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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein^ ev. Waisenhauses in Hanau.
Nr. 26.
General-Anzeiger.
A»ililhts Organ für Stadt- und Landkreis Kanan
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Donnerstag den 31. Januar
Emrückungsgebnhr:
Für Htadi- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reflamentchkil die Zeile 25 Pfg, für tâwärts 36 Pfg.
Vercmtwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
1901
i Gefundkne und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 3 Gebund kleine Schlüssel und mehrere einzelne.
Verloren: 1 grünliches Portemonnaie mit 4,43 Mk. Inhalt.
Entflogen: 3 Tauben; 1 Pfauenschwanz, 1 weiße mit gelber Brust und 1 ganz weiße.
Hanau den 31. Januar 1901.
politische Rundschau.
Der Bundesrath tritt heute wieder zu seinen regelmäßigen Plenarsitzungen zusammen. Auf der Tagesordnung stehen die Anträge der Ausschüsse zum Schaumweinsteuergesetz und zum Gesetz über den Verkehr mit Wein. Zum Schaum- weiugesetz beantragen die Ausschüsse die unveränderte Annahme der in dem Entwurf vorgeschlagenen Steuersätze. § 1 soll eine veränderte Fassung erhalten. In der Novelle ■ zum Weingesetz soll der letzte Absatz des § 4 abgeände: t werden.
Der Handelsminister über die wirtschaftliche L äge. Eine sehr bemerkenswerthe Rede hat Herr Brefeld auf dem 80. Stiftungsfeste des „Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes" gesprochen, das am Montag in den Räumen des Englischen Hauses in der Mohrenstraße gefeiert wurde. Der Minister sagte in Anknüpfung an die Ausführungen des Herrn v. d. Wyngaert, des Vorsitzenden der Müllerei-Berufs- genosfenschaft, daß die Industrie nicht mehr in eine so ungetrübte Zuk"-.ft blicke wie im vergangenen Jahre, wörtlich Folgendes: Es ist nicht zu verkennen, daß der Himmel nicht mehr so wolkenlos ist, wie im vergangenen Jahre, daß inzwischen sowohl in den politischen Verhältnissen wie auch am wirthschaftlichen Horizont eine gewisse Trübung eingetreten ist. ' Indessen nach allen Informationen, die mir über die gegenwärtige Lage unserer vaterländischen Industrie zugegangen sind, glaube ich doch konstatiren zu können, daß zu ernsten Befürchtungen ein Anlaß nicht vorliegt. Es ist eben nichts anderes, als der Wechsel zwischen bösen und guten Tagen, der sich im Leben des Volkes ebenso wie im Leben des einzelnen Menschen einstellt. Solche ungünstigen Tage treten ein, wie der Wechsel zwischen Sonnenschein und Regen. Das liegt in der Natur der Dinge. Aber wenn auch vereinzelte Arbeitsstörungen und Betriebsstörungen eingetreten sind, so sind das doch ganz vereinzelte Erscheinungen, die nur da hervorgetreten sind, wo wirklich besonders ungünstige Konjunkturen vorgelegen haben. Im Allgemeinen aber glaube ich konstatiren zu können, daß die Lage unseres wirthschaftlichen Lebens auch zur Zeit eine durchaus gesunde ist und zu irgendwelchen ernsten Befürchtungen für die Zukunft kein Anlaß ist
Feuilleton.
Die JVIainfchifffahrt von ehedem.
