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59. Dezember.

Hanauer Anzeiger.

Seite 11.

Geschütze geliefert; er unterhielt zu diesem Zweck eine eigene Fabrik in Pezzuoli.

Lie erstickten kleinen Weihnachtsgäste. Zwei im Alter von 3 und 5 Jahren stehende kleine Mädchen, welche in Loewe« in Schlesien bei Verwandten zum Besuch waren, sind am 1. Weihnacht-feiertag vormittags erstickt. Die Kinder wurden von den Verwandten, welche in den Gottesdienst gingen, iw Zimmer eingeschlossen, vermuthlich haben die Mädchen alsbald den in der Stube befindlichen Weihnachlsbaum an­gezündet und diesen aus Versehen auf das in einer Ecke stehende Bett geworfen. Dasselbe hat Feuer gefangen, und infolge der großen Rauchentwickclung durch brennende Bett­federn ist der Erstickungstod eingetreten. Die vom Arzt während einer Stunde angestellten Wiederbelebungsversuche waren leider erfolglos. Er konnte die Kinder den inzwischen »o» Gottesdienste heimkehrenden Verwandten nur noch als Leichen übergeben.

Glück im Unglück hatte am ersten Weihnachtsfeiertage ein Dortmunder Passagier des Fernzuges Berlin—Oderberg. Auf der Fahrt zwischen Köpenick und Friedrichshagen hielt sich der Mann unvorsichtigerweise auf der Plattform eines Wagens vierter Klasse auf, verlor das Gleichgewicht und stürzte hinab. Da er sich an einer Haltstange festzuhalten suchte, wurde er noch eine Zeit lang geschleift und kam erst allmählig zu Fall. Außer zahlreichen Hautabschürfungen erlitt der Verunglückte eine tiefe Wunde am Kopfe. Nachdem er ärztlich verbunden und im Friedrichshagener Stationsbureau verpflegt worden, konnte der Weihnachtsreisende am Abend die Fahrt fortsetzen.

Fünftausend reiche Bräute. Eine Nachricht, die geeignet ist, die gejammte Zunft der Hagestolze in Aufregung zu versetzen, kommt auS New-Dork. Sollen doch nicht we­niger als fünftausend heirathefähige, junge Jndianermädchcn, von denen ein jedes mit einem Hcirathsgute von zehntausend Dollars in baarc« Gelde ausgestattet wird, sehnlich nach einem Gatten von weißer Hautfarbe ausschauen! Nachdem nämlich die nordamerikauische Unionsregierung schlüssig ge­worden ist, den fünf großen Zndianerstämmen der Cherokecs, Creeks, der Scminolen, ChoctawS und Chickasaws das volle amerikanische Staatsbürgerrecht zu verleihen, haben ihre Or­gane durch öffentliche Anschläge bekannt gemacht, daß jedes heirathsfähige, den in Frage kommenden Stämmen ange- hörende Indianer-Mädchen, das bis zum 15. Januar 1901 eine Ehe mit einem Weißen eingcht, eine baare Mitgift von 10 000 Dollars — also mehr als 40 000 Mark nach un serem Gelde — erhält, welche dem großen Besitzstände der tinzuverleibenden Jndianertributs von Staatswegen ent- «ommen werden. Außer dieser höchst verlockenden Dotation wird jede neuvermählte indianische Schöne ihrem weißen Herrn und Gebieter als Morgengabe einen Landkomplex zu­bringen, der an Ausdehnung zwischen 150 bis 500 Morgen variirt, je nachdem die Heirathskandidatin einem mehr oder weniger vornehmen Stamme angehört. In den letzten 14 Tagen sind so bereits mehr als 400 Ehebündnisfe zu S andc gekommen, und der Ansturm der weißen Bewerber auf die Herzen und die klingende Mitgift der rothhäutigen Schönen soll ein so gewaltiger fein, daß — jetzt ist die amerikanische Berichterstattung, der jeder soweit glauben kann, wie er will, in ihrem Element — die Bahnverwaltungen sich genöthigt sehen, Extrazügc nach Ockmulgee, der Hauptstadt deS Indianer- Territoriums, abzulassen.

