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Unser Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 1. d. Mts., J. St. 3785, in Nr. 257 des „Hanauer Anzeiger" und unter Hinweis auf die Bestimmungen im Artikel 38 Nr. 2 und 4 der Ausführungs-Anweisung vom 6. 7. 00 zum Einkommen- und Ergänzungssteuergesetz mache ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher darauf aufmerksam, daß in die neue Staatsktettevlifte aüe nach § 18 und 19 des Gesetzes freizttstellettderr Pftichiigen aufztt- rrehmerr sind und daß die BesiettsräKömerkmsle dieser in die Liste aufgenommenen PftichLigSkt sich in Uebereinsiimnrttng mit den Einträgen im Psr- sonenverzeèchnitz bezw. GsmsèndeftsuerLifèe be- finden müssen. Es haben sich im vorigen Jahre ver­schiedentlich Differenzen in den Einträgen der gen. Listen ge­zeigt. Ferner haben der Statistik wegen in der Staatssteuer­liste alle Pflichtigen zu erscheinen, welche ein Einkommen von unter 900 Mark haben, denen aber ein Vermögen von über 6000 Mark anzurechnen ist (stehe Spalte 12 und 12a des Personenverzeichnisses für 1901).

Im vergangenen Jahre sind non einigen Bürgermeistern die zur Gemeindesteuer heranzuziehenden Astsmärker im Personenverzeichniß bezw. in der Gemeindestenerliste aufgeführt und zur fingirten Steuer veranlagt worden. Derartige Ge- meindesteuerpflichtige gehören nicht in das Personenverzeich­niß, sie sind in einer besonderen Liste zur Besteiterung zu bringen.

Hanau den 9. November 1901.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.

J. St. 39/43 J. V.: Valentiner, Reg.-Assefsor.

Bekämpfung der Blutlaus.

Da die Vertilgung der für unsere Aepfelbäumr so gefähr­lichen Blutlaus sich am leichtesten und wirksamsten im Spät­herbst und Winter durchführen läßt, wird jetzt schon zu einem allgemeinen Feldzug gegen den Schädling und zur gründlichen Vertilgung ansgefordert.

An den Aepfelbäumen richtet die Blutlaus dadurch großen Schaden an, daß sie an den jüngeren Zweigen und Wund- rändern mit ihrem Säugrüssel die junge Rinde durchsticht und aus dem Splint den Saft aussangt. Hierdurch entsteht nach diesen Stellen ein vermehrter Saftzudrang, in Folge dessen sich Zellwucherungen unter der Rinde bilden, die schließ­lich bersten und grind- und krebsartige Geschwüre erzeugen, welche den zugeführten Nahrungssaft absorbiren und nach und nach das Absterben der Zweige und schließlich der ganzen Bäume herbeiführen, wenn nicht rechtzeitig gegen die Läuse der Vertilgnngskrieg geführt wird. Auch am Wurzelhals und an den flachgehenden Wurzeln in der Erde kommen sie vor und gehen im Winter selbst tiefer hinab, um während strenger Kälte Schutz zu suchen.

Die Vertreibung der Blutlaus ist nicht leicht zu bewerk­stelligen, sondern erfordert die größte Achtsamkeit und Energie, da die Insekten, wenn auch deren nur wenige zurückbleiben, durch ihre starke und rasche Vermehrung bald wieder viele neue Verbreitungs heerden erzeugen. Das einmalige An wenden von Zerstörungsmitteln ist deshalb selten von Erfolg, da die kleinen Läuse zum Theil in den Blattwinkeln verborgen sitzen oder unter Rindenritzen und halboerdeckten Wundstellen, wo sie oft dem Auge entgehen, oder wo mit den anzuwendenden Mitteln nicht gut beizukommen ist. Es sind daher die von den Blutläusen befallenen Bäume wiederholt in Z vischenräumen von 14 Tagen bis 3 Wochen nachzusehen, und, sowie sich später einzelne neue Kolonien zeigen, diese sogleich wieder zu zerstören und mit den geeigneten Mitteln zu behandeln. Wenn auf diese Weise in kurzen Zwischenräumen wiederholt die Bäume sorgfältig nachgesehen und gereinigt werden, dann wird

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei beS verein, ev. Waisenhauses.

es in den meisten Fällen möglich sein, dieselben von ihren Plagegeistern vollständig ju befreien.

