Einzelbild herunterladen
 
  

Seite 5

23. Januar.

-tiefes Die, stpferd fegen haare Z.hlnng beifauit. NachmiltakS von 2 Uhr ab wird die angefangene Meiccriewaaren-Versteigerung Fahr­straße 12 (im Laden) durch den beeid. Taxator und Auttionator Herr» Fr. Kämpfer fortgesetzt.

Hue steh und fern.

Meerholz, 21. Januar. Vergangenen Donnerstag schoß Herr Jagdaufseher Karrach von hier im Revier Meerholz einen Auerh ahn. Dies ist ein seltenes Jagdglück, da dies Wild im hiesigen Revier fast gar uicht vorkommt.

Homburg v. b H., 23. Januar, 11 Uhr 30 Min. (Privattelegramm.) Die Kaiserin Augusta Vik­toria traf um 10 Uhr hier ein und fuhr alsbald nach dem

Schlosse.

^ Klein-Tteinheim, 22. Jan. In den Sägeblättern finden sich gegenwärtig zahlreiche Inserate über R e u e r p a ch - tungen der gemeinheitlichen Jagden innerhalb des Großherzogthums Hessen. Weiteres Interesse dürften daher die vortheilhaften Bedingungen beanspruchen, unter denen die hiestege Gemeinde nach Ablauf der letzten Jagdperiode die Wiedererpachtung ihres Jagdgebietes zuließ. Die Jagd war früher auf 6 Jahre um den Jahrespachtpreis von 655 M. ten Herren Wilhelm Rachor aus Groß-Lteinheim und Louis Sommerhof aus Frankfurt a. M. zugeschlagen worden. Sie blieb auch später noch den genannten Pächtern. Die Jagd­periode wurde aber auf 9 Jahre ausgedehnt und der Pacht­preis auf jährlich 1500 M. erhöht. Die Gesammtpachtsumme für die 9 Jahre wurde mit 13 500 M. vorausbezahlt und bei Ler Seligenstädter Bezirks-Sparkasse verzinslich angelegt. Von dieser Einlage erhebt die Gemeinde alljährlich den Jahrespacht- betrag von 1500 M. sammt den beträchtlichen Kapitalzinsen zur Deckung gemeinheillicher Bedürfnisse. Diese außergewöhnlich günstigen Bedingungen sind als Folge der bei der Jagdver­pachtung befürchteten Konkurrenz aufzufassen.

Seligenstadt, 22. Januar. Das dreijährige Söhn­chen einer hiesigen Arbeiterfamilie erkletterte gestern in einem unbewachten Augenblicke einen Tisch im Wohnzimmer, stürzte herab und erlitt einen schweren Armbruch.

Aus dem Kreise Offenbach, 22. Januar. Der im ganzen Verwaltungsbezirke wegen seiner gediegenen Charakter­eigenschaften und seiner Amtstüchtigkeit hochgeachtete Kreis­geometer Theodor Schmidt zu Offenbach ist im Alter von 47 Jahren infolge eines Gehirnschlags plötzlich verschieden. Ueber 12 Jahre lang war er im Kreise thätig. Der Kreisausschnß widmete ihm einen öffentlichen Nachruf.

Büdingen, 22. Januar. Der am Sonntag hier ab­gehaltene Gauturntag des Kinzig-Turngaues wurde von dem Gauvertreter Herrn Jöckel-Gelnhausen um halb 3 Uhr eröffnet. Nach kurzem Geschäftsbericht des Gauvertreters erstattete der Gauschriftführer Bericht über Turnsachen. Soden- Stolzenberg wurde als Ort für das Gauanturnen bestimmt. Ueber die Frage des Gauturnfestes entspann sich eine lebhafte Debatte, aus der Langenselbold, nachdem der Turnverein Bü­dingen seinen Antrag zur Abhaltung des. Festes zurückgezogen hatte, als Ort zur Abhaltung des Gauturnfestes Heroorging. Der Antrag, das Wettturnen beim Anturnen fallen zu lassen, wurde angenommen. Als Ort für den nächsten Gauturntag wurde Ob rrodenbach gewählt. Es kamen noch verschiedene Diplome vom Gauturnfest in Steinau zur Vertheilung.

