Zweites Blatt.
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Amtliches Organ für Htaöt- unö Landkreis Hanau.
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für Stadt- und 2anb= Keir Ha»a» 10 ^ die Sgespaltme Äarinnnd- zelte oder deren Raum, für Nutmärit 15 ^
Im Reklamtnrheil die Zeile 20 ^, ftr äuswänS 30 ^.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 297 Donnerstag den 20. Dezember 1900
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Vermischtes
Der Mörder Jaenicke geisteskrank. Der Gift- mörder vom Tenfelssce, Töpfer Jaenicke, ist nach Untersuchung seines Geisteszustandes aus der Anstalt in das Untersuchungsgefängniß zu Potsdam zurückgebracht worden. Es ist festgestelt, daß er geisteskrank ist; er leidet an paranois chronica.
Grotzfeuer. Aus Hagen i. W. wird unter dem 19. d. M. gemeldet : Gestern Morgen gegen 7 Uhr brach auf bis jetzt noch nicht aufgeklärte W ife in dem Waarenlager der „Hagener Textil-Jndustrie" Feuer aus, das so rapide tun sich griff, daß an eine Rettung des Lagers nicht zu denken war. Das Lager mit den kolossalen Vorräthen an fertigen Kattunwaaren wurde ein Raub der Flammen. Nach den bisherigen Ermittelungen beträgt der Schaden 500 000 Mk. Der Betrieb des Werkes erleidet durch den Brand keine Störung.
Die Pariser Weltausstellung und ihre Nachspiele. Wir haben bereits mitgetheill, daß zahlreiche Unternehmer von Restaurants und SLaustellungen in der Pariser Weltausstellung sich als schwer geschädigt erachten, weil man ihnen die Versprechungen nicht gehalten hat, die beim Ver- micthen der Plätze gemacht wurden. Seit Wochen währen nun schon die Verhandlungen des Schiedsgerichts, das zwischen den Unternehmern und der Ausstellungs-Direktion entscheiden soll. In einer der letzten Verhandlungen wurden die Klagen von vier Konzessionären in der Rue de Paris am rechten Seineuf r erörtert, die zusammen einen Schadenersatz von 1 710 000 Francs beanspruchen. Der Advokat der Kläger führte dabei aus: Man hatte den Konzessionären versprochen, die Rue de Paris zu einer Zierde der Aus steUung zu machen; es sollten Bäume gepflanzt werden längs der Seine, Fluthen von elektrischem Licht sollten abends die Straße erhellen, Feste sollten veranstaltet werden, beleuchtete Gondeln auf der Seine sollten den Platz zu einem zweiten Venedig machen. Ferner harte die Direktion die Herstellung von zwei Holzbrücken für Füßgäuger und die Aufstellung mehrerer Fähren versprochen, um zwischen der Jena- und Alma-Biücke den Verkehr vom linken zum rechten Ufer zn erleichtern. Von allen diesen Versprechungen sei nicht eine gehalten worden. So wurden die Unternehmer durch Mangel an Licht und an Verkehrsmitteln um allen erhofften Zuspruch gebracht. Die erwähnten Thatsachen wurden von der Ausstellungs-Direktion bereits zugestanden. Man darf unter solchen Umständen auf den demnächst zu erwartenden Schiedsspruch gespannt sein.
Strandung. Einem bei Lloyds eingegangenen Telegramme zufolge ist der englische Dampfer „Cromwell", auf der Fahrt von New Otleans nach Bremen, bei Ameland in Holland gestrandet und hat die Ladung über Bsid geworfen. Es ist Hilfe abgesandt worden; die Besatzung bleibt an Bord.
