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Nr. 260.
Dienstag den 6. November
1900
Amtliches, ^artö&reiö ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen LandrathsamteS.
Jm Stadt- und Landkreise Frankfurt a. M., sowie in Hellftein (Kreis Gelnhausen) ist die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen.
Hanau den 5. November 1900.
Der Königliche Landrath.
V 10527/31 ,. Schenck.
Mit Erledigung meiner Verfügung vom 2. Oktober 1896, betr. Nachreoision der Feuerstätten, ist noch die größere Anzahl Bürgermeister im Rückstände.
Es wird deshalb an die Erledigung der genannten Verfügung mit 8 tägiger Frist erinnert.
Hanau den 1. November 1900.
Der Königliche Landrath.
V 10623 I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.
Der am 23. Februar 1867 zu Nattheim, Oberamt Heidenheim (Württemberg) geborene Former Michael Stammler hat sich am 13. August d. Is. von seiner Ehefrau und seinen 4 Kindern im Alter von 11, 10, 3 und 2 Zahren in Großauheim entfernt und diese in hilfsbedürftiger Lage zurückgelassen, sodaß dieselben der öffentlichen Armenpflege anheimgefallen sind.
p. Stammler ist von mittelgroßer Statur, breitschulterig, hat dunkelblondes, lockiges Haar, dunkelbraunen Schnurrbart, blaugraue Augen, gedrückte Nase (von einem Bruch des Nasenbeins herrührend), am rechten Arm Tättowirungen (Formerwappen).
Um Ermittelung des gegenwärtigen Aufenthaltsortes de» Genannten und Mittheilung an den Unterzeichneten im Betretungsfalle wird ersucht.
Hanau den 29. Oktober 1900.
Der Königliche Landrath.
V 10202 I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.
Sl^dMveis ^anatx.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Der von uns genehmigte Entwurf zu dem Haushaltsplan
der Armenverwaltung
für das Rechnungsjahr 1901 liegt vom 7. November d. Js. an acht Tage lang im Rathhaus, Stadtsekretariat, Zimmer Nr. 21, zur Einsicht der Gemeindeangehörigcn offen. Hanau den 2. November 1900.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 18187
Gesundem und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 schnurzer Damengürtel.
Verloren: 1 Portemonnaie mit 3,03 M. Inhalt und einem kleinen Schlüssel.
Eingefangen am 5. d. M. am Kanalthor: 4 junges, gelbes Huhn.
Hanau den 6. November 1900.
Die Wirren in China.
Nachrufe für die gefallenen Vertheidiger der deutschen Gesandtschaft.
Der Kommandeur des III. Seebataillons in Kiautschou, Major Christ, ehrt das Andenken der in den Pekinger Kämpfen gebliebenen See joibaten durch folgende beiden Nachrufe: „Während der Einschließung von Peking inj der Zeit vom 21. Zuni bis 14. August starben den Heldentod für Kaiser und Vaterland der Gefreite Gölitz, die Seesoldaten Rentmeister, Strauß, Matthies, Tölle, Hentschel, Ebel, Gugel, Kaußen, Hohnke und Menchardt. In schweren, aufreibenden Kämpfen gegen einen tausendfach überlegenen Gegner haben sie ihre im Fahneneide gelobte Treue mit ihrem Blute besiegelt. Als ein bewundcrnswerthes Beispiel für deutschen Heldenmuth, deutsche Tapferkeit und treue Pflichterfüllung bis zum Tode, werden sie unvergessen bleiben in den Herzen der M filiere, Unteroffiziere und Mannschaften und werden fortleben als leuchtendes Beispiel in der Geschichte des III. Leebataillons. — Der zweite Nachruf ist dem^am 26. August in Peking feinen Verletzungen erlegenen Seesoldaten Paul. Reinholo Hermann Berger gewidmet, von dem gesagt wird: „Er folgte seinen im Tode vorausgegangenen Kameraden und
Feuerwehr" ein. Heute ist es nicht mehr selten, in der Straße eine Gruppe russischer Matrosen und französischer und deutscher Soldaten zusammen zu finden. Wenn abends, da die Mahlzeit vertheilt wird, ein Deutscher sich verspätet und Furcht hat, nach der Rationsvertheilung zu kommen, braucht er sich nur bi» zu einem französischen Lager zu begeben, man stößt sich ein wenig rechts, ein wenig links, um Platz für den Ankömmling zu schaffen und die zukünftigen Genossen gemeinsamer Gefahr trinken auf ihr gegenseitiges Wohl."
