Einzelbild herunterladen
 

Bezugspreis:

»ertrljâhrlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für «ul- «Laige Adonntnieu mit dem betveffenben Postaufichlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern bei verein, ev.

General-Anzeiger.

Amtlilhrs Organ für Stadt- und Landkreis Kana«.

EinrÄckungsgebsthrr

^ür ^ Stadt- vud Landkreis Hanau 10 Pfg. die«f$ gespaltene Pelitzeile oder deren Raum, für AuSwärtS 15 $& im Reklamentheil die Keile 25 Pfg..

für AuSwärtS 85 Psg.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!, Redakteur! G. Schrecker in Hemau.

Nr. 12.

Dienstag den 15. Januar

1901

Amtliches.

'Stadtkreis Danau.

Vclanlllmachiiligcu dcs Oberbürgclmristeramtes.

Schulnachricht.

Die Anmeldungen für das neue Schuljahr finden unter Verlage bir G^bmtk- und Impfscheine in der Zeit vom 28. Januar bis 2. Frbruar d. Js., vormittags von 11 bis 12 Uhr, in den betriff.ndln Schularbâuden stait und erfo'gen

1. für die Knabenmittclschnle bei Herrn Rektor Bartmnß, Johanni kirckplatz 1 a;

2. für die-chcnmittclschille bei Herrn Rektor Jckler, B braer Bahuhosssiraße 9;

3. für die Knabenvolksschule bei Herrn Rektor Dieterich, Johanniskirchplatz 1 b;

4. für die Mädchenvolksschule bei Herrn Rektor

Umbach, Gärtner strafte 67.

Schulpfliâ tig werden zu Ostern d. Js. alle Kinder, welche bis zum 1. Oktober d. Zs. das 6. Leben-jahr zurücklegen. Dieselben sind daher in der angegebenen Zeit ordnungsmäßig zur Schule anzun eiben.

Wenn schulpflichtig gewordene Kinder geist'g oder körper­lich so wenig eniwickilt sind, daß sie an dem Klassenunter­richt noch nicht erfolgreich theilnehmen können, so haben die Eltern oder Vormünder dieselben unter Vorlage der ärztlichen Bescheinigung dennoch zur Säule anzumelden, damit zum Nachweise der erfüllten Schulpflicht das Erforderliche gewahrt werde.

Kleinkinderschulen dürfen Kinder nicht über das bezeichnete Lebensalter hinaus in Pflege behalten.

Die Unte.lossung der rechtzeitigen Einschulung schul­pflichtiger Kinder unterliegt den Strafbestimmungen über un- entfchuldigie Shul> ersäumnisse.

Hanau, den 15. Zanuar 1901.

Der Stadlschutinspektor

Bungen st ab. 982

Höhere Mädchenschule.

Anmeldungen für b s neue Schuljahr werden vom 26. Januar bis 2. Februar d. Js., vormittags von 11-12 Uhr, im Schulgelände, Slejuheimerstraße 37, ent- gegengenommen unb es sind hierbei die Geburts- und Impf­scheine vorzulegen.

Schulpflichtig werden zu Ostern b. Js. alle Kinder, welche bis zum 1. Oktober das 6. Lebensjahr zurücklegen, sofern sie

Kleines Feuilleton.

