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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
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Nr. 271
Montag den 19 November
1900
Amtliches.
^taöt^ret^ ^bartavt. Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die Eisnutz«ng der Fallbachwiese und der Ausschachtung am Nsrdbahnhof soll für den Winter 1900/1901 öffentlich versteigert werden.
Termin zur Versteigerung findet am Freitag den 23. d. Mts., vsrmittags 11 Uhr, beim Stadtbauamt, Abtheilung II, Langstraße 41, statt, woselbst die Bedingungen eingcsehen werden können.
Hanau den 19. November 1900.
Der Magistrat.
I. A.: Schmidt. 18862
HeMdkue und valorene GeMtäM etc.
Gefunden: 1 kleines, gelbes Körbchen. 1 Portemonnaie mit 4,16 M. Inhalt. Während der Messe an einem Geschirrstand des Martin Kunkel 1 Damenregenschirm stehen geblieben. 1 Kneifer.
Verloren: 1 dunkelgrünes, längliches Damenportemonnaie mit 10—12 M. Inhalt und einem Handschuhknöpfer.
Zugelaufen: 1 schwarzer Dachshund mit gelben Pfoten m. Geschl.; Empfangnahme bei Wilhelm Schwab, Mittelbuchen.
Entlaufen: 1 kleines, weißes Läuferschwein m. Geschl., der Friedrich Maisch IV. Wittwe in Mittelbuchen gehörig.
Hanau den 19. November 1900.
Handwerkskammer-Tag
In Berlin hat der erste deutsche Handwerks- und Gewerbekammer-Tag stattgefunden. Es waren Abgeordnete von Handwerks- und Gewerbe-Kammern aus allen Theilen Deutschlands sowie Vertreter der Regierungen vieler deutscher Bundesstaaten anwesend. Die zur Erledigung gekommene Tagesordnung war äußerst reichhaltig, sie, umfaßte nicht weniger als vierzehn Punkte, von denen einzelne, wie das Fortbildungs- und Fachschulwesen, das Genossenschaftswesen, die Handels-Verträge und das Handwerk, der BefähigungsNachweis, das Submissions-Wesen u. s. w., weittragende Bedeutung für das Wohl und Wehe des gesammten Handwerkerstandes besitzen.
Der Handwerkskammer-Tag selbst ist eine auf Freiwilligkeit ruhende Neuschèpfung, hervorgegangen aus dem Zusammenschluß der einzelnen Handwerks-Kammern. Er
stellt sonach gewissermaßen die der genossenschaftlichen Selbst- bethätigung entsprossene Krone der staatlichen Organisation des Handwerks dar, ist die freiwillige Ergänzung des gesetzmäßigen Unterbaues. Seine künftige Einrichtung hat er sich bei seinem ersten Zusammentritte selbst bestimmt. In dem beschlossenen Organisations-Statut heißt es hierüber: „Der deutsche Handwerks- und Gewerbekammer-Tag ist eine Ver- einigung der deutschen Handwerks- und Gewerbe-Kammern. Seine Aufgabe ist, die gemeinsamen Interessen des deutschen Handwerkerstandes zu wahren, insbesondere eine möglichst einheitliche Durchführung der das Handwerk betreffenden Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung anzubahnen und die Bedürfnisse und Wünsche des deutschen Handwerkerstandes durch gemeinsame Berathung zum Ausdruck sowie durch Eingaben zur Kenntniß der Organe des Reiches und der Bundes-Regierungen zu bringen. Die Vertretung und Leitung liegt dem Vorort ob, der alle zwei Jahre gewählt wird."
Mit der Erfüllung der selbsterwählien Aufgaben hat der Handwerkskammer-Tag während seines erstmaligen Zusammentrittes einen unstreitig guten Anfang gemacht. Der Raum verbietet es, hier. auf die einzelnen BerathungsGegenstände und die gefaßten Beschlüsse einzugehen. Nur so viel läßt sich sagen, daß der allgemeine Geist, welcher die Verhandlungen durchwehte, ein durchaus gesunder war und für die von dem Handwerkskammer-Tag vertretene Sache die günstigsten Aussichten erweckt. Der Handwerkskammer-Tag hat anerkannt, daß durch die Reichs-Gesetzgebung eine tüchtige, solide Grundlage für das Wieder-Aufblühen des deutschen Handwerks geschaffen worden ist und daß es den Handwerkern obliegt, aufdieser Grundlage mit frischer Selbstbe thätigung und vertrauensvollem, Hoffnungsfreud igem Sinne fortzubauen und weiterzuarbeiten.
