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Hanauer Anzeiger
2?. Januar
Aus dem Gerichtssaal.
Sitzung der Strafkammer I. vom 21. Januar.
Betrug.
Am 17. Dezember v. I. wurde der schon vielfach vorbestrafte Händler S. von hier von der Strafkammer zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus verurtheilt, weil er wieder einmal Schwindeleien getrieben hatte. Es handelte sich um Fahrräder, die er zum gelegentlichen Gebrauch lieh und nicht wieder zurückgab, sondern in Frankfurt versilberte. Jetzt hat sich noch ein weiterer gleichartiger Fall herausgestellt, in welchem der Fahrradhändler W. von Großauheim von dem Angeklagten um ein Rad geprellt wurde. Dieses Stückchen verlängert den Aufenthalt des S. im Zuchthaus um drei Monate.
Körperverletzung.
Am Morgen des 20. Oktober v. I. ging der Taglöhner F. von hier über den Marktplatz und traf dabei den Taglöhner B. von Langenselbold, dem er sein Leid klagte, daß er nicht ganz gesund sei. B. äußerte darauf, er (der F.) wolle wohl die Krankenkasse „belämmern". Der F. ärgerte sich da-' rüber nicht wenig und machte nun Bemerkungen, die den B. ebenfalls gehörig in Harnisch brachten. Schließlich wurden beide Köpfe so erhitzt, daß sie sich gegenseitig stießen und zu den Waffen griffen. Der F. griff in die Tasche, rückte seinem Gegner auf den Leib und jagte in herausforderndem Tone, er solle nur schlagen, während B. sich mit seinem mit einem Hirschhorngriff versehenen Stock in Positur setzte. Die in der Nähe befindlichen Schweinehändler ermunterten den B. noch, er möge doch draushauen und dieser ließ sich das auch nicht zweimal sagen. Er schlug dem F. mit dem umgekehrten Stock auf den Kopf und auf die Hand, daß dem Getroffenen schwind- lich wurde und ihm die Lust zur weiteren Verfolgung des B. verging, welch' Letzterer sich aus dem Staube machte. Heute sitzt B. auf der Anklagebank und da er wegen grober Excesse schon mehr das Gericht beschäftigt hat, wird auf 6 Monate Gefängniß gegen ihn erkannt.
Unverdienter Arbeitslohn.
Das Schöffengericht zu Bergen hatte den früher in Fechenheim beschäftigten Steinmetzgehilfen R. wegen Betrug zu 10 Mark Geldstrafe verurtheilt, weil er eine von ihm in Angriff genommene Arbeit nicht fertiggestellt hatte und einfach dem Geschäfte fern geblieben war, obwohl ihm die betreffende Arbeit von dem Meister schon vollständig bezahlt war. Auf die eingelegte Berufung des Angeklagten wird derselbe freigesprochen, da nicht festgestellt werden konnte, ob er von vornherein die Absicht hatte, nicht mehr zur Arbeit zurückzukehren.
Beleidigung.
Eine jetzt in Wandsbeck wohnende Ehefrau H., welche früher ihren Wohnsitz in Kesselstadt hatte, war vom hiesigen Schöffengericht wegen Beleidigung zu 150 M. Geldstrafe verurtheilt worden, weil sie in Gesprächen mit verschiedenen Leuten den Bürgermeister von Kesselstadt mit Bezug auf seine Amtspflichten in gänzlich erfundenen unwahren Behauptungen angeschwärzt und verächtlich gemacht hat'e. Sie hatte nämlich von ihrem Grundstück 2 Meter Straßenfront zu AlignementspIänen an die Gemeinde abzutreten, weshalb sich ihr ganzer Haß auf den Bürgermeister konzentrirte, dem sie die Schuld an dieser Schädigung beimaß. Gegen das Urtheil hat sowohl die Angeklagte wie auch der Staatsanwalt Berufung eingelegt. Beide Berufungen werden jedoch verworfen.
Telegraphischer Wcttcrbcricht der dcutslt'cn Sectoarte.
Telegramm aus Hamburg vom 22. Januar.
(9 Uhr 40 Min.)
Ein Minimum unter 730 mm lagert über den Lofoten, ein Maximum über 774 mm im Süden Kontinentaleuropas. In Deutschland ist das Wetter trübe und sehr mild mit mäßigen Südwestwinden.
