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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 282 Montag den 3 Dezember
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1900
Amtliches.
Bekanntmachung.
Die Zinsscheine Reihe III Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der Preußischen konsolidirten 3'/,, vormals äprozentigen Staatsanleihe von 18 8 l über die Zinsen für die Zeit vom 1. Januar 1901 bis 31. Dezember 1910 nebst den Erneuerungsscheinen für die folgende Reihe werden vom 1. Dezember 1900 ab von der Kontrolle der Staatspapiere hierselbst, Oranienstraße 92/94, vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftstage jedes Monats, ausgereicht werden.
Die Zinsscheine sind entweder bei der Ko ntrolleder Staatspapiere selb st am Schalter in Empfang £it nehmen, oder durch die Regierungs - H auptkasscn, sowie in Frankfurt a. M. durch die Kreiskasse zu beziehen. Wer die Empfangnahme bei der Kontrolle s e l b st wünscht, hat derselben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Erneuerungsscheine (Zinsscheinanweisungen) mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dein Kaiserlichen Postamte Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher eine numerirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Vcr- zeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben.
Durch die Po st sind die Erneuerungsscheine an die Kontrolle der Staatspapiere nicht e i n z u s e n d c n.
Wer die Zinsscheine durch eine der oben genannten Provinzialkassen beziehen will, hat derselben die Erneuerungs- scheine mit einem doppelten Verzeichnisse einzureichen. Das eine Verzeichnis; wird, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provinzialkassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf cs zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Er- neuerungsscheine abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an die Kontrolle der Staatspapiere, oder an eine der genannten Provinzialkassen niittels besonderer Eingabe einzureichen.
Berlin den 12. November 1900.
Hauptverwaltung der Staatsschulden.
Kleines Feuilleton.
Stadlthcater in Hanau.
„Der Tugendhof."
Auch der Novität der gestrigen SonntngSvcrstellung kam es nicht taiai f an, tiefe G-vonken tu ein heiteres Gewand zu kleinen unb g ohe Probleme der Gegenwart tu bcha ideln sowera da« Pud- likmi. ge äui er, heisrer unb angenehmer Ätfc zn unterboten. Stirbt durch tolle Bocksprün ie und gewagte Situationen der Boule- Varö-Dr wi tit, wie sie die No uläl d r leisten Woche geboten, erreicht sie dies s Z.l, sondern durch echten sonnigen H imor, der s inen gesunden Boden in einer bei eren l-bendigm Ch rakleiistik findet unb in dem getülli.en, mm leren Ausbau einer Handtuna, die zwar sie in und durch sich iu in meihiii ober in ihrer AnspruchNosickeit eine Quelle de« Gmnss 4 bilden kann. Rich rd Skawromuk ist in feinen neueren dramatischen Schöpfungen unfern Buhne fremd geblieben, sie sollen ihrem Amor a m, manche Enttäuschung gebracht haben, weil er über die Ganzen seines T lentes chinnu« wollte. denn der Mann großer litterarischer T ateu ist der Dich er wo I nicht, aber in seinem vier- akligen Lnnspicl „Der Tngendvos" findet er wieder jenen glückt che i, heiteren Ton und jene munt re, i eck febe Laune die ihm in sc neu elften Lustsvicleu „Die P last evolnuon" und „Halali" den fröhlichen Eiiolg . ebracht h ben. Die Novilät hatte sich einer ganz besonders freuiibl'd)eu Anfnalme zu erfreuen, die nicht zum »ind stèn der s rr- fiitiijiit und flotten zvieberuabe zu dank u ist Herr Tuet or Jaritz als Reg ssenr de« Abends ließ die sorgfältige AnSsilbnwg jeder einzelnen Paclhic voransseoeu und im Ziisammenwiiken osien- darie sich übe.all das kü stlerische V-iständnisj und Feingefühl des Leiler«. Auch alb Darsteller des Baron Joachim v. Hollenbeck, dies s tri ff ften u ib in seinen sonstigen Esip »schatten weniger ge- sesligten Eun öfters, bewährte sich bu8 liebenswürdige Eharakt ripruugè- tnlent de« unüftl rs, der f ine Aufgabe mit einer Reihe reut wsjPv' Odft Zü ic ausstutlete u ib bett vom Ditter gewünschte , sympathischen Eisol. dieser Figur überall zu wahr-ii wußte. AtS Gabriele Hecht wann zeichnete sich Frau Rieger an«, die die belehruiigstusiige Dame ui b Feil diu jedrS Alkohol entbattendeu Getränkes Mit einer leidsten Be Mischung von Humor würdig und wirksam verkörperte. Das Liebespaar, die Anna-Marie V. Hollenbeck und der flotte Lmt-
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die in derselben bezeichneten Formulare von der hiesigen Regierungs-Hauplkasse und den Kreiskassen unseres Bezirks verabreicht werden.
Cassel den 20. November 1900.
Königliche Regierung.
