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General-Anzeiger.
Amüilhts Organ für Stadt- und Fandkreis Aman.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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■^ 1 " EinvSÄungsgebühr:
Für Stadt- uyd Landkreis Hanau 10 Pfg. die f&nf» gespâ^ik Prtttzeil« oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg, für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau.
«r. 29.
Montag dm 4. Februar
1901
Amtlich««.
Landkreis Dan au.
BekanKtmachunge« des Kömglichen LandkÄhsamtcs.
Unter den Schafen der Gemeinde Helfersdorf (Kreis Nelnhausen) ist die Räude ausgebrochen.
Hanau den 1. Februar 1901.
Der Königliche Landrath.
p. Schenck.
Konkursverfahren.
Ueber das Vermögen des Kaufmanns Gonrav Koch in Hanan, wohnhaft in Keffelstad., ist am 1. Februar 1901, nachmittags 5 Uhr 40 Min., aas Konkursverfahren eröffnet.
Der Sensal Friedrich Rauscher in Hanau ist zum Konkursverwalter ernannt. Offener Arrest und Anzeigepflicht, owie Termin zur Anmeldung vis zum 20. Februar 1901. Zrste Gläubigerversammlung und Prüfungstermm am 1. März 1901, vormittags 1 i Uhr, vor dem Königlichen Amts- zerichl, Abth. 5 hier, Marktplatz 18, Zimmer Nr. H.
Hanau den 2. Februar 1901. 2152
Der Gerichtsschreiber Königlichen Amtsgerichts 5.
Befundene und verlorene Gegenstände etc.
Gesunden: 1 vergoldete Damenuhr mit Kette nebst 2 Kugeln als Anhänger Nr. 283224. 1 Rosenkranz. 1 dunkel- lauer Tuchgürtel mit 2 Perlmutterknöpfen.
Verloren: 1 Stahlremontoiruhr, schwarz oxpdirt, gegen Jelohnung abzugeben.
Hanau den 4. Februar 1901.
Die Brauers eier in Condon und Ölindfor.
Der Leichnam der Königin Viktoria ist nun in dem alten uglischen Königssitze Windsor eingetroffen, um dort am Montag ur ewigen Ruhe bestattet zu werden. Der Zug durch London on Viktoria-Station zum Paddington-Bahnhof ist in würdiger tuhe und ohne Unfall von Statten gegangen; Kaiser Wilhelm itt in britischer Feldmarschallsuniform zur Rechten des Königs iduard. In Windsor selbst gab es einen unangenehmen Aufenthalt durch das Versagen der Pferde, die den Sarg auf er Lafette nach der St. Georgs-Kapelle bringen sollten; der tönig, der sich überhaupt nicht wohl zu befinden schien, war »tadurch sehr peinlich berührt, und der Earl-Marshal Herzog on Norfolk wußte im Augenblick keinen Rach, bis Matrosen
Feuilleton.
Figur 2.
JModenbericbt über JMaeken- B kostüme.
Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden-N. Reichhaltiges Moden-Album und Schnittmusterbilch â 50 Pfg. daselbst erhältlich.
' Wir stehen im Zeichen des Karnevals! Kostümfeste und edouten sind allerwärts auf der Tagesordnung und veran- ssen viel Kopfzerbrechen, aber auch viel freudige Aufregung, ie großen Maskenbälle freilich sind etwas aus der Mode kommen, indem man sie durch Kostümfeste ersetzt hat, bei denen die Kleidung einen einheitlichen Charakter trägt. Man ist dabei der Wahl des Kostüms im Allgemeinen überhoben. In kleineren Kreisen, bei Hausbällen und dergl. ist jedoch ein Maskenball immer noch ein sehr beliebtes Fest, besonders für die liebe Jugend, denn da dürfen Jugendlust und Uebermuth, ungebunden durch konventionelle Fesseln, ihr tolles Spiel treiben.
Das Hauptaugenmerk bei solchen Veranstaltungen im engeren Zirkel ist darauf zu richten, die Persönlichkeit möglichst zu verändern, natürlich ohne dieselbe deshalb in Disharmonie mit der Individualität zu bringen. Jeder Ankömmling bei solchem Fest muß nicht nur durch sein Aeußeres eine neue Ueber- raschung bieten, sondern auch den Anwesenden die Aufgabe, die Persönlichkeit zu . erkennen, nicht leicht machen.