Prognose für den 23. Jannar: Wenig Aenderung, im Norden Regen mit auffrischenden Winden wahrscheinlich.
Barometerstand
mittags 12 Uhr am 21./l. 22./l.
Sehr trocktu Beständig
Schön Derätld erlich
Regen (Wind
Viel Regen
Sturm
Vereinsnachrichten
für Dienstag den 22. Januar.
Kunstverein : In der Aula der Königl. Akademie: Ansstcllung von Gemälden 20
Krarkenksie der Gold- und Silberarbeit^r und verw. Berufs genossen (®.ngiW. Hilsskasse Nr. 3): Abends 8*/» Uhr: Generatver- sâmwng in der „Traueret Wki-mantU'.
Evang. Männer- und Jünglingsverein: Jünglingsverein: Bibelbc- sprechuna; Jungfraucnverein: Flickabend lEv. einsbaus.)
Kath. Kasino „Eintracht (Vereinslokal: ^um Braustüb'l ): Veretns-
DrawMmâ Verein Melpomene' (im Gasthaus „zur
Sonne"): Geselliger Abend.
Turn- u. Fechtklub: Fechten.
Süddeutscher Klub: Klubabend in der Restauration .ALemania.
Zitherverein Hanau: Probe in der Restaurator .Atlemania .
Lthletenklub „Germania" : Riegenstemmen unb Musterriegenarbeiten. (Restauration Wagenbach, Paradeplatz),
Dersteiger««gs- etr. Krttruder
fâr Mittwoch den 23 Januar.
Holzversteigerung der Oberlörsterei S ilmünster; Termin vormittaes 9 Uhr im GanhauS „zum Löwen" in Salmünster H Nr. 12 Hau. Anz."). ______________
Hus stab und fern.
Cassel, 21. Januar. Auf der westfälischen Bahnstation Grebenstein ist gestern Abend um 10 Uhr ein Güterzug entgleist; 10 Wagen wurden umgeworfen und beschädigt. Beim Personal sind nur geringe Verletzungen vorgekommen, dagegen sind beide Gleise gesperrt, wodurch eine erhebliche Verkehrsstörung entstand.
sch. Fitldi», 21. Januar. Wieder ist ein alter, biederer Kurhesse aus dem Leben geschieden. Herr Forstmeister Franz Coe st er wurde am Freitag zu Neuhof zur ewigen Ruhe gebettet. Der Entschlafene war als Sohn des Pfarrers und Rektors Coester in Allendorf an der Werra geboren und mehr als 41 Jahre im königlichen Dienste, zuletzt (1889—98) als Forstmeister in Nieder kalbach, nachdem er 13 Jahre lang in Hadamar als Oberförster gewirkt hatte. Während der Kulturkampfzeit stand er den katholischen Schulen in Osburg als Schulinspektor vor und gelang es seinem biederen Sinne und toleranten Wes n, sich die Achtung der Geistlichkeit zu gewinnen. In seinen letzten Jahren noch begleitete er verschiedene Ehrenämter: er war Ober-Brandmeister, Ehrenpräsident des Kriegeroereins Niederkalbach und 12 Jahre lang Vorstandsmitglied des hessischen Kriegeroerbandes. Wenn eine starke Betheiligung bei der Beerdigung als der Ausdruck von Liebe und Achtung für den Verstorbenen gilt, dann hat der Forstmeister Coester große Zuneigung besessen. Acht Kriegervereine mit Fahnen, Vertreter des Verbands-Vorstandes, die Feuerwehr und zahlreiche Leidtragende aus Neuhof und Umgegend erwiesen ihm die letzte Ehre und sandten dem braven Manne tiefbewegt den Scheidegruß nach ins stille Grab. Als dasselbe sich über dem Kameraden, dem Freund, dem Berather und Helfer geschlossen, würdigte in einer Versammlung des Kriegervereins Herr Lehrer Weber von Neuhof die großen Verdienste, die sich der Verstorbene um das Kriegervereinsund Krankenversicherungswesen erworben hat; denn es sei hier nicht vergessen, zu sagen, daß es dem nun Verblichenen gelungen ist, als Vorsitzender die Ortskrankenkasse zu Neuhof auf eine solche Höhe zu bringen, daß sie heute als musterhaft dasteht.
