Ubomicmcnts- PreiS:
Jährlich 9 M. Halbjährl. 4 «M 50 £.
Vicrleljährllch
2 ■ * 25 <4.
gür nuSwärtige Ubovnenlcn mit dem brtreifenben Poilaufschlng.
Die ein teilte Nummer kostet 10 A
EinrücknvgI. gebühr
für Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ bie 4gefpa!tme Garmond- zeile oder bereit Naum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
Auswärts 30 ^.
Kmtüchès Argali für Skaöl- unö LanSKrsis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Soun- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 286
Freitag den 7. Dezember
1900
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 48
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 6. Dezember.)
Minister B r e f e l d führt aus: Bei der Rcservirung der direkt abgegebenen Kohlen werden ebenso wie die landwirth- schaftlichen Genossenschaften auch die gewerblichen Genossenschaften berücksichtigt. Die landwirthschaftlichen Genossenschaften können allerdings höhere Rabattpreise erzielen, weil sie sich in zwti größere Käufcrgruppcn znsammeugethan haben, während die gewerblichen Genossenschaften in viele kleine Besteller zerfallen. Verkaufsburcaus bestehen in Saarbrücken für das Saargebiet und in Zabrze für Oberschlesien. Es wurde mir der Borwurf gemacht, cs sei von meinem Amtsvorgänger ein Zentralbureau in Aussicht genommen, von mir aber nicht in Betrieb gesetzt worden. Das ist unrichtig, die Einrichtung hat noch Berlepsch ausgeführt. Der Vorwurf beruht auf einer Verwechslung. Es wurde ferner in den Blättern der Vorwurf erhoben, daß das Zentralburcan unter meiner Leitung nicht so gewirkt habe wie unter Berlcpsch. Die Betheiligung sei unter diesem geringer gewesen, als unter meiner Amtsführung. Das ist unzutreffend. Die Beiheiligung der Händler ist jetzt geringer als unter Berlepsch. Das kommt daher, weil wir unter Berlepsch eine hcrabgehcnde Konjunktur hatten. Es wurde an mich die Aufforderung gerichtet, die oberschlesischen Gruben mit den staatlichen zu einem Syndikat zu vereinigen. Dabei entsteht die Gefahr, daß der Staat, wenn er sich in einem Syndikat befindet, majorisirt werden kann und die Preisbildungen des Syndikats mitmachen muß. Auf ein solches Syndikat gehe ich unter der Voraussetzung ein, daß der Staat'nicht majorisirt wird. Eine solche Einrichtung haben wir bei dem Kali-Syndikat. Der Abg. Heim bezeichnete es als eine Schande, daß das 18. Armeekorps englische Kohlen bezogen habe. In vielen Gebieten ist eben die englische Kohle billiger wie die inländische. Ich verwahre mich gegen die Bezeichnung „Schande". Der Abg. Heim nahm auch Bezug auf meine Ausführungen im preußischen Abgeordnetenhause, wo ich nicht wie ein Minister, sondern wie der Vorsitzende eines Aufsichtsrathcs gesprochen hätte. Ich habe doch auseinandergesetzt, daß eine plötzliche Steigerung der Produktion sehr gefährlich wäre und auch auf die Lohnverhältnisse der Arbeiter höchst ungünstig clnwirken würde. Abg. Heim erhob auch den Vorwurf, daß trotz der Vorschriften des Berggesetzes die preußische Regierung keinen Gebrauch von der Befugnis gemacht habe, 'die Grubenbesitzer dazu anzuhalten, neue Gruben in Angriff zu nehmen. Das beruht darauf, daß nie ein Anlaß dazu für die Regierung bestanden hat. Stets haben die Grubenbesitzer von selbst neue Gruben in Angriff genommen und die Gruben erweitert. Auch jetzt sind 72 neue Anlagen in Vorbereitung. Demgegenüber hat der Abg. Heim das Vorgehen des bayrischen Ministers gegen die Grubenverwaltung hervor- gehoben. Ich glaube, der Abg. Heim hat nur beabsichtigt, die bayrischen Behörden den preußischen gegenüber als die besseren hinzustcllen und den bayrischen Minister gegenüber dem preußischen. Heim wollte nur seiner größeren Vcr- khrung für den bayrischen Minister Ausdruck geben. Damit erkläre auch ich mich, abgesehen von seinen sonstigen Ansichten, einverstanden.
