Einzelbild herunterladen
 

Bezugspreis:

!Vierteljährlich IFO Mk., monatlich 60 Psg., für auS- »ârtitze Abonnenten mit dem betreffenden Postau ffchlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Eimckckungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaNeu« PdittMe oder deren Raum, für AuSwârts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Gedruckt unb verlegt in der Vuchdrirckerei des verein, ev. WatseuhaufeS in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ sm Stobt und Landkreis Kasan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertags, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

»r. 32.

Donnerstag den 7. Februar

1901

politische Rundschau.

Vom deutschen Landwirthschaftsrath. Dem Aftern vom Landwirthschafisrathe veranstalteten Feste wohnten )ei u. A.: der Reichskanzler, die Minister Miquel und Hammer- tein, sowie Staatssekretär Podbielski; im Ganzen etwa 100 Personen. Die Reihe der Trinkspruche eröffnete der erste Vor- itzende Graf Schwerin-Löwitz mit einem Toast auf den Kaiser. Zn zündenden Worten feierte er die Verdienste der Hohen- jvllern und deutschen Fürsten um die Hebung der Landwirth- chaft. Demnächst toastete der 1. Vizepräsident, Freiherr von Soden-Frauenhofen auf die Ehrengäste, insbesondere den Reichs­kanzler, indem er hervorhob, daß zum ersten Male seit Be­stehen des deutschen Reiches und Landwirthschaftsrathes der Reichskanzler der Versammlung beiwohne. Unmittelbar darauf nahm Graf Bülow das Wort zur Erwiderung, indem er ungefähr Folgendes ausführte:

Er danke dem Vorredner für die gütigen und beredten Worte sowie allen Herren für die freundliche Aufnahme, welche sie diesen Worten bereiteten, er sei erfreut, in ihrer Mitte zu weilen und in nähere Beziehungen zu ihnen zu treten; er sei ihnen aufrichtig dankbar, ihm hierzu Gelegen­heit geboten zu haben, denn er begrüße in ihnen die ge­ordnete Vertretung aller Landwirthe des Deutschen Reiches aus Nord und Süd, von der russischen bis zur französischen Grenze. Er wisse sich aber auch eins mit ihnen in dem ernstlichen Bestreben, mit allen Kräften die Interessen der Landwirthschaft zu fördern, die seit einer langen Reihe von Jahren sich in schwieriger Lage befinde. Indem er der Landwirthschaft zu helfen trachte, erfülle er lediglich seine Pflicht. (Lebhaftes Bravo.) Es sei seine Pflicht als Reichs­kanzler, für einen Beruf zu sorgen, welcher einem so großen Theile unserer erwerbsthätigen Bevölkerung Lebensunterhalt gewähre, dessen Ergehen von so vitaler Bedeutung für die Unabhängigkeit des Vaterlandes nach außen und seine innere Wohlfahrt fei. So lange er auf seinem Posten stehe, werde es für ihn in der äußeren wie inneren Politik nur die einzige Richtschnur geben: das öffentliche Wohl. Diese salus publica mache es ihm zur Pflicht, die großen Pro­duktionsstände : Landwirthschaft, Industrie und Handel gleichmäßig zu schützen. Er werde sich niemals verleiten lassen, die Waage der ausgleichenden Gerechtigkeit zu Un­gunsten des einen oder anderen Theiles sich heben oder senken zu lassen. Die Sorge für die Landwirthschaft sei ihm aber nicht nur Pflicht seines Amtes, sondern davon könnten sich die Herren überzeugt Halten, er trete auch mit seinem Herzen für die Landwirthschaft ein. (Lebhaftes Bravo.) Dafür bürge ihnen schon sein Name, dessen Träger durch Jahrhunderte die deutsche Scholle bebauten. Er danke ihnen,

Feuilleton,

Daniel Nikolaus Chodowiecki.

Zu seinem hundertsten Geburtstag am 7. Februar.

Von H. Wilhelmy (Mannheim).

(Nachdruck verboten.)

