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2. Januar. ^________^^ gemeinsam in der Erinnerung lebendig und schön erhielte. In einsamem Stübchen sitzt ein altes Paar. Vor ihm auf dem Tische steht ein strahlender Tannenbaum. Still ist's im Zimmer. Keines spricht ein Wort. Ein Licht nach dem andern brennt aus, sürbt. So sind sie Alle heimgegangen, ihre Lieben, eines nach dem andern, das eine leicht, das andere schwer, das eine früh, das andere spät. Qualmend verlischt die letzte Kerze.Was bleibt?" seufzt leise der alte Mann. Die Erinnerung an das Gute, das wir hatten", spricht das Weib und drückt ihm sanft die Hand,und die Liebe, die immer um uns war!"

Das Jahr 1901 ist ein Gemeinjahr von 365 Tagen. Es ist das 200. seit der Erhebung Preußens zum Königreich, das 30. seit der Begründung des deutschen Reichs. Ostern ist am 7 April, Pfingsten am 26. Mai. Der Weihnachts­abend fällt auf einen Dienstag. Der Frühling beginnt am 21. März, der Sommer am 22. Juni, der Herbst am 23. September, der Winter am 22. Dezember. Es finden zwei Sonne,tfinsternisse und eine Mondsinfterniß statt, von denen bei uns die zweite Sonnenfinsterniß und die Mond- finsterniß sichtbar sind. Die zweite Sonnenfinsternis ist eine ringförmige. Sie beginnt am 11. November 5 Uhr 30 Min. morgens und endet 11 Uhr 27 Minuten vormittags. Die Größe der Verfinsterung beträgt über die Hälfie bis drei Viertel des Eonnendurchmkssers. Die Mondfinsterniß ist eine partielle und findet in den Nachmittagsstunden des 27. Oktober- statt.

* Der Sprech verkehr ist auf Neuen ha gen (Ost­bahn) ausgedehnt worden. Tie Gesprächsgebühr beträgt 1 Mark.

* Der Landes Ausschutz tritt am Montag, den 7. Januar 1901, vormittags 10 Uhr, im Ständehaus zu Cassil zusammen.

* Preisräthsel. Für die zehn besten Lösungen unseres Preisräthsels haben wir folgende Preise ausgesetzt:

1. Preis: Fürst Bismarck's Briefe an seine Braut und Gattin.

2. Schreibzeug, massiv in Messing.

3. Geschnitztes Wandbrett.

4. Zwei geschliffene Glasschalen.

5. Ein BuchBen Hur von Lew. Wallace.

6. Gedichte von Anna Ritter.

7. Japanisches Brett.

8. Briefbeschwerer.

9. Geschliffene Likörflasche.

10. 100 Visitkanen

Alles wird beschenkt! Und wer sollte da der Wackern vergessen, der gerade um diese Zeit sich abmühenden Postboten die jahraus, jahrein, bei jeder Witterung treppauf, treppab zu rennen haben, um ihre verantwortungsvolle Pflicht zu erfüllen. Nun jetzt bei der Jahreswende, ist Gelegenheit geboten, diese Dienste durch ein kleines Geschenk anzuerkennen, um auch den Postboten eine verdiente Freude zu bereiten.

* Stadttheater. Herr Theo Becker, der beliebte Heldenspieler, der uns mit Schluß der Saison leider verläßt, um eine sehr vortheilhafte Stellung am Stadtheater in Zürich anzutreten, gibt am nächsten Freitag zu seinem Benefiz Sardous effektvolles SchauspielOdette". Herr Becker ist in den 2 Jahren seiner hicsigen Thätigkeit von Rolle zu Rolle künst­lerisch gewachsen und hat namentlich in dieser Saison wieder alsEssix",Probekandidal",Hamlet" und zuletzt als Georg" im Johannisfeuer Proben einer ungewöhnlichen Be­gabung abgelegt, die ihm hier einen großen Kreis begeisterter Verehrer und Verehrerinnen geworben haben. Am Sonntag finden zwei Vorstellungen statt. Nachmittags 3 Uhr bei klei­nen Preisen:Die Logenbrüder"; Abends wird Suder- mann's neues SchauspielI oha nnis fe ner" wiederholt, da der große Andrang in der ersten Vorstellung bei Weitem nicht bewältigt werden konnte.

