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die Vortheile auseinandei gesetzt wurden, welche für seine Innung der Beitritt zum „Germania"-Verband in Berlin böte. Der Samen dürfte auf fruchtbaren Boden gefallen sein. — Der 14jährige Arthur Flitzsche, der den 15jährigen Heinrich Hartmann, beide von hier, fahrlässig erschossen hat, erhielt gestern von der Strafkammer als Strafe 1 Woche Gefängniß und Tragung der Kosten.
Hd. Frankfurt, 25. Januar. Der Chef des Weltbankhauses M. A. Rothschild «Löhne, Baron Willy von Rothschild, ist heute Nachmittag nach kurzer Krankheit im Alter von 73 Jahren hierselbst gestorben.
Hd. Crouberg 25. Januar. Prinzessin Charlotte von Meiningen ist heute nach Homburg gefahren, um einer Einladung der Kaiserin zum Frühstück zu folgen. Den Beisetzungsfeierlichkeiten in Windsor werden sämmtliche Kinder der Kaficrin Friedrich beiwohnen. Nur Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, die einem freudigen Familien-Ereigniß ent- gegensieht, wird bei der Mutter bleiben.
Hd. Darmstadt, 26. Januar. Der hessische Hof legt für die Königin Viktoria eine vierwöchentliche Trauer an.
+ Offenbach, 25. Januar. Für die Stadt und den Landkreis Offenbach wurde neuerdings von der Kreisver- waltungsbehörde eine „Chemische Untersuchungsanstalt" mit dem Sitze in Offenbach errichtet. Als Leiter der neuen Anstalt fungiren die vereidigten Herren Dr. H. Becker und Dr. G. Popp. Die Untersuchungsanstalt dient sowohl behördlichen Aufgaben, als auch den Interessenten von Handel, Gewerbe und Industrie im Kreise Offenbach und ist täglich 8 Stunden lang geöffnet.
X Klein-Krotzenburg, 24. Januar. Die am 1. Februar leihfähigen Gemeindejagden werden an nachstehenden Terminen auf weitere 6 Jahre öffentlich in den betreffenden Rathhäusern meistbietend verpachtet: Zu Seligenstadt am 2. Februar, vormittags 11 Uhr; zu Zellhausen am 4. Februar, vormittags 11 Uhr; zu Klein Krotzenburg am 6. Februar, nachmittags 1 Uhr; zu Mainflingen am 8. Februar, vormittags 11 Uhr und am gleichen Tage zu Klein- Welzheim, nachmittags 1 Uhr. Die genannten Jagdgebiete waren bisher sämmtlich an Herren aus Frankfurt a. M. oder Offenbach um meist hohe Summen verpachtet.
A Seligenstadt, 24. Januar. „Hitz' ist kein Witz". Das mußte ein biederes Bäuerlein aus Goldbach bei Aschaffenburg heute hier erfahren. Im Spätherbste verbrachte der Mann einen md Obst beladenen Wagen zum hiesigen Bahnhöfe. Einige Gassenbuben liefen hinter der verlockenden Ladung her. Der Fuhrmann mochte wohl annehmen, die liebe Jugend habe es auf seine rolhwangigen Aepfel abgesehen. Deshalb verfolgte er die Knaben, erwischte aber einen ganz Unschuldigen und versetzte ihm einige derbe Niemenschläge. Wegen dieser unangebrachten Selbstjustiz verurtheilte ihn heute das hiesige Schöffengericht zu einer Geldstrafe von 25 Mk. und zur Tragung der erwachsenen Kosten.
Afchüsfettdurg, 25. Januar. Gestern Abend gelang es der hüsigen Polizei, ein geriebenes G aunerp ärchen in der Person des 20sährigm ledigen Schneiders Wi Helm Keim von Langen, Kreis Offenbach, und der ledigen stellenlosen 20 Jahre alten Dienstmagd Juliane Röser von Karlburg festzunehmen. Ersterer logirte sich dahier in der Dalbergstraße in einem Prioalhause mit dem Bemerken ein, er würde dahier als Kaufmann ab 1. kommenden Monats in ein Geschäft treten. Der Log sinbaber aber traute dem Neuzugezogenen nicht recht, überzeugte sich bei dem angegebenen Geschäftsinhaber und wurde hier auf die Unwahrheit der Angaben aufmerksam. Sofort verständigte er hiervon die Polizei, welche abends den Keim mit der Röser in dem Zimmer antraf und wegen falscher Namensangabe festnahm. Später fand man noch in der Wohnung einen Sack, sowie daß die Ueberzüge vom Bett aufgemacht, die Wanduhr verrückt war u. dergl. mehr. Dies erregte natürlich Verdacht. Schließlich konnte festgestellt werden, daß man es mit dem Gaunerpaar zu thun hat, welches kürzlich in Darmstadt, auf die gleiche Art, wie sie es hier versuchten, Bettwaare im Gesammtwerth von ca. 120 Mk. entwendeten und später dann versetzten. Das nette Pärchen wurde einstweilen in Nummer Sicher untergebracht.
