Seite 4
Hanauer Anzeiger
12 Dezember
Telttzts-tzischer :$cttocri$t der deulDev Scewsrte.
Telegramm aus Hamburg vom 12. Dezember.
(9 Uhr 35 Min.)
Ein Maximum über 772 mm lagert über dem Alpen- gebikl, ein Minimum unter 750 ium nördlich der Nordsee. In Deutschland ist btto Wetter mild, im Norden regnerisch, an der Lüste wehen starke Südwest-Winde.
Prognose für den 13. Dezember: Mildes, im Norden regneriichcs Wetter wahrscheinlich.
Aus dem Gerichtssaal
Sitzung des Schöffengerichts vom 12. Dezember.
Ein wandernder Handwcrksbursche M. verband das Angenehme mit dem Nützlichen und ließ beim Betteln einen im Hausflur hängenden Hut mitgehen. Er erhält 14 Tage Gefängnis und 3 Tage Haft. — Der Bauersmann D. von Oberiisigheim soll unbefugt über eine Wiese gefahren sein. Die Strafsache wird vertagt, wegen Ungebühr vor Gericht aber der Angeklagte mit 1 Tag Haft bestraft. — Die Eheleute C. von Großauheim rückten dem Pächter ihres Ackers, einem Rangirer, der ihnen unbefugt auch das nichigepachicie Obst aberntete, derart wörtlich und thätlich zu Leibe, daß der Rangirer gegen die Eheleute O. Strsiantraz wegen Körperverletzung und Beleidigung stellte. Die Eheleuie erhalten je 3 Mk. Geldstrafe. — Der Arbeiter H. von Großauheim rückie der Frau B. dortselbst auf die Srube, um deren Jungen wegen eines Diebstahls und wegen seines losen Mundes zur Rechenschaft zu ziehen. Er ist des Haussticdensbruchs und der Mißhandlung des Jungen beschuldigt und erhäll 10 Mk. Geldstrafe. — Der Handelsmann H. von Klcin-Lteinheim verfolgte eines Abends einen Schutzmann, der einen Arrestanten durch die Marklstraße in das Polizeigcfängniß bringen «eilte, in der Absicht, ihm den Gefangenen zu entreißen. Schließlich stieß er den Schutzmann vor die Brust und veranlaßte so, daß der Beamte den Gefangenen auf kurze Zeit laß lassen mußte. H. erhält wegen gewaliiamer Gefangenenbesteiung 4 Wochen Gefängniß.
— Der Bijouteriefabrikanr S. ist der Ucbertretung der Gew.- Ord. beschuldigt, weil er zwei Arbeiterinnen nach halb 9 Uhr noch beschäfligle. Es wird auf 15 Mk. Geldstrafe erkannt. — Der Landwirrh K. I. von Rüdigheim soll die Jauche aus seiner Grube auf die Dorfstraße haben rinnen lassen. Ter Angeklagte wird freigesprochen, da es sich allem Anschein nach nur um Wasser handelte. — Der Schuh- machermeister R. soll feinen früheren Gesellen zu spät abge- meldet haben. Er wirb von der Beschuldigung freigesprochen, weil es sich um eine irrthümliche Feststellung des Datums der Abreise des Gesellen handelt. — Der Taglöhner T. entwendete einem Fuhrwertsbesitzer, über dessen Pferde er kurze Zeit die Aufsicht übernommen hatte, eine Pferdedecke. Urtheil: 1 Woche Gefängniß.
Aus Provinz und Nachbargebieten.
Cassel, 12. Dezbr. Gestern früh ereignete sich in der Wolfhager Straße der gar nicht so seltene Fall, daß Ratten einen Menschen an griffen. In einer Erkerwohnung waren vom Dache aus zwei Ratten eingedrungen und in das Bett eines kleinen Kindes gesprungen. Durch anhaltendes klägliches Schreien wurde die außerhalb des Zimmers beschäftigte Mutter aufmerksam, eilte herbei und befreite das gepeinigte Lind, dem die abscheulichen Thiere im Genick zwei stark blutende Wunden beigebracht hatten.
Herssel», 11. Dezbr. Mit aller Bestimmtheit tritt das Gerücht auf, daß sich in dem Walde bei Kathus ein Bär aufhalte. Linder wollen das Thier im Walde gesehen haben, der Bär habe einen Maulkorb getragen und ein Stück einer Kette mit sich geschleppt. Auch habe er vor den Kindern getanzt. Diese Nachricht ist nur mit allem Vorbehalt «ieder- zugeöen.
