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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 267.
MSSSWVS
Mittwoch den 14 November
1900
Amtliches.
Lcrnèk^ois 4anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Mit Bezug auf meine Verfügung vom 10. Juli er. — A 2976 — (Amtliche Beilage Nr. 30 zum „Hanauer Anzeiger" vom 13. Juli 1900) bringe ich zur öffentlichen Kenntniß, daß die Listen der Wahlmänner für die Ergänzungswahlen der Kreistags-Abgeordneten im Wahlverband der Landgemeinden, wie auch die Listen der zum Wahlverband der größeren Grundbesitzer gehörenden Wahlberechtigten VSM 15. d. Mts. ab im Sekretariat des Kreisausschusses zu Jedermanns Einsicht ausgelegt sind.
Hanau den 12. November 1900.
Der Königliche Landrath.
A 4366 v. Schenck.
GMOM und Miortne GeMHände etc.
Gefunden: 1 goldener, runder Manschettenknopf, auf der inneren Seite ein vierblältriges Kleeblatt. 1 goldener Manschettenknopf. In der Sprechstunde des Herrn Dr. Runkel 1 Herren-Regenschirm stehen geblieben. 1 gelbes, längliches Damenportemonnaie ohne Inhalt. 1 Fächer.
Zugelaufen: 1 schottischer Schäferhund m. Geschl.; Empfangnahme bei Herrn Lehrer Simon zu Pulverfabrik.
Entlaufen am 12.' b. Mts.: 1 rothbrauner, langhaariger, schottischer Schäferhund mit weißer Brust und zwei weißen Vorderpfoten.
Hanau den 14. November 1900.
Volkszählung.
Mit dem ersten Dezember dieses Jahres kehrt in Preußen wie im ganzen deutschen Reiche der Tag der Volkszählung wieder. Kein Volk, das sich mit Sicherheit über sich selbst und seine Entwicklung unterrichten will, kann periodische Aufnahmen dieser Art entbehren. Die Ergebnisse der Volkszählung dienen nicht nur als Hilfsmittel wissenschaftlicher Forschung, sondern auch zur praktischen Ordnung und Regelung vieler Verhältnisse, welche sich, wie z. B. die Bildung von Stadtkreisen und Urwahlbezirken, nach der Volkszahl richten.
Mit der Volkszählung wird eine Viehzählung und als etwas gänzlich Neues eine Obstbaum-Zählung verbunden werden. Eine solche ist auf die Dauer nicht zu entbehren. Das Obst als Nahrungs- und Genußmittel erfreut sich in der Bevölkerung einer steigenden Beliebtheit. Um aber dem Obstbau die nöthige Pflege angedeihen zu lassen, muß man
zunächst seinen bisherigen Umfang und seine Bedeutung ermitteln, was nur durch eine statistische Aufnahnie geschehen kann. Es darf daher erwartet werden, daß vor Siliern die Besitzer größerer Gärtnereien und Baumschulen, die Obstzüchter sowie die Mitglieder von Obstbauvcrcinen als die zunächst Betheiligtcn mit allem Eifer an dieser bedeutsamen Erhebung mitzuwirkcn bereit sein werden.
Die Fragen der Zählpapiere der Vylks- wie auch der Vieh- und Obstbaum-Zâhluug sind wenig zahlreich, dabei durchweg einfach und völlig unverfänglich. Niemals werden die durch die Zählungen gewonnenen Nachrichten über einzelne Personen und deren Besitz veröffentlicht oder für Steuer-Zwecke benutzt werden. Die aus den Zählpapieren gewonnenen Ergebnisse gehen in allgemeine Tabellen über, in welchen der einzelne Mensch und sein Besitz nicht mehr erkennbar sind. Die Zählpapiere selbst werden nach beendigter Arbeit eingestampft. Jedermann darf danach sicher sein, daß die Angaben seiner Zählkarte über Alter, Bekenntniß, Staatsangehörigkeit, Militär Verhältniß, Beruf und Erwerb, etwaige Mängel und Gebrechen u. s. w. niemals vor unberufene Augen kommen oder an die Oeffent- lichkeit gelangen werden.