Hus aller Melt.
Atts Konitz. Ob die Behörde mit ihren letzten Haussuchungen nunmehr auf den todten Punkt in dem ganzen Bei fahren angekommen ist, läßt sich zur Zeit noch nicht übersehen, weil über den wirklichen Erfolg der Haussuchungen nichts zuverlässiges verlautet. Da Kriminalkommissar von Kracht ab und zu noch in Konitz gesehen wird, scheint doch noch etwas im Gange zu sein. Neuerdings sind in der Bahnhofstraße ein paar Manschetten mit vergoldeten Knöpfen gefunden worden, die jedoch nicht Winters Eigenthum gewesen sein sollen. Durch solche Fopperei, wie es schon mit dem Unterzeug geschah, wird den Behörden die Untersuchung wahrscheinlich nicht erleichtert, und es wäre darum zu wünschen, daß die Thäter für derartige Scherze den gebührenden Denkzettel erhielten. Wie schon erwähnt, spielten bei den Haussuchungen Briefschaften eine große Rolle. Winter soll nämlich stets eine ganze Anzahl von Briefen u. dergl. bei sich getragen haben, insbesondere auch ein Notizbuch; leider haben auch i' tiefer Hinsicht die Haussuchungen nicht den geringsten Anha' ergeben. Die Kosten, welche die Könitzer Blutthat bisher gefördert hat, belaufen sich schon auf über 200 000 Mark. Allerdings sind dabei die Kosten für die Nebenprozesse u .o das Militär, das sich in Stärke einer Kompagnie (14. und 141. Regiments), immer noch dort befindet, mit einbegriffen. Die ausgesetzte Belohnung beträgt 20 000 Mk. und aus privaten Zuwendungen 12000 Mk.
Der Weg zum Ruhm. Ein eigenthümliches Mittel, die Aufmerksamkeit auf seine dichterische Thätigkeit zu lenken, wandte in einem Münchener Vergnügungs-Etablissement ein Schriftsteller an. Nachdem er sich in einem Separatzimmer entkleidet hatte, betrat er, nur von einem Domino bedeckt, den Ballsaal und feuerte einen Revolverschuß gegen die Decke ab. Arretirt, gab er als Motiv seiner Handlung an, daß er nur die Aufmerksamkeit der Leute habe auf sich lenken wollen,
Hanauer Anzeiger
da er als Dichter bisher zu wenig Beachtung gefunden habe. Die Münchener Blätter verschwiegen den Namen des sonderbaren Dichters — so muß auch vorläufig die übrige Welt ihn weiter verschweigen. All Hoffen umsonst!
Mit Gewalt Steuern zahlen —jawohl! — wollen die Profissoren der Universität Jena. In einer Denkschrift an die an der Unterhaltung der Universität beteiligten Regierungen wird die jetzige Steuerfreiheit der akademischen Lehrer als ein zu den modernen Staalseinrichtungen und Steuergrundsätzen im Gegensatz stehendes und zugleich den im öffentlichen Leben herrschenden modernen Anschauungen widersprechendes Vorrecht gezeichnet.
Königin Viktorias Einkommen. Königin Viktoria hat nach der Statistik eines Londoner Blattes im Ganzen vom Dtaat etwa 480,000,000 Mark erhalten. Ihr offizielles Einkommen von 7,700,000 Mark jährlich betrug um 10,000,000 Mark weniger als das Einkommen des Kaisers von Oesterreich, 4,000,000 Mark weniger als das des Königs Viktor Emanuel, 2,000,000 Mark weniger als das des Schahs von Persien und nur halb so viel als das Kaiser Wilhelms. 170 Tons englischer Sovereigns würde das Einkommen der Königin vom Staate wiegen. Die Königin hat während ihres Lebens wenigstens zwei unverhoffte Gewinne gehabt, einen großen und einen ver- hältnißmäßig kleinen. Ein Mr. Neild, der 1852 starb, vermachte der Kömgin sein Vermögen von 4,000,000 Mark. Königin Viktoria ließ Nachforschungen anstellen, ob Verwandte vorhanden wären, denn in diesem Falle wollte sie das Geld nicht annehmkn. Da Mr. Neild aber ohne Nachkommenschaft und Verwandte gestorben war, nahm die Königin das Ver- mächtniß an. Das zweite Mal war Mr. Newhouse Heywood ohne letztwillige Verfügung gestorben, und sein auf 200,000 Mark geschätztes Besitzthum, das im Herzogthum Lancaster lag, fiel an die Königin.
