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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
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Nr. 291
Donnerstag ben 13. Dezember
1900
Amtliches.
Bekanntmachung.
Bei der Kreiskommunalkvsse hier sind zum Besten der «ach China entsandten Truppen aus dem Landkreise Hanau 18,40 M. weiter eingegangcn und an die Königliche Hauptseehandlungskasse zu Berlin abgeführt worden.
Außerdem sind bei dem hiesigen Kaiserlichen Postamt eingegangen 9,20 M., welcher Betrag an das deutsche Hilfskomitee für Lstasien in Berlin abgcsühri worden ist.
Hanau den 11. Dezember 1900.
Der Vorstand des Zweigvcrcins vom Rothen Kreuz zu Hanau. Dr. Gebeschus.
Aufgebot.
Die Nachlaßgläubiger des »erstorbenen Bäckermeisters Theodor Hain von Großauheim werden aufgefordert, ihre Forderungen gegen den Nachlaß spätestens in dem auf den
7. März i901, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht anberaumten Aufgebotstermine bei diesem Gerichte anzumelden.
Hanau den 7. Dezember 1900.
Königliches Amtsgericht 5.
20187
GefuMne Md Pfordt MMMm etc.
Gefunden: 1 Löthkolben. 1 Damenregenschirm. 1 Militäipaß für Wilhelm Raab.
Verloren: 1 Manschette mit Knopf.
Hanau den 13. Dezember 1900.
Deutscher Reichstag
(Sitzung vom 12. Dezember.)
Das Haus ist sehr schwach besetzt.
Die erste Lesung des Etats
wird fortgesetzt.
Abg. Rickert (fr. Vg.): Wer über die Schwankungen in den Reichseinnahmen bereits Erfahrungen besitzt, wird sich nicht gleich durch ein ungünstiges Jahr beeinflussen lassen. So glaube auch ich jetzt, daß dieser eine Etat nicht gleich zu düsteren Prophezeiungen Anlaß gibt. Ich möchte mich in Bezug auf Etatseinzelheiten nur auf Weniges beschränken. Zum Militäretat möchte ich in Bezug auf das Gerücht von neuen Gewehren sagen, daß ich gehört habe, dieses Gerücht sei unbegründet. Es wäre aber erwünscht, wenn der Kriegsminister dies bestätigte. Man hat zur Sparsamkeit gemahnt. Aber wo? Bei der Militärverwaltung wird sparsam ge- wirthschaftet so viel als möglich. Bei der Marine? Ich glaube doch nicht, daß die Majorität ihr Votum vom vorigen Jahre bereut. Ich wenigstens bereue es nicht. Deutschland ist ein großer Staat, der sich als solcher an der Weltpolitik beteiligen muß. Die Kosten sind zu ertragen, wofern nur eine richtige Steuerpolitik eingeschlagen wird, dazu eine Finanzreform, wie sie Miquel und Twesten 1867 vorgeschlagen haben, Ersatz der Matrikularbeiträge durch eine voll- wertige konstitutionelle Reichssteucr. Das wäre etwas ganz Anderes als die gegenwärtigen Miquelschen Finanzreform- ideen. Redner rügt sodann die noch immer nicht abgeschaffte Veröffentlichung von Auszügen aus dem Etat und bemängelt weiter scharf die einseitige Zusammensetzung des Wirthschaft- lichen Ausschusses. Beispielsweise seien non demselben ausgeschlossen der Bund der Handelsiuüller und die Millionen orgeniftrter Arbeiter. Herr von Kardorff spottete über die Agitation von Handel und Industrie gegen die geplanten Zollerhöhungen, obwohl doch die Agrarier, der Bund der Santo Wirthe, seit Jahren mit '/z Millionen Mark und mit Dutzen- den bkzahlter Agitatoren die heftigste Agitation betreiben.
