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Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für AuSwärtS 30 ^.

Amtliches Grgan für Ätaök- unö Lanökrers Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 296 «MW^

Mittwoch den 19. Dezember

1900

Amtliches.

LcrrröKveis ^artavi.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

In H e l f e r s d o r f, Kreis Gelnhausen, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.

Hanau den 18. Dezember 1900.

Der Königliche Landrath

V 12506 v. Schenck.

In Spielberg, Kreis Gelnhausen, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.

Hanau den 18. Dezember 1900.

Der Königliche Landrath.

V 12505 D. Schenck.

Konkursverfahren.

Ueber das Vermögen des Spezereihändlers Georg Wild in Kesselstadt ist heute am 18. Dezember 1900, nach­mittags 4 Uhr 40 Min., das Konkursverfahren eröffnet.

Der Bankagcnt Valentin Klug in Hanau ist zum Konkursverwalter ernannt. Offener Arrest und Anzeigepflicht, sowie Termin zur Anmeldung bis zum 8. Januar 1901. Erste Gläubigerversammlung und Prüfungstermin am 18. Januar 1901, vormittags 10 Uhr, vor dem Königlichen Amlsgcriltt, Adth. 5 hier, Marktplatz 18, Zimmer Nr. 5.

Hanau den 18. Dezember 1900. 20594

Der Gerichtsschreiber des Königl. Amtsgerichts 5.

Wms ut und oerwrene MgeMuse etc.

Gefunden: 1 brauner Herrenhandschuh (linker), 1 blauer Kindcrhandschuh (rechter). 1 Manschette mit Knopf. In einer Bäckerei liegen geblieben 1 Düte voll Wallnüsse und 1 kleines Päckchen mit Nürnberger Lebkuchen.

Verloren: 1 längliches, grünes Portemonnaie mit ca.

3 M. Inhalt.

Hanau den 19. Dezember 1900.

Der Untergang des Schulschiffes Gneisenau".

An demselben Tage, wo in der Reichshauptstadt den aus Ostasien hcimkehrenden Kriegern ein begeisterter Empfang bereitet wurde, ist unsere Marine, der jene Tapfern zum größten Theil angehörten, von einem entsetzlichen Unglück be troffen worden: das Kadetten-SchulschiffGneisenau" ist an der spanischen Küste vor dem Hafen von Malaga im Mittel­

mehr bei einem furchtbaren Sturm gescheitert, und mit dem Kriegsschiff ist eine Menge Menschenleben von der Brandung verschlungen. Viele von ihnen genossen die erste kriegerische Ausbildung; mit vollen Segeln waren sie auf das Meer hinausgefahren, mit glühender Begeisterung für ihren Beruf erfüllt. Nun haben sic einen frühen Tod gefunden. Trauer und Herzeleid sind in zahlreiche Familien cingezogen, und mit diesen beklagt das Vaterland die Todten, die im Ringen mit Sturm und Wellen mitten aus dem blühenden Leben heraus, wie im Kampf mit dem Feinde, gefallen sind.

Schwer sind die Opfer, die unsere Flotte trotz ihrer Jugend dem Meere hat bringen müssen. Die lange Reihe eröffnet der SchonerFrauenlob", der 1860 in einem Taifun in Ostasicn unterging. Das zweite Opfer war das Ka- detlenschiffAmazone", das an der holländischen Küste ver­sank, ihm folgte im Juni 1878 der Untergang des Linien­schiffsGroßer Kurfürst bei Folkestone. Im Juni 1885 ging der KreuzerAugusta" im Rothen Meer im Sturm ver­loren, am 16. März 1889 endeten die KreuzerAdler" und@ber* in Apia auf Samoa ebenso wie jetzt der Gneisenau". Am 23. Juli 1896 fuhren die Getreuen des Illis" an der chinesischen Küste mit einem Hoch auf Kaiser und Reich in die Tiefe, am 23. September 1897 wurde das Torpedoboot8 26 vor der Elbmündung mit Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg von den Wellen verschlungen.

Das Auge hat nicht gezuckt und die Hand nickt gezittert," rühmte der Kaiser von denen, die er als Hcimkch.endc begrüßte;Ich bin fest überzeugt, daß jeder in schwerem Rrngcn sciuc Schuldigkeit gethan hat." Dasselbe Wort, dessen sind wir gewiß kann man auch von den blauen Jungen sagen, die vor der Rhede von Malaga starben: Ihr Auge hat nicht gezuckt und ihre Hand nicht gezittert, sie thaten ihre Schuldigkeit bis zuletzt. Ihre Haltung entsprach den Ueberlieferungen der deutschen Marine. Düs gilt vor allem von dem Kommandanten des gestrandeten Schiffes, dem Kapitän zur See Kretschmann; er hat durch seinen Tod aufs neue Zeugniß abgelegt von der Pflichttreue und Opfer- freudigkeit, die unsere Offiziere auszeichuct. Als er sah so erzählen Gerettete daß Alles verloren war, weil die Ankerkelten den Dienst versagten, und daß eine Vorwärts­bewegung unmöglich war, weil Wasser in die Heizkammer eingedrungen war, rief er:Kinder, Ruhe und Gott- vertrauen!" Blitzschnell wurde mit Hilfe des ersten Offizier» ein Rettungsboot ins Meer gelassen. Zu den ersten Meldungen, wonach Kapitän Kretschmann in ein Boot aus­genommen, dann aber mit diesem umgeschlagen und ertrunken sei, gesellt sich die weitere, daß er sich entschieden weigerte, die Kommandobrücke zu verlassen, wo mehrere Kameraden an

