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Hanauer ^Anzeiger
8. Novemebr
Der Peftfâ in Bremen.
Bremen, 7. Novbr. Bösmanns Bureau meldet amtlich : Die Nachforschungen nach der Entstehungsgeschichte des hier beobachteten PestfallcS haben bisher folgendes Ergebniß gehabt: 1. der Dampfer „Marienburg" ist am 17. September von Buenos Aires abgegangen und am 20. Oktober auf der Elbe angelangt, am $6. Oktober von Hamburg weiter gefahren und am 27. Oktober in Bremen anzelangt. Es kann nicht zweifelhaft sein, daß der Pestkeim in Buenos Aires an Bord gebracht wurde und sich an irgend einer Stelle des Schiffes, vielleicht durch Vermittelung von Ratten, während der ganzen Reise lebend erhalten hat. 2. die in der vordersten Abtheilung des Schiffes enthaltene Ladung, Häute, ist in Hamburg vollständig gelöscht. Rach Aussage seiner Kameraden nahm der Seemann Kunze kurz vor der Abfahrt von Hamburg an der Reinigung dieser Abtheilung theil. Der dort zusammengefegte Kehricht wurde an Deck geschafft und während der Fahrt nach Bremen auf See über Bord geworfen;. 3. da Kunze am 29. Oktober erkrankt ist, ist es wahrscheinlich, daß er den Krankheitskeim bei der Reinigung des Schiffsraumes am 25. oder 26. Oktober ausgenommen hat. Nach weiteren Mittheilungen liegt zur Stunde kein neuer Pcstfall vor. Die isolirten, unter ärztliche Beobachtung gestellten Personen be- finden sich wohl.
Telegramm:
Berlin, 8. Novbr. Nach einer Meldung aus Hamburg ist an Bord des von Glasgow dort eingetroffenen Dampfers Haam ein pestverdächtiger Kran khei rsfall vorgekommen. Der erkrankte Matrose wurde auf Anordnung der Medizinalbehörde in der Jsolirbaracke des Eppendorfer Krankenhauses untergebracht. Der Dampfer wurde unter Quarantäne gestellt.
UM Stadt- «Ad Laadtâis Harrarz. Nachdruck unserer Lokalartikel nur mit Quellenangabe „Han. Ary' gestattet.
Beamtenp ersonal-Nachrichten.
Ernannt: der Pfarrgehülfe Bode zu Altenhaßlau. zum Pfarrer in Kempfenbrunn,
der außerordentliche Pfarrer H ü t t e r o t h zum Verweser der Pfarrstelle zu Wasenberg,
der 2. Pfarrer Ruhl zu Fulda zum 1; Pfarrer daselbst und zum Superintendenten der Diöcese Fulda - Hünfeld- Gersfeld,
der außerordentliche Pfarrer Sinne n k sh l zum Gehülfen 'des Pfarrers Iffland zu Arnsbach,
der Referendar v. Baumbach zum Gerichtsassessor, der Oberlandesgerichts-Sekretär Dietzel zu Cassel zum Rechnungsrevifor bei dem Oberlandesgericht bafelbft,.
von Neuem der Fabrikant Wilhelm Fu es zu Hanau zum Handelsrichter und der Kaufmann Ernst Zimmermann zum stellvertretenden Handelsrichter bei dem Landgericht zu Hanau, ~
der Bürgermeister Erb zu Hosenfeld zum Standesbeamten und der Beigeordnete Hartung daselbst zum Stellvertreter des Standesbeamten für den Standesamisbezirk Hosenfeld,
der Unteroffizier Bettenhausen zum Schutzmannbei der Polizeiverwaltung zu Fulda.
Versetzt: der Postverwalter Großkurth von Mansbach nach Birstei« und der Postverwalter Baumgarten von da nach Hanau als Posiassistent,
der Slatisnseinnehmer S ch u b e r 1 zu Sangerhausen zum 1. Dezember nach Cassel,
der Schutzmann Klose bei der Polizeidirektion zu Castel zum 1. November d. I. an die Fulda.