d" Grubenpreise sind nach der Schweiz Redner dankt de« Minister, daß er den Genossenschaften nicht billiger als nn Jnlande, sondern nach der Schweiz in Kohle zur Verfügung stellen will, und meint, cs wäre vielleicht manchen fallen hoher. Ten Vorschlag des Abg. Kanitz be- ganz gut, wenn er den Händlern den kommissionsweisen treffend, kann ich mich nicht für befugt erachten, Bedingungen Verkauf von Kohlen antrüge. Vielleicht wäre es auch an die Gewährung von Tarifvergünstigungen zu knüpfen, die wünschenswert, wenn sich der Staat in Rheinland und mit den Frachtverträgen an sich in keiner Beziehung stehen. Westfalen Graben verschaffte, um dort einen maßgebenden Preistreibereien kamen zumeist wohl bei den kleineren Ver-, Einfluß zu üben. Wenn wir mehr Galizier über die Grenze kaufern vor. Zudem kommt ein großer Theil der Händler- gelassen hätten, würde der Arbeitermangel in der Landwirth- kshle nicht per Schiene von den Gruben zu den Konsumenten,' schäft nicht so fühlbar sein. Eine Produktionsstciqcrunq hätte tondern auf dem Wasserwege und wird vom Lchiff weg stattfinden können. Der preußische Minister des Innern war V . _ . nr , t I aber wenig entgegenkommend. Ich kann daher die preußische
Abg. Sa chse (Loz.): Auch aus den Machst,chen Kohlen- Regierung nicht freisprechen von dem Vorwurf, die Kohlengebieten sind Maffenlieffrungen nach Oesterreich gegangen, noth hcrvorgcrufen und mitbcgründet zu haben. Auch die die geradezu deutschfeindlich genannt werden müssen. Die Behandlung der Kohlenfrage in der Presse hat zu einer crheb- Kohwngewmniing werde immer schwieriger, trotzdem find die lichen Verschlimmerung der Krisis beigetragen. Der preußische Bergleute fleißiger als je. Die Jahresleistungen im Einzelnen Eisenbahnministcr sagt, wenn wir nickt Ausfuhrtarife nach sind gestiegen.. Wenn die Kohlennoth von irgend einer Seite Holland Haien, gehen die Kohlen auf dem Wasserwege; im künstlich herbeigeführt ist und wenn Jemand schon seit Langem preußischen Abgeordnetenhaus dagegen sagte er, daß der Eisen- lede Ueberproduktion vermieden hat, ist cs das Rheinisch-wcst- bahntransport nicht mehr zu bewältigen sei und Wasserwege fâlische Kohlenlyndikat. Allerdings hat das Syndikat be- nothwendig sind. Der Eilenbahnminister ist viel zu bescheiden, schlossen, den Händlern die Kohlenlieferung zu entziehen, die Die Eisenbahnen können noch viel mehr leisten. Auf' jeden allzu theuer weiter verkaufen. Aber es müssen auch Verträge Fall ist es eine dankenswenhe Anregung des Zentrums, daß und Beschlusse existiren, denjenigen Händlern die Kohlen- die Sache hier zur Sprache gekommen ist. Die ruhige und lieferung zu eniziehen, die zu billig verkaufen. Hierüber sachliche Darstellung hier im Hause wird dazu beitragen, die liegen Beweise vor. Dadurch, daß die deutschen Kohlen nach Gemüther zu beruhigen.
dem Auslande billiger verkauft werden als nach dem Inlands Minister Brefeld: Alle Bergbehörden haben sich dabegünstigt man die, ausländische Konkurrenz. Wir fürchten, gegen ausgesprochen, den Händlern den kommissionsweise« daß die Regierung sogar noch eine Ausfuhrprämie bewilligen Verkauf von Kohlen anzutragen, denn sie sagen mit Reckt, wird. Die Herren aus dem Zentrum, die Grubenbesitzer sind, für uns ist die Hauptsache, daß wir den Uebcrjchuß an die sind genau mit der Preissteigerung mirgeschritlen, wie die Händler loswerden. Der Abg. Gamp sagt, der Staat müsse Zuden und das Kohlensyndikar. Redner bespricht die Be- Grundbesitz in Rheinland und Westfalen erwerben. Wenn Handlung und bi- elenden Wohnungen der Arbeiter. Auf ich auch die Absicht Èätie, dort Mushen ober Bergwerke zu öcr Zeche „Hannover" hat Krupp Villenkolonien angelegt und errichten, so würde ich ihm nichts davon sagen.
dafür den Arbeitern 10 Prozent vom Löhne abgezogen, im " ' .....
Ganzen 300,000 Mark. Dafür kann man sich als Wohltäter der Menschheit aufspielen und Monarchen zu Gaste laden. Die Grubenbesitzer erzielten eine Dividende von 133/< Prozent. Was bedeuten dagegen die geringen Lohnerhöhungen.
Dabei hat eine ganze Reihe von Zechen Lohnredukiioncn vor-
genommen oder in Aussicht gestellt. An den hohen Dividenden sind auch viele Abgeordnete betheiligt. Als Aufsichtsrath von der Laurahütie hat v Kardorff 27,000 Mark bekommen.
Abg. Czarlinski (Pole) erklärt, die Sache sei ernst. Tie Regierung könne und müsse etwas dagegen thun.
Abg. Pachnicke (fr. Vgg.): Ein Ausfuhrverbot sei zum Glück mit den bestehenden Handelsverträgen unvereinbar. Der Vorschlag des Abg. Kanitz, die Preise indirekt durch den Staat festlcgen zu lassen, sei undurchführbar. Dem Syndikate steht Redner unparteiisch gegenüber. Die Situation sei dadurch auf die Spitze getrieben, daß die berufsmäßigen Händler die Konjunktur rücksichtslos ausnutzten. Einkaufsgenossenschaften
Präsident Graf Ballestrem bittet, nicht auf Privatverhältnisse von Abgeordneten cinzugehen.