Es ist eine landläufige Phrase:Das Genie dringt überall durch." Man wird ihr wohl auch kaum die Richtig­keit absprechen können. Indessen wenn man sich die Lebens­läufe gerade derjenigen hervorragenden Geister ansieht, die mit der Ungunst der Verhältnisse zu ringen hatten, ehe ihnen der Platz an der Sonne wurde, so wird einem oft nicht entgehen, daß ihnen Mängel, die sie bei ungehinderter Entwicklung leicht überwunden hätten, bis an das Ende ihres Schaffens anhaften. Ein auffallendes Beispiel hierfür ist der geniale Kupferstecher Daniel Chodowiecki.

Heute vor 100 Jahren schloß Chodowiecki nach einem an Arbeit und Erfolg reichen Leben in Berlin die Augen. In diesem Jahre werden es 175 Jahre, (16. Oktober 1726), daß er zu Danzig das Licht der Wllt erblickte. Sein Vater Gott­fried Chodowiecki war polnischer Abstammung. Er lebte zu Danzig als geachteter Kornhändler. Daniel Nikolaus war nach einer Schwester unter sechs Geschwistern der älteste Sohn. Sein und des jüngeren Bruders Gottfried ausgesprochenes Talent zum Zeichnen fand durch den Vater und eine Tante, die Emaillemalerin war, wohl Förderung. Aber in der Stadt des Handels und der Schifffahrt war an eine systematische künstlerische Ausbildung nicht zu denken. Von seiner ersten Erziehung im Vaterhause hat Daniel vorzugsweise französische Bildung davongetragen. Hören wir doch, daß seine Mutter, eine geborene Ayrer, die mütterlicherseits von französischen refugiés abstammte, wenig deutsch, überhaupt kein polnisch, sondern vielmehr französisch sprach.

daß sie ihm in seinem Streben ihre sachverständige besonnene Mitwirkung leihen wollten und sei überzeugt, daß ihrem gemeinsamen Streben der schließliche Erfolg nicht versagt bleibe. In dieser Hoffnung leere er sein Glas auf das Wohl der deutschen Landwirthschaft und ihrer würdigen Ver­tretung. Der Reichskanzler schloß mit einem Hoch auf den Landwirthschaftsrath und mit dem Wunsche des Blühens und Gedeihens der deutschen Landwirthschaft.

Darauf toastete der 2. Vizepräsident v. Könneritz-Dresden auf den Präsidenten des Landwirthschaftsrathes sowie den Landwirthschaftsminister Hammerstein und auf den Bureau- Ausschuß des Landwirthschaftsraths, dem er selber von Beginn seiner Thätigkeit als Mitglied, später als Leiter angehörte. Reich-Meyken toastete auf den Finanzminister Miquel und Minister Hammerstein, später Freiherr von Cetto auf Staats­sekretär Podbielski.

Aufbesserung der Invaliden - Bezüge. Dem Lokal-Anzeiger" zufolge besteht die vom Reichskanzler ange­kündigte Aufbesserung der Invaliden aus sämmtlichen Feld­zügen 1. in der Pensionserhöhung und 2. in der Verdoppelung der Kriegs- und Verstümmelungs-Zulagen. Erstere beträgt bisher für Offiziere 750 Mk., letztere 6Ö0 Mk. jährlich.

Die zweite Sitzung des österreichischen Abge­ordnetenhauses ist, wie aus Wien berichtet wird, auch äußerst stürmisch verlaufen. Auf Anordnung des Präsidenten wurden die in tschechischer Sprache abgefaßten Erklärungen der Abgeordneten Rataj und Genossen und Klofac und Ge­nossen, welche Verwahrungen gegen die Verfassung enthielten, in tschechischer Sprache verlesen. Als das Tschechischlesen eine Weile gedauert hatte, rief der Abgeordnete Wolf:Ja, was ist denn das für eine Komödie? Was wird denn da vorge­lesen? Wir sind doch nicht im böhmischen Landtage, zum Teufel! (Lebhafte Zustimmung.) Deutsch reden, zum Teufel noch einmal. Was ist das für eine Wirthschaft. Im öster­reichischen Parlament wird man doch deutsch sprechen, sonst werden wir mit Euch deutsch reden." Der tschechische Sozialist Fressel schrie:Schaut Euch die deutsche Kultur an!" Die Tschechen riefen:Ihr schreit Heil den Buren, die Tschechen aber wollt Ihr unterdrücken." Der Abgeordnete Kaiser von der deutschfortschrittlichen Partei protestirte heftig dagegen, daß Rechtsverwahrungen verlesen und das Wort nicht ertheilt werde damit werde dem Parlament die Rechtsgrund­lage entzogen; die Tschechen riefen:Das ist es ja, was wir wollen." Es wird nun abgestimmt, und Kaisers Vorschlag angenommen,. Wolf rief zum Schluß:Das ist die Mehrheit für die deutsche Staatssprache."

