Beilage M Nr. 16 des Hanauer Anzeiger.
Hanau den 19. Januar 1901.
Zum Krönungs-Jubiläum.
Erlasse des Kaisers.
Der „Reichs Anzeiger" veröffentlicht folgenden kaiserlichen Erlaß an den Reichskanzler und das ReichSmarineamt, lautend: Der heutige Gedenktag gibt Mir willkommenen Anlaß, der Marine als erneutes Zeichen Meines Wohlwollens das bronzene Standbild Meines Urahns, des Großen Kurfürsten, zum Geschenk zu machen. Dasselbe soll in Kiel an der Gartenseite der Marineakademie, seine Aufstellung finden. Ich setze Sie hiervon mit dem Auftrage in Kenntniß, diesen Erlaß Meiner Marine bekannt zu geben. Ein weiterer Erlaß lautet: Ich will Meiner Marine den holländischen Ehrenmarsch für die Trommler und Pfeifer mit der Maßgabe verleihen, daß die Marinetheile allein berechtigt sein sollen, diesen Marsch an Bord und Lande stets zu spielen. — Eine Kabinetsordre lautet: Der heutige Gedenktag lenkt Meinen Blick rückwärts in die Zeit des Kurfürstenthums Brandenburg. Die stolze Flotte, die der Große Kurfürst erstehen ließ, hat unter dem Rothen Adler die vielseitigen Aufgaben zum Ruhme des engen Vaterlandes mit Erfolg und Geschick gelöst. Unter Preußens Krone ist sie neu erstanden. Der 200jährige Gedenktag, vor dessen Feier wir stehen, findet sie in lebenskräftiger Gestaltung im neuen Deutschen Reiche wieder. Bei den immer wachsenden Aufgaben, vor denen Meine noch in der Entwickelung begriffene Flotte steht, bedarf sie einer nie rastenden, zielbewußten Arbeit, um zu einem so starken Werkzeuge für das Deutsche Reich zu werden, wie es meine Vorfahren auf dem preußischen Königsthrone in der Armee besaßen. Die wichtigste Bedingung hierfür ist schon erfüllt. Der Geist des Schöpfers jener alten Flotte, der Geist des Großen Kurfürsten, hat sich vererbt auf die neue Schöpfung und ist in ihr lebendig. So fühle Ich Mich am heutigen Gedenktage des Königreichs Preußen auch mit Meiner Marine aufs Neue verbunden. Es gereicht Mir zur Freude, ihr als sichtbaren Ausdruck dessen eine besondere Auszeichnung zu Theil werden zu lassen, indem Ich bestimme, daß auf dem Koppel- und Schärbenschloß in Meiner Marine Mein Namenszug getragen wird. Ich beauftrage Sie, Vorstehendes zur Kenntniß der Marine zu bringen.
Ei»t Erlast des Kaisers an die Armee.
Berlin, 18. Januar. Eine Extranummer des Armee- Verordnungsblattes enthält folgenden Erleß des Kaisers:
An meine Armee! Ich gedenke heute bei der Feier des 200. Jahrestages der Annahme der preußischen Königswürde vor allem meiner Armee. König und Armee gehören in Preußen unzertrennlich zusammen. Dieser enge persönliche Zusammenhang zwischen mir und jedem einzelnen meiner Offiziere und Soldaten beruht auf 200 Jahre alter Tredition. Der Geist der von Friedrich I. an von allen Königen der Armee gepflegt wurde, der Geist der Ehre, der Pflichttreue, des Gehorsams, der Tapferkeit und der Ritterlichkeit, er hat die Armee zu dem gemacht, was sie sein soll und was sie ist: eine scharfe zuverlässige Waffe in -der Hand des Königs zum Schutze und Segen für die Größe des Vaterlandes. An der Spitze der Armee dem Vaterlande dienen, das ist mein Wille, das war der vornehmste Wunsch aller meiner in Gott ruhenden Vorfahren. Ihrer Fürsorge verdankt die Armee Kraft und Ansehen. Sie hat durch zwei Jahrhunderte des großen Königs Ausspruch wahr gemacht: „Die Welt ruht nicht sicherer auf den Schultern des Atlas als der preußische Staat auf den Schultern der Armee." Mit ihrem Blute hat sie die Liebe uud Dankbarkeit für die Könige besiegelt. Hierfür danke ich der Armee bewegten Herzens. Ich danke ihr für die Hingabe, welche sie für mich und mein Haus im Dienste des Vaterlandes ohne Ruhe und Rast jahraus, jahrein, selbstlos bethätigt hat. So lange dieser Geist die Armee mit den Königen verbindet, so lange brauchen wir keine Stürme zu scheuen. Preußens Adler wird stolz seinen hohen Flug unentwegt fortsetzen, zum Wohle Preußens und zum Wohle Deutschlands! Das walte Golt!