* Erste Damensitzung der Karnevalgescü- schast. Mit Paukcn und Trompeten, mit Lachen und Singen, mit Witz und Humor ist gestern in der Damensitzung der Ersten Hanauer Karnevalgesellschaft das junge neue Jahr be- «ahdaradlrafriU <WQ&5MWM|ffiBiBBt^l!n&^t^ffi-AWftS3Ki^^'WKBMir@kftfflMS»%^lE«&B3i^$lfr3a^^Sli5i!Rfe^t^Jtoffi!S3ffii^^ lich hcrvorirctenden Stierkopfprofils mit Hornansatz; Fische, wegen der charakteristischen Fischköpfe, welche die Umgrenzungs­figuren aufwe>sen.

Endlich aber ist nun das Sternenheer noch mathematisch­geographisch gekennzeichnet, dadurch, daß man die Hauptsterne jeder Gruppe unter einander und mit denen des benachbarten Sternbildes durch gerade Linien verband. Aus den dadurch entsteh nden gradlinigen Figuren haben wieder andere Stern­bilder ihren Namen erhalten. Als Beispiele hierfür sind die Sternbilder der Waage und der Jungfrau zu erwähnen. Im Bilde der letzteren sind sieben Sterne in der Weise gradlinig verbunden, daß unten zwei im Schreiten begriffene Beine, in der Mitte ein Taillengürtel, oben eine weibliche Büste er­scheint.

Wir glauben hiermit Demjenigen genügend Anhaltspunkte geboten zu haben, welcher sich für das Studium der Stern­bilder interessirt. Will man sie am Himmelszelte aufsuchen, so wird man zunächst sich darüber orientiren müssen, an welchem Orte des Himmelsraumes sich die Erde just befindet. Steht, wie im letzten Drittel des Januar, die Sonne im Zeichen des Wassermanns, so werden die Sterne, welche zu dieser und den benachbarten Gruppen gehören, am wenigsten sichtbar sein.

Denn da die Erde in der diametral gegenüber liegenden Gruppe des Löwen steht, und sich täglich um ihre Achse dreht, so sieht man auch besonders abgesehen von dem nicht zum Thierkreise gehörenden Sternenheere die in diesem Sternen­bilde befindlichen Sterne, während die in der Wassermann­gruppe mit Sonnenuntergang, ebenso wie die Sonne selbst, unseren Augen entzogen werden.

Wenn n ir nun die Merkmale, vermittelst deren wir unsere Reise um die Sonne zu tontroUiren vermögen, genügend cha- rakterisirt zu haben glauben, so erübrigt schließlich noch der Hinweis, daß die Eintheilung des Jahres in die astronomischen Monate, welche durch den Uebertritt der Sonne von einem der zwölf Sternbilder des Thierkreises in die anderen gebildet

Hanauer Anzeiger

grüßt worden. Mit Humor vor Allem. Denn darin sind die lustigen Narrenbrüder und die lieblichen Närrinnen den Weisen gleich: sie sehen dem, was kommen mag, mit heiterer Seelenruhe entgegen:

Was die Welt morgen bringt, Ob sie uns Sorgen bringt Leid oder Freud

Das ist alles schon im Schooße der Zeit vorbereitet. Es ist unvermeidlich, ebenso unvermeidlich wie die drangvoll fürchter­liche Enge bei einem Narrenabend. Aber wie gesagt, der Narr fügt sich auch darein mit Humor, und wenn nun noch die Karnevalgesellschaft für eine tüchtige Menge Heiterkeitszündstoff sorgt, so kann man getrost darangehen, thurmhohe Walle und Bastionen der Sorge und des Griesgrams in die Luft zu sprengen. Der prächtig dekorirte Festsaal des Deutschen Hauses war schon vor Beginn der Sitzung von einer lustigen Gesell­schaft mit Beschlag belegt. Von Minute zu Minute wuchs die fidele Narrenschaar und als schließlich die offizielle Er­öffnung vor sich ging, da war der weite Raum so besetzt, daß selbst die bekannte Stecknadel nicht mehr hätte zu Boden fallen können. Würdig wurde der Abend eingeleitet durch eineEr­öffnungsscene" mit Tableau, dann folgte der Einzug des Prinzen Carneval mit dem Ministerium. Prinz Heinrich übergab das Präsidium alsbald dem Obernarren Bein, der mit herzlichen Worten die Erschienenen begrüßte und auf eine große Pracht­entfaltung, Schalksnarren und Närrinnen in Menge herabsehen konnte. Das Protokoll des Obernarren Söhnlein enthielt wiederum ergötzlicheSchlager" und altbekannte wie neue Kräfte stiegen als Karnevalsredner in die Bütt. Auf Einzel­heiten einzugehen, ist nicht gut möglich, da weitab plazirt das gesprochene Wort uns verloren ging. Eine Glanznummer war vor Allem die Vorführung der Lichtbilder durch Herrn Stoll, der sich als ein Meister in diesem Fache zeigte. Auch die Kapelle des Ulanenregiments unter Leitung ihres Dirigenten trug viel zum Erfolge des Abends bei.