Die Kriegslage in Transvaal. Nach allen vor­liegenden Meldungen vom Kriegsschauplätze dürften im Ver-

Der frühzeitige Tod des Vaters (1740) ließ die Familie in ärmlichen Verhältnissen zurück. Die beiden ältesten Söhne mußten nothgedrungen in einen sicheren Gewinn bringenden Erwerb hinein. Gottfried kam zu Onkel Ayrer, der in Berlin ein Quincaillerie-Geschäft hatte, Daniel zu Wittwe Bröllmann, die einen kleinen Spezereiladen in Danzig besaß. Trotzdem Chodowiecki während des ganzen Tages von 610 Uhr im Laden thätig sein mußte, vernachlässigte er sein Zeichnen nicht. Bis in die tiefe Nacht hinein saß er bei einem Stümpfchen Licht, um sich zu üben.

Nach 1'/« Jahren wurde der Laden geschloffen, weil das Geschäft nicht ging und Chodowiecki kehrte zur Mutter zurück. Er griff vorerst zu der Beschäftigung, der er früher schon ge­legentlich obgelegen hatte. Auf kleinen Pergamentblättchen malte er Copien u. a. nach Watteau und Lancret, die dem Onkel nach Berlin gesandt wurden und dort Verwendung zu den damals allgemein benutzten Tabaksdosen fanden. Auch in größeren Stücken hatte er sich schon versucht, so in dem getreuen Abbild des Bröllmannschen Ladens, das als das erste Bild von seiner Hand auf uns übergekommen ist.

Im Jahre 1743 folgte Chodowiecki der Einladung des Oheims, nach Berlin zu kommen. Mit freudigen Hoffnungen erfüllt, begab er sich dorthin. Aber auch in Berlin konnte er zuerst seinen künstlerischen Neigungen nur nebenbei nachgehen.

Bot Danzig, die alte Hansestadt, in künstlerischer Beziehung außer einigen Kirchengemälden fast nichts, so war es um die Zeit der Ankunft Chodowieckis in Berlin damit noch schlimmer be­stellt. Die Kunstschule Berlins, die von dem prachtliebenden König Friedrich I. gegründet worden war, die Akademie der Künste, fristete unter dessen Nachfolger Friedrich Wilhelm I. ein kümmerliches Dasein. Friedrich II., der 1740 die Zügel der Regierung ergriff, kümmerte sich um die Entwickelung der deutschen Kunst ebensowenig. Die Stadt selbst war an archi­tektonisch hervorragenden Bauwerken arm, die Kunstschätze des Königs konnten nur auf dessen besondere Erlaubniß besichtigt werden. In der Hauptstadt Preußen konnte also Chodowiecki

laufe dieser Woche blutige und vielleicht entscheidende Gefechte bevorstehen.

Lord Kitchener hat jedenfalls die Absicht, von der That­sache, daß der lästige Christian De Wet wieder einmalsüd­wärts getrieben worden ist," Nutzen zu ziehen und sich unge­stört (wie er glaubt) der Aufgabe zu widmen, die im östlichen Transvaal und im Witwalersrandbezirkumherstreifenden Räuberbanden" mit einem energischen Schlage ein für alle Male zuzerschmettern." Sechs getrennte Kolonnen, die mit einander in Fühlung bleiben,» sollen von der Linie Pre­toria-Johannesburg aus die Buren unwiderstehlich gegen die portugiesische Grenze zurückfegen", wobei darauf gerechnet wird, daß die einzige Rückzugslinie nach Norden wegen des dort herrschenden Fiebers und Pferdesterbens für die flüchtenden Buren-Kommandossozusagen" nutzlos und nur noch mehr verderblich ist. Diese große Operation ist bereits im Gange, wenigstens in ihren Anfangsstadien, und es fragt sich jetzt nur, welche Gegenmaßregeln die Buren mit Bezug auf den sechsfachenfegenden" Vormarsch der Engländer getroffen haben. Wenn Kitchener diese langen Wochen in Pretoria mühselig seine Vorbereitungen zu dem beabsichtigten großen Schlage getroffen hat, so kann er versichert sein, daß Louis Botha und Delarey an Hand ihres vorzüglichen Nachrichten- und Spionen-Dienstes über jede Einzelheit seiner Pläne und Absichten genau unterrichtet sind, und der Vorstoß der 1500 Helareyschen Buren vom Westen gegen Modderfontein am Gatsrand läßt darauf schließen, daß der englische Vormarsch nach Osten gleich zu Beginn von Seiten der Buren eine energische Ablenkung erfährt.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 6. Februar.