Kaiserliche Gnadengeschenke.
Der „Reicksanzeiger" schreibt ferner: Der Kaiser bewilligte anläßlich der Feier des nationalen Gedenktages an Gnadengeschenken dem Provinzialverbande der vaterländischen Frauenvereine zu Königsberg i. Pr. zur Vermehrung der weltlichen Pflege für Granulosebehandlung 10 000 Mark, dem Diakomssenmutterhause in Danzig zur Anstellung von Gemeindeschwestern auf dem Lande 60000 Mark, dem hessischen Diakonissenhaus zur Unterhaltung von Pflegeschwestern in der Umgegend von Cassel 10 000 Mark, dem Gemeindekirchenrath der Friedenskirche in Potsdam für Armen- und Krankenpflege 10 000 Mark. Außerdem stiftete der Kaiser der Stadt Potsdam einen Bronzeabguß des Standbildes Friedrichs des Großen in der Siegesallee zur Aufstellung aus der Plantage in Potsdam.
Stiftung des Verdienstordens.
Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgende Urk nde betreffend die Stiftung des Verdienstordens der preußischen Krone. Wir, Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen u. s. w. haben beschlossen, aus Anlaß des 200jährigen Bestehens des Königreichs Preußen einen Orden zu stiften. Derselbe soll den Namen „Verdienstorden der preußischen Krone" führen, aus einer Klasse bestehen und zwischen dem schwarzen Adlerorden und dem Großkreuz des Rothen Adlerordens rangiren. Das Abzeichen des Ordens soll ein an blauem gewässerten, an jeder Seite mit einem goldenen Streifen versehenen Bande von dec linken Schulter zur rechten Hüfte zu tragendes Kreuz
und ein achtspitziger, aus der linken Brust zu tragender Stern nach dem von Uns genehmigten Mustern bilden.
Kabinetsordre.
Die Extranummer des „Armee-Verordnungsblattes" enthält drei Kabinetsordres, die bestimmen: Stiftung eines besonderen Schießpreises für die JnsanterieMegimenter, deren Chef der Kaiser ist, Führung des Gardesterns aus Messing nach Probe der Gardejäger zu Pferde in den beiden Hinteren Ecken der Sattelüberdecken, bei den Mannschaftspferden der Gardedragonerregimenter, des Leibgardehusarenregiments, der Garde-Ulanen- und Garde-Feldartillerieregmenter, Feldartillerie- Schießschule und Gardetrain-Bataillons und Verleihung eines Pardemarsches an das frühere Königin-Husaren-Regiment mit der Maßgabe, daß er zum Parademarsch bei Schritt in Eskadronfront geblasen wird. Der den Regimentern durch Ordre vom 29. Januar 1900 verliehene Parademarsch des früheren Gardehusaren-Regiments wird in Zukunft für Parademärsche in Zügen geblasen. — Der Herzog von Aosta wurde zum Chef des Kürassier-Regiments Nr. 4 ernannt, Prinz Christian von Dänemark a la suite des Husaren-Regiments Nr. 14, der Herzog von Oporto â la suite des Jnfanterie-Regts. Nr. 20 gestellt. General der Infanterie v. Hahnke, General der Artillerie Graf Häseler wurden zu Generalobersten befördert. General der Infanterie v. Werder wurde zum Chef des reitenden Feldjägerkorps ernannt, Oberstleutnant Pavel, Kommandeur des 2. Ostasiatischen Infanterie-Regiments wurde, zum Obersten befördert.
Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser und der Königin der Niederlande.
Zur Jubelfeier des Königreichs Preußen hat zwischen dem Kaiser und der Königin der Niederlande folgender Depeschenwechsel stattgefunden:
„Berlin, 17. Januar 1901.
