14. November
Hammer Anzeiger
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W«r freilich schon die Verständigung der Gesandten über diese Friedensbedingungen ein schweres Werk, so wird die neue bevorstehende Arbeit »it dem Prinzen Tsching und Li- hung-Tschang an die Geduld der Regierungen und Völker vermuthlich weit höhere Anforderungen stellen. Da aber die militärischen Operationen der Verbündeten so lange nicht eingestellt werden sollen, bis der Fricdensvcrtrag zu Stande gekommen ist, werden die chinesischen Unterhändler sich vielleicht diesmal doch etwas mehr beeilen, als cs sonst ihren Gepflogenheiten entspricht. Sv erwartet man namentlich von der
Besetzung der KaisergrSber
einen heilsamen Einfluß auf den kaiserlichen Hof. Die westlichen Kaisergräber in Hsiling, über die die Kolonne v. Normann nach Tsukingkwan marschirt war, sind bekanntlich durch französische Truppen besetzt worden. Eine französische Expedition ist jetzt abmarschirt, um auch die östlichen Kaiscrgrâbcr in Tungling zu besetze«. Diese liegen etwas über 100 km nordöstlich von Peking in unmittelbarer Nähe der großen Mauer. Sie enthalten die Mausoleen Tschaosiling, Hiao- ling, Hiaotongling u. a. Das älteste, Hiaoling, stammt aus dem Jahre 1661 n. Ehr. Hier wurden Schuentschi und zwei feiner Frauen beigesetzt. Das jüngste der acht Mausoleen ist 1888 errichtet. Der Hof opfert, der „Köln. Ztg." zufolge, mit Vorliebe an diesen Gräbern, die leichter und schneller zu erreichen sind, als die westlichen Kais er gröber in Hsiling. Die Franzosen haben an der Straße nach dem zu besetzenden Punkte bereits einen Angriff aushalten müssen. Eine kleine Abtheilung mm ihnen wurde in der Nähe von Tungtschou, 20 km östlich von Peking, von einer großen Menge Chinesen angegcriffe«. Es mehren sich die Anzeichen, daß an der Nordgrenze des besetzten Gebiets den verbündeten Truppen noch ernste Arbeit bevorsteht. Von einer Theilnahme deutscher Truppen an diesen Unternehmungen ist noch nichts gemeldet worden.
Ser Sturm auf die Peitaugforts.
Von einer der verlustreichsten Aktionen während des ganzen bisherigen Feldzugs in China, der Erstürmung der Peitang- forts durch deutsche und russische Truppen, liegt jetzt in der neuesten Nummer der „Deutsch-Asiatischen Warte" folgender Bericht eines Augenzeugen vor:
Am Mittwoch, 19. September, nachmittags 3 Uhr rückten die Demschen mit Musik aus und sichren mit der Eisenbahn nach Tschunliangtschang. Dort stieg der größte Theil der Kolonne aus. Bei dem Angriff sollte er das Zentrum bilden, während die Russen, die schon vorher ausgerückt waren, auf dem linken Flügel Aufstcllrmg nahmen. Zwei Kompagnien fuhren bis nach Tangku weitest, stiegen dort aus und schlugen elf Uhr abends Biwak auf. Auch hier lagen russische Infanteristen, durch einige Matrosen noch verstärkt. Um 12 Uhr fand gemeinschaftlich zwischen dem deutschen und russischen Befehlshaber eine Berathung statt, sodann wurde der Zug wieder bestiegen um etwa vier Meilen weiter von Neuem Halt zu machen.