Kirchhain, 10. Dezbr. Gestern ereignete sich hier ein sehr beklagenswerther Unfall. Gegen 9 Uhr abends bemerkte man in der Scheune des Bäckermeisters Franz Wolf ein Stöhnen und Wimmern. Die Hausinsassen eilten hinzu und fanden Wolf mit einer starken Kopfwunde bewußtlos in der Scheunentenne liegen. Zweifellos ist der Genannte vom Boden hcruntergesallen. Nach wenigen Stunden v e r st a r b Wolf, ohne daS Bewußtsein wieder erlangt zu habe«.
<•> Hainstavt a. M., -11. Dezbr. Der 16jährige Schloiserlehrling Peter Mergel wollte seinen im Walde beschäftigten Vater aufsuchen, glitt an einer schlüpfrigen Wegsielle aus und brach im Sturze den linken Arm.
Vermischte Nachrichten.
Neue- Grubenunglück. In der Grube „Alle Dreisbach" wurden, wie auS Siegen berichtet wird, 8 Bergleute verschüttet, 7 sind geborgen, einer ist todt.
Der Nadler und der Tod. Ueber einen eigenthümlichen Vorfall, bei dem durch plötzlichen Schreck der Tod eines Menschen herbeigeführt wurde, schreibt man aus Altenbruch: Im benachbarten Kreise Bremervörde war am Sonntag Morgen ein junges Mädchen aus de« Dorfe Mehldorf nach Bremervörde unterwegs, um dort den Gottesdienst zu besuchen. In der Nähe deS Friedhofes wurde plötzlich daS Mädchen vom Schlage gerührt und fiel todt zu Boden. Augenzeugen berichten hierzu, daß ein Radler im schnellsten Tempo an
CD Aus dem Rodgau, 11. Dezbr. Eine ergötzliche Geschäflscpisode macht gegenwärtig in unserer Umgebung die Runde. Ein bekannter Besitzer einer Mehlhandlung en gros — Namen und Wohnsitz thun nichts zur Sache — beauftragte nämlich kürzlich telegraphisch einen Kommissionär in der benachbarten Großstadt, ihm sofort 60 Sack Weizenmehl zu übersenden. Erslsortigcs Weizenmehl 00 pflegen die Händler im Telegrammstile mit „Nuller" zu bezeichnen. Der Besteller dieser 60 „Nullcr" erhielt umgehend die Drahtantwort, die bestellten 60 Kälber würden erst am folgenden Tage zuge- fnnbt, weil der Kälbermarkl bereits ausverkauft sei. Das anfängliche Erstaunen über diese sonderbare Auffassung löste sich bald in unbändige Heiterkeit auf, nachdem der Irrthum auf telegraphischem Wege seine Aufklärung fand. Der betreffende Telegraphenbeumie hatte einfach die etwas flüchtig geschriebenen „Nuller" zu „Kälber" umgewandelt. Um ein Haar aber wäre unser guter Mehlhändler zum Kälberhändler avancirt.
Landessynode für Kurhessen.
Cassel, 10. Dezbr.
Die Dienstagssitzung wird gegen 10 Uhr vormittags in der üblichen Weise eröffnet.
Als erster Punkt der Tagesordnung steht der Bericht des großen Ausschusses über den am 10. Dezember b. Js. eingegangenen Antrag der S tz n o d e W i e s b a d e n bei der Hessischen Landessynode und dem Großherzogl. Hessischen Ober-Konsistorium dahin zu wirken, daß die F e i e r d e s Bußtages im Großherzogthum Reffen auf denselben Tag (letzter Mittwoch vor dem Todten-Gedenktag) wie in Hessen- Nassau verlegt werde. Dem Anträge wurde nach kurzer Debatte zugestimmt.
