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Leben und einer von den edelsten Bestrebungen geleiteten, in treuester Hingabe und Weisheit, Gerechtigkeit und Milde geführten fast 48 jährigen Regierung aus dieser Vergänglichkeit in die Ewigkeit abgerufen hat, ist gemäß der Erbfolge- Ordnung Unseres Hauses die Regierung des Großherzog- thums auf Uns übergegangen. Wir treten dieselbe hierdurch mit der Erklärung an, daß wir sie treu und gewissenhaft im Einklang mit der Verfassung des Großherzogthums führen und das Andenken Unseres in Gott ruhenden Herrn Großvaters dadurch ehren werden, daß Wir in seinem Sinne wirken und die Ueberlieferungen Unseres Hauses als ein theures Vermächtniß bewahren und pflegen werden. Demnächst bestätigen Wir hiermit alle von Unserem Herr« Großvater ernannten Beamten in ihren amtlichen Befugnissen und ihrer Wirksamkeit und erwarten, daß sie auch ihrerseits gemäß des von ihnen geleisteten Diensteides ihre Pflichttreue bewähren und ihres Amtes in berufsfreudiger Hingabe walten werden. Zu allen Unseren treuen Unterthanen versehen wir Uns, daß Sie das Andenken ihres dahingeschie- denen, hochherzigen Landesfürsten dadurch hoch halten und bewahren, daß sie Uns, seine» Enkel und Nachfolger dieselbe Ergebenheit und gleichen Gehorsam bezeigen. Zugleich entbieten wir ihnen Unseren Gruß und die Versicherung Unserer landesfürstlichen Huld und Gnade.
So gegeben Weimar, 7. Januar 1901.
gej. Wilhelm Ernst.
gegengezeichnet : Gothe, v. Pawell und v. Wurmb/
Oberlehrer und Richter. Zur Stellungnahme des Ministeriums zur Oberlehrerfrage verlautet von sonst wohlunterrichteter Seite, daß man im Unterrichts-Ministerium in der That entschlossen sei, die erhobene Forderung (Gleichstellung der Oberlehrer mit den Richtern unterster Instanz im Gehalt) mit aller Entschiedenheit ^u verfechten. Jedenfalls müsse -n absehbarer Zeit die Schranke fallen.
Ein Annexionsplan des französischen Generals Zurlittden. Eine wenig wahrscheinliche L)chauerMäyr, wonach der aus der Dreyfus-Affäre bekannte französische General Zurlinden im Jahre 1897 vorgeschlaxen haben soll, Belgien zu anneklire«, läßt sich das „B. T." aus Brüssel telegraphiren: »Die von der Regierung ernannte, aus Abgeordneten und höheren Offizieren eingesetzte Kommission zur Berathung der militärischen Reorganisation hatte das Ministerium des Auswärtigen um die Einsichtnahme in gewisse geheime Aktenstücke desselben ersucht, um die Frage der belgischen Neutralität, soweit sie mit der Bedingung eines stehenden Heeres im Zusammenhänge steht, auf das Gründlichste prüfen zu können. Diesem Ansuchen war nicht Folge gegeben worden. Der Grund hierfür soll sein, daß im Jahre 1897 der bekannte französische General Zurlinden, laut dem Bericht des belgischen Gesandten in Paris, dem oberen Kriegsrath Frankreichs vorgeschlagen hatte, Belgien zu annekliren. General Zurlinden ließ durchblicken, daß Deutschland nichts dagegen haben würde, wenn Frankreich sich verpflichten würde, die elsaß-lothringische Frage für immer zu begrabe« und daß es England gleichgiltig fei, ob überhaupt ein Belgien existire. General Zurlinden wollte also dasselbe versuchen, wie dreißig Jahre früher Benedetti laut den Enthüllungen Bismarcks." — Wie verlautet, wird sich die französische Kammer die Gelegenheit zu einer bezüglichen Interpellation nicht entgehen lassen, um die Nationalisten von Neuem an den Pranger zu stellen. Den belgischen Liberalen ist diese Entdeckung, deren Richtigkeit noch nicht erwiesen ist, neues Oel auf's Feuer, um die Heeresorganisation endlich durchzudrücken.