Abg. Sachse fährt fort: Wenn das Zentrum wirklich festgesetzt. Außerdem Rcchnungssachen.
der Kohlennoth Vorbeugen und den Arbeitern bessere Lebens- Schluß gegen 6 Uhr.
bedingungcn schaffen will, muß es mit für die Verstaatlichung ---------
der Kohlenbergwerke ein treten. Seitens der katholischen Geist- Politische und unpolitische Nachrichten, lichen wird unter den katholischen Bergarbeitern gegen die Sozialdemokratie gehetzt.
sollten errichtet und gefördert werden.
Hierauf wird die Weitcrbcrathung auf morgen 1 Uhr
Schluß gegen 6 Uhr.
Berlin, 6.Dczbr. Inder Budget-Kommission
des Reichstages wurde heute die Berathung des
Bundcsrathsbevollmächtigter Fischer- Sachsen: Die sächsische Nachtrages für China fortgesetzt und eine Reihe von Regierung soll nicht den Muth gehabt haben, die Kohlcnaus- Dieln bewilligt, darunter Titel 5: Kosten einer Medaille für fuhr nach Oesterreich znvcrhndern? Was hätte sic thun sollen? bie Thcilnchmer an der Expedition nach China 70000 M. Der Erlaß eines Ausfuhrverbots nach Oesterreich war gesetzlich Die erhobene Jndemnitätsfragc rief eine längere Diècussion
unmöglich. Die Regierung hat, als die Kohlenfrage brennend hervor. Ein Beschluß wurde jedoch nicht gefaßt. Die Be-
wurde, alles Mögliche gethan. Sie hat auch mit den berufenen raihungen werden morgen fortgesetzt.
Organen von Industrie und Handel sich in Verbindung ge- Berlin, 6. Dczbr. Dem Bundesrath ist jetzt die
setzt. Die Kohlenarbeitcrausstände stehen nur sehr lose im Vorlage über Herstellung von Denkmünzen zugegangen, die
Zusammenhang mit der iu Rede stehenden Frage. Sie wurden der Kaiser zur 200 jährigen Jubiläumsfeier bei Köni r.stchS vielleicht nicht mit Absicht, aber doch mit Erfolg inszenirt, so- Preußen in Aussicht genommen hat. Es sollen für 500 000 M. daß die Kohlennoth dadurch vermehrt wurde. ~" * " ' ‘ ~
Die Be-
Bcrlin, 6. Dczbr. Dem Bundesrath ist jetzt die
Minister Thielen erklärt: Gegenüber dem Abg. Heim bemerke er, daß schon am 28. März der ziffermäßige Nachweis und zwar vom Präsidenten des Neichscisenbahnamtes dafür erbracht sei, daß die Tarife von den wichtigsten Gebieten des Saargebietcs beispielsweise nach Zürich um 20 Rtark pro ToNNe theurer sind, als auf die gleiche Ent- mit vinHuii[iuiyt: v.’niuuuiig, vic «ucivuig» iyic «u[guur luuil fernung im Jnlande und vom Ruhrgebicle nach Zürich um voll erfüllt hat, nämlich die deutsche Industrie mit zweckent- 18 Mark theurer als auf die gleiche Entfernung im In-! sprechenden Kohlen zu entsprechenden Preisen zu vc, sorgen.
Fünf-" und stwei-Mark-Slückc geprägt werden. In der Form Abg. G amp (Rpt.): Er halte es für ein sehr verdienst- sollen sie auf der Reoersscite keine Veränderung erleiden, um ...... ' " ""..... ' ' sie als Sleichsmünze erkennbar zu machen. Dagegen soll die Aversweile das Doppclbild König Friedrich I. und Kaiser
liches Werk, daß die katholische Geistlichkeit die katholischen
Bergarbeiter vor den Gefahren der Sozialdemokratie warne. Die Kohlennoth wäre auch ohne das Sundikat wohl entstanden. Sie ist heroorgegangen aus der Konjunktur des internationalen Gruben- und Kohlenmarktcs. Er halte das Syndikat für
eine verdienstliche Gründung, die allerdings ihre Aufgabe nicht
Wilhelm II. zeigen mit der Umschrift: Friedrich I. 1701 Wilhelm II. 1901.
Berlin, 6. Dczbr. Wie die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" miithcilt, wurde der württcmbcrgischc Finanzminisler von steuer heute und der badische Minister von Brauer vorgestern vom Reichskanzler in längerer Konferenz empfangen.
Hanauer Anzeiger
II Illit täglichem Met« 1. Jamar ünterhaltnngsblatt üs
60 â
ww nionatl.
VW in. d. M. ab erhalten hinzntretende Abonnenten den „Hanauer Anzeiger“ bis zum3LDez$mber gratis.