Der chinesische Hof
scheint Besorgniß zu hegen, daß die Verbündeten ihm auf den Leib rücken. Das „Reutersche Bureau" meldet auS Peking über Taku vom 3. d. M.: Ein neues kaiserliches Edikt ist veröffentlicht worden, welches tiefe Be- küminerniß über die Ermordung des deutschen Gesandten Frhrn. v. Ketteler ansspricht und erklärt, daS begangene Verbrechen spreche den kaiserlichen Absichten Hohn. Man glaubt, das Edikt sei veranlaßt durch die Besorgniß, die Verbündeten könnten diejenigen Repressivmaßregeln, welche sie in Paotingfu anwandten, auch fernerhin in Anwendung bringen. Generalfeldmarschall Graf Waldersee hat die Todes urtheile, welche gegen die in Paotingfu verhafteten chinesischen Beamten ausgesprochen sind, bestätigt. Ueber die Ver- urtheilung des stellvertretenden Gouverneurs und der vier l
besiegelte durch seinen Tod die Treue, welche bai ganze deutsche Detachement während der Kämpfe in Peking in heldenmüthiger Ausdauer gezeigt hat. Der Verstorbene, in welchem das Bataillon einen eifrigen, tüchtigen, sehr beliebten Kameraden verloren hat, wird unvergessen bleiben."
Ueber die Ermordung des Frhrn. v. Ketteler gehen dem „Ostas. Lloyd" folgende Mittheilungen zu, welche geeignet sind, ein neues Licht auf die Umstände, unter welchen der Gesandte gemordet wurde, zu werfen: Frhr. v. Ketteler war in der letzten Zeit keineswegs mehr persona grata bei den Ministerielles Tsungli-Pamens. Auffallender Weise war daran nicht am Wenigsten der Umstand schuld, daß o. Ketteler chinesisch sprach. Bei den Konferenzen auf bem Tsungli- Pamen soll ei nicht selten vorgekommen sein, daß der Gesandte seinem Dolmetscher, der mit den üblichen Höflichkeitsphrasen das Gespräch einleitete, um erst allmählich auf bai eigentliche Thema zu kommen, plötzlich ins Wort fiel und nun selbst mit weniger zierlichen, aber um so unzweideutigeren Phrasen gleich „in medius res" ging. DaS konnten die Chinesen nicht vertragen, sie fühlten sich durch diese Art der Behandlung gekränkt und fingen an, Herrn v. Ketteler leidenschaftlich zu Haffen. Ein Vorfall aui der allerletzten Zeit schlug dann dem Faß den Boden auS. Unsere Leser erinnern sich auS dem Tagebuch des Hrn. BiSmarck, daß Krhr. v. Ketteler wenige Tage vor seinem Tode eigenhändig einen Boxer in der LegationSstraße zum Gefangenen gemacht und nach der deutschen Gesandtschaft gebracht hatte. Er theilte die» dem Tsungli-Damen mit und forderte, daß sofort einige Mitglieder des Tsungli-Damen auf der Gesandtschaft den Boxer zur Exekution abholcn sollten, andernfalls er selber den Gefangenen erschießen würde. Thatsächlich kamen auch einige höhere Beamten aui der Gesandtschaft, darunter angeblich auch der Fremdcnhasscr Hsüt'ung. Bei dieser Gelegenheit soll der Gesandte Hsüt'ung offen ins Gesicht gesagt haben, daß er und Prinz Tuan die Häupter der Boxer seien. Hsüt'ung und die Anderen brachen in schallendes Gelächter au» und empfahlen sich. Zwei oder drei Tage später war ». Ketteler erschossen. ES gehört nicht viel Phantasie dazu, um hier Ursache und Wirkung zu kombiniren. Jedenfalls kann jetzt, nachdem dieser Vorfall bekannt geworden ist, kein Zweifel mehr darüber bestehen, daß die Ermordung unseres Gesandten von der regierenden Partei befohlen war. Sie war der wohl- vorbereitete feige Racheakt der sich durchschaut fühlenden Häupter der fremdenfeindlichen Bewegung. Auf die Art ist auch das um zwei Tage verfrühte Telegramm über die Ermordung KettelerS erklärlich.
Gute Kameradschaft
halten in China deutsche und französische Soldaten. Die in Shanghai erscheinende französische Zeitung „Echo de Chine" stellt mit Genugthuung fest, daß zwischen den französischen Seesoldaten und den deutschen Infanteristen das beste Einvernehmen herrscht. Das Blatt schreibt: „Seit der Ankunft der Truppen sympathisirt man, die deutschen Unteroffiziere als die ersten machten den französischen Unteroffizieren ihren Besuch, und man brauchte nicht lange in den beiden Lagern zu suchen, um Dolmetscher der Gefühle zu finden, die französischen Unteroffiziere erwiderten den Besuch und luden die Deutschen zu einer Erfrischung im „Klub der Freiwilligen und der
mitschuldigen Beamten in Paotingfu herrscht allgemeine Befriedigung. Die Beweisaufnahme ergab, daß eine arme amerikanische Dame vor ihrer Hinrichtung nackt mit «bge schnittencn Brüsten durch die Stadt geführt wurde. Die Zerstörung zweier Tempel wäre ciue unzureichende Strafe für solche Unmeuschlichkeit.