Die höhere Mädchenschule auf der Anklage­bank. Im Laufe der jüngst verflossenen Wochen wurde in Berlin die deutsche Mädchenschule, die unter der FlaggeHöhere Töchterschule" segelt, einmal wieder einer Nr ihe von Angriffen ausgesetzt, von denen einige verdienen, in weiteren Kreisender deutschen Familien Beachtung zu finden. Man klagte darüber, daß die Mädchenschule eine durchaus unzureichende Ausbildung verabfolge, die keineswegs den Forderungen entspreche, die man zu stellen berechtigt sei. Nun i|t es ganz sicher, daß im weiten deutschen Reiche manche private und öffentliche Schule für Töchter höherer Stände besiegt, die in keiner Hinsicht befähigt ist, gründliche Kenntnisse zu vermitteln. Daneben aber gibt es auch eine beträchtliche Menge von ausgezeichneten Schulen, wo Mädcken viel lernen können, wenn sie nur wollen. Selbst- vet ftât.b. id) muß man aber, bevor man sich über Mädchen­schulen btschwert, genau darüber im Klaren sein, was billiger­weise von der Mädchenschule verlangt werden darf und was nicht. In der eingangs erwähnten Versammlung erzählte Privatdozent Dr. Bergemann aus Jena, daß er einmal mit Jenenser Profissoren über die Frauen frage gesprochen habe, dabei hätten die Herren Ansichten entwickelt, die fast darauf hinauslikfen: die Frau fei ein intellektuell inferiores Wesen. Als Beispiel wiesen sie auf ihre eigenen Ehehälften hin; der Astronom meinte: seine Frau verstände nichts von Astronomie, der Mathematiker: seine Frau verstände nickts von Mathe­matik u. s. w. Demgegenüber vertritt Dr. Bergemann die Ansicht, daß dieFrauen von günstigem Einflüsse auf die Männerwelt seien, besonders auf die Heranwachsende Jugend und auf die Studenten". Man kör nie nach dieser Darstellung dieses gelehrten Herrn also den Eindrck gewinnen, als be­stände das Ziel der höheren Mädchenschule darin, j.des Mädchen zu einer künftigen Frau Profeffoiin zu erzühen. Da es nun baer doch nicht ganz so viel Profissoren gibt wie höhere Töchter,

in körperlicher und geistiger Vezichung zum Schulbesuche reif erscheinen.

Hanau den 15. Januar 1901.

Der Direktor.

Bungen st ab.

Gcuosscnschastsrcgistcr.

k Bei dem Niedcrèsstgheimer Spar- Uttd Dar- lehcuekasscuvereitt, eingetragene Genr ffenschaft mit un­beschränkter Haftpflicht in Niederissigheim, ist eingetragen worden:

Lehrer Wilhelm Fontaine ist aus dem Vorstand ausgetreten und an feite St«Ue Wilhelm Nos; zu Nieder­issigheim in den Vorstand gewählt, zugleich als Slelloertreter des Vereins Vorstehers.

Hanau den 11. Januar 1901.

Königliches Amtsgericht, Abth. 5. 922

Königliche Oberförster« Salmünster.

Mittwoch den 23. Januar d. Js. werden von vormi tagS 9 Uhr ab im GasthausIum Löwen" zu Sal­münster aus dem diesjährigen Einschlag, namentlich der Distrikte 28, 32, 67, 68, 84, 89, 123, 135 versteigert etwa:

G08 Küfern Abschnitte mit 300 fm Inhalt,

93 Fickten Abschnit e mit 12 fm Inhalt,

114 Stück Fichten- Der bl o zUangen,

130 rm Eichen-Sckeit und Scheil-Anbruch,

25 rm Knüppel,

30 rm Reisig I. Kl.,

600 rm Buchen Scheit und Scheit-Anbruch,

165 rm Knüppel,

125 rm Reisig I. Kl.

60 rm Kief rrr Scheit, Knüppel u. Reisig I. Kl.

Das Nutzholz kommt zuerst zum Ausgebot. 950

Sefunbene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 gehäkelter Umlegekragen. 1 goldene Damenuhr ohne Bügel mit Sprungdeckel, auf dem Teich. 1 Kneifer mit einem sie neu Keltchtn, auf dem Deich.

Entlaufen: 1 brauner, langhaariger Jagdhund, m. Geschl., auf den Namen Hektor körend.