Hus aller Melt.

Ein schwerer Unfall auf Dem Schulschiffe Stein", das die gerettete Mannschaft der bei Malaga ge- firantetenGneisenau" künftig aufzunehmen bestimmt ist, hat sich infolge Versagens der Ankcrmaschine auf Stollergrund bei Kiel ereignet. Das SchulschiffStein" erlitt nämlich bei seiner ersten Probefahrt in der Außenfâhrde Moschinenhavarie durch Warmlaufen der Kolbenlager. Der Maschinenraum füllte sich mit Dampf, ohne daß dadurch Schaden angerichtet wurde. Als jedoch beim Ankerwerfen die Ankermaschine ver­sagte, weil sie auf dem todten Punkt stand, und ein Schiffs­junge eingriff, um die Maschine in Bewegung zu setzen, ging die Maschine plötzlich an und der Ankerdavit traf zurückfchlagend die Bedienungsleute. Der erste Offizier, Kapitänleutnant Funke, erlitt schwere Brust- und Beinverletzungen, Bootsmann Turke eine Kopfverletzung, dem Obermatrosen Satof wurden beide Schlüsselbeine zerschmettert. Die für den 24. Januar in Aussicht genommene Ucbungsreise derStein" ist infolge­dessen aufgeschobcu.

Kleine Chronik. Barmen. Die Eisengießerei und Maschinenfabrik Friedrich Spies Söhne ist niedergebrannt. Die Eisengießerei und das Möbellager sind völlig vernichtet. 30 Fernsprechleitungen wurden zerstört. Bremerhaven. Auf dem LloyddampferAachen" wurden durch die Explosion eines Dampfrohres 2 Mann schwer, 3 leichter verletzt. Hannover. Einer der bekanntesten Landwirthe Westdeutsch­lands, ein Schwager des Ministers v. Hammerstein, Oeko- nomierath Hoepker (Schlichthorst, Bez. Osnabrück), ist plötzlich gestorben. Mülheim. Am Uebergang der Provinzial- straße unweit Leverkusen wurde ein Fuhrwerk mit drei In­sassen aon einem Zuge der dortigen Kleinbahn erfaßt. Der Wagen wurde vollständig zertrümmert und die Insassen gegen eine Telegraphenstange geschleudert. Sämmtliche drei Personen erlitten schwere Verletzungen. Mainz. Das sechsjährige Kind des Fuhrmanns Pruß ist, da es dem Feuer des Ofens zu nahe tamr vollständig verbrannt. Die zwei jüngeren Geschwister im Alter von 1 und 3 Jahren wären sicher erstickt, wenn nicht die Mutter unterdessen dazu gekommen wäre. Koblenz. In der Kaserne des Trainbataillons in Ehren­breitstein stürzte ein Soldat zum Fenster hinaus und war auf der Stelle todt. München. Die Volkszählung Bayerns zeigt 6 pCt. Zunahme, was die höchste bisherige Mehrung bedeutet. Brüssel. Heute starb im 41. Lebensjahre der Baumeister Paul Hankar, einer der Begründer der Renaissance des kunstgewerblichen Stils. Zürich. Das Obergericht verurtheilte den ehemaligen Gymnasiallehrer Dr. Paul Radig zu acht Monaten Arbeitshaus. Nadig hat, wie derBerner Bund" mittheilt, schon früher als Heirathsschwindler mehrere Kellnerinnen um ihre Ersparnisse betrogen.

______________ Hanauer Anzeiger ______________ handel, Gewerbe und Verkehr.

Zentralstelle der preußischen Land­wirthschaftskammern.

22. Januar 1901.

a) Für inländisches Getreide ist in Mark per Tonne gezahlt worden:

Weizen

Roggen

Gerste

varer

Uckermark

146-145

132140

140-145

142150

Mittelmark, Prignitz

112-149

131-14702

140-146

126-150

Neumark

145154

134-142

130145

135-150

Lausitz

149

143

142-145

145

Magdeburg

144-152

145-150

150-180

140-150

Altmark

145152

140145

145162

134-148

Merseburg, östlich

145-148

143-149

153-157

135-150

westlich d.M.

