Erstes Blatt.
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®*n«ft «ab «a^t in b« Buchdrucker« de« Dorin. ev.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Lladt- und Landkreis Kanan.
SatsenhaufsS in Hanau.
Erschcriut tLZlich mit AsSnah«« btt Sonn« und Feiert«-^ mit irLetriMcher Beilage.
AttMUNvrtt. SrdaktoLe i S. Tchrecker m H««.
Nr. 18.
Dienstag dcn 22. Januar
1901
AmMKes.
Stadt- und Landkreis Hanau.
Dnrch diesseitige Bekanntmachung vom 15. d. Mts. — Nr. 13 des „Hanauer Anzeigers" — ist zur öffentlichen Kenntniß gebracht worden, daß Seine Majestät der Kaiser und König anläßlich des 200jährigen Jubiläums des Königreichs Preußen von dem Professor Emil Doepler ein farbiges Gedenkblatt hat herstellen lassen, dessen Vervielfältigung der Kunstanstalt Büxenstein u. Comp. zu Berlin, Friedrichstraße 240/241 übertragen worden ist. Letztere ist — wie bereits veröffentlicht — verpflichtet worden, das Blatt zu nachstehenden Preisen abzugeben:
Für
1
Exemplar .
. 50
Bon
10
Exemplaren
an je
. 40
V
50
. 30
M
100
w ft
. 25
500
M
// M
. 20
je 15 Pfg.
von 1000
Exemplaren
Psg.
M U ff
einschließlich Verpackung u. Porto bei vorheriger Einsendung des
Preises die Kosten
ohne
uno von luuu Exemplaren an je lo Psg., vv, der Verpackung und Versendung nach außerhalb.
Das Blatt erscheint geeignet, die Erinnerung an den bedeutungsvollen nationalen Jubeltag in der Bevölkerung festzuhalten. Es ist daher erwünscht, daß es eine möglichst weite Verbreitung findet. Bestellungen auf das Gedenkblatt werden vom Königlichen Landrathsamt hierselbst bis Ablauf dieses Monats entgegengenommen. Daselbst liegt auch ein Exemplar des Kunstblattes zur Ansicht aus.
Hanau den 19. Januar 1901.
Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.
V 710 v. Schenck.
Candkreis Hanau.
Belamrtmachungcn des Königlichen Landralhsamtes.
In Nr. 47 des Centralblattes für das Deutsche Reich ist ein neues Derzeichniß derjenigen im Reichsgebiete belegenen Gartenbau- rc. Anlagen veröffentlicht worden, für welche die in der Deklaration zur internationalen Reblaus-Konvention (vom 15. April 1889, R.-G.-Bl. Nr. 27 S. 203) festgesetzte Verkrhrserleichterung in Betracht kommt. Die betheiligten Gartenbau-Interessenten werden auf diese Bekanntmachung mit dem Bemerken aufmerksam gemacht, daß aus dem Regierungsbezirk Cassel nachstehende Personen aufgeführt sind:
Nr. 95, Cassel, Hördemann, Jol). Inhaber: Heinrich Hördemann & Lkappe, Gärtnerei.
Nr. 262, Gelnhausen, Hohm, Franz, Baumschule.
Nr. 263, Gelnhausen, Schöffer, L. W., Gartenanlage.
Hanau den 12. Januar 1901.
Der Königliche Landrath.
P 12104 v. Schenck.
Kleines Feuilleton,
Ein Brief des Kaisers über Schulreform. Kaiser Wilhelm II. hat als Prinz an den königlichen Amtsrichter Emil Hartwich in Düsseldorf folgenden Brief gerichtet: „Potsdam, den 2. April 1885. Geehrter Herr Amtsrichter! Empfangen Sie meinen herzlichsten Dank für die beiden Schriften, welche Sie mir schickten. Ich habe „Woran wir leiden" mit großem Interesse und noch größerer Freude gelesen: also endlich hat sich Einer gefunden, der dieses verknöcherte und geistlödtendste aller Systeme energisch angreift! Was Sie dort aussprechen, das unterschreibe ich alles Wort für Wort. Ich habe ja glücklicherweise 21/« Jahre lang mich selbst überzeugen können, was da an unserer Jugend gefrevelt wird! Wie viele Dinge, welche Sie anführen, habe ich im Stillen bei mir bedacht. Nur um einige Sachen zu erwähnen: Von 21 Primanern, die unsere Klasse zählte, trugen 19 Brillen, 3 davon mußten jedoch noch einen Kneifer vor die Brille stecken, wenn sie bis zur Tafel sehen wollten!