Gerade im gegenwärtigen Augenblicke muß ein von Handwerkern an die eigenen Berufsgenossen gerichteter Appell zu thatkräftigem Streben mit besonderer Freude ausgenommen werden; denn eben jetzt wird die Thatsache, daß seit Bestehen des Handwerker-Gesetzes bereits siebenzig Zwangs- Innungen wieder eingegangen sind, von der handwerksfeindlichen Presse eifrigst benutzt, um den Handwerkern die Freude an dem bisher Erreichten zu vergällen und sie in eine muthlose, thaienscheue Stimmung zu versetzen. Die Handwerker wären thöricht, wenn sie sich durch derartige Versuche ins Bockshorn jagen ließen. Nein, thatkräftige Selbsthilfe und, im engsten Zusammenhänge damit stehend,
Vertrauen zu der eigenen Kraft wie zu der wohlwollenden Fürsorge der Regierung sind unbedingt nöthig, wenn dem Handwerke der verlorene goldene Boden wicdergcwonnen werden soll. Ist es dem Handwerkskammer-Tage, wie man annehmen darf, gelungen, in diesem Sinne auf weitere Kreise bet Berufsgenossen einzuwirken, die Selbsthilfe auzuregen, der Entmutigung Einhalt zu thun und unfruchtbarer Nörgelei einen Niegel vorzuschieben, so wäre dies ein äußerst erfreuliches Ereigniß, das alle an sich noch so werthvollen Ergebnisse der Einzel-Verhandlungen an Bedeutung weitaus überstrahlte.
Zur Lage in China.
Prinz Tsching und Li-hung-Tschang sind durch den Grafen Waldcrsee empfangen worden, was eine wichtige Etappe im Verlaufe der chinesischen Krisis bezeichnet. Der Oberbefehlshaber der Verbündeten forderte von den beiden bevollmächtigten Unterhändlern der chinesischen Regierung die Zurückziehung chinesischer Truppen aus dem von den verbündeten Kontingenten besetzten Gebiet und stellte dagegen das Unterbleiben weiterer Expeditionen in Aussicht. Es ist damit den Chinesen angedcutet worden, unter welcher Voraussetzung die Verbündeten geneigt sind, aus dem Stadium der militärischen Aktionen in das diplomatischer Verhandlungen einzutreten. Die Rückkehr zu friedlichen Zuständen hängt also zunächst nur von der Erfüllung der gedachten Forderung durch die chinesische Regierung ab. Wie lange Zeit jedoch nach dem Urtheil Sachkundiger noch verstreichen dürste, bis die Krisis in einem Grade beseitigt ist, der größere Truppenkontingente an Ort und Stelle entbehrlich macht, das erhellt aus einer telegraphischen Meldung des Chefs des deutschen Kreuzergeschwaders, wonach eine weitere Heimsendung von Mannschaften, ausgenommen die mit dem Dampfer „Köln" unterwegs Befindlichen, erst im Frühjahr nächsten Jahres zu erwarten ist. Einen erheblichen Schritt zur Wiederherstellung normaler Verhältnisse würde es sicherlich bedeuten, wenn eine Shanghaier Meldung des Laffanschcn Bureaus in London sich bestätigen sollte, wonach der Hauptmissethätcr unter den Boxerführern, Prinz Tuan, in Gewahrsam gebracht worden ist, allerdings in eins von anscheinend leider nur fragwürdiger Sicherheit. Interessant ist, daß die amerikanische Regierung, die in der Chinafrage von Anfastg. an eine etwas zweideutige Haltung beobachtet und sich erst 'ksirzlich wieder auffallender Chinafreundlichkeit verdächtig gemacht^ hat, sich jetzt augenscheinlich bemüht, diesen Verdacht möglichst zu zerstreuen, indem sie ausdrücklich eine schärfere Bestrafung insbesondere des Generals Tungfuhsiang beansprucht, als sie das bekannte kaiserlich chinesische Edikt vöw 13. November vorsieht.
Kleines Feuilleton.
Aus Kunst und Leben.
— Stadttheater in Hana«. Am gestrigen Abend gelangte der ausgelassenste Humor zu seinem Rechte. Es scheint mit der heutigen Possenlitteratur doch schlecht bestellt zu sein, daß immer wieder die alten Sachen ins Feuer geführt werden. Wie oft schon hat auf unserer Bühne der frühere Schlächtermeister und jetzige Rentier Pasewalk mit seiner „trichinösen Vergangenheit" gedroht, den ungebetenen Freier seiner Tochter die teppichbelegtcn Granitstufen seiner Treppe hinunter zu werfen und wie oft schon hat sich ein harmloses Pablikum gefreut, wenn auf dem Künstlerfcstc übermüthige fröhliche Künstler den alten Pasewalk in das Affenhaus sperren. Auch gestern haben die humoristischen Scenen und die drolligen Situationen ihre volle Wirkung gethan und das fröhlichste und ausgelassenste Lachen der Zaschauer begleitete die lustige Handlung des Stückes bis zum letzten Fallen des Vorhanges, der sich vor vier verlobten Paaren niedersenken konnte. Diesen heiteren Erfolg dem alten Stücke wieder gesichert zu haben, ist das Verdienst aller Mitwirken- den, unter dmcn sich in erster Reihe Herr Gehrmann durch seine drollige Verkörperung des Rentiers Pasewalk auszeichnete. Aber auch als Regisseur des Ganzen verdien! Herr Gehrmann den Dank der Theaterbesucher, denen die flotte Wiedergabe der Posse in ihrer Gesammtwirkung ein paar frohe Stunden bereitet hat. Nächst ihm war es Frl. Schumann, die die Toni Sendler mit übersprudelnder Laune und keckem Humor gestaltete. Die eingelegten Lieder und Kouplets Beider fanden den gewohnten lebhaften Beifall. Mit frischer Laune gab Herr Cafterra den übermüthigen Maler Wallberg und eine recht liebenswürdige Partnerin
fand er in Frl. Muck als Else. Durch flottes Spiel zeichneten Jid) noch aus Herr Schwarz als Theodor Luz, Herr Schmith als Randow, Herr Becker als Curt von Elmenhorst und Herr Monato als Lanzke. Herr Metz präsentirte seinen alten Baron von Elmenhorst mit gewohnter Routine und von den Damen waren es Frl. Leonardi als Dörthe, Frl. S e s u l k a als Laura Jungblut und Frau Hantke als Friederike, denen ihre Rollen Gelegenheit zu besonderem Hervorthun boten.