Man schreibt uns: „Der „Han. Anz." brachte kürzlich einen Artikel, der einen kleinen Ueberblick über die Mainschiff- ' fahrt vor nunmehr 50 Jahren gewährte. Recht interessante Mittheilungen machte auch der längst verstorbene Hanauer Schriftsteller Karl Arnd über die Mainschifffahrt in den 30er Jahren des verflossenen Jahrhunderts und zwar in seiner Schrift: „Die Mainschifffahrt, ihr Nutze«, ihre Beschwerden und ihre Zukunft" (Hanau 1837). Wie wir daraus entnehmen, bestanden damals 41 Mainhäfen, von welchen die wichtigsten diejenigen zu Bamberg (durch die Regnitz), Schweinfurt, Kitzingen, Marktsteft, Marktbreit, Ochsenfurt, Würzburg, Gemünden, Lohr, Wertheim, Prozelten, Miltenberg, Aschaffenburg, Hanau, Offenbach, Frankfurt, Höchst und Mainz waren. Die letztere Stadt, obwohl jenseits der Mainmündung gelegen, unterhielt ebenfalls einen Haupthafen für die Mainschifffahrt. In diesen Häfen befanden sich 1829/30 insgesammt 185 Eigenthümer von 647 Schiffen. Nach Arnd ist unter Schiff ein Schiffzug, bestehend aus einem Hauptschiffe mit mehreren angehängten kleineren Schiffen, zu verstehen. Arnd greift alsdann in seinen Angaben über die auf dem Main zur Ver- frachtung gekommenen Güter auf den Anfang der 20er Jahre zurück. Im Jahre 1820 waren in Mainz an Maingütern angekommenen 349,042 Ztr., 1821: 205,517 Ztr. und 1822: 179,493 Htr.; dagegen waren aufwärts abgegangen: 1820: 433,850 Ztr., 1821: 394,731 Ztr. und 1822: 387,469 Ztr. Ferner wurden nach einer Benachrichtigung vom großherzogl. Hess. Obereinnehmer Opfermann 1834 von Mainz den Main aufwärts versendet: Güter der 1. Klasse 337,000 Ztr., Güter der 2. Klasse 12,000 Ztr., Güter der 3. Klasse 73,000 Ztr., Güter der 4. Klasse 13,000 Ztr., zusammen also 435,000 Ztr. Die Güter der 1. Klasse bestanden in Kolonial- und Fabrik
und ich möchte auch hinzufügen, worauf das nach meiner Ansicht im Wesentlichen beruht. Es liegt, wie ich fest überzeugt bin, vorzugsweise darin, daß wir nicht mehr wie in früheren Jahren unser wirthschaftliches Leben zu betrachten haben als unter dem Einfluß stehend einer ungeregelten Konkurrenz, eines ordnungslosen, planlosen Wettbewerbs zügelloser, individueller Bestrebungen, die lediglich auf ihre eigene Kraft gestützt sind, sondern daß wir darin die Bildung eines organischen Lebens erkennen, des Zusammenhaltens, der Vereinigung der Produzenten, die die gleiche Richtung verfolgen, die sich verbinden, sich orientirt haben über die Lage des Marktes, über die Preishaltung. Dadurch ist es möglich geworden, eine gewisse Stetigkeit in die Bewegung zu bringen. Nicht mehr heben und senken sich die Preise widerstandslos und übersichtslos, sondern es sind feste Punkte vorhanden, an denen man übersieht, wie jeweilig die Lage ist, wie die Preishaltung sich stellt, wie es Regel und Maß bilden soll für die gewerbliche Arbeit. Das ist allerdings, wie ich glaube, eine ganz dringende Nothwendigkeit, die man immer deutlicher erkennt. Sie hat sogar ihre feste Ausgestaltung gefunden in einer Erscheinung, die Sie ja alle kennen, in den Vereinigungen über ein festes Maß in der Produktion und Preisha>tung, in den sogenannten Syndikaten. Gewiß haben solche Erscheinungen manche Nachtheile gezeitigt, Entartungen sind möglich und Gefahren sind damit verbunden. Das eine ist ober doch nicht zu verkennen, daß diese Syndikate gerade es sind, die ähnlich wirken, wie im Flußthal eine Tbalsperre, ausgleichend und regelnd zwischen Mangel und Ueberfluß; das gerade ist es, was uns noth thut. In früheren Zeiten, wo eine regellose, planlose Konkurrenz stattfand, da hatten wir in Zeiten aufsteigender Konjunktur eine wilde Ueberstürzung, eine blinde rücksichtslose Erweiterung der Betriebe, uud in Zeiten des Niederganges hatten wir eine wilde Arbeitseinstellung, Betriebseinschränkungen, Liquidationen, wirthschaftliche und finanzielle Zusammenbrüche. Die Herren, die die Zeiten aus dem Jahre 1872—1873 vor Augen haben, werden sich der damaligen Erscheinungen noch erinnern. Ich glaube, es aussprechen zu dürfen, daß solche Erscheinungen nicht wiederkehren werden, denn dagegen bietet die Organisation unseres Verkehrs in allen Zweigen des gewerblichen Lebens die sicherste und beste Garantie.