seiner Seite ausharrten, bis sic mit dem Schiff in das kühl. Grab gerissen wurden.

Sie alle, die auf der Rhede von Malaga in den Flutheu versanken, sind im Dienste der Pflicht gestorben; und wenn­gleich die Hoffnungen, die sie beseelten, sich nicht erfüllten, wenngleich es den meisten von ihnen nicht beschieden war, über die Jugend hinaus zu gelangen, so wird ihnen doch das Vaterland ein ehrendes Andenken bewahren. Manch stilles Gebet wird in diesen Tagen zum Himmel cmporstcigcn für die, die fern von der Heimath für Kaiser und Reich ihr Leben geben mußten, und jedes deutsche Herz wird in die Bitte cinstimmen, daß Gott unsere kaiserliche Marine in Zukunft gnädiglich bewahre.

*

Kapitän Kretschmann - Heldentod.

Kapitän Kretschmann hat, wie sich jetzt herausstellt, bis zum letzten Augenblick auf der Kommandobrücke gestanden und bart den Heldentod gefunden. Der Offizier, der mit etwa vierzig Kadetten ein Rettungsboot bestieg und dann von den Wellen verschlungen wurde, dürfte der erste Offizier des Schiffes, Kapitänlcutnam BeringhauS, gewesen sein. Weitere Einzelheiten über den Todeskampf dieser Braven werden wie folgt gemeldet:

Madrid, 18. Dczbr. Der Kommandant der Gneisenau" erlitt auf seinem Posten den Ehreniod; er lehnte jede Hilfe ab. Als es einem spanischen Matrosen gelang, an die Fregatte heranzukommen und ein Tau hinübcrzuwerfcn, warf ihm der Kommandant seinen Degen zu. Der Ingenieur des Schiffes starb an seiner Seite. Der erste Offizier des Schiffes sümpfte eine Siunse lang mit den Wellen, an eine Holzplanke geklammert, bis er völlig erschöpft unterjanf. Scckadeti von Bülow wurde gegen die Felsen geschcludert und an Kopf und Armen verletzt, er lehnte indessen ärztlichen Beistand ab.

Madrid, 18. Dezbr. Der erste ans Land gespülte Leichnam von derGneisenau" war der des Kapitäns Kretschmann in Uniform und Handschuhen; Gesicht und Kopf waren blutig. Die Leiche wurde in eine deutsche Naiionalfahne gehüllt und nach dem englischen Friedhofe geschafft.

$ *

Berlitt, 18. Dez. Zu der Katastrophe, welche das SchulschiffGneisenau" im Hafen von Malaga betroffen hat, sind dem deutschen auswärtigen Amre zahlreiche Kundgebungen der Theilnahme zugegangen, die das Ausland dem Verlust entgegenbiingt. Außer den bereits .bekannten veröffentlicht die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" noch folgende: Das eng­lische auswärtige Amt und die britische Admiralität bekun-

Kleines Feuilleton

Aus Kunst und Leben

oder nicht. Daher wurden 22 Stationen von der Westküste Sumatras bis nach der Ostseile der Celebes-Gruppe aus­gewählt, an denen besondere Beobachtungen über die Be­wölkung, die mittleren täglichen und stündlichen Regcnfälle angestellt werden sollten. Von der genannten wissensckafi- lichen Vereinigung weiden nun besondere Angaben darüber gemacht, wie weil sich die einzelnen Plätze zur Beobachtung der Vcifinsterung eignen und wie sie am bequemsten zu er­reichen sind. Forschern, die sich zu dem Natur schauspiel nach Ostasien begeben wollen, soll jeder Vorschub geleistet werben, auch ist ein Zoll für die Mitnahme von astronomischen Instrumenten nicht zu zahlen.

DreiCentner Preisräthsel-Auflösungen! Unter diesem Stichwort geht uns nackstehende Mutheilung zu, welche wohl manchen aus unserem Leserkreis direkt betrifft. Hoffen wir, daß keiner derselbenStiefelknecht" oder bergt. gerathen hat.

Der Abreißkalender für Pflanzenliebhaber von dem be­kanntenBlumenschmidt" in Erfurt enthielt am 11. November folgendes Weihnachts-Preisräthscl:

(3-filbig.)

