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Hanauer

General-Anzeiger

Bezugspreis:

Biertetjährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für *n8> «artige Abonnenten mit dem detrefsenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer tostet 10 Pfg.

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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pig Me fünf» gespaltene Petttzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pjg^ im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg, für Auswärts 35 Pfg.

Gedruckt und verlegt in bet Buchdruckern LeS verein. «. Waisenhauses in Hanau.

Amtlilhts Orga» für Stadt- »ad La«dKrtis sonn

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Peruntwortl. Redakteur; G. Schrecker in Hanau.

Nr. 1.

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Miltwsch den 2. Januar

1901

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Amtliches. ^ y

BekanntmachunM-MB^ betreffend die Außerkurssetzung der DereinS- thaler österreichischen Gepräges. Vom 8. No­vember 1900.

Auf Grund des § 1 des Gesetzes, betreffend die Vereins- tha'er öfterrei-islen Gepräges, vom 28. Februar 1892 (Reichsgcs.-Kl. S. 315) hat der BundeSrath die nachfolgend.n Bestimmungen getroffen.

§ 1.

Die in Oesterreich bis zum Schlüsse deS Jahres 1867 geprägten Vereinst Haler und Vereinsdoppelihaler gelten vom 1. Januar 1901 ab nicht mehr als gesetzliches Zahlungs­mittel. ES ist von diesem Z ilpunkt ab außer den mit der Einlösung beauftragten Kassen Niemand verpflichtet, diese Münzen in Zahlung zu nehmen.

8 2.

Die Thaler der im § 1 dieser Bekanntmachung bezeichneten Gattung werden bis zum 31. März 1901 bei den Reichs­und Landeskassen zu dem Werthveihältnisse von drei Mark gleich einem Thaler sowohl in Zahlung als auch zur Um­wechselung angenommen.

8 3.

Die Verpflichtung zur Annahme und zum Umtausche (§ 2) findet aus durchlöcherte und anders als durch den gewöhnlichen Umlauf im Gewichte verringerte sowie auf verfälschte Münzslücke keine Anwendung.

BeUm den 8. November 1900.

Der Reichskanzler.

In Vertretung:

V. 12984 gez. Freiherr v. Thielmann.

Stadtkreis Ban au.

Der Schneider Johann Klieser aus Wiese, Kreis Neustadt in Schlesien, zuletzt wohnhaft gewesen in Hanau, entzieht sich der Polizei-Aufsicht.

Um Mittheilung des gegenwärtigen Aufenthalts des Ge­nannten wiro ergebend ersucht.

Hanau den 27. Dezember 1900.

Königliche Polizei-Direktion.

P 12093 I. A.: Valentiner, Neg.-Assessor. _

Gcjuiidliic inib vcilorcnc Gcgcüslaiidc ett

Gesunden: 1 schwarzes Boa, 1 schwarzer Kinder- regenschnm, 1 mechanischer Fedeihalter nebst Stempel mit dem Namen Wilhelm Gabriel, Pulverfabrik bei Hanau, 1 schwarz und weiße Straußstder.

Feuilleton.

Rundreise ohne Kosten.

Eine kosmische Ausfahrt am Neujahrstage. Geschildert von Fritz Eckhardt.

(Nachdruck verdaten.)

Station Sonne e e! So hätte jener unsichtbare Lenker des kugelförmigen Fahrzeuges, welches wir Insassen die E^de" nennen, schon am 22. Dezember ausrufen können, da wir an diesem Tage mit unserm Fahrzeuge dem großen Tagcsgeslirne so nahe als möglich gekommen und an einem Punkte angelangt sind, welcher demselben um etwa anderthalb Millionen Meilen näher liegt, als derjenige, an welchem wir uns am 22. Juni, dem Tage der Sonnenferne, befanden.

Beherzigt man nun, daß die Tageslänge bis zum 22. Dezember stetig obnimmt, während dieselbe von diesem Datum ab bis zum Neujahrstage ziemlich dieselbe bleibt, so hat dieser Umstand den Anschein eines Stillstandcs im Verhältniß, welches mit dtm Neujahrstage sein Ende erreicht, und dem beglückenden Bewußtsein Platz macht, daß Mutter Erde auf ihrer Bahn den Wendepunkt übel schritten hat, und nunmehr allgemach den Abtheil, in welchem wir, auf der nördlichen Halbkugel, Platz genommen haben, mehr und mehr der Sonne wieder zuwendet, der Frühlings- und Sommerlust uns entgegenführend.