Verliehen: dem Oberlandesgerichtsrath Reimerdes der Charakter als Geheimer Justizrath.
* Provinzial Ansschutz für Hessen-Nassau. Aus den Verhandlungen der diesjährigen Herbststtzung des Provinzial Ausschusses der Provinz Hessen-Nassau, welche, wie bereits erwähnt, am vorigen Freitag im Saal des Stânde- hauses in Cassel ftatlfand, sind die 'folgenden Beschlüsse von weiterem Interesse zu erwähnen:. Für den verstorbenen Herrn Geheimen Justizrath Rieß wurde Herr Rechtsanwalt Dr., Schier zu Cassel für den Rest der Wahlperiode 1895 bis 1901 zum stellvertretenden Mitglied des Provinzialrathes von Hessen-Nassau ernannt. — Für die Eiukvmmensteuer-Be- rufungskommissionen in den Regierungsbezirken Cassel und Wiesbaden wurden die nachfolgenden Wahlen vollzogen: A. Es wurden für die Wahlperiode vom 1. Januar 1901 bis zum 31. Dezember 1906 die folgenden Herren als Mitglieder und Stellvertreter im Regierungsbezirk Wiesbaden gewählt: 1. Kommunallandtagsabgeordneter Karl Grün zu Dillenburg, 2. Rentner Chr. Thon zu Wiesbaden, 3. Metzger und Stadtverordneter Karl Marx jun. zu Frankfurt a. M., 4. Kaufmann und Stadtverordneter Emil Stiebel-Frankfurt a. M. Stellvertreter im Regierungsbezirk Wiesbaden: 1. Bürgermeister a. D. Höchst-Oberbrechen, Kreis Limburg, 2. Architekt Martin Willett-Wiesbaden, 3. General-Direktor Karl Linkenbach-Ems. — Sodann wurde zum stellvertretenden Mitgliede des Bezirksausschusses für den Regierungsbezirk Wiesbaden für den Rest der Wahlperiode von 1895 bis 1901 an Stelle des verstorbenen Rechtsanwalts Dr. Marx der Rechtsanwalt Dr. Hermann Oelsner zu Frankfurt a. M. gewählt. Weiter wurde in Bezug auf die Neuabschätzung und Veranlagung der landwirthjchaftlichen Betriebe und Revision der Gefahrentarife beschlossen: „Die Beiträge für die Hessen-Nassauische landwirthschaftliche Berufsgenossenschaft für die Jahre 1900 und 1901 noch auf Grund des alten Katasters ohne Aenderung der Einheitssätze und des Gefahren- tarifes zu erheben und die Rechte der Betriebsunternehmer I durch Neuauslegung der Unternehmer-Verzeichnisse zu wahren."
Straßburger Hauptversammlung der deutschen Kolonial- Gesellschaft.
Oppenheim a. Rh., 7. Novbr. Der langjährige Vertreter des Lindwgsivahlkreisei Oppenheim-Guntersblum, Dr. jr. Bernhard Schroeder in Darmstadt, hat sein Mandat auS Oesundheitirückfichten niedergelegt. Schroeder war Mitglied der nationalliberalen Fraktion.
Wetzlar, 6. Novdrr. Bei der L a n d t a g s e r s a tz - wähl in Wetzlar wurde der nationalliberale Kreissparkasten- direktar Schlabach gewählt. Ban 192 Wahlmännern waren 169 erschienen, die sämmtlich für Schlabach stimmten.
Plauen i. D., 7. Novbr. Fast sämmtliche in den Textilbetrieben beschäftigten Schiffchen st icker haben zum 15. November gekündigt, falls die Fabrikanten bis dahin ihre Forderungen nicht bewilligen. Gegen 200 Sticker befinden sich bereits im Aasstand.
Mae Kinleys Wiederwahl.
