadel darauf bezieht, daß die Re­gierung keine Zwangs-Maßregeln gegen die an England liefernden Firmen ergreift, ist er mithin völlig ungerechtfertigt.

Die Regierung hat nur ein gesetzliches Mittel, die Ausfuhr bestimmter Waaren zu kontrolliren und zu verhindern, das rt ein Ausfuhr-Verbot. Die Tadler gehen wohl kaum so weit, ein solches zu verlangen, und das mit Recht. Ein Ausfuhr-Verbot wäre nur zweckmäßig und unschädlich, wenn gleichzeitig auch in den konkurrirenden

Kleines Feuilleton,

Der Erreger der Hundepest ist entdeckt. Eine gute Nachricht für die Züchter und Liebhaber von Hunden kommt aus London, wo Dr. Copeman der „Royal Society" eine wichtige Mittheilung über die Entdeckung eines neuen Bacillus gemacht hat, der ganz zweifellos als der Erreger der Hundestaupe, Hundeseuche oder Hundepest zu betrachten ist. Dieses kleine Lebewesen hat seiner Auffindung bedeutende Schwierigkeiten entgegengesetzt, da die Arbeiten erst nach zehn­jähriger Dauer zum Erfolge geführt haben. Dr. Copeman hat aus den Ausscheidungen der Lunge, dem Schleim der Luft­röhre und der Nase von staupekranken Hunden einen kleinen Coccobacillus ausgeschieden, der bei Körpertemperatur leicht auf jedem Nährboden wächst. Ein einziges Kubikzentimeter der Kultur, einem Hund von 7 Kilogramm Gewicht unter die Haut geimpft, ist hinreichend, um das Thier an der Staupe erkranken zu machen, die im Laufe einer Woche nach der Impfung unbedingt zum Tode führt. Das Wichtigste ist, daß Copeman auch eine Lymphe zur Schutzimpfung der Hunde gegen Staupe hergestellt hat, die aus einer Bouillonzüchtung des Bacillus in einer Temperatur von 60 Grad mit Hinzufügung einer kleinen Menge Karbolsäure gewonnen wird. Eine Impfung mit 2 Kubikzentimeier dieser Lymphe genügt schein­bar, um einen jungen Foxterrier von 1'/» Kilogramm Ge­wicht, der bereits mit Staupe angesteckt gewesen ist, vor der Erkrankung völlig zu schützen. Wie lange der Schutz dieser Impfung bei den Hunden anhält, ist noch nicht ganz festge­stellt, jedoch wird darüber bald eine genauere Mittheilung zu erwarten sein, da aus Veranlassung des englischen Forschers in großen Hundezüchtereien Englands, Deutschlands und Amerikas Versuche in großem Maßstabe gegenwärtig im Gange sind. Die Entdeckung ist insofern von der größten Bedeutung für die Hundezuät, als bekanntlich gerade die jungen Hunde edler Abstammung von der tödtlichen Kränkung befallen wer­

Samstag den 9. Fcbrmr

Ländern ein solches erlassen und durchgeführt würde. Es steht fest, daß weder Frankreich, noch Italien, noch Rußland, noch Oest rreich-Ungarn, noch Amerika daran denken, die Waffen- Ausfuhr nach England zu verbieten. Die Wirkung eines deutschen Ausfuhr-Verbotes wäre daher, daß die englischen Bestellungen an französische, italienische rc. Fabriken übergingen. Die Schädigung der deutschen Unternehmer ist dabei für uns von untergeordneter Bedeutung. Viel wichtiger wäre die Be­einträchtigung unserer militärischen Leistungsfähigkeit und der Interessen zahlreicher deutscher Arbeiter.

Zu unserer militärischen Schlagkraft trägt die Güte unserer Waffen-Jndustrie ganz wesentlich bei; diese braucht aber zur Deckung ihrer kostspieligen Versuche und um überhaupt auf der Höhe ihrer Leistungen zu bleiben, die Ausfuhr nach dem Auslande Der Uebergang ausländischer Bestellungen an kon- kurrirende fremde Firmen würde die deutsche Waffen-Jndustrie nicht nur für den einen Fall, sondern auf die Dauer schädigen, da die einmal angeknüpften fremden Geschäfts-Beziehungen sich leicht fort erhalten und fremde Staaten mit der Gefahr der Wiederkehr eines deutschen Waffen-Ausfuhrverbots rechnen würden. Daß die deutsche Waffen-Jndustrie, wenn ihr so von der eigenen Regierung zum Vortheile ihrer ausländischen Konkurrenten die Ausfuhr beschränkt würde, zahlreiche Arbeiter- Entlassungen vornehmen müßte, leuchtet ohne Weiteres ein. Ein einseitiges deutsches. Waffen-Ausfuhr-Verbot würde also, ohne den Buren zu nützen, wichtige deutsche Interessen schädigen und muß deßhalb unterbleiben.