Ihrer Majestät Königin der Niederlande, Haag.
Das Fest, welches durch Gottes Gnade Meinem Hause und Mir zu feiern vergönnt ist, lenkt nächst zum Schöpfer Meinen Blick nach den Niederlanden. Dem großen Oranier- geschleckte verdanken wir die Tugenden, welche den Großen Kurfürsten schmückten, verdanken wir die herrliche Fürstin, welche Preußen seinem ersten König schenkte. Zum Gedächtniß dessen und daß Niederländer unsere ersten Matrosen, ein Niederländer unser erster Admiral gewesen, habe Ich als Präsentirmarsch Meiner Marine den alten „Eerenmarsch" der Niederländischen Flotte verliehen. Möge Gott unseren beiden Häusern stets gnädig sein, wie er es einst in guten und bösen Tagen.unseren Vorfahren war. Meine Marine aber wird sich den Ausspruch Admiral de Ruyters zu eigen machen: „Es ist mir lieber, daß ich nicht gelobt werde, von Niemanden, und daß ich nach meinem Gewissen frei handeln und meine Befehle ausführen kann wie ich soll."
Wilhelm." „S'Gravenhage, 17. Januar 1901.
Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser, Berlin, Schloß.
Ich danke Dir von ganzem Herzen für Dein Mich so sehr beglückendes Telegramm und für die Gefühle, die Dich an dem morgigen denkwürdigen Tage auch Meines Lar des, Meiner Vorfahren und unseres großen de Ruyters gedenken lassen. Deine Werthschätzung und Deine Anerkennung für die längst Dahingegangenen rührt Mich tief, und hocherfreut bin Ich über die Verleihung unseres alten Ehrenmarsches als Präsentirmarsch an Deine Marine. Du weißt, welch innigen Antheil Ich an diesem freudigen bedeutungsvollen Fest nehme. Ich wiederhole Dir Meine allerherzlichsten freundschaftlichsten Glückwünsche. Wilhelmina."
Die Festlichkeiten in Berlin.
Berlin, 18. Januar. Der Kaiser begab sich 8^4 Uhr morgens in die Siegesallee und legte am Denkmal Friedrichs I. einen Kranz nieder, fuhr von dorr nach dem Mausoleum in Charlottenburg und legte einen Kranz am Sarge Kaiser Wilhelms I. nieder. Nach dem Schlosse zurückgekehrt, empfing der Kaiser die Botschafter, die Gesandten und Abordnungen der fremden Fürsten und Staaten. Um 11 Uhr erfolgte der Empfang der in Vertretung ihrer Souveräne erschienenen deutschen Prinzen. Hieran schloß sich die Feier des Krönungs- und Ordensfestes mit Gottesdienst in der Schloßkapelle, Tafel im Weißen Saale und Empfang der Deputationen aus Ostpreußen.
Berlin, 18. Januar. Während der Kaiser von Charlottenburg zurückkehrte, versammelten sich die Neudekorirten im Schlosse, um aus den Händen der Generalordenskommission die verliehenen Auszeichnungen entgegenzunehmen; ferner versammelten sich die Ritter des Schwarzen Adlerordens, die Staatsminister (Miquel ist nicht anwesend), die Prinzen, die Hofstaaten, Ordensdamen, Alle in besonderen Zimmern. Um 11 Uhr begaben sich die Majestäten, der Kronprinz, die Prinzen und Prinzessinnen im feierlichen Zuge zur Cour nach dem Rittersaal. Die Majestäten traten vor den Thron, die Prinzessinnen rechts daneben, der Kronprinz, die Prinzen und die höchsten Gäste links. Es folgte Vorstellung der neuernannten Ritter des Rothen Adlerordens, des Kronenordens, des Haus- ordens und der Ordensdamen.