New-Uork, 7. Novbr. (Kabelmeldung der „Paris- Nouocllcs".) Die Ziffern der Prästdentschaftswahl sind amtlich wie folgt berichtigt worden : Bon den abgegebenen 447 Stimmen haben erhalten: Mac Kinley 284, Bryan 163. Mac Ktnley hat aber eine Majorität von 24 Stimmen im Senat und eine solche von 47 Stimmen im Repräsentantenhaus. In der Stadt New-Jork selbst erhielt Bryan eine Majorität von 28 000 Stimmen.
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Telegramme:
Berlin, 8. Novbr. Dem „Lokal-Anzeiger" wird aus London telegraphirt: Nach Ncw-Isrker Meldungen spielten sich dort noch nie dagewesene Szenen des Enthusiasmus ab, als daS Wahlresultat bekannt wurde. Menschen kletterten auf Droschken und brüllten wie Wilde. Einige Leute umarmten sich auf der Straße. Man glaubt, der Exsenator des Bennet Hill von New-Jork werde bei der nächsten Präsidentenwahl Kandidat der demokratischen Partei werden. Er ist kein Bimetallist, sondern Demokrat vom alten Schlage.
Berlin, 8. Novbr. New-Iorker Telegramme melden, so wird der „Vossischen Zeitung" aus London depeschirt, Mac Kinley habe nicht nur eine größere Stimmenzahl im Wahlkollegium sondern auch eine wesentlich größere Volks- mehrheit als bei der vorigen Wahl erhalten. Die demo- krauschen Parteiführer geben zu, daß sie gründlich geschlagen worden sind. Die gestrige Wahl bedeutet das Ende des Vryanismus.
Die Verlängerung der Amtsdauer des Herrn Mac Kiuley um weitere vier Jahre ist somit gesichert. Seine Persönlichkeit steht vor der Welt in scharfen Umrissen da; mit seinem Namen ist die hochschutzzöllncrische Richtung der Handelspolitik eng verbunden, eben sowie das Eingreifen Amerikas in die internationalen Händel sich an seine Präsi- demschaft knüpft. Bei der vorherrschenden Strömung im; amerikanischen Volke hätte eine Wahl Bryans hinsichtlich der zollpolitischen Richtung schwerlich wesentliche Aenderungen zur Folge gehabt; was aber den amerikanischen^ Imperialismus betrifft, so dürfte er auch unter - McKinley keine neue Ausdehnung erfahren, da die Erhebungen auf deu Philippinnen eine größere Zurückhaltung dringend empfehlen. In innerpolitischer Beziehung tritt vornehmlich die Ablehnung aller auf eine Erschütterung der geltenden Wahrungs- verhälmisse von den Silberanhängern gerichteten Bestrebungen seitens McKinleys hervor. Vom deutschen Standpunkt die Wiederwahl McKinleys zu bedauern, liegt kein Grund vor. In den letzten Jahren hat es allerdings mehrfach Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Staaten gegeben^ blickt man jedoch heute auf ihre Erledigung zurück, so ergibt sich als Resultat, daß Herr Mac Kinley einer Verständigung, über die aufgetauchten Fragen nicht entgegen war. Der Streit wegen der amerikanischen Versicherungsgesellschaften wurde gütlich beigelegt, ebenso ist es im letzten Sommer zu einer handelspolitischen Vereinbarung gekommen, die manchen ernsten Beschwerden Deutschlands in befriedigender Weise Rechnung trug. In erfreulichem Gegensatz zu gewissen während des spanisch-amerikanischen Krieges betriebenen Hetzereien, die eine tiefgehende Verstimmung zwischen Deutschland und Amerika herbeizuführen bezweckten, beobachtete die Washingtoner Regierung eine durchaus korrekte Haltung ^ausgesprochen freundlich war die Stellungnahme Amerikas in der samoanischen Frage, die wesentlich durch die Mitwirkung Amerikas zu einer für Deutschland genehmen Lösung gebracht wurde. Nicht zu vergessen ist ferner die engere Gestaltung der direkten Beziehungen zwischen den beiden Nationen durch Gestattung der Landung eines deutschen Kobels in Amerika sowie durch die Vereinbarung über den Psstpacketvcrkehr. Diese Geschehnisse bestärken die Hoffnung, daß es auch in Zukunft; bei gegenseitigem guten Willen gelingen werde, etwaige Differenzen in einem beide Theile befriedigenden Sinne zu regeln und die allgemeinen Beziehungen auf einem Stande zu erhalten, der der bis in die Zeit Friedrichs des Großen zurückreichenden Ueberlieferung, sowie dem Geiste entspricht, dem Präsident Mac Kinley in seiitcr Botschaft vom 5. Dezember v. I. die Worte lieh: „Wir mögen Nebenbuhler in vielen wesentlichen Punkten sein, aber unsere Nebenbuhlerschaft sollte stets edelmüchig nnd offen sein und der Erreichung größerer Ziele zum gemeinsamen Besten zustreben." Dieser programmmatischen Aeußerung gedenken wir gern am heutigen Tage, an dem von jenseits des großen Wassers die Kunde kommt, daß Mac Kinley berufen ist, die Geschicke der amerikanischen Nation weitere vier Jahre zu lenken, einer Nation, in der so zahlreiche Elemente unseres eigenen Volkes aufgegangen sind.