Der Knopfinduftrie in Lüdenscheit droht, wie von dort berichtet wird, ein schwerer Schlag. Tie Militärverwaltung beabsichtigt nämlich seit Einführung der Kbaki-Uniform auch die bisherigen Messingknöpfe an den Bekleidungsstücken fortfallen zu lassen; es sollen nur an jeder Uniform noch wenige matt polirte Knöpfe gebraucht werden; auch die Helmbeschläge werden in gleicher Weise ausgeführt. Mit dieser Aenderung schrumpft der Bedarf an Militärknöpfen auf 7* des bisherigen Gebrauchs zusammen. Für die vielen dortigen
waaren, die der 2. Klasse in Eisen, in „Muffeln", Knochen, Theer, Mühlsteinen rc., die der 3. Klasse in Erzen, Steinkohlen, steinernem Geschirr rc., die der 4. in Bausteinen u. dgl. Die mainabwärts gehenden Güter waren hauptsächlich Getreide, Wein, Vieh, Wolle, Hopfen, Pech, Pottasche, gedörrtes Obst, Flachs, Bier, Lohrinden, die Erzeugnisse der Fabriken der Mainstädte, Steingut, Brennholz, Steinkohlen rc. Von den obigen stromaufwärts gegangenen Gütern wurden von Mainz abgesandt: 156000 Ztr., und es gingen vom Unterrheim direkt in den Main 279 000 Ztr. Diese direkie Schifffahrt hatte seit dem Abschlusse des Rheinschifffahrtreglements vom 31. März 1831 fortwährend zugenommen; schon 1833 trat eine neue Rangschifffahrt von Schweinfurt, Kitzingen, Würzburg und Miltenberg nach Köln und ebenso zurück ins Leben, ebenso von Miltenberg, Aschaffenburg, Hanau und Offenbach nach Köln. Auch von den holländischen Häfen Amsterdam und Rotterdam bildete sich bald eine direkte Fahrt nach Frankfurt und dem oberen Main. Aus Köln betrugen 1834 die Ver sendungen nach Frankfurt 70000 Ztr., nach dem Obermain 63420 Ztr., und die aus Holland nach dem Main bestimmten und zu" Köln vorbeipassirten Güter betrugen im Jahre 1833 insgesammt 66 000 Ztr., im Jahre 1834 rund 116 000 Ztr. — Die auf dem Main betriebene Floßfahrt war nicht weniger wichtig als die Schifffahrt. Sie wurde hauptsächlich aus Kronach und Steinwiesen betrieben; in ersterem Orte wohnten 35 und in letzterem 32 Floßhändler. 1822 wurden den Main bis Mainz herabgeflößt an Eichen und anderen Holzarten 26469 Kubikmeter und an Tannen und anderen weichen Holzarten 80470 Kubikmeter. In demselben Jahre passirten die Offenbacher Schiffbrücke 680 und im Jahre 1823 rund 630 Flosse. Der Absatz für das weiche Holz fing schon in Bamberg an, verstärkte sich aber von Hanau an erst bedeutend und erstreckte sich nicht weit über Koblenz, das harte Holz dagegen ging größtenteils nach Holland. Die Flößung des Mains verhielt sich zu jener des Oberrheins und Neckars fast wie 2 zu 1 hinsichtlich .der harten Holzarten; an weichem Holz
Fabriken, die bisher an den Heeresverwaltungen gute und dauernde Käufer hatten, ist das ein sehr erheblicher Ausfall. Sie müssen dafür andere Fabrikationszweige aufnehmen; gleichzeitig werben die für die Herstellung der Uniformknöpfe gebrauchten Gerâthe und Maschinen zum größten Theile werthlos : es ist also begreiflich, wenn die Lüdenscheider Knopfmacher mit großer Besorgniß der Entschließung des Kriegsministeriums entgegensehen.
Die Württembergische Berfassungsrevifion. Die Kammer schloß gestern die Generaldebatte über den Etat. Freiherr v. Woellwarth gab im Namen von zwölf Vertretern der Ritterschaft die Erklärung ab, sie seien geneigt, in Verhandlungen über eine Versassungsrevision einzutreten, doch dürfe der Ersatz für die Privilegirten nicht auf Grund des allgemeinen Wahlrechts erfolgen. Der Ministerpräsident forderte alle Parteien auf, ihre guten Absichten in die That umzusetzen und die zur Erreichung des angestrebten Zieles erforderlichen Opfer zu bringen.
