als nüchterne Männer der That zum Chaos gesprochen: Bis hierher und nicht weiter! Die Erweiterung dieses Landes zu einem Staate von größerem Umfange erfolgte durch Erwerbungen fremder Landesteile und Besitzungen von Seiten der Hohenzollern. Welches Interesse konnten Preußen, Sachsen, Schlesien, Westfalen, die jülischen Lande iL f. w. haben, mit den Brandenburgern zu einem Staate und zu einem Volke zu gehören?
Was war Brandenburg? Ein Land, das den Wenden abgekämpft und von Deutschland aus zu einem deutschen Lande umgebildet wurde. Was war Preußen? Der Wohnsitz rolier, den christlichen Völkern als heidnische Barbaren bekannter Stämme, den der deutsche Orden zu einem deutschen Lande umschuf, und als dieser seine Herrschaft daselbst aufgeben mußte, eine Beute Polens, dem es durch eine Verkettung günstiger Verhältnisse von dem Hause Hohenzollern abgewonnen wurde. Was war Schlesien? Ein Teil Polens, in welchem deutsches Leben, deutsche Sprache und Sitten nach und nach das polnische Volkstum verdrängten, und mit welchem die Geschichte gleichsam probierte, an welches Ganze er sich wohl am besten als ein lebensvoller Teil anschließen konnte, um inneren Lebensgehalt zu gewinnen, bis es dem Hause Hohenzollern gelang, ihm die geschichtliche Bestimmung zu geben. Wem verdanken wir es also, daß unsere sandige Mark der Mittelpunkt eines blühenden Staates ist, als allein dem Hohenzollernhause!
Nicht an die Spitze eines Volkes und eines Staates, die schon ihrer Natur und geschichtlichen Entwickelung nach ein Volk und ein Staat waren, ist die Dynastie der Hohenzollern getreten; nicht von dem souveränen Volk in der Mark Brandenburg — denn es war in derselben ebenso wenig ein souveränes Volk als irgendwo — wurde sie auf den Thron erhoben, sondern sie selbst hat sich Volk und Staat geschaffen, sie hat sich als Centralpunkt aufgestellt, für die Vereinigung und Wiederbelebung der geschichtlichen Trümmer, aus denen sie ihren Staat bildete. Das Haus Hohenzollern in Brandenburg ist wirklich der geschichtliche Vater und Erzeuger seines Staates und in diesem Umstande ist das Lebensprinzip dieses Staates begründet. Die Monarchie war die Quelle seiner Kraft und war auch das Bindeglied, welches die einzelnen Teile des Landes verbunden hat
Die Hohenzollern.
Heerkönige des Volkes, den Fremden starke Beschützer, Unheimlich, stets verdächtig, wie dunkle Wetterwolke. Blutbrüderschaft verbindet Euch jedem aus dem Volke Zum Leben wie zum Tode. ®. Freitag.
^)er Brunnquell des Lebens, das die verschiedenen <33 Volksstämme in der preußischen Monarchie zu einem so machtvollen Staatswesen verband, lag nicht in den einzelnen Volksstämmen, in dem eigenen Interesse dieser geschichtlichen Trümmer, sondern lag in dem herrschenden Fürstenhause, in dem Geiste der Hohenzollern, in dem Geiste, der in diesem Hause von Anfang an unmittelbar gelebt und in fortschreitender Entwickelung gewirkt hat. Es ist die Richtung sämtlicher Könige Preußens auf das Wohl des Volkes und Staates und das entschiedene Streben derselben, ihre Regierung auf dem Throne, ihre Macht und Größe durch das Wohl des Ganzen zu begründen und zu befestigen. In diesem Streben wird das Interesse von Fürst und Volk eins. Es lag dasselbe schon in der ursprünglich deutschen Natur dieses Fürstengeschlechtes als ein in dem deutschen Volksgeiste tief Begründetes. Denn in dem deutschen Volke hat sich das Gefühl für die Heiligkeit der Familienbande und der Sinn für das landesväterliche Verhältnis zwischen Fürst und Volk am längsten erhalten und mit ihm als Grundlage Liebe und Treue. Während die neue Zeit, wenigstens in ihren Sprechern und Tonangebern, das ursprünglich heilige Lebensverhältnis zwischen Fürst und Volk durch Hirngespinste und Menschenwerk zu vernichten trachtet, ist es die große, von der Vorsehung dem Hobenzollernbause gestellte Aufgabe, die Kraft und Wirksamkeit der wahren
Monarchie in dem von ihr beherrschten Staate als eine stille und sichere Wiedergeburt des deutschen Volksgeistes auszubilden.