Im Schnee begraben. Aus Telcade bei Velluno kommt die Nachricht, daß hart an der österreichischen Grenze, in der Lerllichkeit Val Fredda, drei Leichen, die unter einer Schneelawiue begraben waren, gefunden wurden. Sofort nach Bekannlwcrdcn des Unglückefalles waren die Ortèinsosscn herbei geeilt und hatten sich mit allem Eifer an die Arbeit gemacht, um die Begrabenen zn retten. ES war umsonst. Die Erstickten sind Schmuggler, welche von Oesterreich Tabak, Zigarren, Zucker, Spiritus rc. auf Schleichwegen nach Italien brachten und bei dem gefährlichen Gange 'ihr Leben einbüßen mußten.,
Eine duldsame Gemeinde besitzt der bayerische Ort Breitengüßbach. Dieser ist gegenwärtig ohne Oberhaupt, weil der frühere Bürgermeister zur Zeit wegen Meineids eine Zuchthausstrafe verbüßt. In der Gemeindeausschußsitzung wurde nun kürzlich der Beschluß gefaßt, deu im Zuchlhause weilenden früheren Bürgermeister Hümmer nach Verbüßung seiner auf 1 l/a Jahre lautenden Strafe wieder als Orlsober- Haupt anzunehmen und von einer Neuwahl gänzlich abzusehen. Der Gemeindeausschuß glaubte sich zu diesem bemetkens- werthen Beschlusse berechtigt, weil dem Hümmer bei seiner Verurtheilung die bürgerlichen Ehrenrechte nicht abgesprochen waren. (!) Die vorgesetzten Behörden bekundeten jedoch eine andere Rechtsanschauung: sie setzten den inhaflktten Hümmer schleunigst von seinem Bürgermeisterposten ab, stießen den Beschluß der Gemeinde Breitengüßbach um und setzten eine Neuwahl für die freigeworbene Stelle an.
Die neueste Damentoilette am Congo. Auf der Hauptpost 311 Brüssel war man schon seit Langem sehr überrascht, daß die Briefsäcke, die nach dem Congo abgesaudt «erden, nie wiedcrkamen. Alle administrative Untersuchungen herüber blieben lange Zeit * erfolglos, bis man in diesen
Tagen der Sache endlich auf die Spur kam. Im Congs, so schreibt nämlich der Brüsseler Korrespondet des „B. L.-A ", hat die Post natürlich schwarze Subalternbcamie. Diese wiederum haben Frauen und Bräute. Letzteren nun waren die Postsäcke von deren Gatten und Verehrern geschenkt worden. Die schwarze Schöne aber brauchte nur Mn Boden des Beutels aufzuschneiden, den sich über Kopf und Nacken zu ziehen und mit Hilfe der sich bereits in dem oberen Rande des Briefsackes eingelassenen Augschnur an den Hü t n festzuschnalle«. Auf diese einfache Weise war schnell ein allerliebster, kurzer Rock zustande gebracht, der zwar aus schmutzigem Sackleinen bestand, für die Songobamen aber das Neueste vom Neuen war. Daß je nachdem, auf dem Vorder- ober Hinterblatte dieses Modestückes in großen schwarzen Buchstaben, die Worte „Bruxelles-Centre“ zu lesen waren, störte diese unschuldigen Gemüther nicht weiter.
Gute Zeiten. Während anderwärts geklagt wird, daß die Leihhäuser überfüllt sind, ist z. B. in Peffau W Gegentheil zu konstatiren. Bei der Berathung des Leihhe.u - etats äußerte Bürgermeister Muggenthaler, daß Heuer das Leihhaus einen Zuschuß benötige, während man sonst Ueber schuß hatte. Der Grund hierfür sei in dem Rückgang des Pfänderstandes zu suchen und in der geringen Znanspru .= nähme der Leihhauses in den letzten Jahren. Diese e>frcu- liche Erscheinung dürfe wahrscheinlich in der gegenwärtig günstigen Arbeitsgelegenheit unserer Stadt den Grund haben. Die Mindereinnahmen beziff rn sich auf 26,300 M., di Mehrausgaben auf 14,000 M., insgesammt 40 POO M., d-e Mehreinnahmen auf 6000 M., die Minderausgaben auf 12,000 M. zusammen 18,000 M.
Eine Tigerjagd im Horner Walde. In Wald reviere nächst Eggenburg wurde am Sonntag eine seltene Jagdbeute gemacht, indem ein Tiger erlegt wurde. Das Raublhier war vor wenigen Tagen aus einer Menagerie in Oberhollabrunn während der Fütterung entsprungen uno hatte sich über Pulkau in den Horner Wald geflüchtet. Im Walde wurde der Tiger von Foistgehilfen entdeai und Soun tag rüstete sich eine g>oße Gesellschaft zu dieser seltenen Jagd aus. Bald war das Raubthier auf gestöbert und et legt. Ob der Tiger in der kurzen Zeit seiner Freiheit irgendwo Silaben angkstiftet, ist bisher unbekannt.