Auf ein vertrauensvolles Entgegenkommen der Haushaltungs-Vorstände und Gehöft-Besitzer wie überhaupt der ganzen Bevölkerung dürfen die Zähler hiernach wohl um fo eher rechnen, als diese Männer ihre umfangreiche und mühevolle Arbeit fast sämmtlich freiwillig übernommen haben und dem Gemeinwesen dadurch werthvolle Dienste leisten. Auf bezahlte Zähler wird diesmal hoffentlich nur noch ausnahmsweise zurückgegriffen werden müssen, nachdem die zuständigen Behörden Anordnung dahin getroffen haben, daß den Beamten der verschiedenen Dienstzweige und den Lehrern die für eine rege Beiheiligung dieser Kreise an dem Zählgeschäfte erforderlichen Dienst-Erleichterungen zu gewähren sind.. Es daif daher erwartet werden, daß alle noch hinreichend rüstigen und Zn ihrem Amte für einige Tage abkömmlichen Reichs-, Staats- und Gemeinde-Beamten sowie die wegen des Ausfallens des Unterrichts am Zähltage dienstfreien Lehrer einer Aufforderung der Gemeinde-Behörde, das Ehrenamt eines Zählers zu übernehmen, bereitwilligst Folge leisten werden.
Das Gelingen der Aufnahme hängt wesentlich von dem Zusammenwirken der Zähler mit den Haushaltungs-Vorständen und Kehöftbesitzern ab. Diese werden deshalb ersucht, den Zählern ihr Amt nach Möglichkeit zu erleichtern und ihnen unnütze Gänge oder Arbeiten zu ersparen. Die Zähler genießen in der Wahrnehmung ihrer Pflichten den besondern Schutz der Gesetze. Sie werden diesen aber hoffentlich in keinem einzigen Falle anzurufen brauchen, MiwMa^wMMit™HmjaB»m!amt.i«Mii»wMiMUM«uw».wuuwi«»^w^
saubern überall ohne Weiteres der Rücksicht begegnen, die Jeder für das gemeine Beste arbeitende Staatsbürger beanspruchen darf.
Der Burentrek nach Deulsch-Düdw stafrika.
An die in der letzten Sitzung des Kolonial-Raths von Mitgliedern des Direktoriums der South-West-Afrika-Eompany abgegebene Erklärung, daß von Seiten dieser Gesellschaft einer Buren-Einwanderung durchaus keine Schwierigkeitett bereitet werden würden, hat sich die amtliche Mittheilung angeschlosfen, daß die Zahl der Transvaal-Buren, die durch die Kalahari-Wüste in deutsches Gebiet zu wandern beabsichtigen, auf etwa 15000 bemessen wird, und daß den Burcit auf ihre Anfrage bei der deutschen Regierung, wie sie sich dieser Einwanderung gegenüber verwalten würde, die Antwort ertheilt worden ist, sie würden freundlichst ausgenommen werden. Diese Nachricht ist sehr willkommen, denn sie entspricht dem deutschen kolonialen Interesse ebenso wie dem der Buren, an deren Mißgeschick jeder Deutsche lebhaft Antheil nimmt.