V 117*54 Mauve.
^artd^retö Cattau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Roth (Kreis Gelnhausen) ist der Schweine Rothlauf ausgebrochen.
Hanau den 30. November 1900.
Der Königliche Landrath.
V 11727 v. Schenck.
Die Herren Standesbeamten ersuche ich in den nächsten Tagen die Standes-Register für 1901 durch zuverlässige Boten hier abholen zu lassen.
Hanau den 3. Dezember 1900.
Der Königliche Landrach.
A 4504 v. Schenck.
Bekanntmachung.
Alle Diejenigen, welche seit dem 1. April 1896 durch schriftliche Verträge oder Briefwechsel inländische unbewegliche Sachen verpachtet, aficroerpachlet, vermiechct, aftervermicthet oder dadurch vereinbart haben, daß das Pacht-, Mieths- u. s. w. Verhältniß unter bestimmten Voraussetzungen — z. B. bei nicht erfolgter Kündigung — als verlängert gelten solle, sind, wenn der Pacht- oder Mielhzins nach der Dauer eines Jahres berechnet, mehr als 300 M. beträgt, ohne Rücksicht auf die Dauer des Vcrtragsvcrhältnisses nach § 48a des Tarifs zu dem Stempelsteuer-Gesetz vom 31. Juli 1895 (G.-S. S. 413) verpflichtet, behufs Verwendung des gesetzlichen Stempels bis zum Ablauf des Monats Januar 1901 demjenigen Königlichen Hauplsteucr-Amte oder Steueramte, in dessen Geschäftsbezirk feië betr. Pacht-, Mieth- ic. Gegenstände sich befinden, oder einem benachbarten Sicmpeloerihciler Verzeichnisse der von ihnen abgeschlossenen Pacht-, Afierpacht-, Mieths- oder Aftermieths-Berträge einzureichen. . Formulare zu diesen Verzeichnissen können von allen Steuerstellen und Stempelvertheileru unentgeltlich bezogen werden.
Die Verzeichnisse, welche am Schluß mit der vorge- icbriebenen Richtigkeüsvcrsicherung zu versehen sind, können auch durch Beauftragte oder Vertreter ausgestellt werden; doch bleiben die eigentlich Verpflichteten für die gesetzlichen Stempel- abgaben, sowie für die verwirkten Strafen persönlich verhaftet. Die Stempelpflicht wird dadurch erfüllt, daß die Verpflichteten
nai t Malte, fand liebenswürdige und sya,p nhische Da steller in Fränl. Sesulka und Herrn Bartak. Eine V r re siche L i tung in Maske und Spiel war auch bet Jimmy Broker des Herrn Schmith, ganz besonders wirkte der Darsteller in der Triukszene, wo der Wein auf den trockenen Engländer s ine Wirkung aueübt. Unter den übrigen Daistellern, die, wie schon erwähnt Alle ihre Ausgaben gut zur Geltung brachten, sei noch ein ganz besonderes Lob Herrn Gehrmann, b>r den alten „Senz" mit dem gewohnten kräftigen Humor verkörperte. Sitte ganz reizende neue Saloudekorat on, die ihrem Schöpfer, Herrn Prostssor Lütkemeyer, alle Ehre macht, erhöhte den guten Eindruck der D.islellung biS Stücke?.
Aus Kunst und Leben.
Hanaa, 3. Dezbr.
* Die Dichterin Anna Ritter, welche die „Ortsgruppe Hanau des Allgemeiuen Deutschen Schnlvereius* zu einem Vorträge bei dem am nächsten Samstag stallfindenden llnterhaltnngsabcnd gewonnen hat, ist vielleicht Manchem noch unbekannt, aber jeder, der die Vortragende hören wird, ivird ei, deß sind wir gewiß, den Veranstaltern des Festabends Dank wissen, daß sie ihm Gclegenheit gegeben haben eine Fran kennen zu lernen, die unter ben Dichterinnen der Gegenwart einen hervorragenden, vielleicht den ersten Platz ein- nimmt. Erst im Soininer 1898 ist Anna Ritter weiteren Kreisen bekannt geworden, aber itn Fluge eroberte sie sich die Herzen, und nach noch nicht 2 Jahren waren 5 Auflagen ihrer lyrischen Gedichte in die Welt Hinans gegangen und erfreuten tausende von empfindenden Seelen. Was Anna Ritter vor so vielen modernen lyrischen Dichtern und Dichterinnen anszeichnet, ist, daß sie wirklich Empfundenes, i n n e r- 11 d) Erlebtes in anmutige dichterische Form zu kleiden weiß und daß sie dadurch immer wahr bleibt und stets ergreifend wirkt. Sie hat, obgleich erst 35 Jahre alt, wechsel-