Um 2 Uhr eröffneten die Russen das Feuer. Sie hatten schon sechs Schüsse abgegeben, ehe die Forts cs erwiderten. Von der linken Seite singen sie an und unterhielten dann aus vier Batterien ein ununterbrochenes Feuer von Shrapnels, die fortwährend über uns und um uns herum krepirten. Unter heftigem Feuer rückte die Infanterie, durch Artillerie im Rücken gedeckt, etwa zwei Meilen vor und begann bei Tagesgrauen einen ernsten Angriff. Wieder würbe eine Meile svancirt, als plötzlich links von uns (ich befand mich bei dieser Truppe) eine Mine explodirte. Etwa fünf Minuten später ging mit furchtbarem Getöse eine zweite Mine auf, die sicher in einer Länge von 200 Fuß gelegt war. Russen und Deutsche wurden gleichzeitig davon getroffen. Offiziere mit ihren Pferden wurden in die Luft geschleudert und ihre Ueberreste fielen etwa 20 Schritt hinter uns nieder. Alles rannte wild hin und her, Niemand wußte, wo eine Farben des Körpers verwendet. Zu« Schluß versucht der Vortragende ein Bild von der körperlichen Erscheinung und der geistigen und psychischen Beschaffenheit des Steinzeit- Menschen zu geben. Die leider sehr spärlichen Skeletfunde zeigen den Menschen zu Beginn der Eiszeit erheblich vom gegenwärtigen Zustande abweichend, namentlich in der Bildung der Stirn mit ihren mächtigen die Augen überschattenden Knockenbogen (der Neanderthal-Typus). Der jagende Mensch jener, nach der Schätzung des französischen Gelehrten Mortillct über 200 000 Jahre zurückliegenden Periode darf bezüglich seiner geistigen Fähigkeiten, die ganz auf die Ueber- listung der Thierwelt eingerichtet waren, nicht zu gering geschätzt werden. Man muß vielmehr die Menschen jener Zeit bewundern, die unter den schwierigsten klimatischen Bedingungen, mit den unvollkommensten Hilfsmitteln den Kampf mit den Ungeheuern der Vorwelt aufnahmen. Diese Thatsachen sind nach der Ansicht des Vortragenden unvereinbar mit der lange Zeit herrschenden Anschauung, als habe sich der Mensch erst in der Eiszeit aus einer thierischen Vorfahrenform entwickelt. Der Bewohner Europas zur Eiszeit kann nur als Ausläufer einer schon anderwärts lange existirenden Menschheit gedeutet werden. Die kunstsinnigen und trotz ihrer Steinwaffen bereits ziemlich hoch- lult wirten Bewohner Südfrankreichs zu Ende der Eiszeit ver- mitteln den Uebergang zu den alten Kulturvölker« der Ge- chichte. farbige Striche auf runden Steinen verrathen die Anfänge eines Zahlen- und Schriftsystems. Die Skelete, be- sondcrs die Schädel jener Mensche« sind denen der modernen Völker durchaus ebenbürtig. So bestätigen also die Ergeb nisse der Prähistorie die Schlüsse, welche aus der thierischen Vorgeschichte des Menschen gezogen würden. Die ältesten aufgefundenen Schädel zeigen einen niederen, thier- ibnhdjen Zustand, aber keine Annäherung an die jetzigen
Aus Stadt- mnd Landkreis ^tmtm, Nachdruck unserer Lokalartikel nur mit OueUenangaSe „Harr Anz'.
gestattet.
* Schulreform. In der am verflossenen Samstag Abend in Wiesbaden staltgehabten Versammlung des „Vereins fürSchul- refor«" führte der Redner, Herr Oberrealschu l dirc kto r Dr.F. Schmidt auS Hanau, etwa Folgendes ans: Der Kus nach einer Reform unseres höheren Schulwesens ertönt bereits seit 1870, und Versuche in dieser Richtung sind auch verschiedentlich gemacht worden. Eine durchgreifende Aenderung hatte man von der im Dezember 1890 in Berlin tagenden Schulkonferenz erwartet, sah sich aber getäuscht. Seitdem habe« die Bestrebungen, das bestehende Schulwesen zu reformiren, nicht nachgelassen, u«d man darf der festen Reber- eugung sein, daß eine solche Reform nicht mehr aufzuhaltcn ist, da bie Seele des deutschen Volkes endlich abschütteln will,
als fremden Druck und Zwang empfindet. Redner «uf einen Ausspruch Rudolf Hildebrands hin: „Das Volk hat immer noch den sicheren Takt für das, wag das Echte und Rechte ist; eg ist eine Art Gottesgericht in e^ter Instanz . Und von diesem Gottesgericht wird unser höheres Schulwesen verurtheilt. Die in Altona, Frankfurt a. M. und andere« Orten gemachten praktischen Versuche einer Umgestaltung der höheren Schulen find nur Uebergangs-
dritte Miene explodiren würde. Die Chinesen begannen heftiger zu feuern, dessen ungeachtet formirtcn sich die Sektionen wieder und sammelten ihre Verwundeten.