Wenn man sich das alles ruhig überlegt, was wirklich nicht schwer ist, wird man auch den alldeutschen Ueberreifer für die Buren gegen die eigene Regierung mißbilligen müssen.

politischer Wochenbericht.

Im preußischen Abgeordnetenhause hat die erste Lesung der Kanal-Vorlage oder, besser gesagt, der neuen wafferwirthschaftlichen Vorlage stattgefunden. Den Höhepunkt erreichte die Debatte mit einer Rede des Fi u a n z m in ist e rs von Miquel, der die Mehrheils-Parteien dringend ermahnte, doch nicht durch ungerechtfertigte Gegnerschaft in der Kanal­frage das bisherige einträchtige Zusammenwirken mit Re­gierung, dem so schöne Früchte entsprossen seien, stören zu wollen.

Inzwischen hat Kaiser Wilhelm unmittelbar nach den Beisetzungs-FeierlichkeiteninEnglanddieHeim­reise vollzogen. Glänzende Huldigungen wurden ihm vor der Abfahrt auf britischem Boden zu Theil, und die gestimmte Presse Englands ergeht sich in begeisterten Schilderungen der Persönlichkeit unseres Kaisers. In Deutschland aber schlagen die Herzen seines Volkes ihm jubelnd entgegen. Je

den, gewöhnlich innerhalb des eisten Lebensjahres. Tie Krank­heit äußert sich in Verdauungsstörungen, Husten und schleimigen Ausfluß aus Nasen und Äugen, gleichzeitig zuweilen auch in einem Hautausschlag, besonders auf der Innenseite der Schenkel. Außerdem gibt es noch eine nervöse Staupe, deren Erscheinung in Krämpfen und Schlafsucht besteht.

Ueber das medizinische Studium der Frau sprach Frl. Dr. med. Tiburtis-Berlin im Verein „Frauen­wohl". In Deutschland befinde sich die Frage des medizini­schen Frauenstudiums im Uebergangsstadium. Baden laste seit 1900 die Frauen nach dem Abiturium zur Immatrikulation zu, dagegen dürfen sie nur Zuhörerinnen sein in Halle, Bonn, Göttingen und Berlin. Die Furcht vor der sittlich-ethischen Gefahr des medizinischen Frauenstudiums sei längst hinfällig geworden, und das Interesse der Frauenwelt an dieser Frage wurde ein immer größeres, nickt weil die Frauen durch die männliche Behandlung sich moralisch geschädigt sehen, das könne durchaus nicht behauptet werden, sondern weil viele Frauen die Scheu nicht überwinden können, an den männ­lichen Arzt in manchen Fällen sich zu wenden. Für das ver­trauliche Verhältniß, das sich zwischen den weiblichen Patienten und Aerztinnen bilde, spreche die Zahl von 25 000 Kranken, die in der Berliner weiblichen Poliklinik seit 1874 sich ge­meldet haben. Unanfechtbar stehe die Existenzberechtigung der Aerztin heute, die natürlich genau so gediegen vorbereitet ist, wie der Mann in die Hochschule treten müsse. Die Gymnasial­kurse haben sich durchaus gut bewährt, in den von Helene Lange geleiteten in Berlin haben sämmtliche 22 Abiturientinnen ihr Examen gut bestanden. Von 41 Professoren haben 26, barunter meistens Gynäkologen, das gemeinsame Studium von Männern und Frauen befürwortet. In einer Rundfrage er­klärten 37 Professoren, keine ungünstigen Erfahrungen im ge­meinsamen Stadium, sondern vielmehr noch einen erzieherischen Einfluß im Benehmen der Studenten verzeichnen zu können. Skparat-Universitäten würden die Fraueu zu Aerzten zweiter I Klasse herabdrücken. Ganz unbegründet sei die Angst vor

1901

größer die Betrübniß über den schmerzvollen Anlaß war, d" den geliebten Monarchen an seinem Geburtstage uns fern­hielt, umso größer ist nun die Freude, ihn wieder in unserer Mitte zu wissen.

