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Auswärts 3" A.

Amt Uches Grgsu für Sfa^f- tittS Lrmökreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit detierrisnscher <"^->u^

Nr. 26S

Donnerst^ den 15. November

IWO

Hi-rz«

Amtliche Beilage" Nr. 45.

Amtliches.

^anölircto ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Auf dem Römerh » f bei Frankfurt ist die Schweine­seuche ausgebrochen.

Hanau den 13. November 1900.

Der Königliche Landrath.

V 10984 v. Sche n cf.

Stâdtkvois ^banau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Wegen der am 1. Dezember d. Js. stattfindendcn Volks-, Vieh- und Obstbaumzählung bleiben die sämmtlichen Bureaus der Stadtverwaltung, mit Ausnahme derjenigen des Kas- und Wasserwerks, des Schlachthofes und der Armenverwaltung an diesem Tage von mittags 12 Uhr ab geschlssse».

Hanau den 14. November 1900.

Der Magistrat.

Vr. Gebe sch us. 18657

Bekanntmachung.

Bei dem Kaiserlichen Postamt hier sind MM Besten der nach China entsandten Truppen 20 Mark weiter eingegangen und an das deutsche Hilfskomitee für Ostasicn in Berlin abgeführt worden.

Hanau den 13. November 1900.

Der Vorsitzende

des Zweigvereins vom Rothen Kreuz zu Hanau.

Dr. Gebe sch us.

Die Eröffnung des Reichstags.

Der Reichstag wurde gestern Mittag durch den Kaiser mit folgender Thronrede eröffnet:

Geehrte Herren!

Nachdem ich Sie zu erneutem Wirken im Dienste des Ge­meinwohls berufen habe, entbiete ich Ihnen namens der ver­bündeten Regierungen Gruß und Willkommen.

Die Erei g n is s e im fernen Osten haben unter allen gesitteten Völkern der Erde tiefe Erregung hervorgerufcn. Fanatischer Haß und finsterer Aberglaube, angcstachelt von gewissenlosen Rathgebern des Pekinger Hofes, hatten mißleitete

Massen des chinesischen Volkes zu Greuelthaten getrieben gegen die friedlich unter ihnen weilenden Vorposten abendländischer Zivilisation und christlicher Kultur. Bei dem mittag unternommenen Versuche, die aufziehende Gefahr zu be­schwören, starb mein Gesandter von meuchlerischer Hand. Die Fremden in der Hauptstadt sahen sich an Leib und Leben bedroht. Aber die Schreckensbotschaft einte, was sonst getrennt. Alle Nationen, gegen die sich der unerhörte Angriff richtete, schlossen sich eng zusammen und einmüthig kämpften Schulter an Schulter ihre Söhne und wie die Feldzeichen draußen gemeinsam wehen, so zeigen sich die Regierungen in ihren Berathungen von dem einstimmigen Wunsche beseelt, möglichst bald wiederg eordnete Zustände her- beizuführen und nach Bestrafung der Hauptschuldigen der Wiederkehr solcher Störung des Weltfriedens für die Zukunft vorzubcugcn.

Gern hätte ich auf die Kunde von dem Ausbruche der Wirren in China alsbald die V o l k s Ver­tretung um mich versammelt. Wie das deutsche Volk mit seinen Fürsten die Ausfahrt der freiwillig zu den Fahnen geeilten wehrhaften Jugend und ihrer Führer mit Kund­gebungen freudigen Stolzes und muthige Zuversicht begleitete, einer Zuversicht, die seüher durch das Verhalten unserer Krieger vor dem Vaterlande wie vor dem Auslande voll ge­rechtfertigt ist, so würde gewiß auch die Volksvertretung mit patriotischer Entschlossenheit für die ju ergreifenden Maßregeln eingetreten sein und hierdurch deren Wucht gesteigert haben. Aber während nur das Eine sicher war, daß ohne Zögern gehandelt werden mußte, war die Grundlage für die zu fassen­den Beschlüsse, zumal bei der Unsicherheit des Nachrichten­dienstes, schwankend, standen demgemäß die uns erwachsenden Aufgaben noch keineswegs fest und entzog sich damit das Maß der nothwendigen Aufwendungen einer finanziellen Schätzung.

Wenn hiernach davon a b g e s e h e n ist, den Reichstag zu einer außerordentlichen Sitzung behufs eines verfassungs­mäßigen Beschlusses über den Kostenaufwand zu berufen, so hegen doch die verbündeten Regierungen das Vertrauen, daß die Volksvertretung den unvermeidlich gewordenen Ausgaben ihre nachträgliche Zustimmung nicht versagen werde. Galt es doch, nicht nur schwerbedrohte deutsche Interessen zu schützen, sondern auch die Ehre des deutschen Namens ohne Verzug zu wahren. Gegenwärtig läßt sich der durch das ostasiatische Unternehmen verursachte Aufwand für das laufende Rechnungs­jahr übersehen; er bildet den Gegenstand einer besonderen Kreditvorlage, die Ihnen sofort zu gehen wird.

