Erstes Blatt.
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sâr Stadt- und Landkreis Hanau 10 4Me ^gespaltene Karmand» jeile aber deren Ran», für LnLwärts 15 4
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AttSwärtS 30 ^.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 258
Amtliches
StcrHtâ^ers ^anau.
Auf Grund der allgemein ertheilten höheren Ermächtigung wird hierdurch für S«»tttag »cn 4. und Sonntag den 1L November 1900 eine vermehrte Beschäftizungs- zeit für alle Zweige des stehenden Handclsgewcrbes in der Stadt Hanau und zwar bis 7 Uhr abends zugclassen.
Während des Gottesdienstes und zwar in der Zeit von 91/* bis 11'/* Uhr vormittags und von 2 biS 3 Uhr nachmittags ist jedoch jede Art der Beschäftigung im Sinne des § 105b Abs. 2 der R.-G.-O. ausgeschlossen.
In Betreff des Offenhaltens der Berkaufsbudc« auf der hiesigen Herbstmesse bleiben die seitherigen Bestimmungen unberührt, nur ist den Verkäufern von VerzehrungSgcgcn- ständen (Konditorei- und Backwaaren, sowie Obst u. A. m.) an den vorbenannten Sonntagen in den für das stehende Handelsgewerbe freigegebenen Stunden ebenfalls das Feilhalten gestattet.
Gleichzeitig mache ich unter Bezugnahme auf § 139e der Bestimmungen, „Gesetz betreffend Abänderung der Gewerbe- Ordnung vom 30. Juni 1900", im Interesse der Meßbesucher darauf aufmerksam, daß die offenen Verkaufsstellen an Wochentagen um 9 Uhr abends geschlossen sein müssen.
Hanau den 31. Oktober 1900.
Königliche Polizei-Direktion.
P 9551 I. V.: Valentiner, Rcg.-Affessor.
Handelsregister.
1 . Bei der Firma Adolf Sternheim er in Hanau ist eingetragen: Die Kaufleute Carl und Maier Stern- tz e i m e r in Aschaffenburg sind am 1. August 1900 als persönlich haftende Gesellschafter eingetreten und führen das Geschäft mit dem bisherigen Inhaber Kaufmann Adolf Sternheimer in Hanau unter unveränderter Firma als offene Handelsgesellschaft fort.
2 .' Nachträgliche Eintragungen:
a. Bei der Firma I. I. Poisket Nachfolger in Hanau: Offene Handelsgesellschaft. Die Gesellschaft hat am 18. April 1895 begonnen.
b. Bei der Firma F. L. Hammerschmidt in Hanau: Die Gesellschaft hai am 1. Juli 1888 begönnen.
c. Bei der Firma Carl Schroeter Söhne in Hanau: Aus den jetzigen Gesellschaftern besteht die Gesellschaft seit dem 1. April 1898.
3. Bei der Firma I. G. Kalb in Hanau ist eingetragen worden: Die Prokura des Kaufmanns Gerhard Kalb in Hanau ist erloschen.
Feuilleton
Die Besiedelung des unteren Mainthales.
(Eigener Aufsatz für den „Hanauer Anzeiger".)
(Nachkruck verboten.)
Die folgenden Zeilen sind als Einleitung gedacht zu einem demnächst erscheinenden Anfsatz iber die Ortsnamen bei KreiseS Hanau. Sie behandeln in kurzer Uebersicht, mehr andeutend als ansführcnd, die Urgeschichte deS unteren Mainthales, eine« ethnographisch und kulturgeschichtlich überaus interessanten Gebietes. Es ist ein langer »erdeprozeß gewesen, auS dem schließlich die hcstize Bevölkerung des Mainthales hervsrging; freundliche und feindliche Gewalten habe» sich hier geeint und bekämpft, Friede unb Krieg in bunte« Wechsel einander abgelöst, Sieg und Niederlage die Geschicke der Völker entschieden.
Das untere Mainthal war von jeher eine wichtige Dölker- und Heeresstraße, ein Durchgaugsthsr und Verkehrsweg zwischen West und Oft, Rhein und Elbe, Gallien und Germanien. Mannigfaltig an Art und Bildung sind die Völker, die nacheinander ben Mainstrsm entlang gewandert sind und an seinen Ufern gewohnt haben; Kelten, Germanen und Römer waren die Zeugen einer frühen Kultur in dieser
Gegend.