1 2 Stiftungsfest. Im schön dekorirten Saale der Centralhalle" feierte der BäckervereinFrühauf" am gestrigen Ncujahrstage sein 4. Stiftungsfest und unter­hielt seine Mitglieder und Gäste durch gut gewählte und vor­züglich durchgeführte Darbietungen aufs B-ste. Den Haupt­bestandtheil des Programms bildeten drei einaktige Theaterstücke mit Gesang, welche sämmtlich eine recht gute Durchführung er­fuhren. Den besten Erfolg errang jedoch die PosseMagister Distelkopp und die beiden Rangen" wohl deshalb, weil sie am Meisten mit gesundem Humor und drolligen Situationen aus­gestattet ist. Eine Anzahl recht guter Couplets und Solo­szenen half die gute Laune der Anwesenden noch verbessern und es herrschte bald allenthalben die gehobenste Stimmung. Besonders verdient machten sich um den humoristischen Theil die Herren Peter, Kretzler und Weinländer. Herr Kretzler erwarb sich lebhaften Beifall auch noch durch zwei recht ansprechend und verständnißvoll zum Vortrag gebrachte Baß­soli. Ter unterhaltende Theil dürfte qualitativ vollkommen befriedigt haben und daß er auch quantitativ durchaus den Wünschen der Anwesenden entsprach, zeigte der freudige Eifer, mit welchem nunmehr, obgleich verhältnißmäßig früh, allerseits die Vorbereitungen zum Balle getroffen wurden.

* Orginal-Welt-Panorama. Eine interessante Serie bietet das Panorama (Ecke der Hirsch- und Salzstraße) in dieser Woche mit einer Wanderung durch die Riesenstadt London. Sehr zahlreich sind die Ansichten aus dem Straßen­leben der größten aller Städte; großartig ist der Verkehr auf dem Trafalgar Square, der Strand Straße, Regentstraße, Ludgate Hill und an und auf der Themse. Interessanter noch als die London-Brücke mit ihrem Massen-Verkehr ist dieNeue Blücke". Von bekannten, merkwürdigen Bauwerken nennen wir die Westminster-Abtei mit den wundervollen Denkmälern von Fox und Shakespeare, die Alberi-Halle, das Parlaments­gebäude, Covent-Garden-Theater, das Prinz Albert-Monument mit den prachtvollen die vier Erdtheile darstellenden kunstvollen Marmor-Gruppen. Besonders hervorzuheben sind noch die Ansichten vom Krystallpalast und dem Hyde-Park, auch die Floitenschau bei Spithead bei Gelegenheit der Jubiläumsfeier

werden, die natürlichste und korrekteste wäre. Dies haben die Revolutionsmänner vom Jahre 1789 in Frankreich wohl er­kannt, daher vom 22. September des Jahres 1792 an diesen astronomischen Kalender thatsächlich eingeführr, und an diesem Tage den neuen Cyklus mit dem Jahre 1 begonnen.

In diesem Kalender hatte jeder astronomische Monat 3 Wochen zu je 10 Tagen mit je einem Ruhetage, während die noch übrigen 6 Tage ohne besonderes Datum als nationale Fest- und Schalttage zwischen zwei Data eingeschoben waren. Wenn nun an Stelle dieses Kalenders schon am 1. Januar 1806 der römisch-gregorianische mit seinem unbegründeten siebentägigen Wochensystem, den variirenden Monatslängen und den unregelmäßig wiederkehrenden Schaltjahren wieder ein geführt wurde, so erkennt man hieraus, daß Brauch und Herkommen sich so lange als die Stärkeren erweisen werden, als die Lehren der astronomischen Wissenschaften in die breiteren Schichten des Volkes nicht genügend eingedrungen sind.