Weltausstellung in Paris 1900» Wie mitgetheilt wird, ist ein Kreis erster Firmen des Gewerbes und der Industrie zusammengetreten, um in einer Ehrengabe an Herrn Geheimrath Dr. Richter dem Danke Altsdruck zu geben, den Deutschland seinem Kommissar auf der Weltausstellung in Paris schuldet. Eine Adresse ist an sämmtliche Aussteller^ zur Unterschrift versandt. Dieselbe wird Mitte Februar, in. künstlerischer und kunstgewerblicher Ausführung, durch erste Künstler, in Verbindung mit einer Festfeier, in Berlin überreicht werden. Bei der Bedeutung, die der Erfolg Deutschlands in Paris für unser ganzes wirthschaftliches Leben hat, soll auch Nicht- Ausstellern Gelegenheit gegeben werden, dieser Ueberzeugung Ausdruck zu geben. So erfüllen wir gerne die Bitte des Komitâs, davon Kenntniß zu geben, daß Listen, zur Unter- zeichnung der Adresse durch Nicht-Aussteller, im Besitze sämmtlicher Aussteller sich befinden. Als Schlußtermin für die Unterzeichnung ist der 15. Januar in Aussicht genommen. Jede
Ein schriller Schrei, dann hält tiefe Ohnmacht die Re- gierungsräthin umfangen.
Am nächsten Tage erhält sie einen Brief von ihrem Sohn. Ihre weinenden Augen vermögen ihn kaum zu lesen. Stolz und glücklich meldet er ihr, daß auch er dazu berufen sei, für Kaiser und Vaterland auf den Kriegsschauplatz abzugehen. Aber eine Mutter weiß auch zwischen den Zeilen zu lesen und zuletzt bricht das verhaltene Gefühl doch durch: »So geht es mir gut, packte mich nicht ab und und zu noch die bittere Sehnsucht. Wie viel lieber wäre ich fortgegangen, wenn — — ach Mutter, hätte ich Dich nur vorerst ein einziges Mal gesehen!" —
Es ist vier Monate später, wieder hält die Regierungs- râthin zwei Briefe, die man ihr soeben übergeben, in der Hand. Den großen blauen, der ihr so fremdartig und unheimlich anssieht, legt sie scheu vor sich auf den Tisch, während sie den anderen mit stürmischer Hast öffnet. Ist er doch von ihrem „Einzigen", vom fernen Kind. Sie liest:
„Mutter, es ist mir etwas zugestoßen — es geschah im Dienste der Pflicht. Ich stehe vor einer Operation, — ängstige Dich nicht, — es hat keine Gefahr, wie der Doktor sagt. Aber ach, Mutter, Du siehst Deinen Sohn als — Klüppel wieder — gräme Dich nicht! Leb' wohl, Mutter,--ich bin so müde--damals, vor Hela, wie war mir das Herz so schwer — so schwer. Ach Mutter, hätte ich Dich damals nur noch ein einziges Mal geküßt!
Der zweite Brief, der ihr eigentlich erst später zugehen sollte, enthielt seine ofsizielle Todesnachricht.
Hanauer Anzeiger.
weitere Auskunft ertheilt Dr. T. Fabri, Berlin W. 50, Passauerstraße 4.
Beruf und Lebensdauer.
Das irdische Glück wird am Eindringlichsten durch Krankheit und Tod beeinflußt. Nicht mit Unrecht mißt man das relative Wohlbefinden einer Landbevölkerung an den Ergebnissen der Krankheits- und Sterblichkeitsstatistik. Wo die Sterblichkeitsziffer niedrig und die mittlere Lebensdauer eine bemerkens- werthe ist, darf angenommen werden, daß alle jene Faktoren, die gesundheitbedrohend und lebenverkürzend auf das Menschenleben einwirken, sich in nur mäßiger Weise bemerkbar machen.
Zu den Machtfaktoren, die über Leben und Sterben ganzer Bevölkerungsgruppen entscheiden, gehören vor Allem die allgemeine wirtschaftliche Lage, die sanitären Einrichtungen und Zustände in Stadt und Land, Bodeneigenthümlichkeiten und Klima, Sitten und Gebräuche, die allgemeine Bildung, die Ausbreitung von Landwirthschaft und Industrie und ihre Löhne. Für das einzelne Individuum entscheiden aber in der Hauptsache neben der persönlichen Veranlagung von Leib und Seele die ökonomischen Verhältnisse und vor Allem der Beruf über die Dauer seines Daseins. Es ist nicht unbekannt, daß von altersher einzelne Berufe als lebensfeindlich angesehen und andere wieder als besonders günstig betrachtet werden. Die neueren Forschungen von Aerzten und Bevölkerungs- politikern haben diese Frage vielseitig und gründlich beleuchtet und sind zu Ergebnissen gekommen, die eine besonders ernste Beachtung verdi neu.
