gegen das deutsche Vaterland nicht versäumten und haben in der Stille des Reiches Einigung angebahut.
Als Siegespreis und gleichsam als Vollendung des Werkes, das in Königsberg am 18. Januar 1701 begonnen, wurde am 18. Januar 1871 zu Versailles das deutsche Kaisertum wieder aufgerichtet unter der Führung Preußens. Die Siege Friedrichs des Großen wurden nicht bloß in Preußen, sondern auch im deutschen Volke als deutsche Siege gefeiert. Wie sich der vielgeprüfte, edle König Friedrich Wilhelm III. als echt deutscher Fürst bewährt hat, davon berichten die Blätter der Geschichte seiner Zeit. Angesichts der Auflösung des deutschen Reiches, der Bildung des Rheinbundes unter Napoleons Protektorat war Preußen und sein ritterlicher König die einzige Hoffnung jedes deutschen Patrioten. Preußen war schon damals, das Schwert Deutschlands. Als dies Schwert zerbrach,' da hatte Deutschland so lange keine andre Waffe, als bis jene Wehr wieder neu geschmiedet und geweiht war im heiligen Feuer des Gottvertrauens, und der deutschen Mannhaftigkeit, der Begeisterung für König und Vaterland. Mit dem Preußengeist erstarkte der deutsche Geist. Und als hernach das deutsche Volk die Kaiserkrone suchte auf Wegen, wo sie nicht zu finden war, da waren es Preußens Könige, die in langsamer mühevoller Arbeit das Ziel vorbereiteten. Der deutsche Zollverein bahnte zuerst eine wirkliche politische Einigung Deutschlands an. Dem großen Verdienste König Friedrich Wilhelms III. an dem Zustandekommen dieses großen Werkes widmete König Wilhelm 1. bei der Grundsteinlegung zum Denkmal seines Vaters, dem Berliner Schlosse gegenüber, die Worte: „Der Zollverein, des Königs eigenster Gedanke, krönte seine Bestrebungen für die Wohlfahrt des Volkes und war die Freude und Ehre des Königs, der sich als deutscher Fürst stolz, fühlte und seines Volkes Beruf nicht aus den Augen ließ." Als eine Parlamentsmehrheit dem König Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone anbot, schlug er sie aus und sagte: „Eine Kaiserkrone kann nur auf dem Schlachtfelde errungen werden, wer Deutschland regieren will, muß es erobern." Und zu den Abgeordneten der Nalional-Ver- sammlung sagte er am 3. April 1849: „Dessen möge Deutschland gewiß sein und das verkündigen Sie in allen seinen Gauen: Bedarf es des preußischen Schildes und Schwertes gegen äußere und innere Feinde, so werde ich auch ohne Ruf nicht fehlen. Ich werde dann getrost den Weg meines Hauses und meines Volkes gehen, den Weg der deutschen Ehre und Treue." Was Friedrich Wilhelm IV. vorausgesehen, ist durch seinen Nachfolger und Bruder erfüllt worden. Bei der Eröffnung des ersten deutschen Reichstages am 21. März 1871 konnte Kaiser Wilhelm I. dem deutschen Volke zurufen: „Wir haben erreicht, was seit der Zeit unsrer Väter für Deutschland erstrebt wurde: die Einheit und deren organische Gestaltung, die Sicherung unsrer Grenzen, die Unabhängigkeit unsrer nationalen Rechtsentwicklung. Das Bewußtsein seiner Einheit war in dem deutschen Volke, wenn auch noch verhüllt, doch stets lebendig; es hat seine Hülle gesprengt in der Begeisterung, mit welcher die gesamte Nation sich zur Verteidigung des bedrohten Vaterlandes erhob und in unvertilgbarer Schrift auf den Schlachtfeldern Frankreichs ihren Willen verzeichnete, ein einiges Volk zu sein und zu bleiben." Seitdem tragen die Hohenzollern die deutsche Kaiserkrone, indem sie geloben, allezeit Mehrer des deutschen Reiches zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung.
Die Krone, der Hort des Friedens.
^Wie Monarchie der Hohenzollern ist eine Friedens- Monarchie, so viel auch der Augenschein, der oberflächliche Blick durch die vielen Kriege, die es zu führen galt, in denen das allezeit schlagfertige Heer von Sieg zu Sieg schritt, den Eindruck vom Gegenteil haben könnte. Nickt als eine leicht bewegliche Macht steht die preußische Monarchie da, die dem Prinzip der Weltbeherrschung und
Eroberung huldigend, nur auf die Gelegenheit wartet, Völker und Staaten zu unterjochen; nicht dem Phantom des Ruhmes huldigend, gebraucht sie ihr schneidiges Schwert, um Kämpfe der Völker zu erregen oder sich selbst leichtsinnig in den Kampf zu stürzen: der Friede ist ihre Losung, denn nur im Frieden kann das Wohl ihrer Völker gedeihen. Schon die allgemeine Wehrpflicht verbietet ihr Eroberungskriege.