sch. Fulda, 22. Januar. (Telegramms In der gestrigen Stadtverordneten-Versammlung wurde die sogenannte Lex Kapp, d. h. die Einführung eines Orts- st a t u t s, wonach nur mit Einstimmung der Eltern oder deren Stellvertreter an Minderjährige der Lohn ausbezahlt werden dürfte, mit 22 gegen 6 Stimmen ab gelehnt und damit ein lange beängstigend umherspukendes Gespenst gebannt. Selbst das wärmste Eintreten des Herrn Oberbürgermeisters für das Gesetz konnte die Stadtverordneten nicht rühren, dagegen ertheilten sie der Stadt Prozeßvollmacht zum Verfolge des Fabrikanten, der den auf 4000 M. sich belaufenden Parquett- boden im neuen Orangeriesaal unbefriedigend gelegt hat.
Hersfeld, 21. Jan. Die auf heute Vormittag in den hiesigen Vereinssaal einberufene Versammlung zur Besprechung des Eisenbahnprojektes Gerstängcn Vacha-Schenk- lengsfild-Hersfeld-Niederaula-Schlitz Fulda war sehr zahlreich besucht, sswoll von hier, als auch von auswärts. Von Fulda war Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni mit verschiedenen Herren erschienen. Nach der Begrüßungs- und Eröffnungsansprache seitens des Herrn Bürgermeisters Strauß, auf die wir noch ausführlich zurückkommen, wurde das in den Vordergrund getretene Projekt eingehend erörtert, die Aussprache führte jedoch zu keiner Einigung über das ganze Proj kt. Veranlassung hierzu gab wohl hauptsächlich die Stellungnahme der Fuldaer Herren, die nur für eine ev. zu erbauende Linie Hersfeld-Schlitz Fulda zu haben waren, während sie das Projekt Gerstungen-Hersfeld nur dann unterstützen wollten, wenn die Linie Gerstungen-Vacha Hünf ld gesichert sei. Nachdem die Meinungen sich durch gegenseitige Aussprache geklärt hatten, wurde beschlossen, von einer Verknüpfung der beiden Projekte Girstungen-Hersfeld und Hersfeld-Fulda abzusehen und event, wegen dieser beiden Strecken mit den betr. Interessenten getrennt zu verbandeln.
Schlierbach bei Wächtersbach, 20. Januar. Unter Berufung auf das Preßgefetz erhalten wir auf den im Hanauer Anzeiger vom 16. cr. gebrachten Bericht aus Schlüchtern unter der Spitzmarke „Milsilantenstreich" nachstehende Gegenerklärung: „Es ist wohl kaum anzunehmen, daß Ein- seuder dieses Berichtes ein von den am Sonntag den 13. d. M. im Hotel Stern zu Schlüchtern stattgefundenen beiden Konzerten ein Besucher des Abend-KonzerteS war, sonst würde derselbe nicht die Behauptung aufstellen, daß von den auf dem Programm stehenden 12 Piècen nur 8 zum Vortrag gebracht worden füib; denn für das Abend-Konzert waren ja überhaupt keine Programme verausgabt. Sollte Einsender sich aber vielleicht das Abend-Konzert nach einem etwa von einem Konzertbesucher des NachmittagS-Konzert liegengelasseneu Programm oder derselbe sich ein solches auf irgend einer Weise verschafft, angehört haben, so zeugt mir das zur Genüge von seiner musikalischen Bildung. Außerdem muß Betreffender mit feinen Gedanken während des Konzertes wohl völlig abwesend gewesen sein, sonst hätte er doch unbedingt hören müssen, daß die zum Vortrag gebrachte Pieren mündlich vom Orchester aus bekannt gegeben worden sind. Auch ist vor Beginn der letzten Pièce diese als solche bekannt gegeben. Das Abend-Konzert hatte somit seinen rechtmäßigen Abschluß gefunden und zwar mit Grund, da nach demselben ein Tanz- kränzchen