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General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Faudkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 6.
Dienstag den 8. Januar
1901
Amtliches.
Landkreis Ran au.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Bei zwei dem C. W. Gans in Frankfurt a. M., Gutleutstraße 294, gehörenden Versuchs-Eseln ist die Räude ausgebrochen.
Hanau den 7. Januar 1901.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
Den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern wird darum Kenntniß gegeben, daß die Qttittttngskarlcn For- tmilare für das Jahr 1901 hier zur Abholung bereit liegen.
Hanau den 4. Januar 1901,
Der Königliche Landrath v. Schenck.
Stadtkreis Ranau.
Bekanntmachungen des OberLürgmneisteramtcs.
Sitzung der StaStverordneten- Versammlung
am Freitag den 11* Januar 190b nachmittags 5 Uhr, im oberen Saale des Nathhauses.
Tagesordnung:
1. Jahresbericht.
la. Bericht über eine außerordentliche Revision der städtischen Sparkasse.
2. Nachbewilligung von 990 M. zur Legung des Straßenkabels in der Schnurstraße zwischen Nürnberger- und Kirchstraße auf die Elekmzitätswerkökasse für Rechnungsjahr 1900.
3. Bewilligung von 700 M. auf E. 0. Tit. 1,13 für Rechnungsjahr 1900 zur Einführung elektr. Beleuchtung in den Turnhallen in der Hainstraße.
4. Gewährung der Funktionszulage von 300 M. in Gemäßheit des 2. Nachtrags zum Normaletat vom 4. Mai 1892 § 1 b 3 an einen Oberlehrer der höheren Mädchenschule.
5. Einstellung von 2300 M. in das Ordinarium Rechnungsjahr 1901 für Umdecken des Daches des Fürstenbaues am Stadtschloß.
Feuilleton*
JVIittbeilungen aus China.
(8. Original-Brief.)
Soll man wirklich noch sagen „Kriegsschauplatz" ? Krieg im eigentlichen Sinne kann man selbst die Unternehmungen im Süden Pekings, welche zu ernsteren Begegnungen mit dem Feinde führten, kaum nennen. Halte man es nicht gar so geschickt ang' fangen, den Feind, der sich als solcher thatsächlich in der Beschießung einzelner Patrouillen zu erkennen gegeben hatte, zu stellen, d. h. die Klappe hinten zuzumachen, also daß er fechten mußte, er wäre gewiß schon vorher ausgerissen. Aber wir wollen und sollen ja auch strafen, und darum liegt uns garnicht daran, die haltlosen Banden vor uns herzutreiben in billigen Erfolgen, sondern der Feind, der sich noch mit den Waffen in der Hand zeigt, muß „vernichtet" werden. Alle die zerstreuten Banden früherer Gefechtskmper, stammen sie nun von den Regierungs-Truppen oder von den Boxern, sie sind jetzt zur Landplage geworden, ebensowohl für die rechtlich denkende chinesische Bevölkerung, wie für die einzeln oder in kleinern Abtheilungen sich auf den Verbindungs-Linien bewegenden Europäer.
Keine dieser Etappenstraßen ist sicher, weder die Flüsse, noch die Straßen, Telegraphen und Eisenbahnen. Ueberall bedarf es der Sicherung durch Etappentruppen und der Straf- Expeditionen für begangene Uebelthaten. Das hält die Truppe in Athem, und man soll ja nicht glauben, wir hätten zu viel Leute in der Provinz Tschili — es feiert Niemand, ja wäre die Arbeit nicht so mannigfaltig und unterhaltend, es zöge gewiß mancher das langweilige „Griffe-Klopfen" vor. Am unbequemsten ist der nothwendigerweise sehr ausgedehnte Wacht- dienst. Was gibt es aber auch nicht alles zu bewachen! ?
6. a. Verrechnung der Ueberschreitung des Verlags für Neudeckung von Straßen mit 490,47 M. auf den Verlag für-Erneuerung von Straßenpflaster für Rechnungsjahr 1899.
b. Nachbewilligung der im Rechnungsjahr 1899 ersparten 7053,53 M. auf Rechnungsjahr 1900 für gleichen Zweck.
7. Nachbewilligung von 665,25 M. auf „Außerordentlich" Tit. UI 3a für Rechnungsjahr 1900; Mehrkosten für die Herstellung eines HoLwasserabschlusses der Sandelmühle.
