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^rbrudt und ucrlrfit in brr Buchdrucker« des verein, «v.

Geneml-Auzeiger.

A«ilichts Orzas für LMt- M Zackkreir Mml.

Waisenhauses in Hanau.

Erschamt täglich mit Ausnahme der Ssmr- und Feiertag«, mèt bsüetriMcher B-iLsM»

V«cmtwo«i. RckaÜevr: G. Schrecker in Hana».

«r. 33.

Freitag den 8. Februar

1901

Amtliches

Stadtkreis Dan au.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Die von uns genehmigten Entwürfe zu den Haus- laltsplänen

der kaufmännischen Fortbildungsschule und der Schlachthofkasse

hür das Rechnungsjahr 1901 liegen vom 9. Februar d. Js. m acht Tage lang im Rathhaus, Sladtsekretariat, Zimmer Ur. 21, zur Einsicht der Gemeindeangehörigen offen.

Hanau den 6. Februar 1901.

Der Magistrat.

Vr. Gebeschus. 2394

Bekanntmachung.

Durch Beschluß vom 9. Januar d. Js. erhalten die nach­stehenden Straßen folgende Bezeichnungen:

1. Straße Nr. 22: (Verlängerung der Spessartstraße) Spessartstraße.

2. 18: Neuhofstraße.

3. 21 u. 23: Freigerichtsstraße.

4. 17: Schwindefurt.

5. 60: Rhöustraße.

6. 42: Mainstraße.

7. Die jetzige Mainstraße: Pedro Jung-Straße.

Hanan den 6. Februar 1901.

Der Magistrat.

________________I. A.: Schmidt._____ 2425

Handelsregister.

1. Neu eingetragen sind:

a. Die Firma Speitel & Oberländer in Hanau und als ihre Inhaber die Ziseleure Wilhelm Speitel und Peter Oberländer, beide in Hanau. Offene Handels- gesellschaft. Die Gesellschaft hat am 15. April 1900 begonnen.

b. Die Firma Hermann Mesenberg in Hanau und als ihr Inhaber der Maurermeister Hermann Mesen- bcrg daselbst.

2. Bei der Firma Nathan Hetz in Hanau ist eingetragen : Nachträgliche Eintragung: Aus den jetzigen Gesellschaftern besteht die Gesellschaft seit dem 1. Juli 1898.

3. Gelöscht sind folgende Firmen:

a. W. Raab in Großauheim.

b. Andreas Adam in Oberrodenbach.

4. Bei der Firma Buchhold & Schilling in Hanau ist eingetragen worden: Die Liquidation ist beendet.

5. Bei den Firmen Drescher & Traudt, F. W. Schrinner & Comp. und Porth & Behrens in Hanau soll die Beendigung der Liquidation von Amts­wegen eingetragen werden. Die Gesellschafter oder deren Rechtsnachfolger haben einen Widerspruch hiergegen bis zum 1. Juni 1901 geltend zu machen.

Hanau den 6. Februar 1901.

-____Königliches Amtsgericht 5.___ 2405 Im Namen des Königs!

In der Strafsache

gegen den Malermeister Heinrich Haag zu Frankfurt a./M. wegen Beleidigung hat das Königliche Schöffengericht zu Windecken in der Sitzung vom 17. Januar 1901, an welcher Theil genommen haben:

1. Amtsrichter von Klüfer als Vorsitzender,

2. Landwirth Wilhelm Daniel L e i ch n e r von Erbstadt,

3. Landwirth Johannes Gärtner von Marköbel als Schöffen,

Amtsanwalt Reul als Beamter der Staatsanwaltschaft, Referendar Baumann als Gerichtsschreiber,

für Recht erkannt:

Der Angeklagte, Malermeister Heinrich Haag von Frankfurt a./M., geboren daselbst am 23. September 1875, evangelisch, wird wegen Beleidigung des Wagenwärters Wicker von Klein Steinheim verurtheilt zu einer Geldstrafe von 20 Mark, eventuell 4 Tagen Gefängniß und zur Kostentragung. Dem Beleidigten wird die Be- fugniß zugesprochen, den Urtheilstenor binnen 14 Tagen nach Zustellung durch einmalige Insertion imHanauer Anzeiger" auf Kosten des Angeklagten öffentlich bekannt z« machen.

Die Richtigkeit vorstehender Abschrift beglaubigt.

Windecken den 7. Februar 1901.

Jacobi, Sekretär, 2404

Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts.

Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit 48 Pfg. 1 Desgl. mit 5 Pfg. und einem fremden Geldstück. 1 Mitgliedsbuch für Frau Wilhelmine Farr aus Fischborn. 1 Gebund Schlüssel, 4 Stück an einem breiten Ring. 1 Sparkassenbuch Nr. 9242. 1 Paar braune Lederhandschuhe mit Wolle gefüttert. 1 Porte­monnaie mit 1.50 Mk. Inhalt.

Verloren: 1 Zeichenvorlage. 1 Portemonnaie mit 2 Mk. Inhalt.

Zugeflogen: 1 Kanarienvogel.