ihre Dienste aubsten und die Lafette selbst an Ort und Stelle zogen. Die Leiche der Königin bleibt bis Montag in der Albert -Gedächtnißkapelle, die neben der St. Georgs-Kapelle liegt; dann wird sie zur Beisetzung nach Frogmote gebracht werden. Die Hauptmomente des Trauerzuges in London schildern folgende Berichte:
London, 2. Februar. Man kann sich schwer einen Begriff machen von der Stärke der Menschenmauer, die besonders am Ausgangspunkte der Prozession, der Vcktoria-Statisn, aufgepflanzt war. Selbst Diejenigen, die auf die Bäume des nahegelegenen Parks gestiegen waren, konnten nichts sehen, weil zu viele andere Baumgäste ihnen die Aussicht versperrten. Große Aufmerksamkeit konzenirirte sich natürlich auf die nächste Umgebung des Sarges, vor dem die Menge den Hut zog und die Frauen sich tief niederbeugten. Die drei imposanten Gestalten zu Pferde: Der König in FeldmarschallS-Uniform mit Ueberrock, ihm zur Seite unser Kaiser, ernst wie gewöhnlich, ober wohler aussehend als die letzten Tage in Cowes, in gleicher Bekleidung, und der Herzog von Connaught in Generals-Uniform, die folgende illustre Eskorte von Königen und Prinzen und Prinzessinnen, theils zu Pferde, theils in sechsspännigen Wagen, und die nahezu den Schluß des Zuges bildenden Delegirien der zwei preußischen Regimenter wurden mit leisem Geflüster, das einem Rauschen im stillen Walde glich, empfangen. Interessant waren auch die Insassen einzelner der offiziellen Tribünen: Mitglieder der städtischen Korporationen, greise Veteranen, unter denen einer gezeigt wurde, der schon den Sarg Wilhelms IV. vor 64 Jahren getragen hatte, und jugendliche See-Kadetten, Alles in Allem ein Schauspiel ebenso imposant wie ergreifend, dessen Stille nur durch gelegentliche Musikklänge und Kanonenschüsse vom Hyde- park 5er unterbrochen wurde.
London, 2. Februar. Fast gleichzeitig mit der Abfahrt des Zuges aus Portsmouth setzte dort ein wolkenbruchartiger Regen ein, aber in 1 ondon war der Himmel klar, wenn auch gelegentlich mit Wolken bedeckt. Der Zug traf um 11 Uhr 10 Minuien in der Viktoria-Station ein. Er bestand aus sieben Salonwagen. Der Wagen, in dem sich das englische Königspaar und Kaiser Wilhelm befanden, hielt gegenüber dem dort aufgeschlagenen Pavillon. Der König stieg zuerst aus, gefolgt vom Kaiser, während lechzehn Gardesoldaten den Sarg nach der Lafette trugen, die mit acht isabellenfarbigen Pferden bespannt war. Der König gab um '/,12 Uhr das Zeichen zum Abmarsch des Leichenzuges, den der Earl-Marshall führte. Als der Zug in die zum Buckingham Palaste führende Straße einbog, kündigten die die Marschlinie entlang aufgestellten Trompeter sein Nahen durch Signale an. Trotzdem mußte der Zug auf dem Wege zum Paddington-Bahnhof mehrmals Hall machen, bis die Menschenmenge zurückgedrängt werden konnte.
Besonders reizvoll ist es dann, wenn ein- und dieselbe Person in verschiedenen Kostümen nacheinander erscheint, was in kleineren Kreisen, wo jeder den Anderen kennt, zu den drolligsten Verwechselungen Veranlassung gibt. Denn wenn man auch die eine oder andere Maske erkannt zu haben glaubt, bald ist sie wieder verschwunden; neue Erscheinungen tauchen auf; es scheinen viel mehr Personen als man vermuthet, kurz, man wird aus dem Wirrwar garnicht mehr klug. Dabei kann man unter dem Schutze der Masken auch riskiren, ein weniger reizvolles, als vielmehr humoristisches Kostüm zu wählen, denn bis zur Demaskirung hat man ja Zeit, dasselbe durch ein Eleganteres zu ersetzen. Ein sehr drolliges Kostüm wäre da z. B. eine
Figur IJ MMMHolzschâferin, - für welche man sich die Holzipielzeuge, wie man sie auf dem Jahrmarkt kauft, als Modell nimmt. Die ringsum runde, vom Drechsler gedrehte Figur muß naturgetreu nachgeahmt werden, wozu Rock und Paille aus einem beliebigen Wollstoff in greller Farbe prall ohne Falten sein müssen. 'Den unteren Rand des Rockes können Schäfchen aus weißem, wolligen Stoff umgeben, ebenso den Ausschnitt der Taille. Ein Hund aus gleichem Stoff wird dem Vorderblatt des Rockes aufgenäht. Den Kopf bedeckt ein kreisrunder Filzhut mit einer steif hochstehenden Feder. In der Hand hält man einen Schäferstab, der aus einem ganz gewöhnlichen Besenstiel bestehen kann.