141-149

144-150

150188

136-145

Erfurt

14415)

145-160

152r 5

130-150

Stettin (Bez.)

118111

136

135-140

128-134

Stolp (Pwtz)

120127

Amlam (do.)

143

133

133

130

Lonzig

150-156

126

127135

127129

Thorn

143-150

127-135

128-135

128134

Elning

-

123

Königsberg i. Pr.

136-151

115-125

114-100

104-120

Brestau

136153

159145

1321'0

127132

Strehlen

143-152

140145

132145

124-128

Striegau

146-151

140-146

135-150

130136

Löweudcrg

150-155

138145

130-138

126-128

Posen

141151

131138

133144

128140

Bromberg

150-154

131134

131

133

Ostrowo

149-151

138-110

130140

128130

Gresen

152

136

140

138

Kiel

146-150

132-135

140-146

140144

Steinburg

146150

132135

13 1-140

134138

Neumünster

138-145

130-13)

138145

123135

Hannover (Süd)

144-158

140-150

140-180

126-154

do. Elbe. Weser

142158

128-145

140

130165

do. West

128154

119-143

130133

120-130

Müistteiland

155158

141149

142-145

131-139

Wests Jttdustriebz.

154160

140148

124

131V»

Sauerland

155

141-149

125-130

Paderbornerland

150-155

147150

125

Fconkmrt a. M.

163-U3V»

146-147 V»

152-157'/,

130-142 V»

Eissel

153

154

134

b) Nach privater Ermittelung:

Weizen 755g. p.l.

Roggen 712 g. p.l.

Gerste 573 g. p. L

Hafer

450 g. p. 1

Berlin Stadt

152

142

150

Stettin

151

136

140

134

Königsberg L Pr.

147 V»

124 V»

121

123 V»

Breslau

154

145

150

132

Posen

151

136

144

134

Hannover

153

147

144

Ncnß

164

137

128

Mannheim

176V»

149

144

Hamburg

151

140

142

Raps. Breslau 260 Mk.

c) Weltmarkt

auf Grund Depeschen vom Dienstag, in Mark per Tonne, einschl. Fracht, Zoll und Spesen, aber ausschl. der Qualitäts- Unterschiede.

am 22.1.

am 21. 1.

Lon New-Dork

nach Berlin (Weizen)

80V» Cts.

170,00 M

163,50 M

Lon Chicago

nach Berlin

72V»

163,50 M

166,75 ^

Von Liverpool

nach Berlin ,

6 sh 1 d.

180.25 M

179,50 ^

Lon Odessa

nach Berlin

88 Kop.

170,25 ^

170,25 ^

Lon Riga

nach Berlin

89

170 25 M

170,25 ^

Zu Paris

19 25 Fr.

156,75

156,75 ^

Lon Amtlerdam

nach Köln,

177 hl. fL

165 75

165,75 M

Von New-Jork

nach Berlin (Roggen)

58 Cts.

142 25 <â

143,00 ^

Lon Odessa

nach Berlin

1 70 Kop.

146,25 *

146,25 M

Lon Riga

nach Berlin ,

71 ,

146,25 *

146,25 °Ä

Von Amsterdam

noth Köln

128 hl. fl.

141,00

144,00 ,

Von New-Aork

nach Berlin (Mais)

! 47 Cts.

105,25

105,25 JK

Frankfurt a. M., 22. Januar. (Abendbörse.) Creditaktien 208.60 b. Tisconto-Commandit 178.10 30 b. Deutsche Bank 199.4050 b. Handelsgesellschaft 149 b. Northern 85 50-80 b. Anaiotische 81.30 b. Gotthard 157.70 b. Central 159 30 b. Nordost 109.40-00 b. Union 98.65 b. Jura-Simplon 100.4050 b. Gelsenkirchener 173.70 b. Harpener 171.70b. Concordia 259b. Zellstoff Dresden 95b. Caro-Hegenscheidt 111b. Mexikaner 4tb. Italiener 95.30b. Argentinier 72.50b.