Zu der Ermordung des Rittmeisters v. Krosigk in Gumbinnen wird der „K. H. Ztg." von dort noch Folgendes mitgetheilt: Rittmeister v. Krosigk, Chef der 4. Schwadron, war ein äußerst strenger, jähzorniger Offizier, der jedes Vergehen hart bestrafte. Er besaß keine Liebe bei seinen Untergebenen, war vielmehr allgemein gefürchtet. Es liegt also zweifellos ein Racheakt vor. Seine Eskadronstand früher in Stallupönen. Dort ist, rote gesagt, schon einmal auf ihn geschossen worden. Er soll auch hier kurz vor seiner Versetzung gestanden haben. Die Untersuchung leitete der zufällig aus einem andern Anlaß hier anwesende zuständige Auditeur ein. Dec Gang dieser Untersuchung wird strengstens geheim gehalten. Nachdem der verhängnißvolle Schuß gefallen war (v. K. stand in der Reitbahn, neben ihm ein Oberleutnant, auf der andern Seite Wachtmeister Buckpesch), kann sich der Mörder sowohl nach den Pferdeställen wie auch nach den Mannscbaftsstuben begeben haben. Dort wie hier waren Leute beschäftigt, während eine Abtheilung in der Reitbahn Reit- übungen abhielt. Die Leiche wurde Dienstag Abend 6 Uhr aus der Kaserne nach der Wohnung geschafft. Am Freitag den 25. d. M. fand in der Wohnung des Verstorbenen eine Trauerfeier statt. Darauf wurde die Leiche mit militärischen Ehren zi m Bahnhof befördert, um nach der Heimath des Rittmeisters, nach Werna bei Ellrich im Harz, übergeführt zu werden. v. K. war 41 Jahre alt und hinterläßt eine Frau mit zwei Kindern.
Arnold Böcklin und das Flugproblem Der unvergeßliche geniale Meister beschäftigte sich seit vierzig Jahren, schon bei seinem Aufenthalt in Weimar, mit der Lösung des Flugproblems. Mit seiner großen Phantasie vereinte sich ein seltener mathematischer Scharfsinn, und dieser führte ihn dazu, seinen Versuchen den Vogelflug zu Grunde zu legen. Der mit Böcklin befreundete Helmholtz äußerte sich gerade über dieses Prinzip sehr günstig und auch der leider verunglückte Lilienthal baute auf demselben Grunde sein System auf. Böcklin besuchte ihn einmal bei seinen Fliegeversuchen in Lichterfelde, und als er den von Lilienthal aufgeführten Berg sah, von welchem dieser herunterzuschweben pflegte, rief er lachend : „Das Ding sieht ja aus wie der Vesuv!" In den achtziger Jahren hatte der Künstler auf einem Hügel bei Florenz größere Modelle nach seinem System. Mehrere Schüler und auch der früh verstorbene Maler Hans von Marees halfen ihm dabei. Ein Sturm zerstörte in der Nacht die mühsame Arbeit; aber Böcklin ließ sich keineswegs entmuthigen, er baute im nächsten Sommer ein neues Modell, das ihn jedoch technisch nicht befriedigte. Der Meister wandte sich nun nach Berlin, wo die Abtheilung für Luftschifffahrt großes Interesse für die Sache bekundete, auch Werner Liemens erbot sich, dem Künstler bei der Konstruktion mit allen Kräften zur Hand zu gehen. Der große Elektrotechniker starb jedoch, und Böcklin wurde zweimal vom Schlage getroffen. As er sich erholt hatte, beschäftigte ihn der alte Lieblingsplan von Neuem, aber seine Angehörigen hielten ihn von diesen Arbeiten zurück, um ihn nicht körperlicher Anstrengung auszusetzen.
Die städtische Bibliothek
Bangertstraße 2, erster Stock, ist Sonntags, Mittwochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr zur kostenfreien Benutzung für das Publikum geöffnet.