Vor sieben Jahren würbe noch die Ansiedelung größerer Burenschaaren in der deutschen Kolonie als nicht erivünscht bezeichnet, an einigen Stellen war kleinmüthig geltend gemacht, daß die an volle Freiheit geweinten, halsstarrigen Gesellen lästig fallen könnten. Fürst Bismarck hat sich über diese Auffassung ärgerlich geäußert und die Aufnahme der redlichen und fleißigen, bedürfuißlosen und unerschrockenen Männer als ein Glück für die Kolonie bezeichnet. Sie würden deutschen Ansiedlern als Vorbild dienen und vermöge ihrer Kenntniß des Landes und der lohnenden Kulturen ihnen behilflich, auch im Falle einer Gefahr schätzbare Kameraden der Deutschen sein. Andererseits ist die Befürchtung, daß England die Ueber- sicdlung nahe der Kapkolonie als Kränkung und Gefahr betrachten sonnte, für Deutsche gar zu zaghaft und dem englischen Selbstgefühl gar nicht entsprechend. Wer die jüngste Guildhall-Rcoe Salisburys gelesen bat, wird nicht annehmen, daß die englische Regierung über die Niederlassung von 15000 Buren in Damara- ober Großnamaland sich Sorgen hingebe. Fürst Bismarck hat 1893 hinzugefügt, die Einführung englischer Unternehmer in die deutsche Kolonie würde er für bedenklicher Halten als die von Buren. Bald nachdem er gesprochen, haben sich englische Unternehmer in Deutsch-Südwest- Afrika niedergelassen, und ein Jahr nach seinem Tode hat der britische Vernichtungskampf gegen die Buren begonnen.
Die Ansiedelung der Heimathlos gewordenen Buren auf deutschem Boden wirb beim ganzen deutschen Volke große Befriedigung Hervorrufen. An keiner weltgeschichtlichen Begebenheit der letzten Zeit hat das deutsche Volk so lebhaften Antheil genommen wie an de« Verzweiflungskampf dieses
Feuilleton.
Fragte oder frug?
Fragte oder frug? Ueber diese Frage schrieb vor einigen Jahren der bekannte Leipziger Forscher Gustav Wustmann in der 2. Auflage seines hochbcdeutsamcn Buches: „Allerhand Sprachdummheiten" (Leipzig 1896), S. 50 u. 51: „Eine Schande ist es — nicht für die Sprache, die kann ja nichts dafür, wohl aber für die Schule, die das recht gut hätte verhüten können und doch nicht oerhütet hat —, mit welcher Schnelligkeit in gauz kurzer Zeit die falschen Formen frägt und frug um sich gegriffen haben, auch in Kreisen, die für gebildet gelten wollen und den Anspruch erheben, ein anständiges Deutsch zu sprechen. Der Fehler wirb deshalb so ganz besonders widerwärtig, weil sichs dabei um xin Zeitwort handelt, das hundertmal des Tags gebraucht wird. Das immer falsch hören zu müssen, ist doch gar zu greulich . . . Heule schwatzen nicht bloß die Ladendicncr und die Ladenmädchen in der Unterhaltung unaufhörlich: ich frug ihn, er frug mich, wir frugen sic, sondern auch der Student, der Gymnasiallehrer, der Professor, alle schwatzcn's mit, alle Zeitungen, alle Novellen und Romaue schreiben's, das Richtige bekommt man kaum noch zu hören oder zu lesen." Neuerdings hat sich mit der Frage Theodor Vernalcken in. seinem^ kürzlich erschienenen Buche: „Deutsche Sprachrichtigkeiten und Spracherkenntnisse" (Wien 1900) beschäftigt?) Es heißt
_ Di- beidm genannten Bücher, dazu: Albert Heintz-, Gut
^Eslm 1897), Theodor Matthias, Aussatzsünden (Leipzig 1897) und Albert Heintze, Deutscher Sprachtwrc (Leipzia 1900), seien allen Denen, denen die Pflege der Muttersprache aus Neigung oder Beruf am Herzen liegt Beamten, Lehrern, SchrtftsteSern'u f. w., aufs Wärmste und Dringendste zum Studium empfohlen.
Nun türdn’ ich fast, ihr früget, ob ich klug, U-d ihr F-ugalkn würdet tcninächst klagen,
Es sei an frug bereits mehr als genug."