Homer, der herrliche Mann, für den ich sehr geschwärmt, Horaz, Demosthenes, dessen Reden ja Jeden begeistern müssen, wie wurden sie gelesen? Etwa mit Enthusiasmus für den Kampf oder die Waffen oder Naturbeschreibungen? Bewahre! Unter dem Sezirmesser des grammatikalischen, fana- tisirten Philologen wurde jedes Sätzchen getheilt, geviertheilt, bis das Skelett mit Behagen gefunden und der allgemeinen Bewunderung gezeigt ward, in wie viel verschiedener Weise an oder epi oder sonst so ein Ding vor oder nach gestellt war! Es war zum Weinen!
Die lateinischen und griechischen Aufsätze (ein rasender Unsinn!), was haben die für Zeit und Mühe gekostet! Und was für ein Zeug kam da zum Vorschein! Ich glaube, Horaz hätte vor Schreck den Geist aufgegeben!
Fort mit dem Brast ! Den Krieg aufs Messer gegen solches Lehren! Dies System bewirkt, daß unsere Jugend
Pltilsrsttzullg der Halldklskmmtr
am Mittwoch den 23. Januar a. c., nachmittags 41/» Uhr, im Sitzungssaale der Handelskammer.
Tagesordnung:
1. Neukonstituirung der Handelskammer.
2. Mittheilungen.
3. Bericht über die Plenarversammlung des deutschen Handelstages.
4. Vorlegung der Darlegungen der Handelskammer in ihrem Jahresberichte über die allgemeine Geschäftslage.
5. Gutachten über die Feststellung der Getreidepreise nach einzelnen Qualitäten.
6. Vertrauliche Angelegenheiten. 1299
Lagerplatz-Versteigerung.
Das links des Baumer'schen Weges belegene Hospital- Grundstück Karte 8. Nr. 598/88 — 37 Ar 94 qm groß, soll Samstag den 26. Januar d. Js., vormittags 11 Uhr, im Kämmereilokal, Ralhhaus 1. Treppe, Zimmer Nr. 10, aus unbestimmte Zeit gegen jederzeitige 6monatliche Kündigung nach dem Meistgebot verpachtet werden. 1300
Hanau, den 21. Januar 1901.
A l t h a na u e r H o s p it a l ka s s e.
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 kurze, silberne Damen kette mit Anhängsel.
1 weißes Taschentuch mit Monogramm L. L.
Verloren: 1 silberne Damenuhr mit Goldrand und Kette. Am Freitag Abend 1 schwarzes Cigarrenetui mit Photographie vom Bürgerverein durch die Römerstraße nach der Löwenapotheke. 1 goldene Damenuhr Nr. 252997.
Vom Wasenmeister am 21. d. Mts. eingefangen: 1 schwarzer Spitz und 1 schwarzer Pinscher mit rölhlichcn Abzeichen, beide m. Geschl.
Hanau den 22. Januar 1901.
Die bescheidenen Yankees.
Die Amerikaner hören nicht auf, in der chinesischen Frage durch allerlei Winkelzüge Schwierigkeiten zu bereiten. Vor einigen Wochen haben sie bekanntlich verlangt, daß über einen Theil der Friedensbedingungen nicht in Peking, sondern anderwärts, wenn irgend möglich in Washington, verhandelt werde.
die Syntax, die Grammatik der alten Sprachen besser kennt, als die „ollen Griechen" selber, daß sie die sämmtlichen Feldherren, Schlachten und Schlachtenaufstellungen der punischen und milhridatischen Kriege auswendig weiß, aber sehr im Dunkeln sich befindet über die Schlachten des 7jährigen Krieges, geschweige der „viel zu modernen" aus „66" und „70", die sie noch nicht gehabt haben" !!!