Tie beiden ersten f <teu dir, IBoS 3-beim nn erfreut im Leben» Der bii.te i ennt dir einen Mrnn, Der Hilter Siebeit sich ergeben. Da» ®.inje ist gnr wohlbekannt In Stabt und Dorf, im ganzen Land.

Jedem Einsender der richtigen LösungBlumenschmidt" war ein Preis zugesagt und sollten Diejenigen, die die Lösung in kurzer hübscher Gedichtsform einschickien, einen besonders schönen Preis erhalten.

Es sind nun bis zum 5 Dezember, dem vorgeschriebenen Schlußtermin, beiBlumenschmidt" 15653 Auflösungen cin- gegangen, wovon die meisten in Versform abgfaßt waren. Alle Stände und alle Klassen der Bevölkerung haben sich'

Maler Adolf Müller-Norden f. Aus Peters­burg wird gemeldet: Hier ist der zu so großen Hoffnungen bklechligende junge Künsller Adolf Müller-Norden gestorben. Müller, einer in Rußland eingewanderten sächsischen Familie knlstammend, besuchte zunächst die Akademie der Künste in Petersburg und ging dann zur Fortsetzung feiner Stn bien nach München, wo er durch ein in der russischen Ab­teilung der dortigen Internationalen Kunstausstellung aus- Sestelltes Portrait seines Lehrers Roubaud die Ansmerksamkeit Prinzregenten Luitpold auf sich zog und so Aufträge aus beuislhen aristokratischen Kreisen erhielt. Nachdem er in Mb auch die französische Portraitirkunst kennen gelernt ging er in sein Vaterland zurück, wo er verschiedene vrbluubildnjsse und Aquarellen schuf.

. .^ie nächste vollständige Sonnenfinsternitz » lrotzdem die Zone der Sichtbarkeit diesmal fern von ""pa liegt, wahrscheinlich die Aufmerksamkeit der Astronomen D E ^ZN hervorragendem Grade auf sich lenken. Es ist der das?WgkN-Verciniguffg in Niederländisch-Jndien zu danken, t A'c aus Anregung her Regierung in Batavia einen bc- Ausschuß eingesetzt hat, um die klimatischen Ver- ftn"Hf ber Zone, in der die Sonnenfinsterniß als voll- i W ö" beobachten sein würde, erkunden zu lassen. Außer am VlQDlQ' bas nicht mehr in dieser Zone gelegen ist, besteht Inn Inselgruppe von Indonesien kein ständiger meteoro Allerdings wird der Regenfall an etwa lâlt Pjâhen seit 1879 gemessen, ans diesen Angaben aber Heit kein Schluß daraufhin ziehen, ob ein Ort für die 5 Sonnenfinsternis; günstige Witterung erwarten läßt

an's Dichten gemacht und ist cs eine wahre Freude, diese gemüthvolle, sinnige und hübsche Hauspoesie zu studircn. Ca. 1000 Auflösungen waren falsch, davon lauteten die meisten auf Stiefelknecht, andere auf Musikant, Weihnachtsmann, Vogelbaur, Ehemann, Pferdeknecht rc.

Die letzte Große Berliner Kunst-Ausstellung hat einen günstigen Abschluß zu verzeichnen. Der Uedcrjchug beziffert sich auf rund <0,000 Mk.

Als Rachfolger Hermann Grimms hat, wie aus Basel berichtet wird, Professor Wülfliu die an ihn ergangene Berufung an die Berliner Universität jetzt endgiliig ange­nommen.

Der tolle Hofjunker" betitelt sich ein neuer Sckwank von C. Thim, der bei seiner Erslanfführung am

Stadttheater rungen hat.

Rückerts

in Görlitz einen großen Heilerkeuserfolg er»

Litterarisches.

Litbesfrühttng, illustrirl von Hugo

Flintzer. Verlag von Herm. Seemann NaH, Leipzig. Preis 3 Mk.

Soeben ist im Verlag von Hermann Seemann Nachfolger in Leipzig als neuester Band der .Jllusirirlen Etzevier-AuSzaden' RüNerii .Liedea- frühting' mit reichem Bilder schmuck von Hugo Ftinher erschienen Schoa seit Jahren haben sich diese reizend ausgeüaneten Bändchen in Duodez­format als entzückende Festgejchenke bei Jung und Hlt glänzend eiuge- sührt, und dieser neueste Band, der iw drei »erjchicdenen jenen und duftigen Fardcnlönen gebeutst ist, bürste der Sammlung noch zabireiche neue Freunde erwerben. Tie ^lzevierauSgadeii bringen die »orzüglichuea Schütze unserer klassischen Dichter in der denkbar ede.slen Form und eignen sich darum in ganz bereorragenbem Mähe zu KcihnachiSgescheukea für unsere Tarnen und die heranwichjendc Jugend. Tie einzelnen Vânde kosten in feinstes roihes SasfiaiUeder geb. mit Solbichniit nur 3 Mk. und sind durch alle Buchhandlungen zu befielen.

Die heutige Stummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 14 Seiten.