Gesammtkataloge sind zu 1.20 Mk., die neuesten Nachträge Nr. 15 und 16 zu je 20 Pfg. in der Bibliothek zu haben.
Patent-Ertheilungen.
Nr. 118122. Verfahren zur Herstellung der Chlorkohlensäureester des Chinins und des Cinchonidins; Zus. z. Patent 90 848. — Vereinigte Chininfabriken, Zimmer & Co., G. m. b. H. in Frankfurt a. M., vom 9. November 1899 ab. Kl. 12p.
Nr. 118 123. Verfahren zur Darstellung eines Konden- sationsproduktes aus x-Amidophenol. — Dr. CH. Rud olp h in Offenbach a. M., vom 27. Februar 1900 ab Kl. 12q.
Nr. 118 157. Niegelgesperre. — A Schanz in Frankfurt a. M., Cranachstraße 12, vom 8. September 1899^ab. Kl. 47h.
26. Januar
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Nr. 118 230. Schlachtspreize mit Vorrichtung zum gemeinschaftlichen Abgeben der getrennten Thierhälften. — Kaiser & C o. in Cassel, vom 2. Mai 1899 ab. Kl. 66«.
Gebrauchs-Muster.
Nr. 145 481. Ueberschlag für Geldtaschen rc., mit Extra- Behälter zur Aufnahme beliebiger Gebrauchsgegenstände. D. Heymann in Offenbach a. M., Frankfurterstraße 48, vom 22. Oktober 1900 ab. — H. 14 738. Kl. 33b.
Nr. 140 514. Hohler Gestellblock, in welchem sich vermittelst eines mit Muttergewinde oersehnen Handrades» ein mit Schraubenspindel versehener, klauenar tiger Bolzen verschieben läßt, zwecks Hebens von Fahrzeugen. Karl Heß in Offenbach a. M., vom 22. August 1900 ab. — H 14 474. Kl. 35c.
Schisisbericht.
Hamburg, 25. Januar. Der Dampfer „Cheruskia* v- der Hamburg-Amerika-Linie ist gestern in St. Thomas erngetroffen.
Bremen, 25. Januar. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Lahn" ist gestern in New-2)ork eingetroffer.
London, 23. Januar. Der Castle-Dampfer „Pembroke Castle" ist auf der Ausreise vorgestern in Kapstadt einge- troffen.
Drabtbericbte des „Dan. Hnz.“
Berlin, 26. Jan. Der „Lokal-Anzeiger" meldet aus Kiel: Prinz Heinrich schifft sich am 27. d. M. an Bord des Linienschiffes „Baden", das auf der Reise nach England als Flaggschiff dient, ein. Nach Beendigung der Flottenparade im Hafen von Spithoad gehen die „Baden" mit dem Prinzen Heinrich an Bord und der Kreuzer „Freya" sofort zur Vermählungsfeier nach Holland, während die übrigen Schiffe zu ihren Stationen zurückkehren.
Berlin, 26. Jan. Nach einem Telegramm aus London empfing Kaiser Wilhelm gestern eine große Anzahl von Depeschen durch Spezial Couriere, und war außerordentlich von Staatsgeschäften in Anspruch genommen von morgens bis zum Diner mit Ausna' me eines kleinen Spazierganges, den der Kaiser früh mit dem Könige unternahm. — Der deutsche Kronprinz wird heute Morgen 7 Ufr 32 Min. in London und 9 Uhr 30 Min. in Portsmouth erwartet.
Berlin, 26. Jan. Nach einer Depesche aus Wien sind zu den Feierlichkeiten, welche bei den diesjährigen deutschen Kaisermanövern auf der Marienburg stattfinden, auch Mitglieder des deutschen Ritterordens aus Oesterreich eingeladen. Oesterreichischer Großmeister des Ordens ist Erzherzog Eugen.
Berlin, 26. Januar. Die „Vossische Zeitung" meldet aus Wen: Der frühere Finanzminister und tschechische Führer Dr. KRzl wurde gestern vom Kaiser in Angelegenheit der Krise wegen des Ministers Reczek in Audienz empfangen. Obwohl Reczek persönlich nicht die Absicht hat, zurückzutreten, so wird er dennoch unbedingt sich dem Beschluß der Parteileitung, der spätestens am Montag gefaßt werden soll, unterordnen.
Berlin, 26-. Januar. Wie verlautet, beabsichtigt der Kaiser an einer Sitzung des königlichen Oekonomie-Kollegiums theilzunehmen.
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