In dem Entwürfe zum Reichshaushalts-Etat haben, Dank dem natürlichen Steigen der Einnahmen und

den vom Reichstag in der vorigen Tagung beschlossenen Stcu-rerhöhungen, für fast alle Zweige der RcichSihäügkeit reichere Mittel angesetzt werden können, inSbe;»nderc zu Zwecken der Fürsorge für die Arbeiter und der Landcsver- theidigung. Ein Z » l l t a r i f g c s c tz ist soweit vorbereitet, daß die Vorlage des Entwurfes an den Bundesrakh im Laufe des Winters zu erwarten ist. Nächst hm in der vorigen Tagung nicht verabschiedeten Entwürfen einer Seeman ns - o r d n u n g und der damit in Zusammenhang stehenden Ge­setze werden neue Vorlagen Sie beschäftigen, durch welche einerseits eine einheitliche Gestaltung der öffentlich-rechtlichen Sein des P r i v a t v e r s i ch e r u n q 8 m e s c n herbcige- führt, andererseits die Reichsgesctzgcbung über das Urheb er- recht mit der fortgeschrittenen Rechtsentwickclnng in Einklan­gebracht werden soll. Vorbereitet wird eine dnrch die Neuge­staltung der Unfallversicherungsgcsetzc bedingte Abänderung der Vorschriften über die U n f a l l f ü r s o r g e für D e - a m t e und Personen des S » l d a t e n st « n d e s, sowie eine Vorlage, welche die Vorschriften über den Verkehr mit Wein zn verbessern bezweckt. Die Beziehungen des Reiches zu allen auswärtigen Mächten sind fortdauernd gut und freundlich.

Mit Wehmuth gedenke ich meines Verbündeten lind theuren Freundes, des Königs H u mber t, welcher in seinem königlichen Beruf als Opfer eines fluchwürdiaeu Anschlags fiel. Auf der Weltausstellung zu Paris, wo das Nachbarland dem friedlichen Wettstreite der Völker eine gast­liche Stätte bereitet hatte, ist deutschem Fleiße und deutscher Kunstfertigkeit reiche Anerkennung zu theil geworden. Dieser Erfolg, den Sie gewiß mit mir freudig begrüßen, wird der nationalen Arbeit auf allen Gebieten ein Sporn zu neuen Anstrengungen und immer größeren Leistungen sein. Möchten die Berathungen, denen Sie sich, geehrte Herren, im Einver­nehmen mit den verbündeten Regierungen widmen wollen, unter dem Beistände der göttlichen Gnade dem theuren Vater- (anbe zum Segen gereichen!

Die Bedeutung der Thronrede.

Die Rede, mit der gestern der Kaiser den Reichstag er­öffnet hat, enthält keinen Satz, der Ueberraschendes kündet. Für die durch die Expedition nach China und das dortige Engagement aufgcwendcten Kosten wird auf die nachträgliche Zustimmung des Reichstages gerechnet und sie wird zweifellos von ihm ausgesprochen werden. Man hat darüber gestritten, ob die Einberufung des Reichstags schon im Sommer nach der Berfasjnng geboten war, und ob, da sie erst jetzt erfolgt ist, wegen der ohne seine Zuziehung geleisteten Ausgaben ein Jndemnitätsgesuch von der Regierung hätte eingebracht werden

Feuilleton*

Ein Tag in der Kinderheilanstalt zu

Bad Ord.

Von Fr. Hufnagel, Pfarrer in Kesselstadt.

Im September 1900.

Dichter Morgennebel lagert über der Stadt. Seine Mafien bäumen sich auf- und abwogcnd gegen die ersten Sonnenstrahlen auf, die halb verstohlen über die Hèhenzöge von Osten her in den Thalkefiel hineinblitzen. Ni^t lange währt der Kampf. Glühend steigt das Tagesgestirn hinter den düsteren Bergeskämmen herauf und vergold t mit seinen Strahlen die herbstliche Natur. Der feuchtkalte Geselle wird in die endlosen Wälder zurückgeworfen und bleibt in ihren liefen Schlüftcn verborgen, gebannt. Kerzengerade steigt der Rauch aus den Schornsteinen der Stadt zum blauen Morgen- Himmel hinauf und kündet einen sonnigen, wonnigen Herbst­tag an.