Ein deutscher Chinese. Ein amüsantes Geichicht chen ist einem Lehrer im hessischen Pfarrdoife Büttelborn von seinem früheren Schüler, der sich gegenwärtig als Soldat in Taku befindet, mitgetheilt worden. Nach dem Sturm auf du Peilang-Fous fanden deutsche Soldaten in einem Winkel versteckt einen chinefisten Knaben. Das arme, verlassene Geschöpf dauerte sie, und der Knabe wurde auf Befehl des Oberleutnants Kadelkach ins Lager mitgenommen. Dori wurde der Kleine erst einer gründlichen —Säuberung unterworfen, dann — schnitt man ibm leinen Zopf ab. Später ließ man ihm eine kleine deutsche Uniform unfertigen, in du er eingekleidet wurde. So läuft der Knabe nun den c t yn Tag im Lager umher. Er hat bereits wesentliche Fo.' 1 ritte in der deutschen Sprache gemacht. Auf die Frage, ob er ein Chinese ober ein Deutscher sei, antwortet der offenbar sein- vergeßliche kleine Herr m t lauter Stimme: „Deutscher!" Dann hebt er die Hand und ruft: „Hurrah Germania!" Nach dem Fort, in dem er gefunden wurde, hat er den Namen „Penang" erhalten. Aus dem so patriotisch erzogenen jungen Chinesen wirb vielleicht noch ein braver Deutscher:
Sport.
Cin neues Sechs Tage-Ravrennen wird jetzt in New Aork ausgesuchten. Bei den früheren Rennen, be. denen jeder Fahrer sich bemühte, in den ganzen sechs Tagen unaufhörlich zu radeln, tarnen die furchtbarsten Szenen vor. Mitbewerber wurden sogar auf den Rädern verrückt, sodaß der Staat New- Jork ein Gesetz erließ, durch das cs sogar verboten wurde, länger als 12 Stunden ununteibroawu zu radeln. Um dieses Verbot zu umgehen und doch eine 144 Stunden währende Wettfahrt abzuhalten, kamen die Ver anstalter auf folgendes Auskunstsmittel. Je zivei Radler bildcn eine Partei und werden für die Wettfahrt als Einheit betrachtet, aber keiner darf innerhalb 24 Stunden mehr als 12 auf der Bahn sein. Die Leute theilen sich die Stunden nach ihrem Belieben; einer radelt immer, während der anber ruht. In den Schlußstunden wechseln sie alle paar Minuten. Anstatt daß dieser Plan aber die Härte des Kampfes lindert, vermehrt er sich mehr. Die Pace ist jetzt beständig furchtbar schnell, und die erschöpften Menschen, die die Bahn verlassen wollen, gerathen in eine Art Raserei, um mit den f i chen Ankömmlingen gleichen Schritt zu halten und keine Strecke zu verlieren. Um die Bahn erheben sich ansteigend die Sitze,
die von einer erregten Menge überfüllt sind. Die Leute heulen und schreien, wenn der Wetlf ihrer infolge der Anstrengung Anzeichen von Wahnsinn virrathen, wenn sie fallen und blutend von der Bahn aufstehen und von den Trainern witber auf das Rad gesetzt werden, um von Neuem zu beginnen. Die Fahrer machen erstaunliche Anstrengungen, wenn sie vor Dchwachc ohnmächtig zu werden drohen, und ein Anderer versucht, sie zu überholen und so dem 6000 Mark- Preis näher zu kommen. Das soll so ohne Unterbrechung 144 Stunden dauern. Von 14 Parteien sind sechs schon zusammengeörochen. Als Rekords wurden gebrochen, da die Leute in der außerordentlichen Durchschniltsschnelligkeit von 30 englischen Meilen in der Stunde fahren. Miller, der bei mehreren früheren Rennen gewonnen und auch den sechs- tägigen Rekord gehalten hat, mußte es diesmal aufgeben; er wäre sonst auf der Baku gestorben. Drei Parteien waren am zweiten Tage gleich: Elkes und Me Farland für Amerika, Gougoltz und Simar für Frankreich und Pierce und Me Garden für Canada. Diese drei Parteien zeigen unerhörte Kräfte. Die Franzosen in New-Dork sind toll vor Erregung darüber, wie die Leute in der Trikolore fahren und spornen sie durch Megaphone an, und Pariser Zeitungen haben Telegraphenanschlüsse auf der Bahn. Natürlich ist stets eine Riesenmenge anw send, Wettläufe und Moiorwetlfahrien werden noch nebenher abgehalten. Mehrere Motore sind aus ^er Bahn gefahren und haben die Logen zertrümmert. Dabei sind ßruie schrecklich verletzt worden, die Menge bleibt unerschütterlich am Platze. Nich-s scheint einen abgehetzter New-Yorker mehr zu erregen, als wenn er einen schwerer Motorwagen aus der Babn fliegen und in Trümmer lieger sieht, wobei ein halbes Dutzend Radler mehr oder wenige; bedeut werden.....