Wenn man nun aber gleichwohl nicht von einer Erden­wende, sondern von einer Sonnenwende spricht, und in unseren Kalenoarün die Zeitbestimmung so handhabt, als ob sich nicht die Erde, sondern die Sonne bewege und in jedem Monat in ein anderes Sternbild trete, um dasselbe zu durchwandern, so geht hieraus hervor, daß selbst die maßgebenden astronomischen Kreise diese Anschauung der Vorzeit, gemäß welcher sich Sonne und Gestirne um die Erde bewegen sollten, trotz der Erkenntniß des wirklichen Sachverhalts, nicht abgelegt haben.

Verloren: 1 goldener Uhrbügel, 1 Portemonnaie mit 8 Mk., 1 braunes Portemonnaie mit ca. 70 Pfg.

Hanau, 2. Januar 1901.

Das Vaterhaus.

Unter dem Titel®änge durch Jammer und Noth" ist jüngst von Arnulf Lieber, dem bekannten Gehilfen Bodel- schwinghè am BielefelderArbeiterheim", ein eigenartiges, fesselndes Buch veröffentlicht worden. Es sind Bilder des Wohnungs Elends aus verschiedenen Großstädten, wie man sie sich düsterer kaum noch vorstellen kann, die uns der Verfasser hier vorführt in der ausgesprochenen Absicht uns aufzurüiteln aus träger Gleichgiltigkeit zu helfender That. Ein edler Idealismus veiklärt infolge dessen das Ganze und befruchtet mit wärmenden Strahlen das Gemüth des Lesers. Und damit daS düstere Einerlei des Elends uns nicht ganz und gar in seinen Bann zwinge, sind den Einzelscvtlderungen Abschnitte kingefügt, die etwas abseits liegende Themata unter aSqe- meinern Gesichtspunkten behandeln. Im Mittelpunkte der Er­örterungen aber bleibt doch die Wohnungsfrage stehen. Arnulf Lieber wünscht nichts sehnlicher, als jedem Gliede der deutschen Jugend ein Vaterhaus in des Wortes wahrer Bedeutung zu schaffen, und deshalb weiß er auch bei der Schilderung des Vaterhauses Töne zu treffen, wie sie wohl selten einem Schrift­steller gelungen sind.

Es dürfte, wie unser Gewährsmann treffend ausführt, nicht viel wahrhaft bedeutende Männer geben, die ihre ur­sprüngliche Keimkraft rucht in dem guten Boden deS Vater­hauses empfangen hätten. Das Vaterhaus ist so recht eigent­lich die Scholle, wo wir unsere eisten Wurzeln treiben, die mehr oder minder kräftig sich entwickeln o^er au£ ver­kommen, je nachdem der 'oben ein sittlich geläuterter war und Thau lebendiger Frömmigkeit die Wurzeln tränkte oder der Mehltau der Un[itilid)teit und Gottlosigkeit sie oft auf einen Boden, auf dem wir nur mühsam Sâfie zu unserem Bestehen gewinnen können, und fast nie dahin, wohin sich unsere Kurz­sichtigkeit wünschte, da heißt es denn:Nun, ihr Wurzeln, zeigt eure Kraft, eure Biegsamkeit, selbst auf dem armen, steinigen, dürien Boden noch eure Nahrung zu finden und die Krone, den Kopf oben zu halten int Weiter und Sturm!"

Wie hieraus ersichtlich, haftet die Auffassung des Ber- fasserS vom Vaterhaus nicht an der räumlichen Stätte. Aber allerdings legt er und mit vollem Rechte auch auf die äußeren Verhältnisse großes Gericht. Unleugbar wachsen, be ssnderâ in den Großstädten, Tausende in wahren Höhlen auf. Wie fast in allen menschlichen Ting n, so wallet auch hier ein Verhältniß der Wechselwirkung ob. Die Schuld der Men'cheu, üre Arbeitsscheu, ihre LüdeniLkeit und Unsauberkeit führen

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Drängt sich uni infolge dieser 2 Harsache nun die Ver­muthung auf, daß'in solcher Handhabung der Zeitbestimmung Methode liegt, so ist diese Vermutung in der That begründet, da die Hypothese von der scheinbaren Sonnenbahn deshalb beibehalten wird, weil sich diese hypoihelffche Annahme bis jetzt alS die geeignetste Meihode erwiesen bat, um das Menschen­geschlecht über den Wandel der Jahre?zit^n zu orieutiren.