Die Neueinrichtung der Schiedsgerichte nahm man zur Kenntniß und beschloß, den Herrn Landeshauptmann zu ermächtigen, regelmäßig eine Vertretung der Berufsgenossenschaft beim Schiedsgericht zu Wiesbaden durch obere Beamte stattfinden zu lassen.
* LnnS-skreSitkaffe. Am 26. Okt. d. J. hat eine Berloofung der 3'/*pr»gextigen Schuldverschreibungen der Landeskreditkasse Serie 16 stittgefunden. Die ausgeloosten Schuldverschreibungen sind für den 1. März 1901 zur Rückzahlung gekündigt. Zum Umtausch derselben gegen Schuldverschreibungen der Serie 20 I (4 pEt.) zu deren jeweiligem VerkaufSkurs ist die Landeskreditkssse bereit. Die Verloosungs- liste kann bei uns eingesehen werden.
* Kontrslvrrsammlung. Am 9. Nsv einber 1900, vormittags 9 Uhr, in H sch st ad t (Hauptstraße), für Hvchstadt, Wachenbuchen, Dörnigheim, Bischofsheim; Sämmtliche Reservisten und die in der Zeit vom 1./4. bis 30./9. 1888 eingetretenen Wehrleute, sowie die zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften. — Nachmittags 3 Uhr, M Bergen (Vor der schönen Aussicht), ür Bergen, Enkheim, Dottenfelderhof, Gronauerhof, Gronau, Niederdorfelden; Sämmtliche Nesersisten und die in der Zeit vom 1./4. bis 30-/9. 1888 eingetretenen Wehrleute, sowie die zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften.
* Erledigte Stelle. Die 2. Pfarrftelle zu Fulda ist erledigt. Meldungen sind durch Vermittlung derDiöcesan- vorsKude innerhalb 3 Wochen an Königs. Konsistorium zu Cassel einzureichen.
* Stadtthester. Die mit ungewöhnlichem Beifall aufgenommene Vorstellung von „Frankfurt in Feindesland^, „Verspekulirt" und „Der Ätzern er und ein Sohn" mit Frau Schön ing und Frl. Str ohe cker rls Gäste wird morgen wiederholt und sind der« als viele Billetbestellungen eingelaufen;. der beste Beweis, daß die Anführung ganz besonderem Interesse begegnet.
