Veüaae M Kr. 31 des Hanauer Immer.
Hanau den 6. Februar 1901.
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Die frauenfrage.
Die Stellung der Frau im Leben war in den einzelnen Kultur-Abschnitten verschieden. Im Alterthum spielte das Weib mehr oder minder die Rolle einer untergeordneten Dienerin des Mannes. Erst das Christenthum hob die Frau empor, indem es die Ehe auf eine sittliche Grundlage stellte. Die Bereinigung von Mann und Weib zu einer Familie diente von da an nicht mehr rein materiellen Zwecken, sondern beide r Ehetheile waren schaffende Kräfte für das sittliche Wohl des Hauses und der Gemeinde. Aber auch das Christenthum hat die natürlichen Grundlagen des Verhältnisses zwischen Mann n und Weib nicht zn erschüttern gesucht. „Er sei dein Herr!" Das ist der Grundsatz, mit dem das Christenthum die Frau in die Ehe einführt.
Bis zum 18. Jahrhundert blieb diese Anschauung im Große« und Ganzen unangefochten. Da tam der das Einzelwesen in den Vordergrund stellende Individualismus zu dem Standpunkte, daß Mann und Weib als völlig gleichberechtigt neben einander stehen sollten. Die Urheber dieses Gedankens 11 sahen darin eine Rückkehr zur Natur, vergäße« aber, daß die Theorie wohl einen schrankenlosen Individualismus kennt, die Praxis jedoch nicht. Denn wo nicht Sitte und Recht gelten, da herrscht das Recht des Slärkern. Da weiterhin Mann und Weib nicht gesondert neben einander leben können, sondern miteinander die Gesellschaft bilden, so würde eine Be- i! seitigung der Grundlage des Familienlebens zu einer Benach- theiligung der Frau führen. Denn dafür, daß der Mann die Oberherrschaft in der Familie ausübt, übernimmt er auch die Pflichten, für sie zu kämpfen und zu arbeiten. Stehen aber Mann und Frau als Gleichberechtigte im Leben, so fällt der Frau nicht bloß der Antheil an dem Lebens Genuß, sondern auch an der Lebens Arbeit zu, ohne daß ihr deshalb die von der Natur zugewiestne Last der Kinder-Erziehung genommen würde. Die Ehe also adelt und verschönt sen Beruf des Weibes, und wer das Weib frei machen will von dieser angeblich n Fessel, der versündigt sich an ihrem Glück. Die Führer des Individualismus haben deshalb auch niemals die Gleichberechtigung der Frau bis zu den letzten Folgerungen gefordert.
Erst den äußersten Vertretern des Individualismus, den Sozialdemokraten, ist es vorbehalten geblieben, aus der Frauen- fraze einen Programm-Punkt zu machen. Die Partei des gewaltsamen Umsturzes der bestehenden Ordnung in Staat und Kirche sucht in der Familie die Grundlage der Gesellschaft zu erschüttern. Ernst ist es aber der Sozialdemokratie niemals mit ihren Forderungen gewesen. Die Behandlung der Frauen- frage auf dem Mainzer Parteitage beispielsweise war geradezu ein Hohn auf Bebels Buch „Die Frau", das doch bis zum heutigen Tage für die Partei in dieser Sache als maßgebend gilt. Die Fraueufrage wird überhaupt niemals von einer radikalen Partei der' Lösung näher gebracht werden, sondern von denen, die nicht vergessen, daß die Natur den Mann dazu berufen hat, mit seinen slärkern Kräften dem schutzbedürftigen Weibe Stütze und Stab zu sein auf dem rauhen Wege durch das Leben.
Die meisten Frauen sehnen sich in der That nach keiner andern Stellung in der Welt denn als Gattin und Hausfrau und erreichen ihr Ziel. Die andern werden theils durch die Noth auf den Kampfplatz des Lebens gerufen, theils wollen sie ohne die Ehe eine gesellichafiliche Stellung erringen und ihre Persönlichkeit zur Geltung bringen. Soweit sich .diese Bestrebungen auf die Aneignung von Kenntnissen und der damit verbundenen Auszeichnungen beschränken, wird man kaum ernstlich etwas dagegen einwenden können. Bis zu
Feuilleton.
Cand und Volk in Holland.
Zur Hochzeitsfeier der Königin Wilhelmina.
Von Robert Karsten.
(Nachdruck verboten.)
Was ist Holland? Diese Frage scheint verwunderlich, wenn man bedenkt, daß es sich dabei um ein uns eng benachbartes, wohlbekanntes, seit Jahrhunderten im vollen Lichte der Geschichte stehendes Land handelt. Aber sie muß doch „wohl aufzuwerfen" sein, da so verschiedenartige Antworten darauf gegeben werden. Was ist Holland? Philipp II. von Spanien sogie: das der Hölle nächst benachbarte Land; Napoleon I. behauptete: eine Anspülung französischer Flüsse (und anncktirte es), und Viele nennen es das China Europas. Fragt man aber die Gelehrten, so sagt der Eine, es sei eine Art Uebergang zwischen der Erde und dem Meere; ein Anderer, es sei eine ungeheure Erdrinde, die auf den Wassern schwimme, und wieder ein Dritter erklärt das Land für einen Annex des alten Kontinents oder für ein Riesenfloß von Schlamm und Sand.