ES bin sie daher wohl der Mühe ivenh erscheine«, zu unter­suchen, auf welche Weise die Vorzeit, trotz der unrichtigen An­schauung von der Bewegung der Sonne um die Erde, zu den richtigen Resultaten des Verhältnisses zwischen dem jeweiligen Sonnen- und Eldenstsnde gelangt ist. Wenn wir nun, um diese Untersuchung in die Wege zu leiten, in die F stapfen jener längst verschollenen Geschlechter treten, um die scheinbare Bewegung der Sonne am Himmelszelte zu verfolge«, so wird sich endlich ergeben, daß wir bei dieser Verfolgung der schein­baren Stationen ber Sonnenbahn gleichzeitig die wirklichen Stationen der Erdenbabn ermittelt, und also das Programm für unsere JahreSreise um die Sonne ausgestellt haben.

Beginnen wir mit dem Sonucustande am 22. Dezember, so gewahren wir, daß das Tagëgeftim an diesem Datum um 3 Uhr 52 Minuten untergebt, roäbm.b sein Untergang am 22. Januar erst um 4 Uhr 31 Minuten stansindet. Die Sonne steht also an lctzierm Tage um 3 Uhr 52 Minuten noch ziemlich hoch über dem Horizonte, und ist mithin binnen einem Monat um dieses Stück von Welten nach Osten vor­gerückt. Gleichzeitig ist sie auf diesem Wege aber auch nach Norden gewandert, und wenn wir ihren Lauf von Monat zu Monat verfolgen, so erkennen nir, daß ihr Standpunkt sich fortgesetzt von Südwesten nach Nordostrn verschiebt.

Merkt man nun auf einem Himmelsglobus die Orte an, um welche die Sonne für eine gewisse Anzahl von Zeitpunkten, vom kürzesten bis zum längsten Tage, vorgerückt ist, unb ver­bindet alle diese Eonnenslandorte miteinder, so erhält man einen Halbkreis in welchem derjenige Punkt wichtig ist, in welchem die Sonne am

vielfach zu schlechten Wohnungs-Zuständen, aber ebenso frag­los wirkt andererseits auch die Wohnungsnoth, wie sie ohne Verschulden ber von ihr Bet, offenen an zahlreichen Stellen vorhanden ist, vergiftend und verpestend auf die sittliche At­mosphäre ein.ES kann nun einmal nach ewigen Gesetzen im Schmutze keine Sitte gedeihen, und ich mag mich stellen, wie ich will, ich werde schmutz g im durch und durch schmutzigen Gewände und gehe zu Grunde, wenn ich in Lumpen laufe/ So wirb auch zumeist der kleine Mann sittlich schmutzig, der mit seiner ganze« Familie und Aflermiethern in einem engen Loche leben muß.

Unser Autor endigt seine Betrachtungen über das Vater­haus und dessen Segen mit einem Appell an die Leser, an ihrem Theile zu f$afTn uab zu sorgen, daß die kommenden Geichlechter wieder sittliche Kraft und Stärke im Vaterhause erhalten, um sie als unersetzbares Gut mit ins Leben hinaus­nehmen zu können. W>r schließen uns diesem Appell hastigst an unb wünsyen überhaupt, das von einem Hauche echier und warmer Menschenliebe durchwehte Buch Arnulf Liebers sich als das erweisen möge, wozu es ber Verfasser felbH bestimmt hat, als ein Weckruf an das deutsche Herz uub Gewissen. w.

politische Rundschau.