Die Infanterie hatte biS jetzt noch keinen Schuß abge- gebe«, doch sahen wir um 4 Uhr die Wirkung unserer Schüsse, Rauch- und Feuersäulen stiegen aus den FortS auf. Zwei Geschütze waren zum Schweigen gebracht. Die Chinesen, denen es geglückt war, auch eine von unseren Kanonen kampfunfähig zu machen, feuerten jetzt nur noch mit einem Geschütz, aber fast regelmäßig alle drei Minuten einen Schuß. Die Chinesin benutzten rauchloses Pulver, sodaß wir nur das Aufblitzen ihrer Geschütze beim Abfeuern beobachten konnten, während ihnen unser Pulverdampf eine Erleichterung beim Zielsuchen bot. Als um 8 Uhr ein heftiger Regen ein- setzte, 'wurde nur noch in immer größeren Zwischenpaus n geschossen, bis schließlich der Donner der Geschütze ganz verstummte. s< 1
Als ich zurückkehrte, sah ich Ambulanz und Trainwagen auffahren und hörte, daß ein sofortiger Sturm auf die Forts unternommen werden solle und diese zu besetzen seien. Die Forts wurden am 20. genommen. Verwundete Chinesen wurden nicht gefunden, dieselben waren sänimtlich fortgeschafft worden, ebenso konnte sich noch die gejammte Bedienungsmannschaft der Geschütze zu Wasser flüchten.
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Telegramme:
Berlitt, 14. Novbr. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Zürich : Bei der gestrigen Missions-Konferenz in Winterthur machte die Baseler Mission die Mittheil«ng, daß im Süden Chinas, besonders in der Provinz Kwantung gefährliche Unruhen ausgebrschen seien und daß die znrückgekehrtcn Missionen neuerdings flüchten mußten, wobei diesen der Rückweg über den Ostfluß abgeschnitten wurde. Mehrere Missionare wurden gefangen genommen und ihre Freilassung gegen 600 Dollar Löscgeld angeböten. Viele Missions-Stationen sind zerstört und ausgeplündert worden.
Berlin, 14. Novbr. Wie dem „Lokal-Anzeiger" über Lo«d«n aus Peking telegraphirt wird, werden zwei Kompagnien Japaner und ein kleines britisches Detachement, die am 12. ds. nordwärts abgegangene deutsche Kolonne begleiten. Das Wetter ist kalt. Der Fluß hat eine halbzöllige Eisschicht. Die internationale Untcrsuchnngs - Kommission ist noch thätig. In Waldersee's Bureau glaubt man sicher, daß weitere Hinrichtungen folgen werden.
Berlin, 14. Novbr. Eine Depesche des „Lokäl-An- zeigers" aus Shanghai von gestern besagt, Mandarinen verbreiten das augenscheinlich inspirirte Gerücht, das sich Kwan gsy vor 44 Tagen entschlossen hätte, nach Peking zurück- zuk ehren, um mündlich mit dem Grafen Wald er sie in Verbindung zu treten. Dieser hätte dem Kaiser militärisches Geleit versprochen, das ihn in Mengstin hätte in Empfang nehmen sollen. Die Prinzen Tuan und TunZ-Fusiang hätten zurückblcibcn und den Thronerben zum Kaiser ausrufen sollen. Sie rckrutiren ein großes Heer in Kanlu und der Mongolei, das die bereits zur Vertheidigung der Mandschu-Dynastic unter den Waffen befindlichen Truppen verstärken soll. — Die gemeldete Schlägerei in einem Theehaus ist ohne Belang. Beide Parteien tragen die Schuld an dem Vorkommniß.