Seien nun diese Auffassungen mehr oder weniger zutreffend — Eines ist, wie Amicis hervorhebt, ganz gewiß: daß nämlich Holland, wie es heut ist, eine Eroberung des Menschen ist. Als die Römer dies sonderbare Land zuerst betraten, da mochten sie wohl finden, daß es nichts Unwirth- schaftlicheres in ihrem ganzen großen Weltreiche gebe. Es war fast unbewohnbar. Es ward gebildet von stürvischen Seen, Sümpfen an Sümpfen, ungeheuren Wäldern, durch die Orkane brausten und Horden wilder Pferde stürmten. Die tiefen Meerbusen trugen die wilden Stürme bis ins Herz des n Landes, ganze Provil zen standen Jahr um Jahr regelmäßig eine Zeit unter Wasser und glichen vollgesogenen Schwämmen.
Sie waren nicht Land, nicht Meer; man konnte in ihnen nicht
diesem Punkte ist man in Deutschland der Frauen-Bewegung schon entgegengekommen. Anders aber stellt sich die Sache, wenn die Frau eine« Theil an der Herrschaft über die Gesellschaft begehrt, indem sie sich an dem politischen Leben be- rheiligen oder verantwortliche Beamten Stellungen übernehmen will. Gegen derartige Ziele wird immer die Mehrheit des Volkes Widerstand leisten, denn so wenig das Weib von jeher in der Familie grundsätzlich die Oberherrschaft gehabt hat, ebenso wenig kann dies in der Gesellschaft der Fall sein. Aus diesem Grunde wird auch die von den Vorkämpferinnen der Frauen-Bewegung in Berlin einberufenen Protest-Versammlung gegin das preußische Vereins-Gesetz vom 1. März 1850, wonach den Frauen die Zugehörigkeit zu politischen Vereinen verboten ist, kaum einen Erfolg haben.
Gebrauchs -Mu st er.
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Patent-Ertheilungen.
Nr. 118 475. Maschine zur Herstellung von Gelatine- bildern. — St. Faujat u. P. Charles in Frankfurt a. M., Kaiserstraße 75, vom 9. Juni 1899 ab. Kl. 15b.
Nr. 118 555. Wasserstromlufipumpe. — E. Schwickert in Frankfurt a. M., Koielstraße 10, vom 25. Juli 1899 ab. Kl. 27b.
Nr. 118 606. Verfahren zur Darstellung von Chlor- eiweißkörpern. — Pharmaceutisches Instiut Ludwig Wilhelm Gans in Frankfurt a. M., vom 22. Januar 1898 ab. Kl. 12p.
Nr. 118 527. ^chleistisch mit Schlitten für Hobeleisen u. dgl. — I. Rosenthal in Frankfurt a. M., vom 28. Fuli 1900 ab. Kl. 67c.
wandern, nicht zu Schiffe fahren. In diesem von Stürmen gepeitschten, von den Fluchen heimgesuchten, in dichtem Nebel gehüllten Lande lebten die wenigen Menschen, die sich zum Aufenthalte in der unholden Gegend entschlossen, gleichsam wie Schiffbrüchige auf kleinen künstlich errichteten Hügeln, auf deren Gipfeln ihre armseligen Behausungen angstvoll dem nächsten Ansturm des tobenden Ozean entgegensahen.
Und eben dies Land ist heul eines der bestbevölkerten, reichsten und kultivirtesten Europa's, das trotz seiner Kleinheit unter den Staaten des Kontinents eine hochangesehene Stellung einnimmt und in mancher Beziehung mit an der Spitze der Zivilisation marschirt. Dies Ergebniß ist erreicht worden durch einen vielhundertjährigen Kampf des Menschen gegen die drei mächtigen Feinde des Landes: die Seen, die Flüsse, vor Allem das Meer. Die Seen und Sümpfe wurden eingedeicht und getrocknet, die Flüsse regulirt, und gegen das furchtbare Meer gestaltete sich Holland zu einer einzigen gewaltigen Festung aus, deren Bewohner bis zum heutigen Tage unausgesetzt auf dem Kriegsfuße gegen den furchtbaren Feind leben. Immer von Neuem werden neue Deiche angelegt, alte befestigt und erhöht. Was die Holländer da geleistet haben, ist erstaunlich. Allein in Seeland sind die Teiche 400 km lang. Von Helder geht ein Deich übn 10 km Länge aus, der ganz aus norwegischem Gran t erbaut ist und 60 Meter ins Meer hinabreicht. Die ganze Provinz Friesland ist auf 88 km mit einer dreifachen Kette von Dämmen gepanzert. Wären diese Dämme nicht, so bräche das Meer über das zum großen Theile tiefer liegende Land hinein, und Amsterdam, alle Städte des Zuydersees, die ganze Inselkette, die die Küste begleitet, wären im Nu seine Beute.