Es wird sodann in die Plenarberathung der 2. Lesung des Entwurfes zu dem Kirchengesetz eingetreten betr. „R u he - gehaltsordnung für die Geistlichen der evangelischen Kirchengemeinschaften des K o n s i st o r i a l b e z i rks Cassel." Als Berichterstatter des Ausschusses bringt Herr Pfarrer Eckhardt- Kalden die Paragraphen des Gesetzes mit den vom Ausschuß vorgenommenen Abänderungen zur Verlesung. Aus der sich anschließenden Berathung geht § 1, Absatz 1 in unveränderter Fassung hervor. Absatz 2 nimmt Rücksicht auf solche Geistliche, gegen welche das Disziplinarverfahren eingeleitet worden ist und wird mit der Einschal- lung nach dem Worte „kann" unverändert angenommen, nämlich: Das Konsistorium unter Mitwirkung des Gesammtsynodal - Ausschusses demselben bei vorhandener Bedürftigkeit einen Ruhegehalt entweder auf bestimmte Zeit ober auf Lebenszeit bewilligen." Ebenso wird Absatz 3 ohne vorgenommene Aenderung angenommen. ■ Unverändert angenommen werden nach längeren Debatten I auch die Paragraphen 2, 3, 4, 5 und 6. Zu § 7 erhält Absatz 1 den Zusatz: „Nur solche Zuschüsse kommen in Betracht, welche einer Pfarrstelle dauernd, ober dem Stelleninhaber auf Amtsdauer gewährt sind." Absatz 2, 3 und 4 bl-iben unverändert. Absatz 5 lautet: „Die Dienstwohnung einschließlich des als Zubehör gewährten Gartens bczw. eine etwa gewährte Miethsentschädigung wird mit 400 Mark berechnet." Absatz 6 bleibt unverändert und wird § 7 in der so veränderten Fassung angenommen. Zu § 8 bleibt Absatz 1 unverändert. Absatz 2 erhält folgende Fassung: „Soll eine von dein Geistlichen nicht beantragte Versetzung in den Ruhestand auf Grund der Erfüllung des 70. Lebensjahres erfolgen, so muß der Geistliche zuvor darüber gehört werden und der vom Konsistorium unter Mitwirkung des GesammtsynodalausschusscS zu fassende Beschluß dem Geistlichen mindestens 6 Monate vor dem Zeitpunkt, mit welchem die Versetzung in den Ruhestand in Kraft treten soll, schriftlich eröffnet werden."
Absatz 3 erhält folgende 2 kleine Aenderungen :
Seite 7 Zeile 5 von unten, soll statt „Beamten" gesetzt werden: „Geistlichen".
Seite 8, Zeile 6 von oben, soll der Schluß des Satzes lauten: „können demselben zur Last gelegt werden."
In dieser Fassung wird § 8 von der Synode angenommen, ebenso § 9, welcher am Schluffe nur folgendermaßen lauten soll:
„auf dessen Gefahr, aber auf Kosten der Ruhegehaltskasse durch die Post gegen Vorzeigung gehörig bescheinigter Quittung."
Die Paragraphen 10, 11 und 12 werden nach kurzen Debatten in der Form des Entwurfs angenommen.
Im Laufe der Berathungen ist auch Se. Exzellenz der Herr Oberpräsident Graf von Zedlitz und Trützschler erschienen und verfolgt den Fortgang der Verhandlungen mit sichtliche» Interesse.
Gegm 2 Uhr wird in eine 2ftünbige Ruhepause eingetreten und wird die Berathung nach Ablauf derselben um 4 Uhr wieder ausgenommen. (Hess. P.)
dem Mädchen vorbeigefahren sei und erst dicht netzend selben plötzlich scharf geklingelt habe. Hierdurch sei bad W mädchen so. erschreckt worden, daß cs vom Schlage g^ wurde und auf der Stelle todt war.
DrahümchriHten des Hanauer Anzch^
Berlin, 12. Dezbr. Der Kaiser hat dem Stnti- selretär P o d b i c l s k i den Wunsch ausgesprochen, eh» Wiederholung des Vortrages zu hören, den der Geh. ^oftrath Professor Dr. Strecker am 5. Dezember vor den Gästen Staatssekretärs im Lichthofe des Reichs-Postmuseums Kabel-Telegraphie gehalten hat. Der Vortrag wird in ben ersten Tagen des neuen Jahres stattfinden und zwar nur vor dem Kaiser und seinem Gefolge.
Berlin, 12. Dezbr. Wie der „Lokal - Anzeiger" M Wilhelmshafen meldet, ist der Leutnant Knappstein, der in Colombo krankheitshalber vom Dampfer „Köln" zurückgelassm wurde, jetzt dort g e st o r b e n.
Berlin, 12. Dezbr. Ein Telegramm dar „Berliner Neuesten Nachrichten" aus Petersburg besagt, soweit bis jetzt bestimmt, sollen auf Wunsch der Aerzte der große Neujahrs- Empfang sowie alle sonstigen Festlichkeiten in diesem Winter am Aarenhofe a u s f a l l e n.