London, 14. Novbr. Die Morgenblätter stellen fest, daß der veröffentlichte Friedensvertrag überall einen guten Eindruck gemacht hat. Die darin aufgestellten Forderungen werden als das Mindeste, was von China verlangt werden muß, angesehen.
London, 14. Novbr. Aus Shanghai wird gemeldet : Der französische Kreuzer ferner ist nach Nanking abgegangen. Der Kommandant desselben ersuchte ben Vizekönig um eine Unterredung. Der Zweck der Unterredung ist unbekannt, doch glaubt man, daß dieselbe mit der Wahrung der französischen Interessen im Pangtsethale zusammenhängt und daß der Kommandant die Nothwendigkeit der Anwesenheit eines französischen Kriegsschiffes im Pangtsethale dargelegt habe.
London, 14. Novbr. „Morning Post" meldet aus Berlin: Der Kaiser habe die Veröffentlichung von Soldatenbriefen aus China untersagt. Er habe seine Entrüstung über die bereits gemachten Enthüllungen ausgedrückt und eine Untersuchung angeordnet. — Dem „Daily Expreß" zufolge soll Kaiser Wilhelm eine Verstärkung von 5000 Mann für China angeordnet haben.
stadien von kurzem Dasein, denn sie sink nicht von richtigen Gedanken auggegangen. Zwei Fragen sind cs besonders, die man sich bei einer Schulreform vorlege« muß: „Was brauchen wir, oder was ist zeitgemäß? und „Was ist naturgemäß?" Die erste Frage führt uns auf die Bildungsstoffe. Die Schule soll den Schüler heranbilden, daß er später als Mann an den Aufgaben Mitarbeiten samt, die dem Menschen im Allgemeinen und dem deutschen Volke im Besonderen gestellt sind. Dazu muß man die Welt erkenne«, wie sie ist, und dann erst kommt in Betracht, wie die Welt war unb wie sie sich entwickelt hat. Dazu brauchen wir nicht so viel Latein und Griechisch. Auch der Gymnasiast erhält seine Kenntniß von der antiken Welt wesentlich durch den deutsch ertheilten Geschichtsunterricht. Man hat aber dem Studinm des Lateinischen und Griechischen besondere Kräfte zugeschrieben. Nun sind diese Sprachen aber Sprachen wie jede andere, und ihre Grammatik ist nicht logischer als die deutsche; denn keine Grammatik hat etwas mit Logik zu thun. Sprachen hat man stets zu praktischen Zwecken gelernt. Sie als Selbstzweck zit lehren, kann wohl Aufgabe einer Philologenschule sein, nicht aber einer Schule, die allgemeine Bildung vermitteln will. Wer muß denn lateinische und griechische Schriften lesen können? Der Historiker unb der Philologe. Es kann aber Jemand z. B. ein vorzüglicher Arzt werben ohne Latein und Griechisch. Wenn ein neunjähriger oder zehnjähriger Knabe, der kaum seine Muttersprache einigermaßen kann, Latein lernen muß, so ist das eine Versündigung an der deutschen Jugend. Durch das Ucbersetzcn sinnloser deutscher Sätze ins Lateinische wird das sich bildende Sprachgefühl geradezu im Keime erstickt. Wir müssen uns auf unsere wahren Bedürfnisse besinnen und werden dann Latein und Griechisch in den Hintergrund schieben, um Raum für wichtigere Studien zu gewinnen. Die zweite Frage lautet: „Was ist naturgemäß?" Mit 8l/i Jahren schon kann ein Knabe in eine höhere Schule ein- trclcn. Das ist zu früh zur Erlernung einer Fremdsprache. Die Jugend verlangt zuerst nach Sachen und nicht nach formen; sie will lebendigen Stoff, und den finden wir in der unS umgebenden Welt. Ein Sprachunterricht, der alles Andere zurückdrängt, ist kein Bildunzsstoff für die ersten Jahre. Das Gehirn entwickelt sich wie jedeS menschliche Organ; deshalb soll man ihm nicht schon früh zu viel zu- muthen. Unsere Kinder sitzen viel zu viel im Schulzimmer, und viele werben deshalb schwächliche Menschen. Man sollte mehr des Spruches eingedenk sein: Non schalae, sed vitae discimus. Zum Schluß setzte der Redner auseinander, wie er sich die Schule der Zukunft denke: 1. Die allgemeine Volksschule vom 6. bis 10. Jahre. 2. Die höhere Schule, in welche der zehnjährige Knabe eintritt, der eine bessere Bildung erhalten soll. Sie umfaßt sechs Jahre und lehrt von Sprachen Englisch, Französisch obligatorisch, Latein nur fakultativ. Dafür pflegt sie auch Musik und Handfertigkeit. Wissenschaftlicher Unterricht findet nur am Vormittag statt. 3. Die Universitäts-Vorschule für Solche, die noch eine weitere Bildung erhalten sollen. Redner hat keinen Zweifel, daß die so skizzirte Schule kommen wird, weil sic die natürliche ist.