volle und schwere Schicksale erfahren, hohe Freude und tiefes Leid, sie hat nach einer in Cassel verlebten glücklichen Jugend dort ihre Estern verloren, ihren Gatten gesunden, der seiner Zeit einer von den intimen Schulfreunden Ka-ftr Wilhelms II. war, aber nach einer 7jährigen glücklichen Ehe ihn begraben müssen — er starb als Regierungsraih in Cassel, und lanzc, lange hat sie sich von diesem harten Schlage nicht erholen können. Anna Ritter ist, obwohl nicht im Heffenlande geboren, wohin sie erst als äjâhriges^ Kind mit ihren Eltern kam, doch eine hessische Dichterin. Eie selbst schreibt in einem Briefe darüber: „Ich hänge mit meinem ganzen Leben am Hessenlande, dort habe ich die Kindheit verlebt, auf dem MöuLeberg, hoch über dem wunderbaren Gabeler Thal, dort hat mich die Liebe gegrüßt und das Glück, mein erstes Kind ist dort geboren, und der Kasseler Friedhof hütet die Gräber Derer, die mir die Liebsten auf Erden gewesen sind. Und noch ein anderes hat mir das Hesscnland gegeben: der Anblick seiner Thäler und Höhen, seiner Wälder und rauschenden Flüsse hat den leidenschaftlichen Sinn für Schönheit in mir geweckt und mir die tiefe Liebe zur Natur ins Herz gepflanzt.^ — Seit Jahren lebt Anna Ritter nun in stiller Zurückgezogenheit in dem anmutigen Städtchen Krankenhäuser, am Kyffhäuser, ihren 3 Kindern ihre volle mütterliche Liebe widmens, aber auch der Pflege ihres „nachgeborenen Kindes", wie sie cs nennt, ihres aus tiefem Leid ihr erwachsenen Talentes nicht vergessend. Ihr Talent ist es, wie sie selbst sagt, das sic mit dem Schicksal ansgesöhni, das sie w eber froh und reich gemacht hat. Mil ihm hat sie auch Freude in weiten Kreisen, im großen Publiknm und inner Schriftstellern, verbreitet, mit ihm wird sie auch hier in Hanau Alle e freuen, die sie an dem Abend des Schulvereinsfestcs hören werden.
oder deren Beauftragte unter Zahlung des Stempelbetrages die ausgefüllten und mit der Richtigkeitsoersicherung versehenen Verzeichnisse den zuständigen Steuerstellen einreichen oder mit eingeschriebenem Brief durch die Post einsenden oder die in den Verzeichnissen zu machenden Angaben vor der zuständigen Steuerbehörde zu Protokoll erklären."
Ten gesetzlichen Stempel, welcher für jedes Jahr nach der Dauer des Vertragsverhälinisses in demselben zu berechnen ist und ’/1» vom Hundert des Pacht- oder Miethzinses beträgt, können die Steuerpflichtigen für mehrere Jahre im Voraus entrichten.
_ Die zur Führung der Verzeichnisse Verpflichteten haben dieselben nach der Abstempelung 5 Jahre lang aufzubewahren. Doch können sie deren amtliche Aufbewahrung beantragen und wird ihnen in diesem Falle auf Verlangen Empfangsbescheinigung ertheilt.
Zuwiderhandlungen werden nach §§ 17 und 18 des Stempelsteuergesetzes geahndet.
Hanau den 1. Dezember 1900.
Königliches Hauptste»er-Amt. 19550
-uMN Wd i-erlorene Werthe etc.
S es unb en: 1 kleiner, goldener Da nenring. 1 Paar weiße Tamentrikoihandschuhe. 1 gelber Handkoffer gez. H. H.
Hana« den 3. Dezember 1900.
Die polnische Gefahr.
Vereinswesen und Presse.
Die Mittel, deren sich die durchaus planmäßig und zielbewußt vorgehende polnische Propaganda zur Entflammung des Nationalbewuß.seins ihrer Ltammesgcnossen und zur Einbeziehung bisher deutschen Besitzstandes in ihren Bannkreis bedient, sind in erster Linie das Versammlungs- und Vercins- wesen sowie die fresse.
Was speziell das polnische Dereinsleben und die mit ihm zusammenhängende nationale Agitation anlangt, so sind für Ende 1898, über welchen Zeitraum hinaus zusammcnfaffende Angaben nicht vorliegen, im Ganzen 894 polnische Vereine mehr oder weniger politischen Charakters mit rund 82 000 Mitgliedern verzeichnet worden. Indessen geben diese Zahlen von der wirklichen weitreichenden Bedeutung des polnischen Vereinslebens keine auch niir annähernd ausreichende Vorstellung. Zunächst besagt die Mitgliederzahl der einzelnen Vereine, welche meist nur gering ist, an sich sehr wenig, da die jeder Vercinrvcrsammlnng beiwohnende Zahl der Gäste diejenige der zahlenden Mitglieder in der Regel um ein Vielfaches übersteigt; sodann ist es ungemein schwierig, diejenigen polnischen Vereine namhaft zu machen, denen ein politischer Charakter beizumessen ist, da, abgesehen von den