Was nun den Körper betrifft, so bin ich auch der ganz bestimmten Ansicht, daß die Nachmittagsstunden frei sein müßten ein für alle Mal. Der Turnunterricht müßte den Jungens Spaß machen. Kleine Hindernißbahnen zum Wettrennen und recht natürliche Kletterhindernisse würden von Werth sein. Dann würde es sich sehr empfehlen, in allen Städten, wo Militär liegt, alle Woche zwei- oder dreimal durch einen Unteroffizier nachmittags die gesammte ältere Jugend mit Stöcken exerziren und drillen zu lassen; anstatt der albernen sogenannten Klassenspaziergänge (mit eleganten Stöckchen, schwarzen Rock und Cigarre) Uebungsmarsch mit ein bischen Felddienst, wenn er auch in Spiel und handfeste Prügel ausartet, zu machen.
Unsere Primaner — wir waren leider auch so — sind viel zu blasirt, als daß sie sich den Rock ausziehen und sich keilen könnten! Was könnte man auch anders von solchen Leutchens erwarten. Daher guerre â outrance gegen dieses System! Und ich bin gern bereit, Ihnen in Ihren Bestrebungen behilflich zu sein! Ich freue mich, einen „Deutsch" - Redenden gefunden zu haben, der auch fest zusaßt. Ihr Wilhelm, Prinz von Preußen."
Dieser Brief, der in zahllosen Abschriften von Hand zu Hand ging, erscheint jetzt in der nachgelassenen Schrift des 1897 verstorbenen berühmten Physiologen Gcheimrath Professor Wilhelm Preyer „Unser Kaiser und die Schulreform" (Dresden, Bleyl und Käummerer). Er bildet, wie die „H. N." 'hervorhebcn, den jugendsrischen Vorläufer der Reden des Kaisers vom 4. und 17. Dezember 1890 in der Berliner Schulkonfercnz zu Gunsten einer modern nationalen
^i# It^ttiHa«* Miittrnr^v Mtti füllt ankrev htm ilitot^r&ülfimrt&hlrtft 12 SEttâèV.
Die anderen Mächte haben sie mit diesem Wunsche absallen lassen, und daß dies sehr richtig war, geht schon daraus hervor, daß die Friedensbedingungen in sehr kurzer Frist nicht nur von den chinesischen Unterhändlern selbst angenommen wurden, sondern auch die Bestätigung des chinesischen Kaisers erhielten. Jetzt wieder wollen sich die Vereinigten Staaten an alle Mächte mit der Aufforderung wenden, ihre Truppen baldigst aus Peking zurückzuziehen; von Rußland verlangen sie außerdem noch, daß im Interesse der Integrität Chinas auch die Mandschurei von Truppen geräumt werde. Wollten die Mächte nicht auf diesen Vorschlag eingehen, so würden jedenfalls die amerikanischen Truppen zurückgezogen werden.
Zweierlei ist bei diesem Vorschläge mit einer gewissen Befriedigung zu begrüßen. Erstens nämlich bereitet es uns ein gewisses diabolisches Vergnügen, daß die Amerikaner mit ihrer Forderung gerade Rußland in die Quere kommen. Rußland und Amerika sind in der chinesischen Frage wiederholt zusammengegangen, und es kann gar nichts schaden, wenn die Russen mm cinseh.en, daß mit den Hankees schlecht Kirschen essen ist. Zum zweiten gewährt es uns eine gewisse Befriedigung, daß die Vereinigten Staaten damit drohen, ihre Truppen zurückzuziehen. Hoffentlich verwirklichen sie ihre Drohung; dann werden sie wenigstens einmal Gelegenheit haben, zu sehen, wie gut man auch ohne die Amerikaner fertig werden kann. Wir wüßten wirklich nicht, daß sich die amerikanischen Truppen so durch Disziplin und kriegerische Tüchtigkeit auszeichnen, daß ihre Anwesenheit als Kern und Stütze der internationalen Armee durchaus nothwendig wäre.