8. Bewilligung von 5500 M. auf E. 0. Tit. H,2 Rechnungsjahr 1900 zum Erwerbe des Grundstücks M 192 (ca. 11 ar Wallweggelände).
9. Bewilligung von 14000 M. auf E. 0. Tit. 11,5 fut Rechnungsjahr 1900 unter Stellung bei Nichtverwendung in Restausgabe zum Erwerbe des Geländes der Uferstraße im Wege des Entschädigungs-(Enteignungs)-Ver- fahrens.
10. Errichtung eines Verwaltungsgebäudes für die Gas- rc. Werke.
11. Anstellung eines weiteren Stadtbaumeisters iu I. und eines Bausekretärs in IL Gehaltsklasse.
12. Betr. einen Einspruch gegen die Richugkeit der Wählerliste.
13. Oltsstatut der kaufmännischen Fortbildungsschule zur end- giltigen Zustimmung.
14. Abstandnahme von einem Anschluß der öffentlichen Uhren an die elektrische Ceniralregulirungsanlage.
15. Haushaltsplan der Althanauer Hospilalkasse für Rechnungsjahr 1901 zur Kenntnißnahme.
16. Bewilligung eines Zuschusses von 130 M. für Entfernung der Treppe vor dem Zorn'schen Hause in der Krämerstraße.
17. Verwendung der 31863/2 M. für Rechnungsjahr 1899 betragenden Mehr Überschüsse des Gaswerks zur außerordentlichen Dotirung des Erweiterungsfonds.
18. Wahl eines Schiedsmannes.
19. Versetzung eines Bureaugehilfen des Gaswerks in den Ruhestand.
20. Besetzung einer Assistentenstelle beim Gaswerk. Hanau den 5. Januar 1901.
Der Stadtoerordneten-Vorsteher.
Canthal. 503
Bekanntmachung.
Nothwendig vorzunehmender Reparaturen halber bleiben die Räume des Nömtsch-Jrischen und des Touche-Bades bis auf Weiteres geschlossen.
Städtische Badeanstalt. 493
Nehmen wir z. B. eine Sladl, die ummauert ist, wie die meisten mittlern Städte schon, so sind da zunächst die Thore, dann die Pfandhäuser, etwaige Finanzhäuser, gleichwerthig mit unsern Kassen, und außerdem die Innenwachen, welche milb tärischerseits erforderlich sind. In einer Provinz-Hauptstadt kommen noch die Gefängnisse hinzu, und schließlich hat man auch in verzeihlicher Habsucht etwaige Kohlen-, Mehl-, Salz, Holz- und andere Vorräthe vor den lieben „Verbündeten" zn schützen.
Sehr stark bleiben unter solchen Anforderungen die einzelnen Compagnien nicht, und soll das eigentliche Mili'ärische nicht ganz einschlafen, so muß man schon Compagnien zusammenstellen, um eine einigermaßen ansehnliche Truppe zu Bitben Wie eine Erlösung wird solchem Garnisondienst gegenüber der Befehl zur Ausführung einer Unternehmung in die Umgegend begrüßt. Tann wird aller Arbeits- und Wachtdienst den Zurückgebliebenen aufgehalst, und lustig gehl's hinaus ins Land, in die herrliche, fruchtbare Ebene und gegen das Gebirge ; noch glücklicher die, welche die Berge selbst erreichen dürfen, um das dorthin gerettete Vieh wieder in den Frieden (?) der Stadtmauern zurückzutreiben. Schon lange läßt man sich nicht mehr durch alles liebenswürdige Entgegenkommen der Mandarine beihören, das oft nur ein Deckmantel ist, um nicht „mehr" geschröpft zu werden; mit Hühnern, Eiern und Birnen, den gewöhnlichen Gastgeschenken, darf man sich nicht abspeisen lassen, Mehl und Vieh sind viel begehrlichere Güter, und diese werden meist freiwillig nicht verabfolgt.