Der amerikanische Außenhandel. Der Präsident Mac Kinley übermittelte dem Kongreß den Jahresbericht über die Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Auslande. Mac Kinley spricht sich in demselben lobend über die amerikanischen Konsularberichte aus und bemerkt, Großbritannien und Deutschland suchten das amerikanische System in ihren konsularischen Einrichtungen einzuführen. In einer den Bericht begleitenden Mittheilung sagt Staatssekretär Hay, der Handel der Vereinigten Staaten nähere sich mit überraschender Schnelligkeit einem Punkte, welcher aus ihm, sowohl in industrieller als auch in kommerzieller und finanzieller Hinsicht, den Mittelpunkt der Welt mache.
Deutscher« Reichstag.
Hitzung vom 30. Januar.)
Anträge betr. Wohnungsfrage und Theater- zensur.
Berathung der Anträge Hieber, Albrecht und Schrader betreffend Wohnungsreform. Die Diskussion war bereits geschlossen.
Abg. Möller-Duisburg erklärt im Schlußwort zu dem Antrag Hieber, er vertrete den durch Arbeiten im württem- bergischen Landtage verhinderten Antragsteller. Der Antrag Albrecht sei unannehmbar, der Antrag Schrader nicht weitgehend genug. Trotz der Erklärung der Reichsregierung, daß die Sache im Wesentlichen vor die Einzelstaaten gehöre, halte seine Partei doch an dem Hieber'schen Anträge fest. Eine ständige Kommission würde sehr segensreich wirken. Die Hauptsache sei, daß man in der Frage praktisch weiter komme und sich nicht in theoretischen Erörterungen verliere. Tüchtige
hingegen lieferte der Main nur etwas mehr als die Hälfte von dem aus dem Oberrhein. Hierbei ist jedoch auf die jenigen Quantitäten, die auf der ganzen Länge des Maines von Bamberg bis Mainz abgesetzt wurden, keine Rücksicht genommen. Nach den bei der Offenbacher Schiffbrücke über die Anzahl der durchgelassenen Schiffzüge und Floße gemachten Notizen blieb sich die Frequenz von 1820 bis 1832 im Durchschnitt gleich, nahm aber von da bis 1837 schon um 34 Prozent zu. —
Ueber die Ausdehnungder Ma in schifffahrt in die Donau, der ja auch heute wieder so eifrig das Wort geredet wird, berichtete Arnd u. A. das Nachfolgende. Durch Gesetz des Königreichs Bayern vom 1. Juli 1834 wurde die Ausgrabung eines Kanals beschlossen, welcher von Kehlheim bis Bamberg führend, die Donau mit dem Main verbinden sollte. Nachdem sich eine Aktiengesellschaft gebildet hatte, welche die Ausführung des Baues für 8,530,000 Gulden binnen 6 Jahren übernommen, begannen die Arbeiten bereits 1836. Die Wassertiefe des Kanals war auf 5, die untere Breite auf 34 und die obere Breite auf 54 bayrische Fuß vorgesehen; seine Länge war, einschließlich einer schiffbar zu machenden Strecke der Altmühl, mit 592,543 Fuß oder 23^2 deutsche Meilen berechnet. Die Steigung aus der Donau bis auf die Höhe von Neumarkt betrug 272 und der Fall von da bis Bamberg 630 Fuß. Zu diesem Auf- und Absteigen wurden 94 Schleusen in Aussicht genommen, jede derselben zu einer Länge von 120 und einer Weite von 16 Fuß. Zum Passiren jeder dieser Schleusen wurden 8 Minuten angenommen, sodaß ein Zeitaufwand von 12l/s Stunden erforderlich war, der sich auf die ganze Länge von 231/» Meilen vertheilte. Mit Einschluß der Kanalgebühr veranschlagte man den Transport eines Zentners per Meile auf 1 bis 3 Pfennige, während die Landfracht aus dieser Linie 4*/a Kreuzer pro Zentner und Meile kostete.
Das größte Leiden der Mainschifffahrtinteressenten bildeten auch damals die Mainzölle. Ursprünglich waren die deutschen Flußschifffahrtzölle ein Regal der Kaiser. Diese ver-