Hanan ten 15. Januar 1901.

io müßte so der ganze Ueveisauß an jungen Damen als Fräulein Professorinnen das Dasein unsich r machen. Und selbst dann könnte möglichnnni e der Fall einintn, daß sich ein woh bestallter Proiessor der Nlaih>malik in eine astronomisch gebildete Dame verliebt ooer umgekehrt, der Zweck der Mädchen­schulen, der anscheinend darin besieht, Professoren mit fach- wissenschaftlich gebilbeten Damen zu versorgen, wäre wiederum veifehlt. Es nüibe ferner die F»age zu erörtern sein, ob z. B. ein Professor der Mathematik einen jungen Studenten der Germanistik nicht audtfürintelhfnielluntergio dneterklären würde; sicher ist, daß es auf den deutschen Unioerfiiâten augenblicklich sehr viele NatwWissenschaftler gibt, die auf alle und jede andere Wissenschaft und deren Veilieter ziemlich verächtlich herabsehen. Da auch Professoren derselben Fakuliäien nicht immer der gleichen Ansicht find, so könnte feiner trotz aller vorherigen Bemühungen der Schule noch der Fall eintreten, daß der Herr Professor die Ansichten seiner F auinferior" findet. Kurz und gut, für den Frieden der Ele wird durch höhere wissen­schaftliche Bildung der Mädchen durchaus keine Gewähr ge­leistet. Denn wissenschaftlicke Bildung und Gewissensschulung sind zwei grundverschiedene Dinge. Gewisscnsschulung vermag eine Lchronstalt, die auf Pflichterfüllung hält, sehr wohl zu ver­mitteln. Daß es bei Mädchen nur ausnahmsweise gelingt, beruht auf dem in unendlich vielen Familien veibreiieien Vorurtheil, daß Lernen der Gesundheit der Töchter schadet. Daher heißt es denn im Eltcrnhause sehr oft:Ach, mit dem Zeug brauchst Dich nicht zu quälen, das hast Du gar nicht nöthig" u. dgl. m. Mit solchrn Reden werden die Mädchen geradezu zur Gewissenlosigk.it und Trägheit angehalten. Die Schule ist in diesem Fall nicht verantwortlich dafür, daß sie nichts lernen, wohl aber ist die Familie dafür verantwortlich, daß das Mädchen pflichtsckeu, oberflächlich und gewissenlos ge­worden ist. Mit dieser bösen Mitgabe fürs L.ben belastet, tritt das Mädchen alsdann in den Kreis der Erwachsenen ein. Die gleichen Eigenschaften, wie in der Schule, bethätigt es jetzt im Hause und wie alle oberflächlichen, charakterlosenMrnschenlinder

E Die macedonifcbe frage.

Die Vorgänge im fernen Ostasien haben lange Zeit die Aufmerksamkeit so stark in Anspruch genommen, daß mancherlei Bemeikenswertkes im nahen Orient fast unbeachtet blieb. Vor allem hat inzwischen die macekonische Frage nicht geruht, und es wäre sogar um ihretwillen beinahe zum Kriege zwischen zwei Balkanstaaien, Rumänien und Bulgarien, gefommtn.

Das Königreich Rumänien ist an den mocedonischen An­gelegenheiten nicht dirrkt betheiligt. Macedonien -wirb im Norden hauplsâä lich von Serben, im Osten von Bulgaren und im Süden von Griechen bewohnt, und alle diese Völker stämme streben eine Los ösung ans dem Verbände der Türkei und eine Vereinigung mit ihren Stammesbrüdern jenseits der türkischen Grenzen an. Weitaus am rührigsten sind die Bulgaren, deren Bewegung von einem nneebonifeten Komitee in Sofia geleitet wird. Dietes mocedonische Komitee bot auch den Anlaß zu dem rumänisch-bulgarischen Konflikt zu Ende des vorigen Jahres.