Entlaufen: 1 weißer Hühnerhund mit braunen Flecken, m. Geschl., auf den NamenLott" hörend.

Hanau den 8. Februar 1901.

politische Rundschau.

DieOstelbier." Ueber die Verdienste O st- e l b i e n s um Preußen und Deutschland hat sich kürzlich Prof. Dr. Zorn in Bonn folgendermaßen ausge­sprochen:

Weder Reichthum noch Schönheit zeichnen jene Länder aus; man mag wohl sagen: alle anderen deutschen Länder waren reicher und schöner; die Bevölkerung, außer in den wenigen großen Städten, war angewiesen auf Ackerbau und Biebzucht, damals wie heute noch war das Land ein Ge­biet der Landwirthschaft, des mühsamsten und am wenigsten ertragreichen Erwerbszweiges. Nicht malerische Landschaften, da man jubeln könnte: O Thäler weit, o Höhen; nicht Bau­werke alter hoher Kultur, wie im Süden und Westen des deutschen Landes; hier halten nicht die Schritte römischer Le­gionen erdröhnt, hier hatte nicht Karl der Große Pfalzen ge­baut wie dort zu Aachen in seiner Kaiserpracht, oder liebliche Villen wie am Rhein und an der Mosel. Der Poesie ent­behrt auch dies ostelbische Land nicht, aber es bedarf eines besonderen, eines von Heimathsl'ebe glänzenden Auges, um die Poesie der meilenweit im Frühlingswinde wogenden Felder oder der weiten einsamen Ostsee in ihrer nordischen Herbheit zu erkennen und zu verstehen. Aber trotz oder vielleicht »egen seiner Armuth und herben Strenge, die jederzeit die Bewohner zur äußersten Anspannung aller Kräfte zwang, ist dies ost- elbische Land der Grundpfeiler des preußischen und damit des heutigen Staates geworden. Dies Verdienst Ostelbiens um Preußen und Deutschland darf nicht verneint und nicht ver­kleinert werden; es strahlt im hellsten Lichte der Geschichte, und wir anderen Deutschen alle, die Deutschen meiner lieb­lichen fränkischen Heimath im Süden und die Deutschen hier am stolzen schönen Rhein im Westen, haben dafür an die Deutschen Ostelbiens tief und heiß empfundenen Dank zu zollen.

Und das sind nun die Männer, die fast tagtäglich in dem Hanauer Freisinnsorgan die widerlichsten Anzapfungen er­fahren !

Der neue Zolltarif ist nun im Reichsschatzamt soweit fertig gestellt, daß er bis zum 15. Februar dem Bundesrath zugehen wird. Man rechnet damit, daß die Vorlage bald nach den Osterferien an den Reichstag gelangen werde. Bei der Festsetzung der Zollsätze durch das Reichsschatzamt ist fast durch­weg an dem System der Gewichtszölle festgehalten worden, für deren Beibehaltung vorwiegend praktische Gründe maßgebend waren. Bei einigen wenigen Artikeln wird auf Wunsch der Interessenten an Stelle des Gewichtszolls ein Stückzoll treten. Die Einführung von Werthzöllen ist grundsätzlich ver­mieden worden.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 7. Februar.

Die Berathung des

Etats der Reichs-Justizverwaltung

wird fortgesetzt.

Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antis.): Der Staatssekretär hat auf die schwerwiegenden Thatsachen, welche Herr Herzfeld über Rechtskränkungen in Mecklenburg vor­brachte, sich nicht einlassen wollen. Das bedauere ich, denn die letzte Stelle, wo solche Dinge zur Sprache gebracht und verhandelt werden können, ist doch der Reichstag, wie das Recht auch ein einheitliches ist, trotzdem in den einzelnen Staaten im Namen des Landesherrn oder der höchsten Stelle in den Freien Städten Recht gesprochen wird. Der Könitzer Fall gehört allerdings zunächst ins preußische Abgeordneten­haus,' wo man ihn ja auch zu besprechen beabsichtigt; aber er ist nun einmal arch im Reichstage berührt worden. Es handelt sich im Könitzer Fall nicht blos um die Sühne des beleidigten Rechtgefühls, sondern um eine Sache von weit­