Sind diese dereinst Allgemeingut geworden, so wird die Menschheit auch allgemein ihre kalendarischen Einrichtungen gemäß dem Stande der Erde aus ihrer jährlichen Rundreise um die Sonne regulirt wissen wollen, und Jeder könnte dann am Tage der Wintersonnenwende, als dem Beginne der neuen Ausfahrt, anstatt unseres heute üblichenGlückliches neues Jahr" dem Andern den Wunsch zurufen: Glückliche Reise!

Stadttbeater in Danau.

Hanau, 2. Jan.

Das Opferlam m", Schwank von Walther und Stein.

Mit einer Novität hat unser Stadttheater die Vorstellungen im alten Jahre beendet und mit einer Novität dieselben im neu beginnenden Jahre eröffnet. Der Erfolg der ersteren Novität wurde sicher gestellt durch die bekannte Meisterschaft ihres Verfassers und seiner sparsamen Fülle an charakteristisch gestaltender Kunst, die da zu finden und zu bewundern ist,

_______ Seite 3 der Königin und der Verkehr in den Docks ist naturgetreu wiedergegeben. Gewiß werden alle Besucher das Panorama in dieser Woche mit gleicher Befriedigung wie seither ver­lassen.

* Frost. Das neue Jahr überraschte uns mit einem Umschlag der Witterung. Während ein Montag Abend noch das regnerische und milde Wetter der vorhergegangenen Tage zu verzeichnen war, trat am Morgen des Neujahrstages leichter Schneefall und Frost ein.

* Die Neujahrsnacht zeigte das übliche Straßenbild. Nennenswerthe Ausschreitungen kamen nicht vor. Wegen Ab­brennen von Feuerwerkskörpern mußte gegen eine Anzahl Personen eingeschritten werden.

* Unliebsamer Auftritt. Bei dem liturgischen Gottesdienst in einer unserer Allstädter Kirchen am Montag Abend machte sich ein scheinbar nicht ganz nüchterner Mann unliebsam bemerkbar.

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O Bruchköbel, 1. Januar. Am 23. Dezember v. I. fand hierselbst bei sehr günstiger Witterung die E i n w e i h u n g des Schulhausneubaues statt. Die Feier, welche einen würdigen Verlauf nahm, begann mit einem Festottesdienst in der Kirche, die bis auf den letzten Platz besetzt war. Zunächst sang die Gemeinde die beiden ersten Verse aus dem Liede Nr. 303Jauchze auserwählt Geschlecht". Im Anschluß daran verlas oer Ortsgeistliche, Herr Pfarrer Münch den Kanzel­gruß, und die Schüler der Oberklaffe sangen den 3stimmigen Kinderchor:Preis dem Later". Im Anschluß an das Psalm­wort:Dies ist der Tag den der Herr macht" u. s. w. (Pf. 118, V. 24 u. 25) führte er in beredter Weise etwa folgen­des aus: Jeder hat schon viele Tage erlebt, an welcher er so recht die göttliche Barmherzigkeit und Treue spüren konnte. Aber noch nie haben wir einen solchen Tag, wie den heutigen erlebt. Wir begehen heute die Feier der Einweihung des neuerbauten Schulhauses. Dann gedachte er dankend den nächstbetheiligten Behörden, die durch ihre Fürsorge und ihr Wohlwollen den Bau des Neubaues ermöglichten, dem bereit­willigen Entgegenkommen unserer Gemeindeverwaltung, beson­ders aber des Vaters droben im Himmel, der mit seinem all­mächtigen Schutze darüber wachte und noch wachen wird. Als Thema seiner Predigt wählte er ein Wort aus dem Weihe­gebet Salomos (1. Kön. 8, 2229) und lautete:Mein Haus soll da sein." Im weiteren zeigte er, wie die Schule nicht nur eine Unterrichtsanstalt, sondern vor allen Dingen eine Erziehnngsstätte ist und zum Schluß die Eltern ermahnte, doch ja den Lehrer in seinem so wichtigen und müheseliqen Berufe zu unterstützen. Nach der Predigt erfreute der hiesige Gesangverein, unter des Dirigenten Herrn Lehrer Hinkel, die Festversammlung durch den wohlgelungenen Chor:Der Herr ist mein Hirt rc." Ter Gottesdienst endete mit dem Gesang des Verses:Unsern Ausgang segne Gott". Nun begab sich die Festversammlung an das alle Schulhaus, wo­selbst Herr Lehrer Schumann eine würdige, tiefergreifende Abschiedsrede hielt und die Schüler der Mittelklasse als Bb- schiedsgruß sangen:Einen goldnen Wanderstab rc." Es ordnete sich der Festzug, welcher sich nach dem neuen Schul­hause begab. Voran gingen die 3 Klassen mit ihren Fahnen und unter Anführung der 3 Lehrer. Nun folgte die oberste Schülerin der Unterklasse, Else Schumann, den Schlüssel auf einem Kissen tragend, der Königliche Schulvorstand, Bürgermeister Baumann, Herr Baurath Wohlfarth, der Orts- und Kirchenvorstand, fremde Pfarrer und Lehrer, Männer und Jünglinge, Frauen und Jungfrauen. Die Ge­meinde sang zunächst aus dem Liede Nr. 328 den ersten Vers: In Gottes Namen fang ich an." Herr Pfarrer Münch nahm nun die Weihe des Schulhauses durch Weihegebet und Weihespruch vor, worauf die oberste Schülerin der Mittelklasse, Emilie Ruth, ein herzliches Dankgebet sprach. Es folgte nun die Uebergabe Les Schlüssels des neuen Schulhauses durch Herrn Bauraih Wohlfarth an Herrn Bürgermeister Bau­mann mit angemessenen Worten, von diesem an Herrn Re- gierungs Assessor Valentiner ebenso und von diesem an den Herrn Ortsschulinspektor. Hierauf sang der Gesangverein .................. ........................