Liebe und Militärpflicht. Sie waren'zwei junge Wiener Kinder, hatten den größten Theil der Jugend mit­einander verlebt, hatten miteinander gespielt, getollt und auch geweint; was Wunder, daß aus der Jugendfreundschaft und Spielkameradschaft in den ernsteren Jahren innige Liebe sich entwickelte. Kein Hinderniß schien den Liebenden im Wege zu stehen, die Eltern Beider sahen mit Wohlgefallen auf ihre Thür und die Erscheinung eines aufgeputzten Baumes mit Wachslichter«, Zuckerwerk und Aepfeln in paradiesische Entzückung setzte. „Sie sollen*, sagte Lotte, indem sie ihre Verlegenheit unter ein licbeS Lächeln verbarg, »Sie sollen auch bcscheert kriegen, wenn Sie recht geschickt sind: ein Wachsstöckchen und noch was."

Auch Schiller kannte den Weihnachtsba«m. Kurz vor dem Feste schrieb er 1789 an seine Braut Charlotte von Lengefeld in Weimar: »Auf den Donnerstag komme ich nach Weimar — daß Ihr Euch ja nicht von irgend einem heiligen -Christ engagiren laßt! Ihr werbet mir hoffentlich einen grünen Baum im Zimmer aufrichten . . .*

Um das Jahr 1800 beginnt ein netter Abschnitt in der Geschichte des Weihnachtsbaums: aus einem örtlich beschränkten Brauch wirb eine Sitte von allgemeiner Verbreitung. Auch bekommt er einen Namen. Goethe sprach 1774 von einem aufgeputzte« Baum, Schiller 1789 von einem grünen Baum, Jung Stilling 1793 von einem Lebensbaum; jetzt heißt er: Weihnacht-baum, Christbaum, Lichterbanm. Bis zum Jahre 1830 etwa hatte sich der Weihnachtsbaum die wichtigsten Orte in Deutschland erobert; zuerst erschien er in den Städten, kenn auch auf dem Lande. Aber selbst heute ist er »och nicht überall Gemeingut geworden. Zwar ist « bekannt von Ostpreußen bis zum Elsaß, von der Ost- und Nordsee bis südlich von der Donau; aber zwischen diesen Grenzen gibt es noch immer Striche, die den Brauch des Christbaums wenig oder gar nicht üben.

Um 1830 überschritt der Weihuachlsbaum auch die deutsche Sprachgrenze im Südosten und drang in Ungarn ein.

derselben Zeit war er in Dänemark und Norwegen schon bekannt, nicht viel später auch in Schweden. In Frankreich kennt man den Weihnachtsbaum seit etwa 60 ^ren. Um 1840 führte ihn die Herzogin Helene von Orleans, eine Prinzessin von Mecklenburg-Schwerin, in die

liebenden Kinder, auch die materielle Zukunft schien gesichert. Ein rosiger Zukunftstraum! Da plötzlich werden sie aus ihrem Traum gerissen: er mußte auf drei Jahre zu« Militär! Drei Jahre! So lange sollten sie warten? Lieber gingen sie aus dem Leben! Siè, Bertha Leinweber, war die Tochter eines aus Prag stammenden Jnftrumentcnfabrikantcn, er der 21 jährige Optiker Johann Wick. Im November schon wurden in einem Walde bei Wien die ziemlich stark verwesten Leichen einer jungen ManneS und eines jungen Mädchens gefunden. Zwischen ihnen, und zwar nahe der rechten Hand deS jungen Mannes, lag ein sechsläufiger Revolver. Drei seiner Läufe waren auSgeschossen. Es wurde konstatirt, daß das junge Mädchen eine Schußwunde an der linken Schläfe, der junge Mann eine solche an der rechten Schläfe hatte. Beide Wunden waren absolut tödtlich. Zweifellos erschien gleich, daß der junge Mann erst daS Mädchen und dann sich selbst erschossen hat. Jetzt erst wurden die Leichen als die des Leopold Wick und seiner Geliebten aqnoszirt.

