5 November
sie beiden musikalischen Clowns „Flick und Flock", (Herren Oberländer und Körner). Das Programm verzeichnete sie als Bariei) und Barnum'sche Darsteller und sie hätten ihm vielleicht nicht zur Unehre gereicht. Der Eintritt geschah mit einem als Winkelkind eingehüllten lebenden Spanferkel, das mie toll an der ihm hingehaltenen Milchflasche zoz, aufgewickelt wurde und wahrscheinlich nach Vornahme entsprechender Manipulationen auch gehörig quietschte, so daß das Gelächter kein Ende nahm. Na: dem es ansgcmickelt war, erwies es sich als ein ganz gehorsames Thicrchen, das nach vollendeter Vorstellung seitswârts in die Büsche geschoben wurde. Ob es hier für spätere kulinarische Genüsse weiter s» vorsorglich mit der Flasche aufgepäppelt wird, wurde nicht verrathen. Dann musizirten die Clowns noch auf allerlei Instrumenten, was komisch unb aitimircnd zugleich wirkte und vielen Beifall fand. Weiter brachte das Programm noch ein Duckt, ein Terzett und einen lustigen Einakter, die den Mitwirkendcn durch die flotte Wiedergabe und ein feines Spiel zur hohen Ehre gereichten. Die Nachmitternacht gehörte den Tanzenden, die wacker aushiclrcn und denen der angebrochene Sonniag Morgen erst den Heimweg diktiren mußte, ein Beweis wohl, daß das „Scharfe Eck" seine Gäste zu fesseln verstanden hat.
p! * Stiftungsfest. Das gestrige in den dckorirten Lokalitäten „Zu den 3 Hasen" abgehaltene Stiftungsfest des „Thalerklubs" nahm einen in allen Stücken gelungenen Verlauf. Der Vorsitzende eröffnete den Abend' mit einigen Begrüßungsworten, betonend, daß das zahlreiche Erscheinen der Gäste das beste Zeugniß für die Anhänglichkeit an den Klub ablege. Es wechselten nun Musikstücke, gemeinschaftliche Chorlieder und komische Vorträge in bunter Reihenfolge mit einander ab, namentlich erzielten einige von Herrn Herbert vorgctragcnc Couplets, lokale Vorkommnisse geißelnd, stürmische Heiterkeilserfolge. Sticht unerwähnt lassen wollen wir einige von Mitgliedern des Gesangvereins „Mclomania" exakt zum Vortrag gebrachte Chöre. Die Darbietungen waren durchweg gute und wenn wir noch des vorzüglichen Stoffs des „Thaler"wirths gedenken, tinnen wir das Ganze als wohl gelungen bezeichnen.
* Konzert Ser Jnfanteriekapelle. Wir machen nochmals empfehlend auf das heute Abend im „Deutschen Haus" stattfindende Konzert der Jnfanteriekapelle aufmerksam, dabei hervorhebend, daß das Programm gewählte Nummern enthält, die sicherlich jeden Besucher erfreuen werden. Wir erwähnen die Ouocrlure 31t „Benvenuto Cellini" »sn Berlioz, Novitäten-Potpourri von Linke, Monte Christ», Walzer von Kotlar, „Ssldatenleben", patriotisches Marsch-Potpourri von Apitius, „Mäuschen vor der Falle", Scherzo von Köhler. Nie von der Cellinifeier herrührende Dekoration des Saales ist ebenfalls recht fehcnswerth.
* Schwurgericht. Heute den s. November beginnen am hiesigen Landgerichte die Sitzungen der 3. Schwurgcrichts- periode. Den Vorsitz führt Herr Oberlandesgerichtsrath 8. Bischoffshausen aus Cassel. Auf der Terminsrolle stehen bis jetzt folgende Strafsachen: Montag den 5.: Dienstknecht Lamm von Guadhelm wegen versuchter Nothzucht. Dienstag den 6.: Arbeiter Bychlewsky von Pozau wegen SittlliLkeits- verbrechen. Mittwoch den 7.: Bürgermeister a. D. Reisinger von Marborn wegen Urkundenfälschung. Donnerstag den 8.: Taglöhncr Wiegand von Raßdorf wegen versuchter Nothzucht. Freitag den 9.: Arbeiterin Müller von Stuttgart wegen Kinderstödtung. Samstag den 10.: Bäcker Urbach »on Schlüchtern wegen Meineid. Montag den 12.: Schuhmacher Leinweber von Fulda wegen Brandstiftung'. Mittwoch den 14.: Arbeiter Balzerzach von Komi wegen Brandstlftung. Donnerstag den 15.: Zimmermann Geller von Elters wegen Brandstiftung.