Berlin, 10. Dezbr. Wie die „Nationalzeitung" hört, sind die seitens des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten veranlaßten Untersuchungen und Berathungen des Eisenbahnunglücks bei Offenbach^abgeschlosfen und wird der amtliche Bericht über die Ursachen und die Folgen jenes Unglücksfailes sowie die Frage der Umgestaltung der O.-Wagen, der Beleuchtung ec. in den allernächsten Tagen erscheinen. Was die Beleuchtung betrifft, so mag daran erinnert werden, daß schon seit geraumer Zeit eine Mischung von Fettgas und Acetylen verwendet wird, welches dem elektrischen Lichte kaum nachsteht und unter keinen Umständen, auch bei den stärksten Hitzegraden nicht zur Explosion gebracht werden kann.
Berlin, 12. Dezbr. Nach einer Mittheilung eines hiesigen Blattes sollte ein Norweger ein neues Gewehr erfunden haben; diese Waffe sollte alle anderen Systeme übertreffen und der Kaiser befohlen haben eine Division des 10. Armeekorps damit probeweise auszurüsten. Wie man nun einem hiesigen Blatte von unterrichteter Seite mittheilt, sind alle diese Angaben ein Gemisch an sich ziemlich belangloser Fragen. Thatsache ist allerdings, daß in Spandau fortgesetzt alle neuen Systeme erprobt werden. Die angeblich probeweise Bewaffnung einer Division eines hannoverschen Armeekorps ist nicht angeordnet, vielmehr ist es Thatsache, daß die Deutsche Armee ruhig bei dem Gewehr M. 98 bleibt.
Rom, 12. Dezbr. In diplomatischen Kreisen wird ie- stätigt, daß Prinz Georg von Griechenland von allen Höfe« auf sein Ansuchen, die Mächte mögen der Proklamation der Unabhängigkeit Kretas zu st im men, einen abschlägigen Bescheid erhalten hat.
Rom, 12. Dezbr. Die Königin-Mutter Margheriti wird nächste Woche nach dem Piambino-Palast übersiedeln, welcher am vergangenen Sonntag für die Summe von 2,650 000 Lire erworben wurde.
Paris, 12. Dezbr. Der Kriegsminister hat eine Untersuchung über die Boykottirung des Leutnants Pöchet-Lebrabier in Reims eingeleitet. Der betreffende Leutnant, der zur Zeit des Dreyfus-Prozesses für Dreyfus günstige Aussagen gemacht hatte, ist seitdem von den übrigen Offizieren des Regiments Gegenstand fortgesetzler Jsolirung.
Charleroi, 12. Dezbr. Die ausständigen Grubenarbeiter beschlossen in einer am Dienstag abgehaltenen Versammlung die Fortsetzung des Ausstandes. Die Zahl der Ausständigen beläuft sich auf über 6000.
London, 12. Dezbr. Der aus Südafrika zurückge- kehrte Herzog von Westminster, kündigt seine bevorstehende Vermählung mit Fräulein Sheila Cornwellis West, Schwester der Prinzessin Heinrich von Pleß an.
London, 12. Dezbr. Hier wird bestritten, daß zwischen England und Portugal ein förmlicher Allianzvertrag abgeschlossen sei und erklärt, es bestände lediglich zwischen beiden Ländern eine politische Solidarität.
Petersburg, 12. Dezbr. Da das Befinden des Zaren sich dauernd sehr günstig gestaltet, wird der Minister des Auswärtigen, Graf Lambsdorff, in den nächsten Tagen nach Petersburg zurückkehren.
Warschau, 12. Dezbr. Eine Verordnung des Ministers des Innern ermächtigt den General-Gouverneur, im Verwaltungswege Festungsstrafen bis zur Höhe von » Monaten zu verfügen in Fällen, wo von Privatschulen polnn scher Unterricht ertheilt wird. Infolge dieser Verordnung herrscht unter der Bevölkerung große Aufregung, da dies als Vorbote weiterer noch strengerer Maßregeln gegen die polnische Bevölkerung betrachtet wird.
Cognac
Etiquett
Mk.
Etiquett
gelb .... weiß roth Kreuz .
. 1.5«
. 1.8«
weiß . .
„ 1 Stern
schwarz 1 Krone .
. 2.-
„ 2 Sterne
grün 2 Kronen .
. 2.50
„ 3 Sterne
qold 3 Kronen .
. 8.—
„ 4 Sterne
in Flaschen von ta. ’/* Liter.
Mk.
. 4»"
. 5."
' . 6."
' . 8."
: • 'N
Ch. J. Lossow.