Zweites Blatt.
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Amtliches Organ für Staöi- unS Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Rr. 298
Die Marinepolitit Frankreichs.
Die soeben beendeten Verhandlungen deè französischen Senats über das neue Flotiengesetz, die mit der einstimmigen Annahme des letzteren endeten, geben nach mehr als einer Richtung sehr interessante Aufschlüsse über die marinepolitischen Tendenzen der zur Zeit maßgebenden Marinekreise der französischen Republik und verdienen deshalb auch bei uns mehr Aufmerksamkeit und Beachtung, als sie bisher gefunden haben.
Es war vielfach die Ansicht verbreitet, die junge Schule der französischen Marine, als deren einflußreichster Träger seit lange Admiral Aube gilt, sei aus dem erbitterten Kampf mit dem Gegner vom alten Regime als Sieger hervorgegangen und habe ihren Prinzipien Geltung verschafft, so daß Frankreich in einem künftigen Kampfe zur See das Schwergewicht seiner Thätigkeit auf den Kaperkrieg legen und deshalb vor allen Dingen eine starke Kreuzerflotte und daneben eine große Zahl von Torpedo- und Unterseebooten haben müsse. Die Anhänger dieser Richtung sind cs auch zweifellos gewesen, die dem Marineminister außer den im neuen Flottenplan beantragten Schiffen noch 15 bis 20 Kreuzer vom „Duruy de Lome" -Typ anboten und eine weitere Bewilligung von Fahrzeugen dieser Klassein Anssichtslellten. Es ist wahrscheinlich, daß, wenn lediglich das Parlament über die Frage, ob Schlacht- oder Kreuzerflette, zu entscheiden hätte, die Mehrheit für die letztere eingetreten sein und dementsprechend das ganze Flottenprogramm ausgestellt haben würde. Tie gewichtigen Stimmen der höchsten aktiven Seeoffiziere haben jedoch schließlich die Entscheidung dahin gebracht, daß Frankreich unbedingt einer starken Schlachiflotte bedürfe, um in einer umsichtig geleiteten Offensive den Gegner aufsuchen, schlagen und dadurch von den eigenen Küsten fernhalten zu können und daß daneben auch eine genügende Anzahl von Küstenwachtschiffen, Torpedo- und Unterseebooten vorhanden sein müsse, um gegebenenfalls eine wirksame Defensive durckzuführen. Dabei hat es der Marineminister auch verstanden, die Anhänger einer Kaperkriegpolilik in sehr geschickter Weise darüber zu belehren, daß Frankreich in erster Linie unter den Geschädigten gewesen sei, als Ende des vorigen Jahrhunderts, vor und während der napoleonischen Kriege, mit Kaperbriefen der Regierung ausgestaltcte französische Seeräuber die Meere unter dem angeblichen Borgeben unsicher gemacht hätten, den englischen Handel zu schädigen und de durch dem Interesse des Vaterlandes zu dienen. Eine Wie derholung solcher Mißerfolge entspräche doch wohl nicht den Wünschen der Mehrheit der patriotischen Bürger und deshalb sei es nothwendig, daß, so lange Frankreichs große Kon- kurrenzmächle wie England, Deutschland, Rußland, die '.Bereinigten Staaten von Nordamerika, Japan und Italien ihre Schlachtschiffgeschwader vermehrten, auch Frankreich unbedingt das Gleiche thue.
Es ist aber auf der andern Seite nicht zweifelhaft, daß Frankreich bei seinen Bestrebungen nach einer starken Schlackiflolte nicht allein von den mißlungenen Unternehmungen seiner minder wenhigen Kreuzer im Kaper- kliege vergangener Jahrhunderte geleitet wird, sondern daß es dabei in erster Linie immer wieder die Möglichkeit eines ernsten Konfliktes mit England im Auge hat und deshalb wünscht, entweder allein oder mindestens im Verein mit dem verbündeten Rußland zur See seinem mächtigen Rivalen und Nackbarn ebenbürtig sein. An Zahl der Schlachtschiffe wird jedoch Frankreich dies Ziel auch nach Durchführung des neuen Flottenvermehrungsgesetzes nicht annähernd erreichen, und auch mit den noch im Bau befindlichen Linienschiffen der russischen Flotte wird das vereinte französisch-russische Panzergeschwader nicht so stark sein wie der englische Gegner zur See. Zur Zeit verfügt Frankreich über 22 Schlachtschiffe und mit den 6 jetzt bewilligten Schiffen dieser Klasse müßte es im Jahre 1907 28 Panzerschiffe haben. Thatsächlich werden es jedoch nur 24 sein, da feftsteht, daß die vier veralteten Panzer „Admiral Duperrâ", „Courbet", „Devaston" und „Admiral Baudin" aus der Flottenliste gestrichen werden muffen. Ebensoviel Li nenschiffe, nämlich 24, wird auch Rußland im Jahre 1906 haben; aber diesen 48 Der-inten Schiffen steht England bereits heute mit 49 Schlacht schiffen gegenüber und bis zum Jahre 1907 wird diese Jahl nach Abzug von 4 auèzurangirenden Panzern auf 58 gcslieaen sein. Hierzu mag noch bemerkt werden, daß im Jahre 1908 der Dreibund die gleiche Anzahl von Linienschiffen haben wird, wie das verbündete Frankreich und Ruß ‘Qn^ zusammen.