Das Ende des Tauchers. Ein bekannter australischer Taucher, John Roderick, der lange Jahre im Dienste der Regierung von Neu-Süd-Wales gestanden hat, ist in Sydney einer schrecklichen Todes gestorben. Er arbeitete auf dem Schiffsboden eines Dampfers in Morts Dock und war eine Viertelstunde unten gewesen, als der Mann, der bei der Luftpumpe Wache hielt, ausrief: »Die Pumpe ist ver­stopft." Er sollte sie mit Gewalt im Gange halten und man versuchte, vermittels der Rettungsleine mit Roderick in Ver­bindung zu treten. Man erhielt aber keine Antwort und da das Getriebe unten verwickelt war, vergingen zwanzig Minuten, ehe der Taucher an die Oberfläche gebracht wurde. Natürlich war er todt. Augenscheinlich halte er einen schrecklichen Kampf ttm sein Leben geführt, aber das Gewicht der Taucherkleidung hatte alle seine Anstrengungen, zu ent­kommen, nutzlos gemacht.

Gebrauchs-Muster.

Nr. 142 269. Herrenweste ohne Rückentheil mit in ver­stellbaren Rücken- und Halsriegeloerschlüssen au-laufendem Westen - Vorderthcil. Ludwig Wiedenfeld in Frankfurt a. M., Steinweg 3, vom 20. September 1900 ab. — W. 10 354. Kl. 3b.

Nr. 143 151. Ringschmierlager-Füll- und -Entleerung? Vorrichtung, bestehend aus einem winkelförmigen, durch einen Stöpsel abgeschlossenen Ventilkörper, welcher zum Zwecke des Entleerens mittels eines Zapfens umgekehrt werden kann. P. Dominik Offenbach a. M., vom 20. September 1900 ab. — D. 5419. Kl. 47e.

Schistsh-richt.

Der Hamburger Dampfer „Pennsylvania" ist am 22. Dezember wohlbehalten in New-Dork eingetroffen.

Humdrtrg, 27. Dezbr. Der Dampfer „Castilia" ve- der Hamburg • Amerika-Linie ist gestern in St. Thomas ein­getroffen.

Bremem, 24. Dezbr. Der Dampfer des Norddeutsche: Noyd »H. H. Meier" ist vorgestern ix Ncw-Aork einge troffen.

New-Aork, 26. Dezbr. Der Dampfer „Amsterdam" von der Niederländisch - Amerikanischen Dampfschifffahrts- Gesellschaft ist gestern hier eingetroffen.

Die städtische Bibliothek

Bangertstraße 2, erster etorf, ist sonntags, Mittwochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr zur kostenfreien Benutzung füi das Publikum geöffnet.

Gesammtkataloge sind zu 1.20 Mk., die neuesten Nachträge Nr. 15 und 16 zu je 20 Pfg. in der Biblische! zu haben.

Tuilerien ein; später machte sich die Kaisei in Eugenie um seine Verbreitung verdient. In manche Gegenden Frankreichs brachten ihn unsere Truppen im Winter 1870, und heute spielt die Tanne auf den Pariser Weihnachtsmärkten eine große Rolle, zum Aerger freilich manches Chauvinisten, dem selbst dieser deutsche Brauch nicht in den Sinn will. Nach England kam der Baum durch den Prinzen Albert von Sachsen-Koburg, der 1840 der Königin Viktoria die Hand zum Ehebund reichte. Er brachte ihn nach St. James, und von da fand er langsam Eingang in die Paläste des Adels und in die Häuser der vornehmen Bürgerlichen. In London wird der Brauch des Christbaums heute stark geübt; auch andere Großstädte Englands kennen ihn. In Schottland und Irland ist der Weihnachlsbaum nur in deutschen Fa­milien gebräuchlich; staunend sehen die eingeborenen Kmder am Weihnachtsabend den Lichterglanz durch die Fenster scheinen. Die volksthümlichen Weihnachtsbräuche des JnselreicheS, das ja beharrlich ist in Art und leider auch in Unart, fub durch den festländischen und deutschen Eindringling wenig oder gar nicht berührt worden. Ebenfalls aus Deutschland kam der Weihnachtsbaum nach den Niederlanden, nach Italien, wo er namentlich in dem halbdeutschen Mailand heimisch ist, und nach Rußland, besonders nach Petersburg und Moskau, wo jedoch der Brauch nur in den höchsten Kreisen üblich ist.