Aufhebung der Theaterzensur.

Der Kommifsionsantrag betr. Nichtertheilung der Er­mächtigung zur strafrechtlichen Verfolgung der Abgeordneten O p i s i c i u s-Pforzheim und Dreesbach-Mannheim wird angenommen; ebenfalls wird angenommen ein Antrag betr. Nichtertheilung der Ermächtigung zur strafrechtlichen Ver­folgung der in der Münchener ZeitungOdin" gefundenen Beleidigung des Reichstages.

In der fortgesetzten Berathung des Gesetzentwurfes betr. Aufhebung der Theaterzensur ergreift

Abg. Bassermann das Wort und führt aus: Der Antrag Bargmann falle in zwei Theile. Der erste wolle die Zensur für Theatervorstellungen aufheben, der ^zweite für Varistös. Seine Partei empfehle, die Artikel zu trennen. Der zweiten werde sie ablehnen. Sie erkenne an, daß bezüglich des Artikels 1 Mißstände vorhanden sein. Die Gewerbefrei-

weder Anleitung noch Anregung in künstlerischer Beziehung erhalten.

Indessen blieb dem Onkel das große Talent des Danziger Neffen nicht verborgen. Er sorgte dafür, daß es Ausbildung fand, freilich nur in insoweil, als es dem Geschäfte von Nutzen sein konnte. Nach einem Goldschmied, der sich nicht bewährte, berief er den Maler Haid. Dieser hatte sich auf seinen Reisen eine große Summe von Kenntnissen und Er­fahrungen erworben und dies war es, weniger seine mangel­haften malerischen Fähigkeiten, was dem jungen Chodowiecki zu Gute kam. In vielen Gesprächen über die Kunst, die Haid mit seinen wißbegierigen Schülern zumeist auf Spaziergängen führte, kam Chodowiecki die Erkenntniß, daß er nur in völliger Hingebung an die Kunst etwas erreichen könne. Der Onkel war wohlmeinend genug, dem Entschlusse Chodowieckis kein Hinderniß, in den Weg zu legen. Chodowiecki blieb in seinem Hause und durfte sich ganz der Kunst widmen. Die Frucht dieser Lehrzeit war die Miniatur- und Emaillemalerei in guter Vollendung. Aber auch im Tusch- und Federzeichnen eignete sich Chodowiecki eine gewisse Fertigkeit an.

Im Jahre 1754 machte sich Chodowiecki mit seinem Bru­der von seinem Onkel selbständig. Ein Jahr später pet- ratheten beide Brüder. Unser Chodowiecki nahm eine ^01' selle Jeanne Barez zur Frau, die Tochter eines vermogilchen Goldstickers aus der Champagne. Die Bruder bezogen mit %^ÄÄ ward OM « j°d° Aussicht auf eine ins große Künstlerische gehenden Ausbildung verschlossen. Es galt für ihn, nun ganz dem Erwerb zu leben In kurzer Heit gehörte er vermöge seines Fleißes und seiner Geschicklichkeit zu den beschäftigsten Künstlern der aus fast lauter Juwelieren und Quincalllerrehandlern bestehenden ranröstschen Kolonie. Seine Tabatieren waren ein selbst von königlichen und prinzlichen Höfen begehrter Artikel. Nach seinen Rechnungen schuf er eine zahllose Menge jener kleinen Bildnisse, wie sie damals zu Ringen und Armbändern gern