Für junge Mädchen sehr amüsant ist auch ein Babykostüm, was beliebig ausgeführt werden kann; einesteils im langen Hängerkleid und j großem Hut, anderntheils im Wickelbett,
Hinter der dem Sarge folgenden königlichen Standarte ritten der König, der Kaiser und der Herzog von Connaught. Des Königs Haltung war auffallend. Er schien körperlich zu leiden. Des Kaisers Gesicht war absolut unbeweglich und sehr ernst. Niemand sprach ein Wort, nur einmal richtete der König einige Worte an den Kaiser. In der Gruppe der Prinzen lenkte der deutsche Kronprinz die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Kurz vor der Ankunft des Zuges beim St. Jamespalaste durchbrach die Menge das Spalier der Soldaten. Es wurde Verstärkung geholt, und nur mit vieler Mühe gelang es einer vierfachen Linie von Infanterie, unterstützt von Kavallerie und Polizei, die hin- und herwogende Menschenmenge zurückzudrängen und die Straße freizumachen. — Auf dem Windsorer Bahnhöfe wäre durch die vor die Laffette gespannten Pferde beinahe ein Unglück angerichtet worden. Sie waren in Folge des langen Wartens in der Kälte unruhig geworden und waren kaum zu halten, weshalb sie kurzerhand ausgespannt wurden. Dw die Ehrenwache bildenden Matrosen zogen dann die Laffette an Stricken den Hügel hinauf zum Schlosse von, Windsor.
Ueber die hieraus folgenden
Feierlichkeiten in Windsor
wird weiter berichtet:
Windsor, 2. FHruar. Der letzte Akt in dem imposanten nationalen Leichenbegängniß, der Gottesdienst in der St. Georgs-Kapelle zu Windsor, ist vorüber. Bereits zu früher Stunde hatte sich die Gemeinde von Auserwählten dieser Erde in dem kleinen Gotteshaus? eingefunden, deren glänzende, oft erwähnten Namen auch ohne den Glanz der Uniformen und Orden best letzten, der Königin Viktoria erwiesenen öffentlichen Ehrenakte seine gerechte Bedeutung verliehen. Das Auge, welches über die Rechen der Trauerversammlung glitt, glaubte die lebende Geschichte der Nation vor sich zu sehen, welche ein Stück Weltgeschichte ibegrub. Da saßen im Chor, deren Sitze den Altar umgnben, Lord Salisbury, Balfour und andere Minister, in den Kirchenstühleu sah man die diplomatischen Vertreter aller Länder, die Spitzen der Behörden, den Stadtrath von Windssr und zahlreiche Hof- und andere Beamte, den Stab der Botschafter und Gesandtschaften, die Offiziere der Suiten ausländischer Fürstlichkeiten uu^ andere hervorragende Persönlichkeiten, sämmtlich entweder in glänzenden Offiziers Uniformen ober in Hoftoilette, auch viele Damen in tiefsten Trauertoilette. Eine Dame darunter, die aller Augen suchten, sonnte Niemand finden. Alexandra, Englands neue Königin, saß in der Loge der todten Königin, aber die Vorhänge verbargen sie und die übrigen Prinzessinnen und fürstlichen Damen darin den Micken der Versammlung. So wartete man lautlos, da ertönte.« sanfte Trauerakkorde von der
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welch' letzteres unglaublich drollig ist. Das Wickelbetl besteh in der Hauptsache aus einem langen Pappstück in der Form eines Wickelbettes, welches aus den Rücken gebunden wird und bis an die Füße reicht. Im Uebrigen wird das Kostüm wie ein reguläres Wickelbelt vervollständigt, vorn herunter mit Schleifen verziert und mit Stickerei umrahmt. Jübchen, Häubchen und eine Milchflasche erhöhen die komische Wirkung dieses, allerdings nur für eine kurze Zeit und intimere Kreise bestimmten Anzuges, denn das Laufen darin ist ziemlich schwierig. Tanzen und Sitzen sogar unmöglich.
Ein Bettelmädel ist nicht minder
amüsant, denn es gibt Veranlassung zu den verschiedensten Scherzen, besonders wenn die Darstellerin im Stande ist, Mandoline oder Guitarre dazu zu spielen, allerdings ohne dazu zu singen, denn das würde durch die Stimme die Person verrathen. Nähere Angaben über dieses Kostüm sind wohl kaum nothwendig, denn hierbei ist der Fantasie vollkommen freier Spielraum gelassen.
Doch genug des Masken- ,,Scherzes", denn auch die eleganten, kleidsamen, die Repäsentationsmasken wollen zu ihrem Recht gelangen. Merkwürdigerweise beschäftigt sich die „Mode selbst viel mit ihnen, ja es möchte
Figur 3.
fast scheinen, als das im kühnen
ob sie an den modernen Maskenkostümen
Schwünge vorzeichnet, was sie gern auf ihren Thron gehoben hätte, denn an einer gewissen Spezies moderner Maskenkostüme begegnet man immer und immer wieder den modernen Deko- ralionslinien des Jugendstils und zwar fast immer auf der Grundlage eines Empiregewandes. Unser Modell Nr. 1