Ri den dieser wichtigen Frage, ob Schlacht- ober Krcuzer- flotte das Richtige für Frankl kicks Interessen zur See sei, hat noch eine andere Frage von großer Bedernung die er- "ilstn Gimülher der Senatoren bei der Berathung des
Freitag den 21. Dezember
Flotiengesetzcs beschäftigt. Das Land wolle, so hieß es, Gewißheit darüber haben, wohin Frankreich im Falle eines Krieges mit England sein Hauptgewicht verlegen wolle, ob in das Mittelmeer, in die Nordsee oder in den Atlantischen Ozean? Die Antwort lautete kurz dahin, daß man das Weltmeer den Engländern allein überlassen werde, daß man sich in der Nordsee defensiv verhalten wolle und die Entscheidung nur im Mittelmeer zu suchen sei. Ein solcher Entschluß entspricht auch nur den Thatsachen und den umfangreichen Rüstungen, die Frankreich innerhalb der letzten Monate an den Küsten des Mutterlandes und seiner nordafrikanischen Besitzungen hat aussühren lassen. Das heutige Bizeria, das neubefestigte Toulon und das zukünftige Korsika werden in der That auch Stützpunkte im Mittelländischen Meere sein, wie sie England an Gibraltar und Malta nicht besitzt, und wenn es auch richtig ist, daß jene allein nicht die Entscheidung über die Herrschaft im „lateinischen See" bringen werden, so bilden sic doch unleugbar eine gewaltige Ma»t, mit der die Uebcrlcgenheit der Engländer an Zahl der Schiffe sehr ernstlich wird rechnen müssen.
Diese Diskussion über die seitens Frankreichs zu fassenden Entschlüsse im Falle eines Krieges mit England hat aber auch ein besonderes Interesse dadurch erlangt, daß die Unterste- bootsragc, die bekanntlich in Frankreick eine so große Rolle spielt, mit in die Debatte gezogen und dadurch endlich aus das Dunkel gelüftet wurde, daS in dieser Richtung selbst in nahe beteiligten Marinekreisen Frankreichs herrschte. Zunächst wurde festgestellt, daß die französische Marine zur Zeit nur über 4 fertige Unterseeboote, und zwar den „Narval", „Morse", „Gymnotc" und „Gustave" £ébé" verfügte und daß die Versuche mit dem „^oubet II" zwar noch fortgesetzt würden, aber zur Zeit noch keine zu friedenstellenden Resultate ergeben hätten. Des Weiteren wurde die sehr interessante Thatsache bekannt, daß über einen Einheitstyp für die noch zu bauenden Unterseeboote kein endgiltiger Beschluß gefaßt und man sich nur darüber einig sei, an dem Prinzip von zweien der bisheriger Modelle sestzuhalten. Das erstere derselben (lup Morst) sei nur zum Küsten- und Hasenschutz bestimmt, solle nur in unmittelbarster Nähe seiner Station manövriren und sei daher im Wesentlichen nichts als eine Veriheidigungswaffe. Diesen Zwecken entsprechend, müßten die Boote fast ausschließlich unter Wasser fahren und seien deshalb nur auf elektrischen Antrieb eingerichtet. Nach diesem Typ seien zur Zeit 6 Boote im Bau. Die zweite Art Unterseeboote (Typ Narval) solle offensiven Zwecken dienen, müßte deshalb großen Aktionsradius und 2 Motoren haben, von denen der eine (Dampf) für die Uebcrwass r-, der andere (elektrisch) «für die Unterwasserfahrten bestimmt sei 4 Boote dieses Typs gingen der Vollendung entgegen. Es ist bei dieser Gelegenheit auch interessant zu erfahren, wie vorurtheilsfreie Männer in Frankreich heute über die Bedeutung der Unterseeboot denken. Die Diskussion im Senat über diesen Gegenstand schließt mit den Worten: „Wir können mit Sicherheit sagen, daß die Unterseeboote in der Küstcnverihcidigung die größten Dienste leisten können. Sie können uns aber nicht, wenigstens bei ihre! gegenwärtigen Unvollkommenheit, die Frei eit auf dem Meere verschaffen, auch unsere großen Handelslinien nicht schützen, noch dem feindlichen Handel Abbruch thun.*
Das vorstehend gegebene Bild von den Plänen und Absichten der leitenden Marinekreise Frankreichs hat nicht über den Rahmen einer Skizze heraustreien können. Immerhin wird cs für den Beweis genügt haben, daß sich die französische Marinepolitik große und ernste Ziele gestellt hat.