König Eduard VII. hat letzthin eine Botschaft „An mein Volk über See" erlassen. Eine Stelle dieser Botschaft beschäftigt sich auch mit der südafrikanischen Ange­legenheit und ist in erster Linie an die Kap-Hollän­der gerichtet. Es ist in der That keine Frage, daß von ihrem Verhalten die weitere Gestaltung der Dinge in Süd­afrika wesentlich abhângt. Werden sie in Treue zu England verharren oder in größerm Umfange abfallen? Die Besorg­nisse sind in letzterer Hinsicht für England wesentlich ge­wachsen, seit De W e t der Einbruch in die Kapkolonie geglückt ist. Ein neues Moment aber ist, falls die betreffenden Nach­richten sich bewahrheiten, in die südafrikanische Kriegsführung jüngst noch dazu hineingetragen worden, daß eine Buren- Kolonne den Kampf auf portugiesisches Gebiet hinübergespielt hat und Lourenco Marques ernstlich bedroht.

Aus C h i n a ist die Nachricht ein getroffen, daß von den im Meerbusen von Korea gelegenen Inselgruppen 4 Blonde- Inseln und neun Elliotinseln kraft einer russisch­chinesischen Konvention an Rußland über­geben worden seien. Eine Besitzfrage, die schon längere Zeit zwischen England und Rußland spielt und sich vor Kurzem bereits einmal zuzuspitzen drohte, wäre damit zu Gunsten Rußlands entschieden. Mittlerweile arbeitet Graf Walder- see an der Lösung der militärischen Aufgaben erfolgreich weiter, fortgesetzt werden neue Streifzüge und Straf-Expe­ditionen unternommen, und man darf sagen, daß gegenwärtig ganz Petschili von den Boxern so gut wie gesäubert ist.

Im österreichischen Abgeordnetenhause ist die mit Ungeduld erwartete Thron.rede von Kaiser Franz Josef persönlich verlesen worden. Der Kernpunkt der gegenwärtigen Lage Oestereichs, die Nationalitäten- bezw. Staatssprachenfrage, wird darin leider in Unbestimmtheit ge­lassen, und so kommt es, daß die Thronrede weder bei den Deutschen noch bei den Tschechen Beifall gefunden hat. Es ist daher auch kaum zu hoffen, daß der österreichische Parla­mentarismus sich in Zukunft arbeitsfähiger erweisen wird als bisher. Ebenso erscheint in Italien die augenblickliche innere Lage kritisch, und endlich sah sich in R u m ä n i e n das Ministerium Carp wegen ernsterZerwürfnisse mit der Volksvertretung zum Rücktritte genöthigt.

Ein strahlendes, sonnig-heiteres Gegenbild zu diesen uner­quicklichen Zuständen aber bietet gegenwärtig Holland dar. Unter dem begeisterten Jubel des gesammten Volkes hat Königin Wilhelmina im Haag den Ehebund mit

einer Ueberfluthung durch weibliche Studentinnen. Der ganze Lehrgang erstrecke sich für die Frauen auf zehn Jahre und erfordere ein Kapital von 25—30 000 Mark. Diese Zeit- und Geldopfer schrecken allein schon ab und den reichen Mädchen werde die Heirath doch immer näher liegen." Das zahlreiche Auditorium, unter dem viele Aerzte sich befanden, nahm den interessanten, sehr sachlichen Vortrag mit großem Beifall auf.

HumsEisches

Im Wiener Cafe. Gast: Kellner, zahlen!" — Kellner: „Zwei Schwarze macht sechzig, nichts dazu macht fünfundsiebzig! Bitt' schön!"

Stoßseufzer. Reisender: „Haben Sie ein Zimmer frei?" — Kellner: „Jawohl, aber nur im fünften Stock!" — Reisender: „Und das nennt man im Hotel a b steigen."

Der wunde Punkt. Besuch (eintretend, als der Hausherr gerade bei dem von seiner jungen Frau selbst be­reiteten Mittagsmahle sitzt): „Prosit Mahlzeit!" — Junger Ehemann: „Ich verbitte mir jeden Spott."

O, diese Männer. Dienstmädchen (die ihrer Freundin den ersten und den letzten Brief ihres ungetreuen Liebhabers vorgelesen hat, weinend): „Der undankbare Mensch ... ich kann Dir sagen, dazwischen liegt ein ganzer Wurstladen !!'

Abwechslung. Richter: „Ihr seid also des Uhren- diebftahls vollkommen überwiesen. Seid Ihr wegen des gleiuen Vergehens schon einmal bestraft worden?" , Angeklagter : „Nee, Herr Präsident! Mein Wahlspruch is: Abwechslung muß sind '"

SNMptom. Arzt: „Befindet sich Ihre Frau heute wohler?" — Gatte der Patientin: „Ich glaube ja!" — Arzt:

Dat sie Appetit?" — Gatte der Patientin: Hm, das nicht; aber sie tadelt schon wieder alles, was ich thue!"