* Futzlmllspsrt. Nächsten Sonntag den 1 1. d. M., nachmittags 3 Uhr, findet auf dem hiesigen Exerzw .platze das erste Fußballwettspiel um die Verbandsmeisterschaft von Süddeutschland pro 1900 1 zwischen dem „I. Hanau er Fußballklub 1893" und dem Frankfurter Fußballklub , .Germania" statt. Ueber die Aussichten beider Mannschafter t genannter Klubs ist schwer etwas zu. sagen, zumal der , ,1. Hanauer Fußballklub 1893" nicht mehr die Mannschaft ach stellen kann, welche im vorigen Jahre gegen. Frankfurt „Gv cmania" um. die Meisterschaft mit 5:0 ®oa( siegte. Denno ch hoffen wir, daß die Mannschaft der „93er* ihr ganzes Km men einsetzen wird,, um, wenn möglich, ihre Ehre siegreich zv vertheidigen. Da uns nächsten Sonntag wieder einmal Gele« jenseit geboten ist, einem schönen interessanten Fußballwettspiel beiwohnen zu können, auf dessen Ausgang man sehr gespaw u sein dürfte, ollste unsere Devise nächsten Sonntag laut en: „Auf den Exerzierplatz zum Meisterschafts-Wettspiel bei 5 „I. Hanauer Fußballklub 1893!"
* Fastrraddiellstatzl. Dem Gärtner strafe 57 wohnenden Pulverarbeiter G. Kaiser wurde gestern. Morgen zwischen 5 und 6 Uhr aus bem Hausflur i »es 1. Stockwerks ein Fahrrad, Marke „Cito", Fabriknummer 6914, gestohlen.
Sprechsaal.
Für die unter dieser Rubrik eingesandten Rwtizm übernimmt die Redaktion dem Hublikum gegenüber feiner! ei Verantwortung.
LkehrichLabsuhr.
Der Frager im Sprechsaal vom geftr igen. Tage hat offenbar die Polizeiverordnung, vom 23. Juni d. Js., betr. die Kehricht-Abfuhr, im Auge, diese Verord/rung. ist aber bereits aufgehoben und durch eine- anderweite neue Polizeiverordnung vom. 20. Oktober d. Js. ersetzt. Letztere ist auch schon wiederholt im „Han. Anz." veröffentlicht worden.. Nach dieser ist die Abfuhrzeit des Kehrichts nur: insofern begrenzt, als im § 1 die Abfuhr im Sommer bis 9 Uhr, im Winter bis 10 Uhr vormittags beendet sein muß. Wann der Unternehmer mit der Abfuhr des Morgens beginnen will, ist ihm überlassen.. Zur Bequemlichkeit des Publikums ist zugleich bestimmt worden, daß die Kehricht-Eimer am Abend vor dem Abfuhrtaa, jedoch nicht vor 9 Uhr vor den Häusern aufgestellt werden dürfen. Es fällt sonach die Nothwendigkeit zur Bereitstellnng der Eimer in den frühen Morgenstunden fort.
Bei dieser Gelegenheit sei nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die vorhandenen Aschen- und Kehrichtgruben mit Ausnahme der in § 5 Absatz 2 vorgesehenen Fällen bis zum 1. Januar 1901 gänzlich zu beseitigen sind. Die Aufbewahrung des Kehrichts hat fortan nur in den in § 8 der Polizeiverordnung bezeichneten Behältern stattzufinden.
Aus dem Gerichtssaal.
Sitzung des Schwurgerichts vom 7. November.
Urkundeufälschung.
Der erste vom Schwurgericht öffentlich verhandelte Fall betrifft die Anklage gegen den früheren Bürgermeister Aloys Reisinger von Marborn im Kreise Schlüchtern, der der qualifizirten Urkundenfälschung beschuldigt ist. Der Sachverhalt ist folgender:
Die Gemeinde Jossa im Kreise Fulda woll.è einen neuen Zuchtbullen anschaffen und schickte deshalb zwei Gemeindevertreter nach Schlüchtern, die daselbst ein Zuchlthier ankaufen sollten. In Schlüchtern hatte am Tage zuvor die Körung der Zuchtbullen stattgefunden. Der Auftrag der Beiden lautete, entsprechend einer im Kreise Fulda bestehenden Vorschrift, nur einen echten Simmentaler Zuchtbullen anzuschaffen, dessen Echtheit bezw. Herkunft durch ein besonderes. Zeugniß nachzuweisen ist. Die beiden Gemeindevertreter wandten sich an den Bürgermeister Reisinger, der einen solchen