stattfinden sollte unb die polizeiliche Genehmigung nur bis 12 Uhr hierzu ertheilt worden ist (wenigstens war mir dies bei meinem Eln- treffeu im Hotel Stern versichert worden) nach dem Vortrag von 9 Konzert-Piècen kurz nach »MO Uhr. Zu meiner eigenen Ueberraschung aber wurde mir kurz vor Schluß des Konzertes vom Inhaber des Lokals Herrn Tenhardt die Mittheilung, daß daS Tanzkränzchen da polizeilich nicht genehmigt auch nicht stattfinden dürfe. Trotz der mir verheimlichten Thatsache des Herrn Deuhardt wäre ich gern weiteren Wünschen, noch eine kleine Unterhaltungsmusik folgen zu lassen, nachgekommen, _ wenn ich mich mit Musikalien zu einem nun drillen Konzert, denn ursprünglich sollte ja nur ein Konzert von nachmittags 4 Uhr bis abends 7 Uhr statlfinden, vorgesehen hätte und mir mit meinem Orchester nicht die mit dem Zuge 9 Uhr 67 Min. letzte Gelegenheit geboten wäre zurückzurciscn. Hoch- achlend E. Fabian Kapellmeister und Piston-Virtuos"
G Seligenstadt, 21. Januar. Bei der heutigen Brenn- Holzversteigerung im hiesigen Stadtwalde wurden bei lebhafter
Nachfrage enorme Preise erzielt. Für Tonnen-Scheiter wurde» 9 bis 10 M. per Raummeter erlöst, gegen 5 M. in frühere« Jahren. Tannen-Püqel kamen auf 8 bis 9M. und Tanncn- Stockholz auf 5 bis 9 M. per Raummeter, gegen 4 resp. 3 M., Tannen-Astwellen, die früher 7 bis 8 M. pro Hundert kosteten, wurden mit 12 bis 14 M. bezahlt.
= Beerfelde»», 21. Januar. Der von der zuständigen Körpei schaft beschlossene Bau einer Kreisstraße von Beerfelden nach Rothenberg wird noch im Laufe gegenwärtigen Jahres in Angriff genommen. Die neue Verkehrsstraße erhält eine Steigung von nur 0,5 Prozent, kann also auch von Radfahrern bequem benützt werden.
)( Aus dem Landkreise Offenbach, 21. Januar. Der landwirthschaftliche Bezirksverein veranstaltet gegenwärtig jeden Sonntag in 3 verschiedenen Gemeinden des Landkreises für die respektiven Bezirke Wanderversammlungen mit Vorträgen aus allen Landwirthschaftsgebieten. Als Referenten fungiren vorzugsweise Herren vom Lehrpersonale der landwirth-- schaftlichen Winterschule zu Langen. Gestern wurden die Wanderversammlungen zu Neu-Isenburg, Mühlheim und Mainflingen von den Herren Kreisobstbautechniker Biesterfeldt resp. Landwirthschaftslehrer Weitzel und Dr. Hamann abgehalten. Dir Herren Redner behandelten die Thematas: Die Schädlinge der Obstbânme und deren Bekämpfung; Fruchtfolge und Kar- toffelbau; Düngen und Füllern.
Hus aller Mèlt.
Hum äkonitzer Mord. In der Könitzer Mordsrche meldet die „Voss. Ztg.", daß in Konitz der Gemeindcschul- lehrer W. unter dem Verdacht der Ermordung Ernst Winters am Samstag Abend von dem Kriminalkommissar v. Kracht verhaftet worden sei. Nach der „Berl. Ztg." indessen war in Konitz bis Montag Mittag von einer Verhaftung nichts bekannt. — Die „Freis. Ztg." schreibt hierzu: Wie im Reichstag erzählt wurde, soll ein hoher kommunaler Beamter in Berlin aus Konitz ein Telegramm des Inhalts erhalten haben^ daß der Gemeindeschullehrer W. vor der Pol zeibehörde ein Gcständmß abgelegt habe. Gemeint ist der Lehrer Weiche!, auf dem jedenfalls schon seit längerer Zeit ein gewisser Verdacht ruht; doch scheinen alle diese Meldungen nicht den Thatsachen zu entsprechen, da andernfalls wohl eine amtliche Bestätigung aus Konitz vorläge.