Gebrancht-Mufter.
• Nr. 143 753. Verbindungrklemme für Drahtleitungen bei weider die Drahtenden in einem beiderseits konisch aus aebohrten Körper mittels zweier exzentrisch in diesen Aus lodrunneu ar-geordneter gegen einander zu bewegender Ko misse festgeklemmt werten. Wilhelm Grimm in Fiankkur a. M. - Bockenheim, Kurfürstenplatz 6, vom 5. Nooembe 1900 ab. — G. 7770. Kl.' 21c.
Sir. 142 520. Musterkasten aus einem Stück, dessen einzelne die Muster enthaltenden Kästchenreihen, mittels ge > ntig verbundener Stützwände und umlegbarer Füße ii nufen'örmig angeordnelm Ebenen ausgestellt werden können Erlanger & Co. in Frankfurt a. M., vom 6. Okiobc 1900 ab". — E. 4134. Kl. 54g.
Nr. 142 452. Nühsâraube mit als Fuß ausgebildete Schraubenspindel zum Aufilellen. Ludwig Lesser in Schmal falben, vom 28. September 1900 ab. — L. 7841. Kl. 52c
Nr. 143 056. Falle nach Patent 110 186 mit auszich barem Wasserbehälter, an welchem ein zum Trogen des B< alters sowie der ganzen Falle dienender, bügelförmiger Sri ocu gesehen ist. Alfred Lesser in Cassel, Untere Sarlftraf 16, rom 20. September 1900 ab. — L. 7817. Kl. 45L Nr. 142 783. Vorrichtung an Schrauben- und Fayor bânken zum Trennen der fertigen Stücke von den Spähner bestehend aus einem von der Hauptwelle durch Daumen- un Kniehebel interminirend bin- und Herbeweg -n Schaufelhebe Andr. Schmitt in Offenbach a. M., vom 21. Septembi 1900 ab. — Sch. 11 584. Kl. 49c.
Patent-Ertheiluugen.
Nr. 117 298. Verfahren zur Darstellung oe nr ^.- Diamide-lA-oxynapbialin. — Leopold Cas sei la C 0. in Frankfurt a. M., vom 20. Juli 1899 ab. Kl. 12 dkr. 116 268. Verfahren zur Darstellung von Dinitr naphialinsulfo âuren. — Farbwerke vorm. Meister Li cius L Brüninq in Höchst a. M., vom 28. Februl 1900 ab. Kl. 12». llir. 117 300. Verfahren zur Darstellung von substa tioen Polyajofa-.bstoffen; Zus. z. Pat. 93 595. — Kalle C 0. in Biebrich a. RH., vom 12. Mai 1898 ab. Kl. 22
Auszüge aus dem Amtsblatt der Königliche Regierung zu Cassel.
Rothenbergen. Im Wege der Awangsvollstreckui sollen die in der Gemarkung Rothenbergen beleget.cn, i Grundbuche von Rothenbergen zur Zeit der Einträguüz d Versteigarungèvermsrkes auf den Namen der Ebeftau d ?! &mmnnè Johannes Weißbeckcr, Margareiheg< st ei ffch n eid er, zu Rothenbergen eingetragenen Grun stück am 12. Februar 1901, vormittags 9 Uhr, durch d Königliche Amtsgericht zu Gelnhausen »ersteigert werden.