So machtlos im Allgemeinen der Mensch dem Tode gegenübersteht, so sehr ist ihm gerade in Bezug auf die Berufssterblichkeit die Möglichkeit gegeben, ungünstigen Sterblichkeils Verhältnissen mit sehr einfachen Mitteln entgegenzutreien. Die Erfahrung be seist, daß der Tod nur dort reiche Beute findet, wo rückständige und mangelhafte Gcsellschaftsverhältnisse ihm einen passenden Boden vorbereiteten. Jede Bess rung dieser Verhältnisse, jedes Zurückdrängen und Ausrotten bösartiger Zustände ist buchstäblich gleichbedeutend mit LebenSgewinn. In unseren Großstädten beispielsweise haben die ungeheuren sanitären Aufbesserungen der letzten Jahrzehnte: Wasserleitungen, Kanalisation, Pflasterung, Straßenreinigung, Verschütten fauliger Stadtgräben, moderner Häuserbau, Straßenverbreiterung u. f. w. eine außerordentliche Verminderung der Sterblichkeit im Gefolge gehabt, besonders die Kindersterblichkeit hat um ca. 20 Procent abgenommen. Das deutet darauf hin, wie jede Hebung einzelner, besonders ungünstiger Berufe auf die Sterblichkeit der Zugehörigen einwirken muß. Es erinnert aber auch au den bedeutenden Einfluß, den die kolossalen Berufsverschiebungen, namentlich das Sinken der Landwirthschaft und das Anwachsen der Industrie, auf die Gesammtsterblichkeit einer Landesbevölkerung haben müssen.
Unter der ländlichen Bevölkerung nimmt die landwirth- schaftliche erwerbsthätige eine bevorzugte Stellung gegenüber der in der Industrie auf dem platten Lande beschäftigten ein. Der reichliche Aufenthalt in der freien uud frischen Luft, die den Städter so entzückt, die durchschnittlich einfache Kost, die vernünftige, regelmäßige Lebensweise bewirken, daß die Sterb- lichkeits- und Krankheitsoerhältniffe der landwirthschaftlich n Bevölkerung weitaus günstigere sind, als sie sich in Industrie- bezirken darstellen.
Zu den bevorzugtesten Berufen gehören in vielen Ländern diejenigen der protestantischen Geistlichen, der selbständigen Landwirihe, der Gärtner und Lehrer. Nimmt man die Durchschnittssterblichkeit der besser fituirteu Bevölkerungsschichten, z. B. der Beamten und des besitzenden Mittelstandes, gleich 100 an, so stellen sich nach Karup und Gollmer die Ziffern für die kräftigen Altersklassen von 21 bis 45 Jahren auf
64,6 Prozent bei Universitätsdocenten,
70,2 „ „ protestantischen Geistlichen,
71,4 „ „ Gymnasiallehrern,
84,6 „ „ Volksschullehrern,
125,9 „ „ Aerzten.
Die letzte Ziffer erklärt den Aerzstestand für einen der kurzlebigsten Berufe. Schon Voltaire fiel es auf, daß Ludwig XV. während seiner 60jährigen Regierung 40 seiner Leibärzte überlebte. Auch Dr. Casper fand in seiner Berliner Untersuchung 1835, die allerdings auf wenig genügendem Material beruhte, das Durchschnittsalter der Aerzte sehr kurz: Evangelische Geistliche. . 65,1 Jahre, Höhere Beamte.... 61,7 r Landwirthe.....61,5 „ Juristen......58,9 „
Aerzte ...... 56,8 „
Besonders sind es Jnfektionèkrankt eiten, vor Allem der Typhus, sowie Lungen- und Gehirnkrankheiten, welche die Sterblichkeit-ziffer der Aerzte so auffallend erhöhen. Das naturgemäß hochgesteigerte Pflichtgefühl, das unablässig drückende Verantwortlichkeit-bewußtsein, die oft zu späte Einstellung der Praxis, die abnormen Temperaturen der Krankenzimmer, die Witterungsunbilden, die mangelnde Nachtruhe setzten die physische Widerstandsfähigkeit der Mediziner stark herab. Die Männer, deren Brodberuf es ist, ihren Mitmenschen die Gesundheit zu erhalten oder neu zu schaffen und deren Lebensdauer möglichst zu verlängern, sind anscheinend machtlos, sich selbst zu helfen.