Der Sinn und Geist der Hohenzollern tritt in den Sprüchen aus ihrem Munde hervor. Friedrich der Große sagte: „Der Fürst ist nichts als der erste Diener des Staates und ist verpflichtet, mit aller Rechtschaffenheit, Vorsicht und Uneigennützigkeit zu verfahren, als wenn er jeden Augenblick seinen Mitbürgern über seine Staatsverwaltung Rechenschaft abzulegen hätte." Dieses schöne Wort hat Kaiser Wilhelm II. auch zu seinem Grundsätze gemacht: „Ich halte mir das Won des großen Friedrich gegenwärtig, daß in Preußen ,der König des Staates erster Diener ist.' Es ist in unserem Hause Tradition, daß wir uns als von Gott eingesetzt betrachten, um die Völker, über die zu herrschen uns be- schieden ist, zu deren Wohlfahrt und Förderung ihrer materiellen und geistigen Interessen zu regieren und zu leiten."
Die preußische Monarchie hatte von Anfang an eine großartige Verachtung der politischen Träumereien und eine Richtung auf die nüchterne, schlichte Wahrheit in den Dingen. Immer wieder hat in der preußischen Geschichte der Wille des Herrschers den Ausschlag gegeben. Wie der Staat von Anfang an das Werk seiner Fürsten war, so sind auch die befreienden Thaten von der Krone ausgegangen. Unter der Führung dieser starken Krone hat Deutschland in seiner auswärtigen und in seiner inneren Politik Erfolge errungen, welche die republikanischen oder parlamentarischen Nachbarländer nie erreichen konnten. Es kommt dazu das hohe Gefühl der Verantwortung vor Gott, welches die Hohenzollern besitzen. „Von Gottes Gnaden" tragen sie ihre Krone und Gottes Wege mit ihrem Volke stehen ihnen als Ziel der Regierung allezeit vor Augen.
Man kann darüber in Zweifel sein, was den Hohen- zollern-Namen mehr mit Glanz und Lorbeer ziert, die Waffenthaten oder die Werke des Friedens und der Geist aufrichtiger Gottesfurcht. Niemals wäre das Kriegs» schwert so siegreich, die Friedensarbeit so segensreich gewesen, wenn nicht ein sittlich»religiöser Lebensodem die Könige Preußens und ihr Volk beseelt hätte. In diesem Geiste besaßen sie Kraft und Schneidigkeit genug, den habsburgischen Todesschlaf zu verscheuchen und den französischen Allmachtszauber zu vernichten. Mögen die Hohenzollern, im einzelnen betrachtet, noch so grundverschieden sein an Geist und Gaben, ja oft gegensätzlich im Charakter und Lebensweise, ein Familienzug schaut fast ausnahmslos aus ihrem geistigen Angesicht: die Liebe zum Volke und ein ernstes, gottesfürchtiges Leben. Erstere zeigt sich nicht in volksschmeichelnMr Popularitätshascherei, sondern in gesunden, volkswirtschaftlichen Maßnahmen; letzteres offenbart sich in dem rechten Takt bei Anwendung religiöser Duldung und Gewissensfreiheit.
Dom Kurant zur Kaiserkrone.
Was wahrte den Hohenzollern die starke Jugend- kraft?
Sie steh'n mit den beutid en Völkern in Bundgenossenschaft,
Mit uns — nicht gegen die Fürsten, wenn diese unser gedacht,
Doch gegen eitles Begehren und hohe Niedertracht:
Das hat die Fürstenwillkür stets unsrer Herrn gebändigt,
Das hat in gutem Frieden stets innern Zwist beendigt,
Thatlustig hob es den Greisen, den Tapfern mehrt es die Tugend,
Daß sie um Deutschland warben, schuf ihnen holde Jugend.
>eit im Kreuzheere Friedrich Barbarossa'^ ein Zollern die Frankenfahne und ein Zollern das Reichspanier trug, haben sich die Hohenzollern als Vorkämpfer für die deutsche Sache bewährt. Insbesondere haben die Könige von Preußen allezeit darüber gewacht, daß sie ihre Pflicht