Vermischtes
Dier Bankdirektoren verhaftet. Außer dem Kommerrienraih Sanden, dem Direktor der Plkußiiüen Hypo- theken-Aklien-Bank unb der Denlichen Grundschutd-Bank, der wie gemeldet, auf Ersuchen der Staalsanwalisckaft in seiner in Potsdam, Marienstraße 11, belegenen Wohin ug oerbafset und in das Untersnchungtgefänginß in Moabit übergeführt wurde, sind noch Heinrich Schmidt, ber ebenfalls Direktor der beiden genannten Banken ist, ferner ber stell vertretende Direktor der Preußilchen Hypolheken-Akttenbank Paul Pnck- müller in Charlottenburg und endlich der stellveriretende Direktor der Deutsch<n Gnmdsckuldbank in Berlin B. Massitski in Haft genommen woiden. Die Verhaftung des Letztgenannten erfolgte in Meran, wo sich Wassieèki seit einiger Zeit anfhielt.
Prozctz Sternberg. Berlin, 20. Dezbr. Im Prozeß Steinberg war heute die Zeugin Schnögwange zur
1900
Stelle. Dieselbe wurde nach Vernehmung einer Reihe von Zeugen über deren Glaubhaftigkeit vereidigt. Hierauf ergriff der Staatsanwalt Braut das Wort zu einem Plaidoycr, in welchem er gegen den Angeklagten Sternberg 3 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust beantragt, weiter gegen die Wender 6 Monate Gefängniß, gegen Luppa Aussetzung des Urtheils, weil noch Ideal-Konkurrenz mit anderen Vergehen bezw. Verbrechen vorliege und gegen die Scheding 3 Wochen Gefängniß.
Barometerstand
Gebrauchs-Muster.
Nr. 143 972. Gürtelhaken mit federndem Anhänger. E. Ph. Hinkel in Offenbach a. M., vom 7. November 1900 ab. — H. 14 886. Kl. 3b.
Nr. 142 070. Börse mit Zahlbrett und je einer Abtheilung für Gold und Papiergeld. Ludwig Krumm in Offenbach a. M., vom 24. Sevlember 1900 ab. — K. 12 952. Kl. 33b.
Nr. 143 264. AuS auf einem Gewinderohr ausgeschraub- ten, mit Gewinden versehenen Blechscheiben bestehender Hciz- köiper. Max Fröhlich in Frankfurt a. M., Oppenheimer- landnraße 19, vom 18. Oktober 1900 ab — F. 7082. Kl. 36c.
Nr. 143 754. Klemme für Drähte beliebigen Ouer- 'chniites, bei welcher dieselben in konischen Ausbohrungen oder Senkungen mittels exzentrisch angeor bneter anziehbarer Klemmkonusse festgikiemmt werden. Wilhelm Grimm in Frankfurt a. M. - Bockcnheim, Kurfürstenvlatz 6, vom 5. November 1900 ab. — G. 7771. Kl. 21c.
Auszüge aus dem Amtsblatt der Königlichen
Regierung zu Cassel.
Eichen. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemarkung trieben belegenen, im Grundbucke von Eicken zur Zeit ber Eintragung des VcrsteigerungsvermcrkeS auf den Namen: 1) des Bauunternehmers Konrad Wilhelm Seigner zu Frankfurt a. M., 2) der Auguste Luise Leich- ner zu Eichen, 3) des Johannes Leichner 3r (Philipps Sobnl zu Elcken eingetragenen Grundstücke am 7. März 1901, vormittags 10 Uhr, durch das Königliche Amrsgericht zu Wtndecken versteigert werden.
—+ Zu Weihnachtsgeschenken ♦— empfehle
Cigarren
"Wein
Schaumwein
20506 Cognac
Liköre.
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