Bei ziemlich ruhiger Haltung waren Schweizer Lahnen gegen Mittags- schluß etwas erholt. Northern auf bessere Londoner Noürungen steigend. Uebrige Gebiete behauptet.

Buenos Aires, 21. Januar. Gold-Agio 132.10.

Berlin, 22. Januar. Produktenmarkt. Weizen per Januar ., per Mai 158., per Juli 160..

Roggen per Januar., per Mai 141.75, per Juli 142..

Hafer per Januar., per Mai'136..

Mais amerik. Mixed loco, per Januar 107.50 per Mai 106.25. Rüböl per Januar 58.50, per Mai 58.50.

Spiritus, 70er loco 44.50, 50er..

Hamburg, 22. Januar. Kaffee good average Santos. Schluß- Course per März 31*/* Pf. per Mai 32Vt Pf.

Telegraphischer Kursbericht.

Frankfurt, 23. Januar, 121/* Uhr.

Credit 208.70.

Staatsbahn 143.20.

Lombarden 26..

Disconto-Comm. 178.60.

Deutsche Bank 199.80.

Handelsg...

Dresdner..

Italiener 95.20.

3 °/o Mexicaner 25.50.

3 °/o Portugiesen 24.40.

4°/o Spanier 71.90.

Gotthard 157.50.

Schweiz. Nordost 109.60. Central 152.30. Union 98.70.

Jura 100.40.

Harpener 172..

Gelsenkirchener 174.. Laurahütte 195.50.

Bochumer 177.25.

Tendenz: Fest.

Schiffsbericht.

Hamburg, 22. Januar. Der DampferFrancia* vt« der Hamburg-Amerika-Linie ist gestern in St. Thomas ein­getroffen.

Drabtberichte deeEtan. Hnz.

Di« Lag« in China.

Peking, 23. Januar, 11 Uhr 30 Min. Die G e - sandten traten heute zusammen und beschlossen, auf die geforderten Aufklärungen über die letzte Note zu antworten, wenn die Chinesen den Beweis geliefert hätten, daß sie den angenommenen Bedingungen entsprechend Genug­thuung leisten wollen.

Untergang eines japanischen Schulschiffes.

London, 23. Jan. Nach einer Depesche aus Shanghai ist das japanische SchulschiffJlenkuschina" an der Ost­küste Japans mit 95 Personen, darunter 49 Kadeten, unter­gegangen.

Dementi.

Konstantinopel, 23. Januar. (Meldung des Wiener Korresp.-Bur.) Die Nachricht, daß in ganz Kleinasien die Pest herrsche, ist unbegründet. Weder in Smyrna noch in Konstantinopel ist ein Pest fall vorgekommen.

Königin Viktoria von Grofe- britannien ^.

London, 22. Januar. Die Königin ist heute Abend kurz nach 67» Uhr g e- st o r b e n.

Nach einer selten langen und glücklichen Regierungszeit ist die Königin Vikloria von Großbritannien und Irland, Kaiserin von Indien, aus diesem Leben geschieden. Wochenlang schon gab der Gesundheitszustand der hochbetagten Trägerin der englischen Krone zu ernsten Besorgnissen Anlaß, aber erst in den letzten Tagen wurde es in der breiten Oeffentlichkeit be­kannt, wie gefahrdrohend die Erkrankung der greifen Königin war.

Nahezu 64 Jahre hat die Königin Viktoria die englische Krone getragen, länger als je ein Inhaber der königlichen Gewalt des Landes vor ihr. Es war ihr beschieden, bei noch völliger geistiger und körperlicher Frische sowohl das goldene wie das diamantene Regierungsjubiläum zu feiern. Besonders das letztere gab Anlaß, in England mit überschwänglichen Ge­fühlen patriotischen Stolzes von der glanzvollen viktorianischen ' Aera zu schwärmen, welche selbst das erfolgreiche Zeitalter der großen Elisabeth in den Schatten zu stellen geeignet sei.