* Resultate des landwirthschaftlichen Betriebes. Der Jahresbericht über den Z u st a n d der Landeskultur im Reg.-B ez. Cassel äußert sich folgendermaßen: Auch im Berichtsjahre ist die Veränderung des Werthes von Grund und Boden eine verschiedenartige gewesen. In rein landwirthschaftlichen Gegenden, besonders in denen mit ungünstigen natürlichen Verhältnissen, ist der Werth des Bodens zurückgegangen ; in einzelnen Gegenden sind Accker oder auch ganze Güter fast unverkäuflich. In der Nähe der Städte und Jndustrieorte ist kein Nachlassen zu bemerken; soweit das Land für Ballplätze unb industrielle Anlagen jetzt ober später verwerthbar erscheint, ist sogar eher eine weitere Steigerung bemerkbar. Auch einzelne Güter sind — in Folge ihrer schönen Lage ober sonstiger besonderer Umstände — zu Liebhaberpreisen von reichen Leuten erstanden worden. Die Pachtsätze haben im Allgemeinen noch fallende Tendenz. Nur bei kleinen Parzellen, die von Industriearbeitern erpachtet werden, sind die Sätze eher in die Höhe gegangen. Verpächter wie Pächter haben zu klagen. Viele größere Güter sind jetzt so niedrig verpachtet, daß der Eigenthümer nach Abzug der Steuern und G.bäudcuntcrhaltung kaum eine Verzinsung des Gcbäudekapitals übrig behält. Die Grundrente ist nicht ausgeschaltet. Und trotzdem können die Pächter nicht bestehen, wie die vielen Konkurse aber noth- gedrungenen Uebernahmen der Güter in Selbstverwaltung zeigen. Selbst die Domänen sind zum Theil schwer anzubringen ; eine Domäne mußte ebenfalls in Selbstverwaltung genommen werden. Ans dem Kreise Gelnhausen wird bemerkt, daß infolge reicher Düngung die Landwirthe jetzt reichlich Futter hätten und infolge dessen die hohen Pachtpreise für Wiesen bedeutend gesunken seien. Vielfach sind in den Pachtverträgen noch beengende Vorschriften enthalten, bie sich mit ben anderen Grundzügen für den Landwirthschaftsbetrieb schlecht vertragen. So wirb ans dem Kreise Marburg berichtet, daß bei den vorhandenen 7 Pachtgütern nur einem Pächter freie Wirthschaft gestattet sei, während bie übrigen 6 an die Dreifcldcrwirthschaft gebunden seien. Für verkauftes Heu und Stroh müßten in demselben Betrage künstliche Düngemittel Verwendung finden. Das Endurtheil über das Bettiebsjahr kann man bedauerlicher Weise nur dahin zusammenfassen, daß die bereits recht trübe Lage der Landwirthschaft im hiesigen Bezirke gegen die beiden Jahre vorher sich wieder verschlechiert hat. Die größten Rnstren- gunge« werden gemacht zur Verbesserung der Technik, die Roherträge steigen, aber der wirthschaftliche Niedergang auf der Mehrzahl der Betriebe ist bei den heutigen Verhältnissen unaufhaltbar. Während Handel und Industrie sich stolz rühmen, daß das letzte Jahr des Jahrhunderts auch das beste desselben gewesen sei und während diese BerufSz»eige ihre