Drunten im Städtchen regt sich's schon; der Helle, lichte Sonnenschein bringt Leben in den jungen Tag, der heute sich auSwirken will. Horch, da singl's und klingt's in fristen Weisen ! Es sind die Kinder der Heilanstalt, die ihre Lieder in unseres Herrgotts Morgenfrühe hineinschmettern. Eben hat die Glocke vom Rathhausthürmchen sechs geschlagen, da zieht schon die erste Schaar hinab zum Bad; andere folgen ihr später nach. Aus den weiten Gegenden der heimathlichen Provinz und noch darüber hinaus haben sie sich hier eingefunben, und das gemeinsame Leid hat sie in wenigen Tagen schon so bekannt und vertraut gemacht, als gehörten sie schon seit Jahren schulgerecht zusammen. Freund­lich grüßt die Schaar zu mir hinauf und zieht singend vor­

über. Wie stattlich sie in Reih' und Glied dahinmarschiren, so gut es eben geht und soweit die kranken Glieder und die vielfach gelähmten Gehwerkzeuge es erlauben.

Der fröhlichen Schaar zieht ein Kinderwügelchen vorauf, von größeren Knaben geschoben. In ihm kauert ein fünf­jähriges Bübchen. Es ist an den Füßen gelähmt, die steifen Beine vermögen es nicht zum Bade zu tragen. Eifrig sind ihm seine kranken Kameraden behilflich, daß auch ihr ärmster und b-dauernswcrthester Genosse der heilenden Wasser theil­haftig werden kann. Wie Hell und klar doch der Kleine aus den Augen schaut und bei Gesang und lustigem Marschtempo zuckl's ihm in den steifen Gliedcrchcn, als marschirte er an der Spitze und bedürfe nicht mehr der freundlichen Helfer- Hände. die ihn haben tragen und pflegen müssen.

Auf Kommando der sie begleitenden Hilfsschwester macht die Kolonne vor dem Badehaufe Halt. "Die Bäder sind bereits hergerichtet, jedem wird seine Zelle angewiesen. Flugs sitzen und liegen sie in der perlenden Soole, strecken und recken den kranken Leib, dehnen und erquicken die un­beholfenen Glieder. Ungefähr eine halbe Stunde währt die Badezeit, während deren die Aufsicht führenden Schwestern die Badenden besuchen, die ärztlicherseits angeordnete Badezeit regeln, die Hilflosen unterstützen, offene Wunden untersuchen, auswaschen und verbinden, um später dem Arzte Bericht erstatten zu können und überhaupt die Ordnung aufrecht iu erhalten. 0

3ft die Badezeit vorüber, so sind die erquickten Glieder rasch wieder in die Kleider gesteckt und singend, wie sie ge­kommen, zieht die muntere Schaar zur nahen Philipps- und Lud- wigèqutllk, um hier nach Vorschrifrdie Soole" zu trinken. Noch nichts Alle haben sich an den salzigbitieren Geschmack des Wassers gewöhnt. Hier verzerrt einer beim Trinken das Ge­sicht und schneidet kuriose Grimmassen, dort schüttelt ein Anderer verlegen den Kopf und nun ja, er kann den

bösen Trunk nicht hinuntcrschlucken, und ein Dritter mnß allen Ernstes streng ungehalten werden, das vorgcschricbene Trinkquantu« zu vertilgen. Eine saure, salzige Arbeit, aber sie muß sein, denn ohne sie keine Gcnesnng.

Inzwischen sind droben in der Anstalt die Baracken ge­lüftet und die Rorgcnmilch bereitet worden. Das Haus- glöcklein ruft und rasch füllen sich die Tische mit den hung­rigen Gästen. Die fleißigen Helferinnen gießen die fette, dampfende Milch in die großenKoppcheu" und theilen mächtige Milchwecke den Wartenden aus. Wie das schmeckt! Soviel Einer will und soviel Einer essen kamt! welch' luftige Arbeit! Nach der Mahlzeit wird die Morgenandacht gehalten und dem gütigen Golt gedankt mit Gesang und Gebet.

Nach einer Pause der Ruhe nach dem Bade geht es hinaus in den prächtigen Park, der hier die Knaben, dort die Mädchen zu fröhlichen Spielen, Reigen und Gesängen aufnimmt. Schwester-r und Lehrerinnen mischen sich in ihre Reihen, führen die Gesänge und Reigen an, lehren Spiele, ermuntern die Zurückblcibenden, warten den Unbeholfenen und hallen Ordnung und Zuchl. Noch einmal ruft'S zum Früh- stückSimbiß. Gesang und munteres Treiben sind verstummt und in aller Stille schmelzen die hochgethtrmtcn Bergebe­legter Bröder" wie Butter von der Sonne dahin.

Inzwischen ist's 11 Uhr geworden. Ein Glockenzeichen kündet die Ankunft des^Rrztes. Sogleich treten die Kranken unter Führung einer Schwester im ärztlichen Sprechzimmer an. Jeder Einzelne wird dem Arzte vorgestellt. Die Schwester erstattet Bericht über ihre Beobachtungen und nimmt nach eingehender Prüfung des Arztes dessen Anordnungen ent- gegeu je nach Befund und Bedürfniß. Mit leuchtendem Auge und lachendem Gesicht verläßt der das Zimmer des Arzte-, der einen gutenSpruch" erhalten hat, traurig der, bei dein es nicht recht vorwärts gehen will in Besserung und Heilung