Auch über die Grenzen Europas hinaus ist der Weih­nachtsbaum gedrungen; in allen Erdtheilen flammen am Heiligen Abend die freundlichen Lichter. Deutsche Kaufleute, deutsche Auswanderer, deutsche Tiatrofen haben ihn in alle Welt gebracht. Auch die Fortschritte der modernen Be­leuchtungstechnik sind dem Tannenbaum nicht fremd geblieben. Wo einst Unschlitt, Wachs und Parafin Lichtspender waren, da geben heute Glühlichtlampen Kunde von der Alles be­herrschenden Kraft der Elektrizität. Schon baut man Weih-

Etiquett gelb . . . weiß roth Kreuz

schwarz grün 2 gold 3

1 Krone Kronen Kronen

Cognac

Mk.

. 1.50

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. 2.50

in Flaschen von

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ca. ’/* Liter.

Mk.

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. 10.-

1613

Ch. J. Lossow,

laut Preisverzeichniß.

gdjaiiuiiuttit

laut Preisverzeichniß.

Cognac u. Rum

laut Preisverzeichniß.

Puiischcsseiiz,

Arac-, Rum-, Portwein-, die Flasche M. 2.50, 3.-, 3.50.

" Cli. J. Lossow,

nachtsbäume aus Elsen; ein Uorwcrk dreht den Baum um seine Achse und cnilockt einer Spieldose die fromme Weise: „glitte Nicht, Heilige Nicht!

Atles schläft, einsam wacht Nur das traute, hochheilige Paar, Holser Knabe in lockigem Haar, Schlaf' in himmlischer Nutz'!'

Von dem schlichten Blüthenzweig der deutschen Winter­anfangsfeste ist wenig mehr geblieben. Aus der indogermanischen Heimath unserer Vorfahren milgebracht und dann vom Christenthum übernommen und ausgebildet, hat er die Jahr­tausende überbauen und ist in diesem Jahrhundert auf de« Siegeszug deutschen Geistes und deutscher Thatkraft über den Erdball gewandert. Aus dem blühenden Segenszweig ist ein Baum geworden, leuchtend in der Winlernacht, als Mittel­punkt der deutschen Weihnacht. Die Idee, die jenen Zweig als Sinnbild sich erschuf, ist längst verschwunden ; das Sinn­bild ist geblieben uno in reicherer Form zum Träger neuen Lebens geworden. 0. A.

Humoristisches.

Die Großstädterin. Ein junger Londoner Back- fischchen, das bei ihrer auf dem Lande wohnenden Tante zum ersten Male auf Besuch war, sprach dem auf dem Frühstücks- tisch stehenden Honigtopf lebhaft zu. „Wirklich ausgezeichneter Honig," lobte sie sachverständig, „Ihr haltet wohl selbst eine Biene?"

Ein Kunstfreund. „Machen Sie uns doch Donnerstag dar Vergnügen, Herr Proftssor. Wir treiben bis zehn Uhr etwas Musik, dann kommt ein kleines Souper." „Mir Ver­gnügen, gnädigste Frau, nur bin ich eben am Donnerstag sehr okkupirt und " werde mit Ihrer gütigen Erlaubniß erst »ach zehn Uhr kommen."