Die ältesten Bewohner deS unteren Mainthales, eine unterste Befiedelungsschicht gewisscrmaßeu, waren dre Kelten oder Gallier, von dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus in seiner „Germania" Helvetier genannt, ein kriegerisches, unstetes Volk, die Ahnherren der heutigen Franzosen. Spuren dieses Volkes haben sich bei unS nur in einzelnen Berg-, Fluß- und selbst Ortsnamen erhalten: Rhön und Taunus; Aar, Lahn, Main, Ohm und Rhein; Bingen, Kaichen, (Bruch-
Samstag den 3 November
4. Bei der Firma Joh. Phil. Bechtel in Hanau ist eingetragen worden : Die Liquidation ist beendet.
Hanau den 1. November 1900.
Königliches Amtsgericht 5. 18010 èMdcm and verlorene GegeMM etc.
Gefunden: 1 Dienstbuch, lautend auf den Namen Margaretha Spielmann aus Gettenbach. 1 Schlüssel und 1 Schlinke an einer Schnur. 1 geschlossenes Couvert. 1 silberner Kinderring mit 3 Steinchen. Im Gasthaus zum deutschen Schützen 1 Portemonnaie mit Inhalt liegen geblieben. 1 goldene Herrenuhr mit silberner Kette.
Verloren: 1 Hundertmarkschein. 1 Muttergewinde von einem Bäckermagen. 1 Haarkamm.
Hanau den 3. November 1900.
Die Wirren in China.
Die deutsche Flotte in Oftasieu.
Von Taku bis Kanton sind jetzt sämmtliche wichtigsten Vertragshäfen Chinas von deutschen Kriegsschiffen besetzt. Je ein deutscher Flaggoffizier weilt an der Pcihomündung, im deutschen Schutzgebiet und vor der Iangtsemündung. Tsingtau und Shanghai bilden die beiden Konzentrations- und Stützpunkte, von wo aus Schiffe nach Norden und Süden zur Besetzung gefährdeter Punkte dirizirt werden. In Tsingtau sind der Kreuzer „Kaiserin Augusta", Flaggschiff deS Geschwaderchefs Vizeadmirals Bendemann, daS Linienschiff „Weißenburg", der Aviso „Hela", das Kanonenboot „Jaguar" und die Torpedoboote „8 90" und „Haitsching" stationirt. DaS Linienschiff „Wörth" hat in südlicher, der Kreuzer „Irene" in nördlicher Richtung den deutschen Hafen verlassen. „Wörth" geht auf Befehl des Geschwaderchefs nach Wusung und „Irene" nach dem Golf von Petschili. Vor der Dangtsemündung ankern die Linienschiffe „Kurfürst Friedrich Wilhelm", Flaggschiff des Kontreadmirals Geißler, und „Brandenburg", die ungeschützten Kreuzer „Geier", „Seeadler" und „Schwalbe". Vor Hankau liegt der „Iltis", vor Kanton der „Luchs und vor Taku der „Tiger". Unsere kleinen Kanonenboote, die bei ihrer Erbauung vielfach eine sehr abfällige Beurtheilung des Auslandes fanden, haben sich außerordentlich bewährt. Sie sind bald auf diesem, bald auf jenem unsicheren Punkte stationirt. Ihre erfolgreiche Thätigkeit während der chinesischen Wirren wird stets ein Ruhmesblatt in der Geschichte der deutschen Marine bilden. Trotzdem sie ständig die Flußmündungen und Stremläufe mit ihren Untiefen und Einengungen befahren, ist bisher kein Fahrzeug ausgelaufen »der gestrandet. Seit dem 10. Oktober liegt der Kreuzer „Bussard" vor Swatow, und die geschützte „Gefion" bewachte die Sikiange-
und Mar-)Köbel, Mainz, Nidda, Okarben und andere Namen sind keltischen Ursprungs.