Und wie Preußens Diplomatie im Rate der Völker, so ist auch die Staatsmaxime der preußischen Monarchie in Bezug auf die geistige Entwicklung der Zeit seit lange kein Rätsel mehr. Es ist nicht der Grundsatz des ängstlichen Despotismus, der das Licht scheuen muß. Der Geist der wissenschaftlichen Untersuchung, dessen ernstes Ziel die Wahrheit ist, wird nicht gehemmt; denn das Haus Hohenzollern, das von je her auf der Seite der einfachen Wahrheit stand, darf die Wahrheit nicht fürchten; es hat vielmehr immer die ausgezeichnetsten Talente selbst des Auslandes in das Land gezogen, um der Bildung und Wissenschaft in seinem Staate einen um so freieren und vielseitigeren Spielraum offen zu halten. Wohl aber wird das Treiben derer gehindert, die nicht eigentlich selbst in die Tiefe der wissenschaftlichen Untersuchungen sich wagen, das noch nicht Gereifte, zu Irrtümern leitende und nicht selten Entstellte mit dem blendenden Schimmer ihres Talentes schmücken und dadurch Verdunkelungen und Verwirrungen in das Leben des Volkes tragen.
Wie wenig Preußens Könige das Licht der Wahrheit und des Denkens scheuen, beweist die entschiedene Fürsorge ihrer Regierung für Jugendbildung und Volksunler- richt. Preußens Monarchen wollen, daß in ihren Staaten Geister reifen, aber wirtlich reifen sollen auf der Grundlage gründlicher Kenntnisse und Einsicht, nicht wuchernd mit der blendenden Thorheit unreifer Geistesgebilde. Unser klares, auf einfache, gründliche Tüchtigkeit gerichtetes Volksschulwesen, der Eifer der preußischen Könige, dem Volke die Religion zu erhalten, beruhen in dem schlichten und klaren Bekenntnisse unserer Könige, in den einfachen Worten des Evangeliums.
Wie die Wissenschaft, so hat auch die Kunst am Thron der Hohenzollern stets ihre Zuflucht gefunden. Kunst und Wissenschaft sind den Menschen zur Erhebung und Begeisterung gegeben. Künstler und Forscher bewahren die Würde der Menschheit und führen uns aus der Alltäglichkeit zum Urquell alles Guten und Schönen. Daß Wissenschaft und Kunst dieser hohen Aufgabe getreu bleiben, das ist immerdar das eifrige und sichtlich hervortretende Streben der Hohenzollernherrscher gewesen.
Das sociale Königtum.
«reußens Könige waren stets Volkswirte von großer Voraussicht, die in väterlicher Weise mit praktischem Blick sich der Bedürfnisse des Volkes anzunehmen und die Landwirtschaft und Industrie mit gleichem Geschick zu heben und zu leiten wußten. Der Große Kurfürst hatte das Beamtentum gegründet, Friedrich Wilhelm I. hatte es zum Hüter der Armen, zum Hort der Socialpolitik in seinem Lande gemacht. Wenn Friedrich der Große sich mit Vorliebe als den König der besitzlosen Klassen bezeichnete (le roi des gueux) und Kaiser Wilhelm der Große durch seine Botschaft an den Reichstag die moderne Socialpolitik zur Hilfe der Schwachen und Geringen ins Werk setzte, so gilt hier der Vorzug, den die Monarchie vor allen Parlamenten hat, und den Fürst Bismarck im Jahre 1882 dem Reichstage mit den Worten zurief: „Eine Verwaltung hat viele Köpfe, aber ein Herz hat sie nicht, i — ein König hat ein Herz für sich, das Leiden mit empfindet."
Wenn der erste hohenzollernsche Kurfürst Friedrich I. einst auf dem Konzil zu Konstanz die Erneuerung an Haupt und Gliedern der Kirche so ernst und nachdrucksvoll wie kein zweiter forderte, wenn er dann in der Mark, der neuen Heimat, dem unter gewaltigem Raubrittertum schwer bedrängten Volke ein Retter ward und in seiner landesväterlichen Fürsorge seinen Unterthanen als „ein Morgen-