Nicht nur zum Kriegführen, auch zur Revolution gehört Geld, und das macedomsche Komitee weiß sich dieses unter Duldung der bulgarischen Regierung durch unverschämte Brand­schatzungen nicht nur der Bulgaren im Fürstentum, sondern auch der hier ansässigen fremden Slaalsangehöiigen zu ver- febnffm. So waren auch Rumänen, die in Bulgarien Ge­schäfte treiben, Kontributionen auferlegt worden; die rumänische Regierung nahm sich ihrer Staatsangehörigen an, begegnete aber nur Aue flüchten der bulgarischen Regierung. Die Sache wurde sehr ernst, als in Rumänien selbst von Bulgaren mehrere Di orbitalen verübt wurden, die allem Anschein nach Racheakte wegen der Weigerung reicher, in Bulgarien ange- stssener Rumänen waren, sib von dem mocedonischen Komitee brandschatzen zu lassen. Schon wurden Vorbereitungen zur Mobrlisirung g-ti offen; schließt ch aber wurde die Sache noth- dürftig beige legt. ,

Aber es bleibt ein bedenkliches Zeichen, daß das macedo- nische Komitee unter den Augen der Neuerung in Sofia einen gewissen Terrorismus ausübr, und die Gefahr eines Brandes am Balkan wird nickt verringert dadurch, daß die Phantasie der Griechen in Mocedonien durch die Nachricht, Prinz Georg von Griechenland wolle sich zum selbständigen Fürsten von Kreta machen, erhitzt ist, und daß die Serben wegen des Bis- thums Ucëtüb in altem Streite mit der Türkei liegen.

Für die weitere Entwicklung der Dinge am Balkan hängt sehr viel davon ab, ob die Verständigung zwischen den nächst- brtheiligten Großstaalen, Rußland und Oesterreich-Unaarn, die dahin ging, den Status puo zu erhalten, gegenüber den von den dortigen interessieren Völkerschafren angt stifteten Unruhen Stich hält und mit welchem Nachdruck insbesondere von Ruß­land ein wäüioender Emfluß in Bulgarien aelrend gemacht wird

wird es bleichfüchtig und nervös. Allmählich gestaltet sich ein solches Wesen zu einer Plage für seine Umgebung, ganz gleich, ob es verheilaihkt wild oder nicht. Und aus diesem ober­flächlichen, gen issenlosen Wesen heraus entsteht auch das alberne und abgedroschene Voruriheil von der geistigen Minderwerthig- feit der Frauen. Nicht das klar (htamUe, vom Verstand Verdaute, sondern das nur Geahnte, nur dunkel Erschaute hat im Menschenleben die m iste Wirkung, sagt D'ssoir, ein durchaus moderner Geist. Weil in den weiblichen Geistes­anlagen das Ahnende imhr vorwaltet, in den männlichen das Erkennende, so kann gerechtermaßen von einer geistigen Minderwerthigkeit der Frauen keine Rede sein, wohl aber von geistiger Ungleichartigkeit bei Männern und Flauen. Es liegt aber auch auf der Hand, daß ein gewisser Grad von Schulung im Elkenren für bad weibliche Gemüth und,dingt nöthig ist, denn wo es vernachlässigt wird, muß Gefühls­duselei und kiünkhofie Sentimentalität die Folge sein. Wir sagendrshalb: ve> bessert di« jenigen Schulen, denen es nöthig istund sorgt überall dafür, daß die Mädäen gewissenhaft lernen, denn was die Welt vor allen Dingen braucht, sind gewissen­hafte Frauen. -n.

St. Frankfurter Kunftnotlzen. Frankfurt a. M., 14. Januar. Das 2. Abonnements-Konzert des R ü hl 'schen Gesangvereins findet Montag den 2L d. Mts. im großen Saale des Saalbaues statt. Es gelangen dabei unter Herrn Prof. Dr. Beruh. Scholz' Leitung:M sse in Es-dur" von Franz Schubert,Hymne an die Nacht" und Weihgeschenk" von Prof. Scholz, Arie ausDon Juan" von Mozart und Finale ausLorely" von Mendelssohn unter Mitwirkung elfter Solokräfte zur Aufführung.

* Mainzer Karneval. Mit dem ersten Januar ist in Mainz nicht nur ein neues Jahr, sondern auch neues Leben erwacht. An diesem Tage gab der Karnevaloerein sein erstes, von Tausenden besuchtes karnevalistisches Konzert in der prächtig gefchnürftat Stadrhalle und durch feurige Erorlieder wurde die Eröffnung der Saijon gefeiert. Tas gleiche Bild hat sich