In diesem unaufhörlichen Kampfe haben die Holländer ihr Land umgestaltet. Frühere Inseln sind heute mit dem Festlande verwachsen, einstige Sandbänke bilden heute bewohnte Eilande. Die Ackerfrucht gedeiht und das Vieh weidet jetzt, wo vor Jahrhunderten die Meereswogen brandeten. Blühende Hafenstädte versanken in Stille und Vergessenheit, weil der
Schiffs-ericht.
HswbKLg, 3. Februar. Der jDampfer „Francia" von der Hamburg Amerika-Linie ist gestern in Tampico und der Dampfer „Assyria" vorgestern in Philadelphia eingetroffen.
Bremen- 2. Februar. Der Dampfer be< Norddeutschen Lloyd „Friedrich der Große" ist vorgestern in Colombo einge- trsffer.
Handel, Gewerbe und Verkehr.
Ueber die Aussichten für die russische Roggen- ltnd Hafer-Ausfuhr für 1901 schreibt der Landwirth- schaftliche Bachserständige für Rußland in Nr. 5 der Beilage zu bin „Mittheilungen der Dtsch. Landw. Gesellschaft" : „Die diesjährige russische Ernte ist in den östlichen Provinzen für Roggen, ähnlich wie im vergangenen Jahre, gut mittel, für Hafer eher noch etwas besser ausgefallen. Der größte Theil der zur Ausfuhr gelangenden Waare kann erst bei Eröffnung der Schifffahrt zur Verladung kommen (ab innere Gebietstheile). Nachdem das Vorjahr dem Osten Gelegenheit gegeben hatte, die sehr erschöpften Lager-Bestände einigermaßen zu ergänzen, muß angenommen werden, daß im Frühjahre von den östlichen Provinzen aus eine rege Ausfuhr in Roggen und Hafer zur Geltung kommen wird. Die Waare wird vornehmlich, soweit Deutschland in Frage kommt, in den Ostseehäfen erscheinen. Diese großen Lieferungen dürften von Juni an zu erwarten sein. Wir sind der Ueberzeugung, daß gemäß in diesem Jahre die Ssmmerpreise vor Eintritt der deutschen Ernte in Roggen und Hafer sich unter vermehrtem Drucke russischen Aufgebots zu bilden haben werden."
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beständige Landzuwa s sie von der cee entfernte. Noch in unserem Jahrhundert ist das Haarlemer Meer trocken gelegt worden: 19 000 Hektare fruchtbaren Landes wurden dadurch gewonnen. Selbst an die Wiedereroberung des Zuydersees, der bekannilich erst um die Miite des 13. Jahrhunderis durch eine furchtbare, etwa 80 000 Menschen den Tod bringende Ueberschwemmung entstanden ist, denkt man seit geraumer Zeit. Ja, die Holländer haben schließlich ihren Todfeind, das Wasser, gezwungen, ihnen zu dienen. Durch das Wasser schützen sie sich geaen fremde Eroberer. Durch das Wasser haben sie ein großartiges System von Straßen im ganzen Lande angelegt: das Wasser bringt ihnen den fruchtbaren Schlamm, liefert ihnen seine Fische, führte sie hinaus übers weite Meer zu Macht und Reichthum.
Diese Thatsachen muß man sich stets vor Augen halten, wenn man das oft schitf beurtheile Volk richtig beurtheilen will. Die Holländer haben ihren Nationalä arakter an dieser einen großen Aufgabe gebildet, die nur durch Klarheit, Nüchternheit und Bcsounenheir zu lösen war. Hundertmal zerstörten die Fluthen ihr Werk, hundertmal errichteten sie es größer, stärker, mächtiger, bis sie den Lieg errangen; so wurden sie zur zähesten Nation der Welt. Was sie haben, halten sie fest und geg-n Neues sind sie mißtrauisch. Darum ist ihr Land in Manchem zurückgeblieben, gleichsam erstarrt, und hat sich so die Bezeichnung als das China Europas erworben. Da, wo der Strom des modernen Leb.ns noch nicht unwiderstehlich Alles mit sich mitrecht, in den stillen Städten am Zuydersee z. B., ist Brauch und Sitte noch wie vor Jahrhunderten und wie vor Jahrhunderten dient eine Thür des Hauses dem täglichen Leben, während eine zweite reichverzierte Pforte sich nur bei den großen Erelgnisten, bei Hochzech Taufe oder Begräbniß öffn t All ihr Augenmerk ant eine praktische Aufgabe richtend, und d-e Hollander große Realisten qe vor en. Sie neigen tncht zur Nchcht; Verworrenheit und Ueber schwenglichke t der Gcfuyle pnd in thuen fremd. Am schärfsten tritt dies beim Bauernstande hervor. Die Herzen