sch. Oratorien - A«fführ«ng in Fulda. F u l d a, 18. Novbr. In rein musikalischer Beziehung hat die „Cäcilia", der älteste und numerisch stärkste Gesangverein Fulda's, mit der Aufführung des Haydn'schen Oratoriums „Die Schöpfung" heute den neuen großen Orangerie-Saal, gen. Stadtbau-Saal, eingeweiht und auch ziemlichen Erfolg gehabt. Das schlechte Wetter (es regnete von früh bis spät), das die Leute innerhalb der Stadtmauern hielt, kam dem Besuch zu Gute. Wie Herr Franz W a ß m u t h aus Hanau ein hier gern gesehener Gast ist, beweist der Umstand, daß er nun schon zum dritten Male der „Cäcilia" durch Uebernahme der Baßpartie bei Aufführung der „Schöpfung" aushals (1886, 1892 und 1900). Auch diesmal hat er durch seine voluminösen Stimmmittel und seinen geistreichen Vortrag die Hörer entzückt. Der weitere Solist am heutigen Abend, Herr Emil^ Pfannkuch aus Frankfurt a. M., gehört zu jenen „Uriell"-Tenoristen, die über ein Organ verfügen, das in allen Lagen einen beständig wahren hellen Tenor- timbre besitzt. Zudem versteht dieser Sänger zu singen und
sehr anmuthender Tonansatz unterstützt ihn bei seinem auf's Dramatische gerichteten Vortrag ganz besonders gut, weil er sich hütet, von seinem großen Organ zur Erzielung billiger stimmlicher Effekte eine übertriebene Ausnützung zu machen. Die dritte Solistin, Frl. Harnischfeger aus Frankfurt a. M., zeigte sich mit ihrem Gesang auf der Höhe der
Kunst; ihre Stimme (Sopran) besitzt in allen Lagen den vollen jugendlichen Schmelz und Zauber und ihr seclenvollcr Vortrag ist über jede Kritik erhaben. In der Arie „Auf starkem Fittiche" glänzte sie durch ihre Gestaltungsfähigkeit, weil sie hohen Anforderungen spielend gerecht werden konnte. Endlich sind die cäcilianischen Chöre festgefügte Massen, die durch Dick und Dünn sozusagen im Paradeschritt gehen. Die Kapelle, 48 Mann stark, der 116er aus Gießen leistete den orchestralen Part der Aufführung zur größten Zufriedenheit. Dem Dirigenten wurde für seine feinsinnige, geistvolle Auffassung des Tonstücks reicher Beifall gespendet, gleicherweise bem Musikkörper für seine künstlerische Aufführung. Die Direktion des Ganzen lag in den Händen des Herrn Oberlehrers Dr. Kilb, eines musikalisch und dircklioncll hochbegabten Mannes, der die „Cäcilia" von Ehre zu Ehre führt. Herr Buchhändler Maier, eine stark treibende Kraft in der „Cäcilia", übernahm virtuos die Begleitung des Rezitativs auf dem Klavier.
Hd. B-lks-Unterhattuug-abend. Aus Frankfurt wird uns unterm 19. ds. geschrieben: Gestern Abend fand hier im großen Saale des Saalbaues der zweite Volks- Unterhaltungsabend dieses Winters statt. Neben einem Frauen-Chor unter Leitung des Herrn Silvio Rigutini wirkten noch der Cellist Cchlemüller und Frau Dr. Drill- Orridge mit. Letztere trug neben Kompositionen von Fielitz, Strauß und Jensen noch je ein Lied von Anton Urspruch und Theo Schäfer unter großem Beifall vor. Auch die Mitglieder unseres Schauspiel, Fräulein Helene Pollller und Herr Clemens Grün wurden für den Vortrag mehrerer Dialektdichtunzen durch starken Applaus ausgezeichnet. Saal, Logen und Gallcrie waren bis auf den letzten Platz besetzt.