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Im lireSamencheS bie Zeile «D^ ft.

Auswärts 30 ^.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonli- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 262 Donnerstall den 8, November 1900

Amtliches.

^tadtBrei# ^anau. Bekanntmachung»

Der am 24. Januar 1853 zu Rotenburg a./Fulda ge­borene Schreiner Fra«; Polykarp Riemenschneider hat sich am 14. März 1900 unter Zurücklassung seiner Familie in hilfsbedürftiger Lage von hier entfernt.

Es wird ersucht, nach p. Riemenschneider zu fahnden und im Betretungsfalle mir Mittheilung zu machen.

Hanau den 3. November 1900.

Königliche Polizei-Direktion.

P 9616 I. A.: Valentiner, Reg.-Assessor.

^taöt&rew ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Die Bezirke der Müllabfuhr haben insofern eine Ab­änderung erfahren, als die Hausmüll in der Sternstraße nicht mehr Dienstags und Freitags, sondern Montags und Donnerstags abgeholt wird.

Hanau den 6. November 1900.

Der Magistrat.

I. A.: Schmidt. 18320

MMdM und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 schwarzer Damenregenschirm mit geradem Griff. 1 Schrotleiter.

Zugelaufen: 1 schwarzer Pinscher m. Geschl.

Entflogen: 1 rothe, französische Kropftaube.

Hanau den 8. November 1900.

Die WirvLN in China.

Die auffallende Thatsache, daß Tausende gut bewaffneter und gedrillter chinesischer Soldaten in Peking es nicht gewagt haben, gegen das kleine Häuflein Fremder in den Gesandt­schaften im Sturme vorzugehen, erklärt der mehrfach erwähnte, ebenfalls in Peking eingeschlossen gewesene österreichisch-un­garische Geschäftsträger Dr. von Rosthorn in einem vom 20. August datirten Berichte folgendermaßen:Es liegt aus­schließlich daran, daß die chinesischen Truppen von einer fast abergläubischen Angst vor europäischem Militär erfüllt sind, die sich auch dieses Mal darin äußerte, daß von den Chinesen während der ganzen Belagerungszeit nicht ein einziger Sturm­angriff versucht, hingegen viele Stunden und Tage lang und insbesondere in der Nacht das heftige Gewehrfeuer unterhalten wurde, augenscheinlich nur um uns von Ausfällen abzu­schrecken. Wiederholt konnte man hören, wie den Offizieren, wenn sie ihre Leute. in sicherer Deckung zum Vorgehen anspornten, von diesen erwidert wurde:es geht nicht, denn die Fremden schießen." Die Soldaten selbst sah man fast nie; nur ihre Gewehrläufe tauchten über den Mauern und Barrikaden auf. Bei einem Munitionsverbrauch, der nicht unter zwei Millionen geschätzt werden kann, hatte das chi­nesische Gewehrfeuer selbst auf Distanzen von zwanzig Meter« kaum eine nennenswerthe Wirkung. DieAngriffe", die an­fangs stündlich Alarmsignale und einen überaus aufreibenden Dienst zur Folge hatten, erwiesen sich stets so harmlos, daß sie zuletzt nicht einmal mit einer Verstärkung der Posten be­antwortet wurden. Wie mit den Handwaffen stand es mit den Geschützen. Da diese niemals exponirt, sondern stets hinter Barrikaden aufgestellt waren, konnten sie nur Hoch­schüsse abgeben, die zwar unsere Dächer mehr oder weniger demolirten, uns aber aus unseren Stellungen nicht zu ver­treiben vermochten."

Stimmungsbilder aus Peking.

In Peking sieht es, nach dem Berichterstatter desStan- da,d", recht unerfreulich aus, und besonders die Russen, die in seinen Berichten überhaupt immer sehr schlecht wegkommen, sollen in dem ihnen zurPacificirung" bei der bewußten Theilung überwiesenen Stadtviertel böse gehaust und schließ­lich dieRuhe des Kirchhofs" geschaffen haben. In dem geheiligten Kreise, wo Militarismus und Diplomatie in liebenswürdigem Streite liegen", soll es sehr wichtig und ge­heimnißvoll zugehen; wenn aber der gewöhnliche Unterthan einmal etwas über das Wirken dieses ehrfurchtgebietenden Körpers erfährt, so freut er sich gewöhnlich nicht. Letzthin war z. B. Prinz Tsching nach Peking gekommen, um mit den Gesandtschaften in Verkehr zu treten.Natürlich", sagt