Friedensübttngen. Mannschrften des Beurlaubten- unb des inatb-n Standes sollen in diesem Jahre wie folgt zu den Uebungen herangezogen werden: 6850 Unteroffiziere unb 7000 Gemeine auf 56 Tage, 9686 Gemeine auf 49 Tage, 300 Unteroffiziere und 1580 Gemeine auf 42 Tage, 70 Unteroffiziere und 1590 Gemeine auf 28 Tage, 200 Unteroffiziere und 1315 Gemeine auf 20 Tage, 442 Unter­offiziere und 3360 Gemeine auf 16 Tage, 14 502 Unter­offiziere unb 126 87 5 Gemeine auf 14 Tage, 2800 Unter­offiziere und 25 200 Mann auf 13 Tage und 200 Mann auf 12 Tage; außerdem an Eisatzr.servisten durchickminlich je 6-0 Mann auf 10, 6 und 4 Wochen. Der Unteroffizier wird eine Löhnung von 0,77 bezw. 0 72 Mark, der G.meine eine solche von 0,27 bezw. 0,22 Mark erhalten; im Ganzen werden diese Uebungen 1208 770 Mark an Löhnung kosten. Dèan will auch versuchen, Mannschaften des inatben Staudes zu freiwilligen Uebungen heraiizuzie^en, was freilich in nur geringem Umfang im Interesse von Vorkehrungen für den Kriegsfall nsthivendig ist. Die Er satzr esero sten, welche zehn Wochen üben sollen, ^'ib solche, welche die erste Uebung mümaebrn. 0^ B

Pfarrer a. ^ ^ Vebre. Das zuständige Konsistorium hat den zur èogi^P^fatte übergegan^enen Pfarrer a. D. Gochre unter A 6g bei D sziol narvrrfahrens zum frei- miUiqeu ^3;^''* .,' die Rechte des geistlichen Standes auf-

FrühliuzSar ^^,.g dem 22.> z mittag um 12 U r steht, da k^Jier Punkt im Himmelsäquator liegt, welcher, wie ber Erdäquslvr die Erde, die Himm'lskugel in die nördliche u> d südliche Halbkugel theilt. Die Halt>kr>i?bahn, welche die Sonne im ersten Halbjahr wackt, steigt also fortgesetzt auf­wärts, schneidet am Frühlingsßileichentage den Himmelsäquator in einem Punkte, welcher FrühlingSgteichenpunkl genannt wird, und erreicht ihre höchste Höhe am 21. Juni, dem Tage der Ssmmrrssnnen^ende.

Bou bieftm Punkte ab, an welchem die Halbkreisbahn der zweiten Z- h eShâlfie beginnt, senkt sich daS TageSgestiiN wirder abwärts, seine Bah« schneidet in einem dem Frühlingsgleichen- punkte diametral gegenüberliegenden Punkte, dem Herbst- gleichungâpunkte, den Himmelsäquator abermals und lehrt dann wieder zum Anfangspunkte der nunmehr vollständig durch­laufenen Kreisbahn dem Wendepunkte vom 22. Dezember zurück.

Wenn wir nun näher auf die Mittel eingehen, deren sich die Astronomen der Ur zeii bedient haben mögen, um die Sonnen­bahn auf dem Himmelsglobus zu verzeiü neu, so konute ihnen zunächst die Wahrn ehmung nicht entgehen, daß die Sonne ihren Standpunkt den sie umgebenden Sternen gegenüber fort­gesetzt änderre. Nahmen sie a f0 an, daß der gesammte Welten- raum aus einer vermittelst einem blau erfdteinenben Hinter­gründe abgegrenzten Kugel bestehe deren Inhalt übrigens nach der Angabe des Plinius durch altgriechischwstronomische Meßkünstler auf das Sechsundneunz giache der Erdkitgel be­rechnet wurde so ließ sich diese Sonnenbahn dadurch be­stimmen, daß man den Abstand derselben von den verschiedenen Sternen für eine Anzahl Zeitpunkte durch Messungen feslstellte.

Solche Messungen sind von den Astronomen verschiedener Völker der Vorzeit oorgenommen worden. Der Schriftsteller Epigenes gibt an,daß sich bei den Babyloniern die Sternen- beoba^tungen von 720 000 Jahren auf Backsteinen ausgezeichnet finden," während Beroses und Kriiodemos490 000 Jahre als das Mindeste" annehmen, und der astronomische Verein