Veränderte Urfachen ergeben naturgemäß veränderte Wirkungen. So erscheint die sprichwörtliche Langlebigkeit der Landbewohner beispielsweise bei Berufen aufgehoben, deren Daseinsoerhältnisse trotz der ländlichen Bedingungen unter Mängeln der mannigfachsten Art zu leiden haben. Die Landlehrer weisen eine höhere Sterblichkeit auf als ihre städtischen Verufsgenossen.
In ganz außerordentlich einschneidender Weise äußert sich der Einfluß des Berufs in den unteren Volksschichten, die dem Kampf ums Dasein nach allen Seiten hin am meisten ausgesetzt sind. Dr. Oldendorff untersuchte die Bevölkerungssterblichkeit des Jndu- striebezirkes Solingen für den Zeitraum 1850—1874 in eingehender Weise. Die Durchschuittssterblichkeit der breitesten Bevölke-
9. Januar .
rungsschichten zeigte besonders für die Altersperiode von 20 — 30 Jahren die größten Unterschiede. So kamen beispielsweise von je 100 in diesem Alter verstorbenen Männern auf die Eiseuschleifer ........ 3!,6 Eisenarbeiter........ 20,1 Uebrige Bevölkerung.....15,5
Mitglieder der
Gothaer Lebensversicherung ... 1,1
Das durchschnittliche Sterbealter jenes Bezirkes stellt sich dementsprechend:
Schleifer.......42,8 Jahre
Eisenarbeiter.....48,4 „
Uebrige Bevölkerung . . . 54,4 „
Versicherte der Gothaer Bank 58,6 „
Der Beruf der Schleifer kürzt im Verhältniß zu de« bester Situirten die durchschnittliche Lebensdauer um mehr als 15 Jahre ab!
Wie bestimmte Krankheiten an bestimmte Berufe gekettet sind, ist ebenfalls aus den Untersuchungen Ollendorffs zu ersehen. Die verheerendste Volkskrankheit, die Lungenschwindsucht, raffte mehr als drei Viertel aller Schleifer dahin. Dieser tückischen Krankheit stehen Fischer, Ackerbürger und Geistliche sehr bevorzugt gegenüber; dagegen überschreiten Lehrer, Böttcher, Schleifer, Buchdrucker und Steinmetzen das Durchschnittsmaß um ein Bedeutendes. Auch in der Textilindustrie und dem Zinnbergbau fordert die Schwindsucht zahllose Opfer, läßt dagegen die Arbeiter in Steinkohlenbergwerken merwürdiger- weise auffallend verschont, obwohl es bekannt ist, daß die feinen Kohlentheilchen alle Athmungsorgane der Bergleute durchsetzen und die Lungen geradezu schwarzblau färben.
Unter ganz besonderen Berufsverhältnissen leiden die Gasthausbediensteten und die Bäcker. Besonders die Sterblich- Uitsverhältnisse der Letzteren beweisen, wie sich die Natur unaufhaltsam an allen Vergehungen gegen sie rächt. Der weitberühmte Doktor Namazzini gab vor 200 Jahren eine Schilderung des mangelhaften und gesundheitsschädlichen Bäckereibetriebes seiner Zeit in seinem damals stark verbreiteten Buche vvn den „Krankheiten der Künstler und Handwerker", die in vielen, ja in den meisten Punkten noch auf unsere Zeitverhältnisse durchaus zutrifft. Es ist geradezu erstaunlich, in wie geringem Maße die Herstellung-weise uuseres verbreitetsten Nahrungsmittels an den großen Fortschritten der modernen Produktionsweise, die uns überall so auffallend entgegentritt, Antheil hat. „Kein Industriezweig hat eine so altertümliche, ja wie man aus den Dichtern der römischen Kasterzeit ersehen kann, vorchristliche Produktionsweise bis heute beibehalten, als die Bäckerei." NlS die deutsche Reichskommission für Arbeiter statistik im September 1892 ihre umfangreiche Untersuchung der Bäckereibetriebe abschloß, kam sie nach jeder Richtung hin zu den bedauerlichsten Ergebnissen. Nur fünf Prozent der befragten Betriebe hatten z. B. Teigknetmaschinen; in 95 Prozent besorgte dies in altväterlicher Weise die menschliche Hand. Es ist erklärlich, wenn der Statistiker Ogle für England einen Sterblichkeitsgrad der Bäcker feststellte, der sich zu dem der Geistlichen wie 172:100 verhält. Zu einem noch schlimmeren Ergebniß kamen Bertillon für Paris, de Neufville für Frankfurt a. M. und Kummer für die Schweiz.