Es müssen sämmtliche Wundstellen an den Bäumen, auf denen im Laufe des Jahres die Blutlaus gesessen hat (man erkennt solche an dem weißlichen Ueberzuge) mit einer der nachfolgend beschriebenen Lösungen gründlich ausgebürstet werden.. Auch räume man die Erde von den Stämmen etwas weg, um Blutlauskolonien, welche sich etwa unter der Ober­fläche des Bodens befinden sollten/ erreichen zu können. Wer recht sorgsam verfahren will, bürste die ganze Rinde. der Stämme und Zweige ab.

Da bei einem solchen Verfahren ziemlich große Mengen Flüssigkeit gebraucht werden, so werden hier nur die billigen Blutlausmittel in Vorschlag gebracht.

Es sind dies: 1. gewöhnliche Lauge, wie sie durch Ueber- gießen von Holzasche mit Wasser gewonnen wird; 2. Gas­wasser, ein Nebenprodukt der GasbereitunZ, ist um das Doppelte mit Wasser zu verdünnen; 3. Kalkmilch, eine Mischung von Soda und Alaun (2 kg Soda und 4 kg Alaun werden in 50 Liter Wasser aufgelöst); 4. Tabaks­lauge, welche im vorigen Jahre in einer Gemeinde des hiesigen Kreises allgemein angewandt worden ist und sich gut bewährt haben soll.

Es sei ausdrücklich bemerkt, daß es viel weniger auf das Mittel ankommt, als auf die Gründlichkeit, mit welcher das Ausbürsten vorgenommen wird. Es muß dabei auch die kleinste Verwundung der Rinde berührt werden, sodaß das Insekt in allen seinen Schlupfwinkeln getroffen wird. Bereits Z stärker verlauste Bäume bürste man mit doppelter Sorg­falt ab.

Bei befallenen älteren hochstämmigen Depfelbär. neu mit . schon ausgedehnten Kronen, bei welchen eine gründliche Reini­gung der einzelnen Zweige nicht gut möglich ist, muß im Frühjahr die Krone stark zurückgeschuitten werden, damit nur eine geringe Anzahl Haupttriebâste zurückbleibt, deren Zweige dann leichter gereinigt werden könn zugleich ist die alte abge­storbene Rinde an den stehen bleibenden Zeiten und am Stamm mit dem Rindenkratzer abzukratzen, grindige und wunde Stellen sind sorgfältig auszuschuerden und dann Stamm und Aeste mit Kalkmilch rc. zu bestreichen. Neberhanpt ist es rsthfam, sämmtliche BKmne vor Winter mit Kalk bezw. Kalkmilch Zn bestreichen. Die abge- schnittenen Aeste und Zweige, die abgekratzien Rindentheile und ausgeschnittenen Theile sind natürlich sorgfältig wegzuschaffen und zu verbrennen. Sind die stark befallenen Bäume zum Verjüngen schon zu alt, so tritt die Nothwendigkeit ein, die­selben umzuhauen und nur zu verbrennen, da sie doch nicht mehr zu retten sind und zur weiteren Verbreitung der Blut­laus beitragen würden. Ferner wird bei Hochstämmen als ein sehr wirksames Mittel gegen die Blutlaus das Kalken der Wurzeln empfohlen. Im Spätherbst oder Sinter, wenn die Erde nicht gefroren ist, nimmt man etwa 1,25—1,50 m im Durchmesser um den Stamm herum die Erde bis auf die Wurzeln hinweg und gießt je nach der Größe des Baumes 1 bis 2 Gießkannen voll Kalkwasser auf die Wurzeln (auch Holzaschenlauge soll gut jein), schüttet dann eine etwa 3 cm hohe Schicht gebrannten, zerfallenen Kalks darauf iinb bedeckt diesen mit der ausgeworfenen Erde.

Die Blutläuse sollen hierauf sicher verschwinden und ist dieses Mittel zugleich für das Wachsthum und Gedeihen der Bäume sehr förderlich.

Die Herren Ortsvorstände wollen die Ortseingesessenen zur Vertilgung der Blutlaus nach der oben angegebenen Weise ortsüblich auffordern und die Ausführung der Anordnungen überwachen.

Hanau den 1. November 1901.

Der Königliche Landrath.

V 11852 v. Schenck.