Man lebt während solcher Unternehmungen vom Lande und bringt noch eine reiche Ernte für die Proviant-Magazine mit heim, vorausgesetzt, daß die nöthigen Wagen mitgenommen waren. Bei Straf Expeditionen werden auch die entsprechenden Geiseln mitgeschleppt, doch ist cs fast ebenso schwer, solche bei- zutreiben, als wenn man auf Jagd nach Vieh geht. Ein Dorf, aus dem geschossen ist, findet man fast leer von Einwohnern, solch schlechtes Gewissen haben die Kerle doch. Da muß man sich nun darauf verstehen, zunächst die Leute wieder ins Dorf
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Ge-. markung Hanau belegenen, im Grundbuche von Hanau Artikel 1129 und Artikel 1130, zur Zeit der Eintragung des Ver- stcigerungsvermerkes auf den Namen
1. (Art. 1129) Ackermann Philipp Vanmann, Andreas Sohn zu Bruchköbel,
2. (Art. 1130) a. Georg Philipp Baumann zu Bruchköbel zu ideellen
b. Philipp Heinrich Baumann daselbst, Sohn des zu a Genannten zu ideellen */* eingetragenen Grundstücke:
Artikel 1129 Abth. I Nr. 3 Gemarkung Hanau
TT 23 am Köbler Wald, Wiese 29 ar 19 qm
Artikel 1130 Abth. I Nr. 2 Gemarkung Hanau TT 22 am Köbler Wald, Wiese 14 ar 40 qm
am 15* März 190b vormittags 9/- Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — Marktplatz 18, Zimmer Nr. 14 — versteigert werden.
Das Grundstück TT 23 ist mit einem Reinertrag von 5,17 Thlr., das Grundstück TT 22 mit einem solchen von 2,61 Thlr. zur Grundsteuer veranlagt.
Der Versteigerungsvermerk ist am 8. November 1900 in das Grundbuch eingetragen.
Es ergeht die Aufforderung, Rechte, soweit sie zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, spätestens im Versteigerungstermine vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten anzumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Vertheilung des Versteigerungserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt werden.
Gleichen Nachtheil trifft den Inhaber einer Hypothek, die vor dem 1. Juli 1874 entstanden und nicht in eine Hypothek des preußischen Rechtes umgewandelt ist, sofern diese nicht bis zum vorgenannten Zeitpunkte angemeldet wird.
Diejenigen, welche ein der Versteigerung entgegenstehendes Recht haben, werden aufgefordert, vor der Ertheilung des Zuschlags die Aushebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der Versteigerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegen-- standes tritt.
Hanau den 31. Dezember 1900.
Königliches Amtsgericht, Abth. 2. 532
Die Erhebung der Brandstettern für das Jahr 1901 — 18 Psg. von je 100 Mk. Umlage Kapital — findet für
zu treiben; darin betummt man Ucbung und wenn viele B^ nttene da sind, ist es natürlich leichter. Berittene Infanterie das wäre überhaupt so das Rechte hier gegen die Boxer und Konsorten, sie könnten dann nicht so leicht entwischen. Die Offiziere und mehrere Unteroffiziere werden denn auch bei den in Frage stehenden Unternehmungen gern beritten gemacht. Man fängt dafür im Lande Reitthiere, Ponnys oder Maul- thiere, ein, wenn man sie nicht schon früher irgendwo „vergessen hat, stehen zu lassen" — es ist damit der Sache sehr gedient, und Futter gibt es einstweilen noch genug überall.
Die so mittelst Berittener zusammengetriebene Bevölkerung wird nach Möglichkeit im Hinblick auf etwaige Verantwortlichkeit gesichtet; es passirt aber auch hier, daß die eigentlichen Rädelsführer entwischen. Die ausgesuchten Geiseln werden mitgeführt, wobei es sich als praktisch erwiesen hat, sie mit den Zöpfen zusammen zu binden. Was aus ihnen wird, ist Sache der Greuel-Kommission, die sie verurtheilt. In Paoting hat man endlich auch einen Henker aufgebracht, so daß wir nun unsere kostbare Munition sparen können, die ja viel zu gut war für solche elenden Christenschlächter.
Ueber diese unsere Sühneversuche, wozu auch noch das Niederlegen von Tempeln und Stadtmauern kommt, wird es dann wohl Winter werden. Er wird sich wohl ebenso wenig furchtbar erweisen, als die sonst geschilderten Scheusäligkeiten des Klimas, der Wege, der Brunnen, Lebensbedingungen und Menschen in „China". Wir sind aber auch nicht in China, dem ganzen großen Reiche, von dem der eine oder andere Reisende ganz verschieden, je nach seinem Standorte berichtete, sondern wir befinden uns in der Provinz Tschili, deren Charakter — wohl verstanden in dieser Jahreszeit — Herbst — sehr viel Verwandtes mit unserm Süden Deutschlands hat.
M.