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Telegramme:
Berlin, 6. Novbr. Dem „Lokal-Anzeiger" wird aus Shanghai telegraphirt: Der hiesige Taotai hatte die in den . Fremdcnvicrteln lebenden Reformer in die Chinesen-Stadt gelockt und verhaftet. Auf eine Anfrage antwortete Tschang-tschi-Tung, daß ihnen der Prozeß gemacht werden würde und dieselben hingericktet werden sollen. Tschang- tschi-Tung erhielt von der Kaiserin-Regentin die Mittheilung, ; daß die Bestrafung Tungfushiangs nicht durchführbar sei, da dann der Hof ohne Armee an die Ausländer und Briganten ; auf Gnade und Ungnade übergeben sei. Die Kaiserin soll ; ferner verschiedene Vizekönige um ihre Meinung, betreffend die Bestrafung bei Prinzen Tuan, gebeten haben. Da aber eine solche Anfrage den chinesischen Traditionen widerspricht, so nimmt man an, daß damit die Vizekönige in Verlegenheit gebracht werden sollen.
Shanghai, 6. Novbr. Aus Peking wird gemeldet, daß die fremden Botschafter den chinesischen Friedensoermittlern mitgetheilt haben, daß die Verhandlungen von den L frernden Vertretern nicht eher begonnen werden würden, als ; bis sic sich überzeugen könnten, daß die Regierung die schuldigen Anführer einer strengen Strafe unterzogen hat.
Shanghai, 6. Novbr. Eine englische Batterie auS ! Woolwich ist gestern hier eingetroffen.
Depesch-nw-chs-l Mischen dem Zaren und Loubet.
Die Enthüllung deS Denkmals für den ermordeten Präsidenten Carnot in Lyon hat die Gelegenheit gegeben zu einem Dcpcschcnwcchscl zwischen dem Zaren und dem Präsidenten Loubet, der den Feierlichkeiten beiwohnte. Der Inhalt des Zarentelcgramms lautet wie folgt:
„Die heutige Enthüllung des Denkmals Ihre» er- lauchten Vorgänger« ruft mir die bedeutenden Verdienste in Erinnerung, welche der verstorbene Präsident C-rnot Frankreich erwiesen, und seine kräftige Mitarbeit an dem großen, wesentlich auf Frieden zielenden Werke der intimen Annäherung unserer befreundeten und verbündeten Länder. Indem ich von ganzem Herzen Glück wünsche, bitte ich, immer ax meine Gefühle der aufrichtigen und unveränderlichen Freundschaft zu glauben."
Bei bem Festmahl im Stadthause verlas der Präsident dies Telegramm und führte dann aus, Frankreich sei dem Kaiser von Rußland dankbar, daß er an einem solchen Tage derartige Gefühle zum «»»druck gebracht habe. DaS Antwort- telegramm des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
„Ich bin tief gerührt von bem hochherzigen Gedanken, den Euere Majestät gehabt haben, sich der Ehrenbezeugung anzuschließkn, welche Lyon im Andenken an Carnot veranstaltet. Frankreich wird dieses neue Zeichen herzlicher Sympathie hoch zu schätzen wissen. Es vergißt nicht, welchen Antheil Ihr erlauchter Herr Vater an der ihrem Wesen nach friedliche Zwecke verfolgenden innigen Annäherung der beiden Linder gehabt hat. ES vereint ehrfurchtsvoll in seiner Verehrung und seiner Erinnerung die Namen Alexander und Carnot. Im Namen von ganz Frankreich spreche ich Eurer Majestät bewegten Herzens meinen innigsten Dank aus."
ES ist interessant, daß beide Staatsoberhäupter nur von einer Annäherung der beiden Staaten sprechen. Das Wort „Bündniß", daß in der ganzen Geschichte der Bewerbungen Frankreichs um die Gunst Rußlands nur einmal gefallen ist, wurde diesmal nicht gehört. Die friedliche Tendenz dieser Annäherung wird jedesmal sehr deutlich betont.
Politische und apolitische Nachrichten.
Depeschen-Bureau „Herold".
Berlin, 5. Novbr. Der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge hat heute Reichskanzler Graf Bülow wegen der Vorgänge in dem Prozeß Sternberg den Minister deS Innern, Freiherrn von Rhcinbabe«, zu einer Besprechung eingeladen.
Berlin, 5. Novbr. Die „Berliner Korrespondenz veröffentlicht eine Erklärung, in welcher mitgetheilt wird d,ß die Vorkommnisse im Prozeß Sternberg, insbesondere h«z