tragender prinzipieller Bedeutung. DieGermania" hat aus­drücklich betont, daß die eigenthümliche Behandlung des Mord­falles den Glauben an die Unparteilichkeit der Gerichtspflege erschüttern muß; ein süddeutsches Blatt hat diesem Umsich­greifen des Zweifels an die Herrschaft von Gesetz und Recht in Deutschland gleichfalls Ausdruck gegeben, ebenso hervor­ragende ausländische Blätter. Thatsächlich kommen weite Kreise der Bevölkerung, auch der Gebildeten und Besitzenden, zu dem Schluß : Es soll nicht herauskommen. So weit hat die Juden­furcht schon gewirkt, wenn es auch allerdings noch nicht so weit gekommen ist, wie in Ungarn schon 1883 in dem Falle von Tisza-Eszlar. Wie die neuerliche Hetze gegen den Justiz- minister enden wird, weiß ich nicht; vielleicht ist schon Jemand, der noch nicht ân der rechten Stelle steht, bereit, in seinen Posten kinzutreten. Herr Nieberding hat zur Ruhe, zur Kalt­blütigkeit gerathen ; ich kann diesen Rath nur im letzten Theile zur Befolgung empfehlen. Die Tumulte in Konitz find durch jüdische Lockspitzel oder durch maßlose jüdische Hetzereien hervorgerufen worden. Vor solchen Aufreizungen muß die Bevölkerung bewahrt werden; daher Kaltblütigkeit! Ich und Andere haben nach Möglichkeit die Fürsorge getroffen, daß sehr genau aufgepaßt wird, wenn wieder solche Tumulte hervorge­rufen werden. Wem nützen diese denn? Doch blos den Juden, die sich als die unschuldig Verfolgten heraus sp'elen, schreien und ihrem Schreien an sehr hohen Stellen Gehör zu ver­schaffen wissen. Dann kommt aus allerhöchsten Befehl das Militär inter arma silent leges, dann wagen die Zeugen sich nicht mehr hervor und die Juden kommen dahin, wo sie hin wollen, daß nämlich endlich der Fall einmal begraben wird. Die neuesten Kleiderfunde sind nichts als ein Versuch der frechen Mordbande, in frevelhafter Weise zu neuen Tu­multen anzureizen. Diese Kleiderfunde deuten auch aus einen Mord aus religiösen Ursachen hin, denn ein gewöhnlicher Mörder hätte sich der Kleider nach neun Monaten zu ent­ledigen gewußt. Es hat sich nun ein Konnte zur Aufklärung des Mordes gebildet, dem die ehrenwerthesten Elemente, die Land- und Reichstagsabgeordneten des Kreises rc. angehören. Es läßt sich angelegen sein, den Nachrichten, welche ein jüdisches Verwirrungskomits verbreitet, entgegenzutrelen und für eine kaltblütige Auffassung der Dinge zu wirken. Ruhe halten ist aber in der Angelegenheit nicht möglich, um so weniger, als sie noch die Erregung über den ganz gleich­artigen, noch uuZesühnten Mord in Sturz gelegt hat, ebenso­wenig wie die Blutthat in Xanten bisher ihre Sühne gefunden hat. Prozesse werden folgen, auch der, den der schwerbeschimpfte Lehrer Weichet gegen verschiedene Blätter anstrengen muß. Es werden Volksversammlungen und Massenpetitionen kommen, denn die Wahrheit muß an den Tag, der Mord muß gesühnt werden. An Ruhe ist also vor der Hand nicht zu denken. Vom Erhabenen bis zum Vergnüglichen ist nur ein Schritt; ich komme jetzt zu Herrn Rickert. (Heiterkeit rechts.) Erstaun­lich ist es, daß die beiden zuerst nach Konitz entsandten Kriminalkommissare von jeder Verfolgung einer Spur, die auf den Ritualmord hätte führen können, absahen. Bei einer mit solcher Voreingenommenheit geführten Vorunter­suchung müssen ja wichtige Indizien übersehen und unbeachtet gelassen werden. Herr Rickert verwies uns auf das Abge­ordnetenhaus, dort möchten wir die Aufhebung der Juden­emanzipation verlangen. Gewiß haben wir dort Freunde, aber der nöthige Muth zu einem solchen weitgehenden Schritt wird ihnen wohl noch fehlen. Selbstverständlich wird die erste Ge­legenheit von uns berührt werden, diese Aufhebung der Juden­emanzipation zu beantragen. Nicht der antisemitische General­stab hat in Konitz sein Hauptquartier aufgeschlagen, da ist Herr Rickert belogen worden, wohl aber hat sich dort ein jüdisches Verwirrungs- und Vertuschungskomite etablirt, das besonders jetzt nach dem Kleiderfund wieder in Thätigkeit ge­treten ist.- Diesem Konnte ist es zu verdanken, daß an Ber­liner Zeitungen die Nachricht telegraphirt worden ist, der Lehrer Weichet sei der Mörder. Das ist einfach erlogen und die Nachricht ist wohl nur daraus zu erklären, daß auch bei diesem hochangesehenen Herrn eine Haussuchung stattfand, lediglich deshalb, weil er in einer Straße wohnte, wo in allen Häusern Haussuchungen stattfanden. Der Frau Kreisschul- inspektor Rohde wird von schamlosen Judenblättern ein min­destens fahrlässiger Meineid unterstellt! Herr Rickert weist auf die große Zahl unentdeckt gebliebener Morde hin; die von ihm genannte Zahl scheint mir außerordentlich hoch, ich kann sie nicht recht glauben, wenn nicht etwa die Morde der Berliner Straßenbahn mitgerechnet sind. (Heiterkeit.) In einem Bericht ans Ministerium ist ausdrücklich erklärt worden, daß die bisher verfolgten Spuren sich als nicht weiter verfolgbar erwiesen hätten. Es bleiben nur die Spuren gegen die Juden übrig, nnd wir werden nicht eher ruhen, als bis alle Spuren in Konitz, auch diejenigen, die auf Juden hinweisen, verfolgt werden.