Aus dem Gerichtsfaal.
Sitzung der Strafkammer II vom 3. November.
Freiheitsberaubung.
Der Schneider K. zu Wallroth wohnt dortselbst mit dem Auszüger R. zusammen. Die Beiden gèrathen öfters miteinander in Streitigkeiten, zu deren Schlichtung nicht selten ein altes Terzcrol, das der R. aus Amerika mitgebracht hat, benutzt wird. Im Dezember v. I. sperrte der Schneider den Auszüger die Nacht hindurch in seinem Zimmer ein, was ihm eine Anklage wegen Freiheitsberaubung eingebracht hat. Im April d. I. streckte er das Terzerol zum Fenster heraus und schrie, wenn der „Amerikaner" hcimt'omme, schieße er ihn todt. Den Schuß feuerte er einstweilen in die Luft ab. Der heldenhafte Schneider ist offenbar sehr bcschräntkl, weshalb das Gericht seine Thaten auch nicht so tragisch nimmt und auf 2 Monate Gefängniß und 2 Wochen Haft gegen ihn erkennt.
Barometerstand
Hammer Anzeiger
Sdc^inißKi LsMerMM der -mpM
Seeürarte-
Telegramm aus Hamburg vom 5. November.
(9 Uhr 40 Min.)
Ein Maximum von über 770 mm lagert über Nordwest- rußland, ein Minimum unter 750 mm südwestlich Irlands, von unter 760 mm südlich der Ostsee. In Deutschland ist das Wetter ruhig, ziemlich kühl und trüb.
Prognose für den 6. Noobr.: Niederschläge und Erwärmung ostwärts vordringend wahrscheinlich.
KrreiKKAachâMieK
für Montag den 5. November.
Im Saale der „Centralballe : Abends 7 Uhr: Kammermusik-Abend der Frankfurter Quartett-Lereinignng
Kircheii»or der Johanmskirche : Abends präcis 8 Uhr: Probe im Uebungssälchcn der Kirche
Saalbou „zum deutschen Haus": Abends 8 Uhr: Großes Militär' konzert der Jnfautecickapclle
Evang Männer- und Jünpliugsverein: Gesang (Ev. VercinShaus.) Radfahrerverein .Union": Vereinsabend im Schützenhof".
Turn- u. Fechcklub: Turnen der Dameuabtheilung.
Stenozraphen-Verein Stolze-Schrey: Vereinsabend in der „Sonne"
Verein der Briesmarkensamniler: Zusammenkunft im Vereinslokale „Restaurant Mohr .
Klub Amicitia': Vereinsabend im „Deutschen Haus'.
Verein „Hessischer Bund': Versammlung im Verciuslokal „zum Hessi scheu Hof".
Freiwillige Feuerwehr: 4. Komp Zusammenkunft im .Schützenhof" 5. Komp. Zusammenkunft in der Allemania"
Brandwache und Rettungskorps: Zusammenkunft in der Brauerei Kaiser".
Erste Hanauer Karnevalgesellschaft: Abends 9'/» Uhr: MonatSvcr- sammlung im .Deutschen Haus'.
Asts Provinz «nd NAchhs-TAâ^xâ
Caffel, 3. Novbr. Bei der gestrigen Ziehung der preußischen Klassenlotterie fiel ein Hauptgewinn von 200 000 Mk. auf Nr. 96217 in die Kollekte des Herrn Scheffer, königlichen Lotterie-Einnehmers hierselbst.
sch. Kulda, 7. Noobr. DaS unvorsichtige Unigehen mit einer Schußwaffe hat wieder einmal ein Menschenleben gekostet. Der 13 Jahre alle Feilcnhauerssohn Fritzsche spielte gestern in Gegenwart des 15 Jahre alten Stationsgehilfeusohnes Hartmann mit einer geladenen Pist»le, welche sich entlud und das Projektil dem Zuschauer in den Kopf trieb. Hartmann ist an der Verwundung gestern Abend im Landkrankenhause gestorben. Der Thäter ist verhaftet.