der Berichterstatter desStandard",gab es sofort wieder die übliche Balgerei über die Frage, welche Gesandtschaft ihn zuerst empfangen sollte; aber glücklicherweise zerschnitten die Japaner einfach den gordischen Knoten und setzten durch, daß Prinz Tsching in seinen eigenen Palast zurückkehrte." Derselbe liegt übrigens im japanischen Viertel. Die Engländer haben ihre Straßen nach Gaselee und Steward getauft und bereiten Alles für den Winter vor. Kulis schaffen das nöthige Holz herbei und Mobiliar, soweit davon die Rede sein kann, müssen verlassene Chinesenhäuser liefern. Der Kurierdienst zivischen Peking und Tientsin ist jetzt etwas besser, aber noch lange nicht so, wie er sein sollte. Die Kuriere beklagen sich darüber, daß sie unterwegs von Japanern, Russen und Deutschen angehalten werden und arbeiten müssen, trotzdem sic Zettel mit sich führen, auf denen in so ziemlich jeder Sprache vermerkt ist, daß sic kuriere sind und wichtige Bot­schaften überbringen sollen. Neun Zehntel aller Häuser und Läden in Peking haben Flaggen, viele auch Plakate mit Inschriften in einer westlichen Sprache ausgehängt. Manche dieser Inschriften sind recht ulkig. Jeder kopirt die seines Nachbars und so sieht man häufig in einer Straße über jeder Thür dieselbe Legende. In einer der Straßen des russischen Viertels steht auf einem großen Kaliko-Plakat:Bitte, Offizier, hier gute Leute." Eine Reihe anderer Häuser legitimirt sich mit den Worten:Gott, Christenthum, Mann" und auf einem steht:Gehört Japan." Die Japaner haben reiche Beute gemacht, und zwar 7 Millionen Dollar Gold und 3 Millionen Dollar Silber, wodurch sie schon ein gut Theil ihrer Kosten gedeckt haben. Ob sie sich dieser Summen bei ihrer späteren Schadenersatzrechnung erinnern werden, ist zweifelhaft; es liegt nun einmal in der menschlichen Natur, gewisse Kleinigkeiten zu vergessen. Die Japaner wußten beim Marsch auf Peking mehr vom Lande und der Sradt, als wahrscheinlich alle anderen Nationen zusammcngenommcn; als sie Peking erreichten, wußten sie ganz genau, wo etwas zu holen war, und machten natürlich schnell den besten Gebrauch von ihrem Wissen.

Zerstörung von Boxernestern.

Das Detachement des englischen Generals Campbell hat auf seinem Rückmarsch von Paotingfu nach Tientsin, südlich des Gebietes der Tsitien- und Tungtiensümpfe, einige Re­pressalien gegen Boxernefter ausgeübt. Ein Telegramm Camp­bells vom Dienstag sagt:Ich bin in Wangkiakau emge- troffen. Alles ist wohl. Ich habe hier im Damen Doku­mente beschlagnahmt, welche überzeugend darthun, daß die Bewohner der Stadt Wenunganhsie« (südwestlich von Wang­kiakau) den Boxern in jeder Weise Beistand geleistet haben. Ich habe es für nöthig gehalten, einen möglichst nachhaltigen Eindruck bei den Chinesen zu hinterlassen. Demgemäß habe ich die nordöstlichen und nordwestlichen Bastionen zerstört, ebenso die nördliche Grenzmauer der Stadt. Heute Dienstag früh habe ich das stark befestigte Boxerdorf Liuhotschuaug (nördlich von Wangkiakau) niedergebrannt, in dem sich große Massen von Waffen und Munition befanden. Die Boxer hatten diese Stellung aufgegeben vor unserer Ankunft, ihre Waffen vergraben und sich in der Umgegend zerstreut. Die eingeborenen Christen sagen, daß die Zerstörung dieser Boxer- veste im ganzen Distrikt einen guten Eindruck machen und dazu beitragen werde, ihr Leben und Eigenthum zu schützen."

Prinz Tnan.

Eine chinesische Meldung aus Langtschautu, der Haupt­stadt von Kansu, besagt, Prinz Tuan sei daselbst durchgereist. Er erreichte Ninghscafu am oberen Hoangho und soll als bud­dhistischer Priester unter dem Schutze des bekannten Generals Tungfuhsiang gereist sein, der von der Kaiserin-Wittwe zwei Monate Urlaub erhalten hatte. Dunglu zögere, sich nach -singanfu zu begeben, weil er sich vor der Rache der Boxer fürchte, welche ihn als Verrälher bezeichnen.

Telegramme:

Berlin, 8. Novbr. Ueber das Gefecht bei T h a k u n g k w a n meldet Generalfeldmarschall Graf Walder fee folgende Einzelheiten: Der Feind war etwa 2000 Mann stark. An Todten wurden bei ihnen aufge- unden: 3 Offiziere und 78 Mann. Diesseitiger Verlust: Major v. Förster leicht verwundet, 4 Mann todt, 2 schwer, 3 leicht verwundet. Bei der Verfolgung wurde noch ein Schnellfeuergeschütz erbeutet.

Rom, 8. Novbr. DerAgenzia Stefani" wird aus Peking gemeldet: Eine gemischte, aus Deutschen und Italienern bestehende Kolonne unter dem Befehle des Obersten Garioni ist von Paotingfu hierher zurückgekehrt. Die Kolonne, aus

350 Mann bestehend, griff mit großer Kühnheit die befestigte Stadt K « a n h s i e n an, welche »on 1500 mit Gewehren bewaffneten Chinesen und Artillerie »ertheitigt wurde. Nach heftigem Kampfe besetzte die ge­mischte Kolonne die Stadt, entwaffnete die chinesischen Soldaten und erbeutete 8 Kanonen. Von der Kolonne wurde ein Mann schwer, einige andere leicht verwundet.