Berlin, 18. Januar. Nach dem Desiltz der neuernannten Ordensritter vor dem Kaiser empfing der Kaiser Abordnungen der Provinz Ostpreußen und der Stadt Königsberg., Namens der ersteren sprachen Graf Eulenburg-Prassen und Landeshauptmann Brandt, Namens Königsbergs Oberbürgermeister Hoffmann. Der Kaiser erwiderte vom Thron aus, nachdem er die Adresse des Provinzial-Ausschusses und die silberne Gedenktafel Königsbergs entgegengenommen hatte. Hierauf
defilirten die Abordnung aus Königsberg und die Vertreter der ostpreußischen Geschlechter. Beim Cercle nach dem Festmahle sprach der Kaiser viele neuernannte Ordensritter und Vertrerer ostpreußischer Familien an. Um 4 Uhr unternahm der Kaiser eine Spazierfahrt durch den Thiergarten bis Halensee und kehrte bei Beginn der Illumination zurück. Bei der Abendtafel waren die Majestäten allein und begaben sich um 71/» Uhr zur Festoorstellung nach dem Opernhaus.
Berlin, 18. Januar. Mit Anbruch der Dunkelheit begann die Illumination. Sämmtliche öffentlichen und die meisten Privatgebäude, namentlich die großen Waarenhäuser, deren Schauläden mit Büsten des Kaiserpares und der früheren Könige Preußens sinnreich dekorirt sind, prangen in effektvollem Lichtschmuck. Vom Rathhausthurm strahlt bengalisches Licht. Auch die Museen werden bengalisch beleuchtet. Das Denkmal Wilhelms I. wird mit Scheinwerfern vom Schlosse aus beleuchtet.' In den Straßen wogt eine zahlreiche Menschenmenge. Das Wetter ist günstig.
Berlin, 18. Januar., Die technische Hochschule beging die Feier des 200 jährigen Bestehens Preußens und des Geburtstages des Kaisers durch einen Festakt in der Halle der Hochschule. Der Feier wohnte der Kultusminister bei. Die in ein Kaiserhoch ausklingende Festrede hielt der Rektor der Hochschule. Gesang leitete die Feier ein und schloß dieselbe.
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Budapest, 18. Januar. „Magyar Nemzet" bringt zum 200jährigen Kronjubiläum Preußens einen Festartitel, in welchem der herzlichen Sympathie der ungarischen Nation an dem weihevollen Erinnerungsfeste der Hohenzollern-Dynastie und des deutschen Volkes in beredter Weise Ausdruck gegeben wird.
Petersburg, 18. Januar. Das heutige preußische Konigsjubiläum wird von mehreren Blättern in Leitartikeln belüüsickstigt. Die „Nowosti" gehen in ihrem Artikel insbesondere auf Preußens Machtstellung als erster Militärstaat in Europa ein. Die Gedenkfeier sei um so bedeutsamer, als Preußen unter ungünstigen Umständen und durch ununterbrochene Kümpfe, durch heißes Ringen auf geistigem und kulturellem Gebiete zu der Machtstellung gelangte. König Wilhelm habe als deutscher Kaiser dem Gebiete des Welthandels neue Bahnen gewiesen. Das heutige Jubelfest sei ein Triumph der militärischen Erfolge, der Tliumph einer weisen und folgerichtigen Politik, der Triumph von Slaalsptinzipien, die durch ein in der ganzen Welt einzig dastehendes Beamlenthum praktisch durchgeführt seien. — Der „Swjet" bringt einen Rückblick auf die Geschichte Preußens und erklärt, die freundschaftlichen Beziehungen Rußlands zu Deutschland legten Rußland die moralische Pflicht auf, den getreuen Nachbar anläßlich der historischen Gedenkfeier zu kewillkomninen.
In der ärztlichen Welt gilt es als längst feststehende Thatsache, daß der Bohnenkaffee — bei all' seinen unverkennbaren Vorzügen — ständig genossen die Nerven schädigt. Darum nehmen alle Hausfrauen Zulätze. So berechtigt diese auch sind, theils aus ökonomischen, theils aus Gelundheils- rücksichten, so kommt es doch auf die Wahl des richtigen Zusatzes an, eines Zusatzes, der den Kaffee thatsächlich verbessert und ihn bekömmlicher macht. Ein solcher Zusatz ist in Kathreiner's Malzkaffee geboten, der von vielen Aerzten empfohlen wird. Namentlich in allen Familien, wo Kinder sind, sollte Kathreiners Malzkaffce als treuer Hausfreund nicht fehlen.
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Rheinisches echnikum Bingen f. Maschinenbau n. Elektrotechnik 116
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