V Badeuhaiksen, 4. Novbr. Die gestrige Beerdigung des im Alter von 70 Jahren dem Blinddarm krebse erlegener Lehrers und Geometers, I. Klasse, Herrn Habermehl dahier, gestaltete sich zu einer erhebenden Kundgebung der Liebe und Anhänglichkeit gegen den Entschlafene«. Eine große Schaar Berufsgenossen aus den Kreisen Dieburg und Offenbach hatte sich dein langen Leichenkondukte angeschlossen. Die Herren Schulrath Hirsch-Dieburg und Oberlehrer und Landtagsab- geordneter Backes-Darmstadt hatten sich zur Bestattungsfeier eingefunden. Ein starkes Kontingent Leidtragender stellte die Nachbargcincinde Harreshausen, in welcher der Verblichene 40 Jahre lang im Dienste der Jugend- und Volksbildung stand. Herr Dekan Hof würdigte in seiner ergreifenden Grabrede des Verstorbenen Verdienste als Lehrer, Geometer, Mitglied der Dekanatssynode und des Kirchcnvorstandes, Förderer des Vereinslebens, Patriot, Gatte, Familienvater, Freund und Gesellschafter. Herr Obmann Backes legte im Staunen des hessischen Landeslehrervereins einen prächtigen Trauer- kranz an der Gruft nieder und gab dabei in warm empfundenem Nachrufe den Gefühlen der Liebe, des Dankes und des Gebetes beredten Ausdruck. Im Namen des Lehrcr-Bezirtsvereins Babenhausen sprach Herr Lehrer Hcusel-Langstadt, Namens der hiesigen Schützengilde Herr Stadtrechncr Altvater und im Namen des Starkenburger Bienenzüchtervereins Herr Schönbein aus Klein-Umstadt. Alle legten prachtvolle Kränze nieder.
Patent-Ertheilungen.
Nr. 116 115. Verfahren zur Herstellung von Phtalein- farbstoffen aus Sulfosäurecstern des Fluoresceins. — Farbwerke vorm. Meister Lucius & Brüning in Höchst a. M., vom 1. August 1899 ab. KI. 226.
Nr. 116 399. Von der Kolbenstange betriebene Expan- sionssteucrung für Kraftmaschinen. — C. Winterstein in Frankfurt a. M., Brönnerstraßc 11, vom 30. März 1899 ab. Kl. 46b.
. Nr. 116 210. Tastenschreibmaschine. — H. Bettendorf in Frankfurt a. M., Rotlintstraße 11, e»m 15. Juni 1899 ab. Kl. 15g.
Landwirthschafèliche Kreisvereirrs Brrsanrmlurrg.
H Kilianstädten, 4. Novbr.
(Vo ii unserem Berichterstatter.)
Wenn unser Blatt in dem letzten Artikel über Obstbaumzucht um genauexe Beobachtung der mit Frucht behängten Bäume und des Wachsens und Gedeihens der jungen und alten Stämme bat, um hiernach die Güte und Brauchbarkeit des Obstes im Vergleich zu anderen Anlagen und die weitere Verwendung des Bodens beziv. die Vermeidung der srüher gemachten Fehler zu bestimmen und gleichzeitig einen weiteren Bericht über die Anpflanzung und weitere Pflege der Bäume in Aussicht stellten, so kommen wir dem gegebenen Versprechen nach, indem wir unseren Lesern einen Bericht über die heute in Kilianstädten abgehaltene Wanderversammlung des land-
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wirthschafilichen Vereins für den Kreis Hanau bringen und die Ausführungen des Herrn Obergärmers H u b e r t vom pomologischen Garten zn Cassel in kurzer Form wiedergeben. Nachdem Herr K 0 ch-Bruderdiebackerhof in Abwesenheit des durch einen Sterbefall verhinderten Herrn Landraths v. Schenck die Versammlung eröffnet und initgethcill hatte, daß man für die Zukunft weitere Wanderversammlungen halten werde, um dadurch auch den Landwirthen und Interessenten dieses Berufs mehr und in bequemerer Weise Gelegenheit zum Besuch der öffentlichen Vorträge zu geben, ergriff Herr Hube r das ihm ertheilte Wort und sagte ungefähr Folgendes:
Wenn die bevorstehende Zählung der Obstbäume einen sehr großen Bestand nachweist und der Gewinn aus diesem verhältnißmâßig gering erscheinen wird, so ist das keineswegs ein Beweis dafür, daß in unserer Heimath zu viel Obstbäume vorhanden und die Erträgnisse derselben im Verhältniß zu der Stückzahl zu gering sind. Die Statistik weist eben junge, alte und leistungsfähige Stämme nach und wenn man hiernach die Rentabilität der Obstbaum- zncht berechnet, wird das Ergebniß ein günstiges sein. Scblst wenn die Preise in diesem Jahre bei der allgemein guten Ernte stellenweise etwas gedrückt waren, so wird Jeder von uns sagen müssen, daß die Obstzucht eine gute Einnahmequelle war, aber größer hätte sein sönnen, wenn nicht zu viel verschiedene Sorten in den Handel gekommen wären. Großhändler arbeiten nur in einigen guten und gangbaren Sorten und großen Mengen und daher ist eine Beschränkung der Obstsorten sehr zu empfehlen. Unter dieser Berücksichtigimg ist amtlicherseits ein Verzeichnis! der am besten in unserem Regierungsbezirk gedeihenden, im Großhandel wie im Haushalt zu verwendenden Sorten ausgestellt worden unb wenn dieses Verzeichnis verhältnißmäßig nur wenig Sorten enthält, so dürfte dasselbe nach Ansicht und den gemachten Erfahrungen des Redners vollauf genügen, trotzdem bei dieser Zusammenstellung besondere Rücksichten auf die Verschiedenheit des Bodens und auf die Lage desselben genommen sind. Bekanntlich ist der Boden und der Untergrund unseres Regierungsbezirks sehr verschiedenartig. Herr Huber prüfte bei diesen Ausführungen das im Versammlungsraum von hiesigen Züchtern ausgestellte Obst und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß unter dem zur Schau Gestellten viele der von der Regierung empfohlenen Sorten in gutausgewachscner Form, wie Gelber Eoelapfel, Winter-Parmäne, Graue Reinette, Geflammter Kardinal u. s. w., unb unter den Birnen Diels Butterbirne — eine sehr zn empfehlende Sorte — vorhanden sei. Die genannte Birne sei jedoch anscheinend zn früh gebrochen, denn nach der allgemeinen Haltsamkeit dieser Frucht dürfe diese zu dieser Zeit noch nicht so abgelagert sein. — Diese Mittheilung gab als» die Lehre, bei dem in diesem Jahre amtlich festgesetzten Erntcbcginn nicht jede Frucht zu brechen. Dieser Termin bestimme nur den Ernteanfang. — Bei großen Anlagen kann die Anpflanzung einer Sorte ebenso nachtheilig sein als die Zucht vieler. Bei der gleichzeitigen Reife der Frucht wird es an Arbeitskräften unb sorgsamer Behandlung der Frlicht unb der Bäume fehle», sodaß man nach der Ernte kein tadelloses Pflückobst hat und nicht nur ein Blätiermeer unter den Bäumen sieht, sondern unter den abgerissenen oder abgeschlagenen Blättern auch Blüthenkuospeu und junge,Asttriebe finden kaim. Wenn ein Verein oder eine Gemeinde) also leistungsfähig sein will, so ist eine größere Anpflanzung von 4—6 sehr gangbaren und lohnenden Apselsorten sehr zu empfehlen. (Schluß folgt.)
In jedem Kaushalt sollte man1 Flasche Steeb's Kiostertropfen Magen, befördern die Verdauung, regen den Appetit an und sind ein angenehm chmeckender Magenliquerir. Sie sind in vielen Geschäften in V), 0i und eleganten Taschenflaschen mit vernickeltem Patentverschlnß zu haben; in Hanau Hauptnieder- age bei Conrad Lohfink. Verkanfs- und Ausschank teilen: Philipp Loeffler ; Joh. Martin Schmidt; Emil Schweisaut; Wilh. Wolff, „zur Bratlerei Kaiser"; H.Leipold, „zur Mainlust", Kesselstadt. 818