Berlin, 8. Novbr. Ein Telegramm aus Taku meldet: Die Secsoldaten Haupt und Hartmann 'feien daselbst an Darm-Typhus gestorben.

Der Krieg in Südafrika.

Die offizielle englische Verlustliste seit Ausbnich des Krieges bis Oktober einschließlich weist folgende Zahlen auf: Gelobtet 3204, verwundet 14,666 (davon in Südafrika verstorben 982), Vermißte und gefangen Genommene 7764, zu­sammen 24,634; an Krankheiten verstorben 6230, invalidirt nach Hause gesandt 34,499. Zusammen mit anderen Ver- lustursachcn beträgt der Totalverlust 48,026 Mann. Von einzelnen Affären forderten die größten Verluste : die ft'ampfe um Ladysmith in der Woche vom 19.27. Februar 1.782, Spioukop 1651, Paardeberß 439, Nicholsons Neck 1227, Belmont 1059, Magersfontein 903, Stormberg 702. Die größte Zahl von Todten gab cs bei Spionkop 280, Lady­smith 263, Paardeberg 258. Bei Nicholsons Neck gab cs 970 Gefangene, bei Stormberg 633 (Totalverlust 702, 32 Todesfälle, 58 Verwundungen, kein Offizier getödtct), bei Reddersburg gab es 409 Gefangene bei einem Totalverlust von 440.

London, 7. Novbr.Daily Mail" meldet in einem Telegranim aUs Pietermaritzburg, daß die Buren einen Eiscn- bahuzug in der Nähe von Standerton zur Entgleisung ge­bracht haben.

London, 7. Novbr.Daily Mail" berichtet aus Lo­renzo Marquez: Die portugiesischen Behörden seien durch die Bewegungen der Buren an der Grenze derart beunruhigt, daß sie bei den als Burenfreunde bekannten Einwohnern Haussuchungen vornehmen ließen.

Politische und ««politische Nachrichten.

Berlin, 7. Noobr. Bei der heute Vormittag im Lust­garten mit großem militärischen Pomp stattgefundencn Ver­eidigung der Rekruten der Berliner Garnison hielt der Kaiser an die Rekruten eine längere Ansprache, in welchem er u. a. Folgendes sagte: Ihr habt soeben Eurem König und obersten Kriegsherrn einen heiligen Eid geschworen und seid nunmehr des Königs Soldaten geworden. Dcr Militärstand ist ein besonderer Stand und stellt besondere Anforderungen und An­strengungen an Körper und Geist. Ihr müßt Euch insbe­sondere gewöhnen, Glich unterzuordnen, Euch cinzufügen in ein Ganzes. Ihr habt gutem Kriegsherrn den Eid der Treue geschworen. Eure Brüder jenseits des Ozeans haben bereits Gelegenheit gehabt, Proben ihrer Treue abzu­legen. Ihr habt den Feind niederzukämpfcn, Ihr habt auch im Innern die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Euch übergebene Fahne ist unbefleckt, sorgt dafür, daß sie auch in Zukunft unbefleckt bleibt. Dcr Kaiser trug Feldmarschalls- Üniforin. In der rechten Hand hielt er den Feldmar­schallsstab.

Berlin, 7. Novbr. Generalmajor Graf Wilhelm von Moltke veröffentlicht folgende D a n k s a g n n g :Gelegent­lich des 100jährigen Geburtstages des verewigten Feldmar­schalls Grafen Moltke sind dem großen Todten so viele Be­weise der Liebe und Verehrung dargebracht worden, daß mir nur erübrigt, auf diesem Wege allen denjenigen Vereinigungen und Personen, welche des Tages in Treue gedacht haben, den aufrichtigsten und herzlichsten Dank im Namen der Familie auszusprechen."

Berlin, 7. Novbr. DieBerl. Neuest. Nachr." mel­den: In den morgen zusammentrctenden Kolonialrath sind benifen: Vizeadmiral z. D. von Valois, geschäflsführen- der Vizepräsident der deutschen Kolonial-Gesellschaft, sein Vor­gänger, Wirkt. Geh. Rath Sachse, Graf Hutten-Czapski, Meyer-Delius-Hamburg. Von der Berufung einer größeren Anzahl von Reichstagsmitgliedern, die früher erwogen wurde, scheint man Abstand genommen zu haben. Es würde sich vielleicht empfehlen, den Gedanken nicht ganz aufzugeben. Man würde damit einen festen Kern im Reichstage für die kolonialen Bestrebungen schaffen. Die koloniale Gruppe der französischen Deputirtenkammer erwies sich außerordentlich er­folgreich und nützlich. Graf Hutten vertrat de« Vorstand der Abtheilung Berlin - Charlottenburg auf der vorjährigen