Nun nimmt es sich fast komisch aus, wenn einer ix der „N. Fr. Pr." das frug in Schutz nimmt, indem er bedauert, daß man die Form „rcz-lmäßig"(!) machen und von ihr „des Umlauts Farbcnschöne" abstrcifcn wolle. Der Mann scheint nicht zu ivisscn, daß die starke Form auch regelmäßig ist und daß zwischen Umlaut und Ablaut ein großer Unterschied besteht. Wer in grammatischen Dingen mitsprechen will, darf die historische Sprachentwicklung nicht außer Acht lassen. In dieser ist cs festes Gesetz, daß die starke Form abnimmt, und die schwachezunimmt,abcr nicht umgekehrt. Fragen war aber nie ein starkes Zeitwort wie tragen u. « Manche Zeitwörter haben ihr starkes Imperfekt schon lange eingebüßt oder sind nahe daran, ei zu verlieren, z. B. bellte statt boll, webte statt wob, backte'statt buk. DaS starke Imperfekt ober das Partizip geht dann noch eine Zeit lang neben der schwachen Form her, wie z. L. gesalzen neben gesalzt, gefeiten neben gefaltet, gespalten neben 'gespaltet. Wir sagen: hat gebacken, also stark; allein das entsprechende buk geht schon in backte über. Daß ziemte, geziemt früher das starke Imperfekt za» bildete, ersehen wir noch aus dem Adjekttv zahm. Aus solchen grammatischen Fällen geht hervor, daß ein Lehrer der Sprache sich nicht mit dem gegenwärtigen Stande unserer Sprache begnügen darf."
Also, lieber Leser, merke: nicht frug, sondern fragte! A.
Aus Kunst und Leben.
— Ausschuß für Bolksvorlesungen. „Die Abstammnng des Menschen und die Anfänge der Kultur" war das Thema, welches Herr Prof. K l a a 1 s ch aus Heidel-
dort S. 92: „Es ist doch wahrlich nicht einerlei, ob einer schreibt: er fragte oder frug, er jagte oder jug. Unsere Roman- und Noscllenschreiber sündigen keck darauf los, unbekümmert um die historische Grammatik. Sie wissen nicht, daß ein starkes Zeitwort wohl schwach werden kann, aber daß ein schwaches niemals stark wird. Fast nur niederdeutsche Schriftsteller haben sich durch die plattdeutsche Mundart dazu verleiten lassen, denn diese gebraucht die Form „froug" oder „frog". Berücksichtigen wir nun den historischen Entwickelungsgang — und dieser ist entscheidend, — s« finden wir im Altdeutschen: fragte (vrâgeie). Und der große Sprachkenner J. Grimm (Deutsches Wörterbuch IV, 50) W: „Ohne Zweifel sind fragte, jagte, und im Präsens fragt, jagt, sprachrichtiger." Erst im 18. Jahrhundert taucht bei niederdeutschen Schriftstellern das fehlerhafte „frug" auf, obgleich Gottsched und Adelung sich dagegen erklärten. Wäre „frug" richtig, so müßte auch ein starkes Partizip : gefragen, richtig sein, denn Imperfekt und Partizip müssen zusamm n stimmen. Man vergleiche das schwache: jagt - jagte — gejagt mit dem starken: trägt—trug — getragen. In einer Nummer des „Greuzboten" veröffentlichte Paul Lang aus Maulbronn folgendes geharnischte Sonett gegen die Form: Ich frug:
»Ich frug mich manchmal in den letzten Tagen: Woher stammt wohl die edle Form: er frug? Wer war der Kühne, der querst sie wug? So frug ich mich, so hab' ich mich gefragen. ®rft wollte mir die Neuerung nicht behagen ; Doch nunmehr tr.ibt sie mich zu kühnerm Flug, Und d-mrächst werd' ich schreiben auch: „er fug", Anstatt „er sagte', wie bisher zu sagen Doch ganz wird uns das neue Licht erst tagen, Wenn wir: er klug, er nvg, er Plug, er rug, Er tug, er zug, er — und so weiter wagen.