Etwa feit dem 4. Jahrhundert vor Chr. wurden die Kelten durch die langsam von Osten nachrückenden Germanen aus Südwestdcutschland über den Rhein nach Gallien gedrängt. Zu de« »erbersten Stämmen der Germanen gehörten die Chatten, die Ahnen der heutigen Hessen, nebst verwandten Stämmen, von Julius Cäsar, dem Eroberer Galliens, zu de« Gcs«mmt»»Ik der Sueven gerechnet; sie habe» v»n da an für lange Zeit am Main und Rhein Grenzwacht gehalten. Es waren Jägervölker, kihn »nd streitlustig, zu seßhaftem Ackerbau und friedlichen Besitz nach wenig geneigt. Der Reichthum der Wälder und weitverzweigten Ströme b»t ihnen genügend Unterhalt; Bogen und Wurfspeer ' standen höher im Werth als Pflug und Sichel.
Durch Cäsar wurde um das Jahr 50 osr Chr. der Rhein zur Grenze des römischen Reiches gemacht; er selbst ist zweimal, in den Jahren 55 und 53, zwischen Mainz und Andernach über den Rh-in gegangen, mehr um ben Kerstinen Rsms Macht zu zeigen, als sie unter dessen Joch zu beugen. I Erft unter Kaiser AugustuS, kurz vsr Christi Geburt, lenkten die Römer ihre Schritte zur Eroberung hinüber nach Germanien. Rach manchem kriegerischen Mißgeschick gelang et ihnen, um daS Jahr 50 nach Chr. dauernd festen Fuß bei uni zu fassen. Eine bequeme Einfall-pforte b»t ihnen das Mainthal. Unter Sicherung der Main- und TaunuSlinie durch Straßen und Befestigungsanlagen drangen sie »»n Mainz-Kastell auS gegen die Wetterau v»r, planmäßig ihre Linien hinausschiebend, überall ihre Erfolge in Fr»nt und Flanken durch Kastelle militärisch sichernd, durch bürgerliche Niederlassungen wirthschaftlich befestigend. Zwischen Praunheim ’
*) Das römische Straßennetz in dem Dreieck zwischen Main, Taunus und Pfahl,raben ist in neuerer Zeit, »orwieaenb durch die fleißigen Forschungen von Professor Wolfs, wenn auch nicht vollkommen klargelegt so doch in den Haupizügen unzweifelhaft festgestellt worben. Die Hauptsttrß- (im Mittelalter Elisabeihen-, bzw. von Hedderühei» on Steinstroße genannt) ging von Ko stell über Messen- heim nach Hosheim und theilte sich hier in zwei Acste. Der eine zog über Heddernheim, den Kttitenpunkt bei «etterauischen Straßennetze», auf Friedberg zu, der andere über W eb, Frankmrt und Kesselftadt noch Großkrotzenburg Daneben gab cs eine ganze Anzahl »oi. Quer- wegen Die im Mainthal selbst erbeuten Kostille «Messenheiw, Hofheim, Ried, Frankfurt, Kesselstobt) hatten wohl nur zeitweilig beim etappen- nuifen Vordriogen der Römer, Bedcuiung, ivährenv die Pfohlgrnben- kastelle (Großkrotzenbu g, vücktngen, Marköbel, Altenstadt, Saalburg, Feldberg u. a.) biS zum Aufheben des Grenzwalls ihren militärischen Wertb behielten.
i) Der 542 Km lange Limes bestand aus -w«i Theilen: der »bergermanifdie LimeS ober Pfahl«raben (368 Km.) ging von Rhelnbrobl (unterhalb Neuwied) landeinwärts durch den Westerwald bis zur unteren Lahn, die er bei Ens überichrilt, von da zum »orderen Taunus und dann, in einem nach Noidosten ausgreifenden Bogen die fruchtbare Wetleran umfaffeub, zum Main, den er bei Greßkrezenbarg erreickte und bei Miltenberg wieder verließ, um von da südlich bis nach Ptablbrinn in Württemberg zu verlaufen; der rhätisSc LimeS, die sog. TeufelSmauer >174 Km.), zog sich von Pfahlbronn dir oberhalb Kelheim an der Donau hin. Der längere Abschnitt bestand aus Wall und Graben, der kürzere aus einer mauer- artigen Steinschüttung; beide waren mit Wachihäusrrii und Thürmen versehen, während die Kastelle weiter zuriicklagen Der LimeS war nicht ltwa eine VertheidigungSlinte im strengen Sinne des Wortes, sondern eine Grenzsperre zur Sicherung gegen räuberische Uebcrfâll« unb zur Regelung bei Grenzverckehrs. Seit 1892 wird er mit Unter»
und Heddernheim entstand ein blühendes römische« Gemeinwesen ; wichtige Straßen fthrten von da zum Tau«uS (Saal- ..................