und die das feine Räderwerk der Handlung sicher ineinander greifen läßt. Die beiden Verfasser der gestrigen Novität suchen den Erfolg freilich auf einem ganz anderen Gebiete und zeigen in der Auswahl ihrer Mittel, diesen herbeizusühren, nicht die geringste Bedenklichkeit. Mit der größten Harmlosigkeit werden die unmöglichsten Situationen möglich zu machen gesucht und in Irrungen und Wirrungen und Witzen das Höchste geleistet. Doch zu kritischen Betrachtungen ist ja gewöhnlich am Neu- jahrstage keine rechte Stimmung vorhanden und man läßt willig die größten Thorheiten über sich ergehen. Wenn nur gelacht wird, heißt es, und dieses ist überreichlich zu konstatiren. Das Opferlamm" haben die Herren Walther und Stein ihren dreiakligen Schwank getauft, von dem der offizielle Theaterzettel mit Bosheit noch behauptet, daß er vier Akte enthalte. Das Opferlamm ist ein harmloser Professor, der leider erfahren muß, daß das Eingeladenwerden zu einer Hochzeit auch seine schlimmen Seiten haben kann, besonders wenn die Gattin an Zahnweh leidet und nicht gleich mit­kommen karn. Wir wollen die Leiden und Freuden, welche die Einladung zur Folge hatte, nicht weiter zu schildern ver­suchen, denn es würde zu weit führen, und so begnügen wir uns nur noch mit der Konstatirung der Thatsache, daß be­sagter Professor keiner Einladung zu einer Hochzeit mehr Folge leisten wird. Gespielt wurde der tolle Schwank unter der treff­lichen Regie des Herrn Schwarz ganz vorzüglich. In der humoristischen Ausführung der Einzelparthien stand Keiner zurück und wir können uns darin nach der Angabe im Theaterzettel halten. Herr Linden laub und Frau Rieger als Eheleute von Prochnow hatten in Frl. G y p en als Adelheid ein recht liebenswürdiges Töchterchen und in Herrn B a r t a k als Hans einen frischen unverdorbenen Neffen. Im Begriffe, das liebenswerte Töchterchen heimzuführen, ist Erich v. Werden (Herr S ch m i t h) ein flotter Reiteroffizier mit der bekannten lustigen Vergangenheit. Zu der Hockzeit ein­gefunden haben sich weiter noch als Freund des Hauses Herr Lehmann (Herr Gehrmann) mit einem unmuthigen