Eine Ergänzung zu den Hunnenbriefen. Aus Hannover wird geschrieben: Ein Artillerist von einer ostasiatischen Haubitzen Batterie, der zur Verbüßung einer Gefängnißstrafe aus China nach Deutschland geschafft wurde, kam mit einem Ueberführungskommando über den hiesigen Bahnhof. Der Mann hatte infolge einer Liebelei eine Chinesin erschossen und einen Kameraden schwer verletzt. Das Kriegsgericht ver- urtheilte ihn zu einer Gefängnißstrafe von 10 Jahren. Er wurde von einem Unteroffizier und zwei Marinesoldaten nach Butzbach gebracht, um im dortigen Gefängniß die Strafe zu verbüßen, da er gleichzeitig aus bem Heere ausgestoßen wurde. — Derartige strenge Urtheile für Vergehen in Ostasien stehen nicht vereinzelt da, sie zeigen, wie s.-hr die Schlachtfeld-Münch- Hausen in den Hunnenbriefen übertreiben.
Vor den Augen ihres fünfjährigen Töchter- cheus Selbstmord begangen hat Sonntag Nachmittag die 39 Jahre alte Frau Wiinna des Eisenbahnbeamten Vier aus der Mariannenstraße 27 in Berlin. Seit 16 Jahren verheirathet, lebte die Frau mit ihrem 42 Jahre alten Manne bis vor kurzer Zeit in glücklicher Ehe, aus der ein Sohn und eine Tochter hervorgingen. Vor vier Jahren mußte sie sich einer Operation unterziehen und bitfe vor dreiviertel Jahren wiederholen lassen. Seitdem zeigte sie eine krankhafte Unverträglichkeit und zankte sich mit ihrem Manne über jede Kleinigkeit. Nach einem solchen Anfälle verließ sie am Samstag Abend das Haus und ging mit dem fünfjährigen Töchterchen zu ihrem in der Ackerstraße 64 wohnenden Schwager, dem Nähmaschinenfabrikanten D., bei dem sie auch übernachtete. Am Montag Morgen um 9 Uhr schlich sie sich aus der Stube weg, erhängte sich in der Kammer, wurde aber von ihrem Schwager sofort wieder abgcschnitten. Nachmittags, um 1'/, Uhr kam ihr Mann und versöhnte sich mit ihr. Alles schien wieder in Ordnung zu sein, und Vier ging nach dem Hamburger Bahnhof, um seinen Dienst anzutreten. Eine Stunde später verließ seine Frau unter einem Vorwand die im ersten Stock gelegene Wohnung des Schwagers, eilte mit ihrem Töchterchen in den dritten Stock hinauf und stürzte sich vor den Augen des Kindes aus dem Flurfenster auf den Hof hinab. Als man ihr auf das Geschrei des Mädchens zu j Hilfe lief, war sie schon todt.
Kleine Chronik. Eine bei „Lloyds" eingegangene Depesche meldet aus Cherbourg: Die britische Barke „Moe! Tryvan", von Antwerpen nach Cardiff bestimmt, ist 25 Meilen von den Caskets entfernt, gekentert. 7 Mann von der Mannschaft wurden gerettet. Der Kapitän und 10 Mann werden vermißt. — In Paris schlich sich mitten in der Nacht der 19jährige arbeitsscheue Charles Badoult an daS Bett seiner Mutter, die dem Sohne am Abend zuvor seine Geldforderungen abgeschlagen hatte, goß einen Petroleum-Behälter über "sie aus und zündete dann das Bett an. Als die unglückliche Frau, von den Flammen erfaßt, aufschrie, höhnte der Bursche: „Da siehst Du, was Du von Deinem Gelde hast." Glücklicher Weise hatten die Nachbarn die Hilferufe vernommen, eilten herbei und retteten die Frau, während Andere sich des ver-- thierten Burschen trotz seines wilden Widerstandes bemächtigten und ihn, nachdem sie ihn halb todt geschlagen, auf die Wache brachten. Die unglückliche Mutter ist schwer verletzt, dürfte aber dennoch gerettet werden. — Der zwanzigjährige Charles Vincent in Paris, ein verkommener Bursche, stürzte sich, als ihm seine Mutter bei der Heimkunft um 3 Uhr morgens heftige Vorwürfe machte, auf sie und suchte sie zu erwürgen. Als auf ihre Hilferufe der alte Vater herbeieilte, wendete sich der Sohn gegen ihn, mißhandelte ihn furchtbar und griff dann zu einem scharfqeschliffenen Küchenmesser, um die Eltern zu ermorden. Diese mußten flüchten, während Charles sich in der Wohnung verbarcikadnte und die Möbel zerschlug, deren Trümmer er durch die Fenster auf die Straße warf. Die