barg), zum Main (Dsmkastell in Frankfurt) und in die I ftügung" d'cs'd-uischen SÄUdjV;" pleiVwiä^
Die heutige Stummer umfaßt außer dem .UuterhattuugSbtatt 18 Leiten
1900
Mündung. Die Depeschenboote „8 91" und „8 92" vermitteln den Verkehr mit Kanton und Hongkong. Die „Hertha" und „Hansa", Chef Kontreadmiral Kirchhoff, haben die'Peih»- mündung besetzt, und der „Tiger" versieht den Strom- und Polizeidienst auf dem Peitzo. DaS bisherige Flottenflagg- schiff „Fürst Bismarck" ankert jetzt im Hafen von Nagasaki; cs ist daS einzige Schiff, welches die chinesischen Gewässer verlassen hat.
Die bratschen Truppen in Petschili.
Nach telegraphischen Mittheilungen des Armee -Oberkommandos aus Peking werden gegen Ende der ersten November-Woche die deutschen Truppen in Petschili folgendermaßen vertheilt stehen: In Peking : 1. und 2. Secbatailon, 1. Jnfanterikbrigadc ohne da» 1. Bataillon des Jnfanterie- Regimenti Nr. 2, 2. Eskadron de« Reiter-Regiment«, 1. Abtheilung des Feldartillerie-RegimenlS, die Marincfeldbatterie unb ein Pwnierdeiachcment. In Schanhaikwan: 1. Bataillon des Jnfantcric-NegimcntS Nr. 2. In Paotingfu: Die 2. Jnfanteriebrigade, 1. Eskadron de« Reiterregiments, 2. Abtheilung des FeldartillericregimcntS und ein Piomerdetache- ment. In Tientsin: Das Komniand» des Ostasiatischcn Expeditionskorps, die 3. Jnfanteriebrigade und die Jäger- Kompagnie, der^Stab, die 3. ««d 4. Eskadron des Reiter- rcgimentS, der Stab und die 3. Abtheilung des Feldartillcrie- regimentS, sowie der Rest des Pionierbataillons. In Taku: Eine Batterie vom Bataillon der schweren Feldhaubitzen. LingS der Bahnstrecke Jangtsun-Peking Eisenbahnlruppcn.
Die Flucht bes Prinzen Tu an.
AuS China kommt die mit Vorsicht aufzunehmende Meldung, daß Prinz Tuan geflohen sei. Ein amtliche« chinesisches Telegramm aus Singens* meldet, Prinz Tuan sei alS buddhistischer Mönch »«kleidet nach der dengelet geflohen und beabsichtige sich den Lamas anzuschließen. Zweifellos ist, daß die Vizckönige des Südens dringend auf den chinesischen Kaiser cinzuwirkcn suchen, um denselben zur Nachgiebigkeit zu bewegen. Eine chinesische Meldung besagt, Linkunji und Tschantschitung hätten in einer Deukschrift den Thron gebeten, die Bestrafung der Prinzen und Minister zu befehlen, welche die Boxer unterstützt hätten, da sonst die Existenz des Reiches ernstlich gefährdet sei. Sie fügen hinzu, daß die fremden Truppen wahrscheinlich nach Tschinting vernieten würden. Ferner wird berichtet, daß Stetig den Befehl erhalten habe, sich sofort nach Peking zu begeben. Auch sonst suchen diese Vizekönige nach Kräften das Mißtrauen der Mächte zu zerstreue».
Strafexpebition.
Reuter meldet auS Paotingfu »om 26. Oktober: Eine italienische Truppenabtheilung löste die als Straferpcditi»n
Wetter«« (Friedtzerz) st. Unter Kaiser Domitian (81—96), der heiße Kämpfe mit den Chatten zu testeten hatte, beginn »an, die zcrmanischcn Gaue in dem Winkel zwis^cn Donau und Rhein durch einen Grenzwall, dem Limes, gegen die feindlichen Germanen adzasperrcn; unter Hadrian (117—138) wurde daS Werk vollendet?) Diese« neu erworbene römische