Es ist gar nicht zu leugnen, daß die schädlichen Wirkungen bestimmter Berufe gebrochen und gemildert werden können durch Aufbesserung aller jener Momente, die das Individuum körperlich und geistig festigen. Sein Leben zu verlängern, ist das Hauptziel jedes Lebewesens. So arg der Pessimismus auch das Leben bespöttelt: im Grunde haben wir Alle es doch überaus lieb und können uns nur schwer von ihm trennen. Und für unsere Angehörigen bedeutet es ein großes, durch nichts zu ersetzendes Kapital, dessen Werth um so höher zu veranschlagen ist, je weiter der Sterblichkeitstermin hinausge- schoben wird.
Einiges über Beleuchtung.
Es ist erstaunlich, welche geringen Anforderungen noch am Anfänge des 19. Jahrhunderts unsere Vorfahren an künstliche Beleuchtung stellten. Das Licht einer Talgkerze, deren Docht in Folge falscher Herstellung stete- Putzen nöthig machte, der gelbe, trübe Schein einer unzweckmäßig konstruirten Oel- lampe genügte, um sie zu befriedigen. Seit es aber der Wissen- schaft gelang, neue Lichtquellen zu finden und das Wesen des Verbrennungs- und Leuchtvorganges aufzuklären, ist auch das Lichtbedürfniß der Menschheit ungeheuer gewachsen. Zwingen doch auch die stets sich steigernden Bedürfnisse deè Lebens, der immer härter «erdende Kampf ums Dasein den Menschen, jede Stunde des Tages auszunutzen und die arbeitshemmende Dunkelheit energisch zu bekämpfen.
Die heute üblichen Methoden der Beleuchtung können wir in zwei große Gruppen scheiden: in Gas- und elektrische Beleuchtung. Unter die erste Rubrik fällt mehr, als bei flüchtigem Blick scheint. Denn auch bei der Petroleum-Lampe und dem Wachslichte sind es die durch Wärme auS dem Petroleum resp, den Fetten der Kerze sich entwickelnden Gase, welche die Flamme ernähren. Die wesentlichste Bedeutung aber gebührt hier dem Leuchtgas.
Als im Jahre 1792 der Schotte William Murdoch zum ersten Male das durch Destillation von Kohlen gewonnene Gasgemisch zur Beleuchtung seines Hauses benutzte, ahnte man noch nicht, welche Bedeutung dieses Material gewinnen würde. Und erst allmählich, im Laufe von Jahrzehnten, gelang es dem Leuchtgas, sich überall Eingang zu »erschaffen. Dann aber versuchte man auch bald, seine Leuchtkraft künstlich zu erhöhen. Das Leuchten einer Flamme beruht darauf, daß in ihr vorhandene feste Körper durch die Hitze des verbrennenden Gases zur Weißgluth erhitzt werden. Diese Rolle der glühenden Theil- chen spielen meist Kohlenstoff Partikel, die bei der Zersetzung einiger im Leuchtgas enthaltener Kohlenwasserstoffe, namentlich des Acetylens, entstehen. Sobald man durch Zufuhr von Sauerstoff oder Luft diese Kohlentheilchen zum Verbrennen bringt, teuftet die Flamme nicht mehr, ihre Temperatur aber wird bedeutend höher. Man kam auf Grund dieser Erkenntniß zu der Idee, nicht verbrennbare Körper durch eine sehr heiße