da etwa eine Gezenagitaiion nicht erlaubt sein? Die sind sehr empfindlich. Es gefällt ihuen ja schon nicht, wenn Herr Schmöller vom Reichskanzler empfangen , nm die bekannten Beiträge zur Handelspolitik zu über-
reichen. Herr von Kardorff schilderte die Lage der Landwirthschaft wer weiß wie ungünstig, ganz anders hat sich der preußische Landwirthschaftsminister am 25. Januar d. Js. geäußert, indem er sagte: Die Sandwirthschaft sei noch immer lohnend! Graf Kanitz und die konservative Presse haben . neuerdings gemeint, es sei zweifelhaft, ob überhaupt neue
Handelsverträge zu Stande kommen können, da auch in den anderen Staaten die schutzzöllnerischen Bestrebungen überhand nähmen. Ja, wenn dem so ist, wer trägt denn daran die Schuld? Unsere eigenen Agrarier. Dabei hat unsere eigene Landwirthschaft von der Handelsvertragspolitik nicht nur keinen Schaden, sondern Nutzen! Sie können dies aus der Zunahme des Anbaues in Pommern, Wesipreußen, Posen ersehen. Sehr bedauerlich ist, daß die früheren schönen statistischen Erhebungen und Mittheilungen über die Subbaitations- Ursachen nicht mehr fortaesctzt worden sind. Weshalb Hüllen Sie das jetzt in Geheimniß, wie überhaupt Alles, was zur näheren Aufklärung 'ber Verhältnisse in der Landwirthschaft dienen kann? Der Bauernverein ’Jiorboft hat eine Enquete veranstaltet, dieselbe ergibt, daß der größte Theil der mittleren und kleinen Landwirthe Getreide zukaufen muß. Nur ein ganz kleiner Theil der Landwirthe hat also ein Interesse an Getreidezöllen, nur eine verschwindende Minorität. Diesen zu Liebe wollen Sie Millionen von Arbeitern mit einem wucherischen Brodzoll belegen. Wäre es da nicht viel rich- liger, wenn der Staat diese Agrarier, soweit sie verschuldet sind, auskauft und ihnen als Abfindung so viel gibt, als sie zum Dasein brauchen ? (Zuruf rechts.) Herr Dr. Oeriel, ich dächte, so viel Rücksicht könnten Sie wohl auf einen alten Parlamentarier nehmen, um solche Redensarten zu unterlassen. Ich verbitte mir dieselben ! Redner wendet sich sodann gegen Auslassungen der „Deutschen Tageszeitung" über den Nichiempfang Krügers, Auslassungen des Inhalts, daß in Deutschland Regierung und Volk in dieser Frage nicht einig seien, und daß Demsch- land gleichsam mitschuldig sei an dem Ausbnich des Krieges, sowie daß Bülows Rede eine Verbeugung vor England gewesen sei. Das nennt man, m. H, agrarische Polilik, das sind die Schützer von Thron und Altar. Dabei hat Deutschland loyal vor dem Kriege gewarnt, und da wollen Sie, daß Deutschland jetzt intcrvenire? Auch der Nichlemvfang Krügers war korrekt, so sehr man auch die Empfindungen des Volkes bei diesem Anlaß schätzen muß. Ich erinnere Sie an den Ausspruch Bismarcks: Die Freundschaft Englands steht uns höher als Egypten. Nothwendig ist allein: reale Politik im Interesse Deutschlands: alles Andere ist Kannegießerei. Ich habe die Hoffnung, daß es dem Reichskanzler gelingen möge, nicht nur den politischen, sondern auch trotz aller Gegenbestrebungen die wirthschaftlichen Beziehungen, den wirthschaftlichen Frieden unter den Völkern zu fördern.
n Kriegsminister v. Goßler: Der Abg. Rickert hat die Güte gehabt, zu verjlchern, daß die Leichtgläubigkeit eine ganz unglaublich fei. Das mag ja sein, aber ich hätte doch nicht für möglich gehalten, daß Gerüchte über Umbewaffnung von Artillerie und Infanterie hier in dein hohen Hause geglaubt werden würden. Der Abg. Bebel hat allerdings eine Notiz im „Vorwärts" erwähnt, daß bereits eine theil weise Umbc- waffnung bei dem 16. Armeekorps eingetreten sei. Solche Nachrichten pflegen in der Regel vor der Etatsrede des Herrn Abg. Bebel im „Vorwärts" zu erscheinen. (Heiterkeit.) 'Was ich Thatsächliches über das neue Gewehr anzuführen habe, ist Folgendes: Es war in einer Zeitung die Rede von einem neuen skandinavischen Gewehr mit automatischer Ladung. Um uns auf dem Laufenden zu halten, hat die Verwaltung sich bemüht, ein solches Gewehr zu erhalten. Der Erfinder hat zugesagt, ein solches zu senden. Bis heutigen Tages ist es noch nickt eingetroffen. (Hört. hört!) Wie da von einer Umbewaffunng die Rede sein soll, begreife ich nicht. Was öü Umbewaffnung der Artillerie anbelangt, so sind neue Geschütze von den beiden Fabriken von Krupp und Ehrhardt angeboten worden, bei denen es sich um eine Vorrichtung zur Hemmung des Rücklaufs handelt. Wir haben beide Fabriken i angewiesen, derartige Proben vorznnehmen. Bisher sind diese 11
Geschütze noch nicht einzetroffen. (Große Heiterkeit.) Was dann die gestern vom Abg. Liebermann v. Sonnenberg vorgebrachte Klage wegen eines alten Kriegers betraf, so konnte man den Eindruck gewinnen, als sei das Wort des alten Kaisers nicht gehalten worden. Das ist nicht der Fall. Der Mann bekam das Militärehrenzeichen erster Klasse, das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Jetzt bezieht der Mann eine Pension von rund 2000 Mark. (Hörr! Bciiall.)