Die Amerikaner sind im Rathe der Mächte am jüngsten, denn bis zum Ausgang des letzten Jahrhunderts haben sie sich in außerhalb des' amerikanischen Kontinents spielende Angelegenheiten nicht eingemischt. In diametralem Gegensatze zu ihrer, wenn man so sagen darf, Juniorenstellung steht ihr unbescheidenes Auftreten. Vom Anbeginn der chinesischen Wirren an haben sie eine Sonderstellung eingenommen und immer den höchst impertinenten Anspruch erhoben, daß die übrigen Mächte sich den amerikanischen Auffassungen anpassen sollten.
Dieser Anspruch ist um so unangemessener, als die amerikanische Auffassung der chinesischen Angelegenheit in striktem Gegensatze zu ihrer sonstigen Politik steht. In China verlangen sie nämlich — und auch die Forderung der Zurückziehung der Truppen bezieht sich wieder darauf —, daß man das Empfinden der Chinesen aufs Peinlichste berücksichtigen solle. Dieses Zartgefühl aber widerspricht vollkommen der sonstigen amerikanischen Politik. Es gibt kaum einen Staat der nicht schon des Oefteren von den Yankees auf das Uügehöri^ste angepöbelt worden wäre. Wir erinnern nur an England (Festnahme von Unterhändlern auf einem neutralen englischen Dampfer während des Sezessionskrieges, Kriegsdrohung wegen des venezolanischen Streites, Verletzung
Jugendbitdung. Preyers Schrift tritt rückhaltslos für die Gedanken des Kaisers und sür den konsequenten Ausbau des damit übereinstimmenden Erziehungsprogramms von Dr. Hugo Göring „Die neue deutsche Schule" (Leipzig, R. Voigtländer) ein.
Vom alten Papa Wrangel. Der General-Feld- marschall spazirte eines Tages zum Brandenburger Thor hinaus. Die Wache präsentirt, und Wrangel, an den Offizier.herantretend, fragte denselben: „Wie heißt Du, mein Sohn?" — „Leutnant v. K." — „Und was ist Dein Vaier?" — „Mein Vater ist todt, Exzellenz!" — Als nach einiger Zeit Wrangel wieder zurückkehrte, trat die Wache wieder in's Gewehr. Exzellenz schien vergessen zu haben, daß er erst den Wachthabenden angesprochen und fragte wieder, wie er heiße. Der Leutnant, welcher sich auf die Gutmüthigkeit des hohen Fragenden stützte, antwortete etwas vorwitzig: „Mein Name ist Leutnant v. K. und mein Vater ist immer noch todt." Papa Wrangel aber repliziere ziemlich schneidig: „Danke, mein Sohn! Du hast 24 Stunden Stubenarrest. Dann kannst Du mir melden, ob Dein Vater noch immer todt ist, ich interessire mir davor!" Sprach's, ging langsam weiter, den Leutnant v. K. seinen Gedanken über die freundliche Einladung überlassend.
St. Frankfurter Kunftnottzen. 21 Januar. Vor total ausverkanftem Hause hatten wir gestern die Erstaufführung von Berlioz „Benvenuto Cellini". Lie war, sagen wie es vornherein, von durchschlagendem Erfolge begleitet. Zwei Faktoren trugen dazu bei und zwar die vorzügliche Besetzung der Hauptrollen sowie die treffliche Durch fuhrung der Chöre, welchen eine hervorragende Stelle im Werke des „französischen Beethoven" angewiesen ist. Hierzu kam noch eine meisterliche Regie, so daß es nicht Wunder zu nehmen war, daß sich das Publikum zu wahren Beifallsstürmen hinreißen ließ. Auch des Libretto der Oper sei noch Erwähnung gethan; es gipfelt darin, daß Ccllini der berühmte Goldschmied und Bildhauer mit der Herstellung ciner Perseus Statue beschäftigt ist, die Arbeit jedoch wegen glühender Liebe zu „Teresa"