Blicken wir zurück auf die Entwicklung Englands während der langen Regierungszeit der Königin Viktoria, so ergibt sich, daß während dieser Zeitepoche das englische Volk einen auf allen Gebieten glänzenden Aufschwung genommen hat. Die Welt stand noch an der Schwelle der neuen Zeit, welche durch die praktische Ausbeutung der Dampfkraft verheißungsvoll er­schlossen war. Die Riesenkraft des Dampfes sprengte alsbald die engen Schranken, in denen der Verkehr und die industrielle Betriebsamkeit sich bisher bewegt hatten, und eröffnete Bahnen zu nie geahnten Erfolgen. Was eine segensvolle Errungenschaft, welche gleichsam alle Entfernungen um mehr als die Hälfte ab­kürzte, welche spielend mit Maschinen leisten ließ, wozu vieler Hände Arbeit früher Wochen bedurften, für die Entwicklung des gewerbthätigen Lebens bedeutete, braucht ja hier nicht ausge­führt zu werden. Gerade während der letzten zwei Dritttheile des alten Jahrhunderts, also für England unter der Regierung der Königin Viktoria, traten die gewaltigen Folgen der prak­tischen Verwendung der Dampf- und später der elektrischen Kraft markant in die Erscheinung. Der Vorsprung, welchen England damals ohnehin schon vor allen anderen Nationen der Welt hatte, erhöhte sich, beflügelt durch die Kraft der Dampf­maschinen, die zuerst in dem industriell am Meisten vorge- schritlenen Volke in umfangreichstem Maßstabe zur Verwendung gelangten, für die nächste Zeit noch um ein beträchtliches. Handel und Wandel hoben sich zusehends, die Bevölkerungszahl und der Wohlstand des betriebsamen Volkes nahmen schnell zu. Der Geschichtsschreiber Thomas Humphrey Ward nennt den da­maligen Aufschwung Englands großartiger als irgend einen, den die Geschichte bisher zu verzeichnen gehabt habe. Zu den gewerblichen kamen auch politische Erfolge mannigfacher Art. Niemals war die Vorherrschaft Englands zur See unbestrittener als nach den Freiheitskriegen bis in unsere Tage hinein. In­dustriell haben freilich inzwischen besonders Deutsche und Ame­rikaner bereits den einstigen Vorsprung Englands einzuholen sich mit glücklichem Erfolge bemüht. Auch auf dem Gebiete des Verkehrs kinn heute von einer unbedingt vorherrschenden Stellung des stolzen Jnseloolkes im Ernste keine Rede mehr sein. Ebenso sind wir in dec jüngsten Zeit in Folge der An­strengungen aller großen Nationen dem Ziele des Gleichgewichts zur See um einen bedeutenden Schritt näher gekommen. Und auch die Gestaltung der^Dinge in Südafrika hat dem englischen Prestige einen ernsten Stoß versetzt.

Der Ausgang des sogenannten viktorianischen Zeitalters zeigt also in erheblich geringerem Maße verheißungsvolle Aus­sichten für die thatkräftige Nation, deren Land der Silberwall des Ozeans wie ein starker Schutz umschließt. Immerhin war aber die Zeit unter dem Szepter der Königin Viktoria eine im Großen und Ganzen glückliche und erfolgreiche. Wenn die Engländer im Hochgefühle nationalen Stolzes von der glorreichen viktorianischen Aera sprechen, so kann davon natür­lich nicht in dem Sinne die Rede sein, wie man etwa von einem Zeitalter der Königin Elisabeth, Ludwigs XIV. oder Friedrichs des Großen zu sprechen gewöhnt ist, denn die Königin Viktoria hat ihrer Zeit keineswegs in ähnlicher Weise wie jene gewaltigen Herrschergestalten das Gepräge ihres Geistes aufzu­drücken vermocht. Schon ihre ganze staatsrechtliche Stellung machte das unmöglich.

Zu den hohen persönlichen Vorzügen der verstorbenen Königin gesellte sich mit der Zeit noch der Nimbus, welchen das hohe Alter und ein langes, in reger Pflichttreue ver­brachtes Leben verleiht, um sie dem Volke gewissermaßen in einem verklärten L-chte erscheinen zu lassen. Zu der sie aus­zeichnenden Einsicht trat im Laufe der langen Regierungszeit