Abg. G l e b o ck i (Pole) verbreitet sich über die Vorkommnisse bei der neulichen Wahl in Lomir-Meseritz, um die Angriffe Sattlers gegen den Erzbischof von Posen-Gnesen zurückzuwcisen.
Abg. Graf Schwerin-Löwitz (dt'ch.R.) wendet sich gegen die Ausführungen Rickerts über die landwirthschaftlichen Verhältnisse und die Handelsvertragsfragen, den winhschaft- lichen Ausschuß usw. Thatsache sei doch, das sage er auch Herrn Bebel, daß die Landwirthschaft, die doch heul: noch mehr als die Hälfte der deutschen Produktion an Werth reprâsentire, nicht renlire. Deshalb habe auch eine völlige Entwertung von Grund und Boden stattgefunden. Die Zollcrhöhungcn auf ©eireibe würden den Erfolg haben, daß
die heimische Getreideprodukrion steige.
Und daraus folge
wieder, die Produzenten haben von der steigenden Produktion Gewinn und die Konsumenten werden von dem Zoll nicht belastet! Wenn die Landwirthschaft. zurückgehe und die Industrie mit den industriellen Arbeitern noch mehr überhand nähme, so glaube er nicht, daß das den Thronen der Bundesfürsten zu besonderer Stütze gereichen werde. Das monarchische Regiment werde sich dann schwerlich in Deutschland erhalten lassen. Das bitte er den Reichskanzler im Auge zu behalten. Er bitte ihn auch, die Vorlegung des Zolltarifs, wenn irgend angängig, noch in dieser Session zu ermöglichen. Scheine es ja doch, als wehe jetzt an der obersten Reichsstelle ein etwas frischerer Wind. (Bravo rechts.)
Abg. Hasse (nail.) kann dem Abg. Richter nicht den Spaß machen, gestiefelt und gespornt in die Arena zu reiten. Er finde die Transvaalangclegenheiicn garnicht spaßhaft. Die Darstellungen von bem Vorgang der Sldreßüberrcichung des Alldeutschen Verbandes an Krüger in der Kölnischen Zeitung waren irrig und sollten wohl absichtlich irre führen, llebrigens ist cs merkwürdig, daß der Reichskanzler dieses wetierwendige Blatt, das jetzt auch der Debecrs-Kompagnic seine Spalten öffnet, noch immer für offiziöse Artikel zu benutzen scheint. Wir härten die Adresse am liebsten in Berlin überreicht; unsere Schuld ist es nicht, daß wir ins Ausland gehen mußten. Die wenigen Worte, die an den Präsidenten Krüger zu richten ich die Ehre hatte, begannen damit, daß ich sagte: Nicht im Namen des amtlichen Deutschlands (Große Heiterkeit), sondern im Namen des Alldeutschen Verbandes, getragen von den kvmpathicn des deutschen Volkes. (Sehr richtig.) Letzteres wird mir von der Presse und dem größten Theile der Vorredner bestätigt. Was der Abg. Bebel über die Vorgänge in Köln gesagt hat, unterschreibe er ganz. Redner bespricht die letzte Rede des Reichskanzlers und fragt, ob die Neutralität immer inne-
gehalten werde. Habe doch ein Schiff der Wörmannlinie englische Soldaten befördert. Wir wollen nicht zu einem
Wir «ollen nicht zu einem
Kriege gegen England Hetzen, wir wollten nur, daß Krüger hier ebenso empfangen werde, wie in Holland. In England glaubt man immer noch, uns mehr bieten zu können, als anderen. Es scheinen eigenthümliche Verbindungen zwischen der Wilhelmstraße und der „TimcS" zu bestehen, die schon vorher wußte, daß Krüger hier nicht empfangen werden würde. Die „Frankfurter Zeitung" meint, daß das deutsch- englische Abkommen gegenstandslos geworden sei durch den Vertrag zwischen England und Portugal und daß wir die Buren umsonst int Stich gelassen haben. Wir sind hier wieder wie schon früher von England übers Ohr gehauen worden. Ebenso war cs mit dein Vertrag betreffend die Delagoabai und den Vangrseverlrag. Der Reichskanzler meinte, cs hätte Krüger nichts genutzt; ich bin derselben Meinung, es fragt sich aber, ob wir uns nickt selbst genutzt
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