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Wc 249
Mittwoch den 24. Oktober
1900
Amtliche»
Bekanntmachung.
Der Plan über die Auslegung eines Telegraphen? kabels im Stadtgebiete Hanau zwischen Post- und Hauptsteueramtsgebäude liegt bei dem Psstamte in Hanau aus. Cassel, 18. Oktober 1900.
Kaiserliche Ober-Psstdirektion.
H offmann. 17409
.^ariölrrew ^anau.
BekaMtmachsszea des Königliche« Landrathsamtes.
Wegen Vornahme von Reparatur-Arbeiten an dem hölzernen Oberbau der Kinzigbrückc im Landwege Rückingen— Niederrodenbach ist die fragl. Brücke vom 29. bis 31. d. Mts. für den Berkehr gesperrt.
Hanau den 24. Oktober 1900.
Der Königliche Landrath, v. Schenck.
Der Landweg von Bruchköbel über Niederissigheim nach Oberissigheim wird vom 25. Oktober bis 3. November d. J. wegen Vornahme von Chaussirungsarbcilen in Niederissigheim für den durchgehenden Verkehr gesperrt sein.
Hanau den 24. Oktober 1900.
Der Königliche Landrath, v. Schenck.
nhe
Die damit iJd) rückständigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher werden hiermit aufgefordert, den Bedarf an Jnvaliden-Quittungskarten nach Formular A und B für das Jahr 1901 innerhalb 10 Tagen anzuzeigen.
Der Bedarf an Karten ist so reichlich zu bemessen, daß im Laufe deS Jahres 1901 Ersatz voraussichtlich nicht nach- znschicken sein wird.
Zugleich bemerke ich, daß Quittungskarten nach Formular B nur für solche freiwillige Versicherte auszustellen sind, für welche früher noch niemals auf Grund verstcherungS- pflichtiger Thätigkeit Beitragsmarken verwendet worden sind und daß diejenigen Personen, welche einmal dem Versicherungszwange unterlegen haben, Quittungskarten nach Formular A weiter gebrauchen müssen, auch für de« Fall, daß sie sich freiwillig weiter versichern wollen.
Hanau ben 19. Oktober 1900.
Der Königliche Landrath.
J 669 v. Schenck.
Der Kartographische Verlag in Berlin beabsichtigt bei fester Bsrausbestellung von mindestens 125 Exemplaren eine Wandkarte vom Kreis Hanan herzustellen. Die Ausführung wird in 5 Farben zum Maßstabe von 1: 35 000, mit Benutzung der Meßtischblätter der Preußischen Landesaufnahme, erfolgen.
Diese Karte, welche bei Vorausbestellung für 12,50 Mk. (späterer Ladenpreis 15 Mk.) zu erhalten ist, wird neben den einzelnen Ortschaften die Kreis-, Regierungsbezirks- und Staatsgrenzen, Eisenbahnen, Chausseen, gebaute Wege, Orts- Verbindungswege, Feld- und Waldwege, Flüsse und Bäche, Laubholz, Nadelholz und Wiese«, sowie die Entfernungen von Ort zu Ort angeben.
Bestellungen auf diese Kreiskarte, welche sich besonders für Schulen, Behörden rc. eignet, werden — auch für Privatpersonen — in meinem Bureau schriftlich und mündlich entgegen genommen, woselbst auch eine Kreiskarte in obiger Ausführung besichtigt werden kann.
Hanau den 27. September 1900.
Der Königliche Landrath.
A 3778 0. Schenck.
4>taöUW^w ^<tnaci< HämstmachkAiM des OöerbärgerMeisteramteS Bekanntmachung,
betreffend die Anmeldung «nfollverstchernngs- pflichtiger Betriebe.
Vom 1. Oktober 1900.
Nach 8 35 des Gcwcrbe-Unfallversicherungsgesetzcs vom 30. Juni 1900 (ReichS-Gesetzbl. S. 573) hat jeder Unternehmer eines unter die 88 1 oder 2 dieses Gesetzes fallenden, bisher der rcichsgesctzlichcn Unfallversicherung nicht unterstellten Betriebes binnen einer vom Reichs-Versicherungsamte zu bestimmenden Frist den jetzt versicherungspflichtigen Betrieb unter Angabe des Gegenstandes und der Art desselben, sowie der Zahl der durchschnittlich darin beschäftigten ver- stcherungspflichtigen Personen bei der unteren Verwaltungsbehörde a«zumeldcn.
Die Frist für die Anmeldung wird hiermit auf die Zeit bis zum
15. November 1900 einschließlich festgesetzt.
Für die nicht angemeldeten Betriebe hat die untere Verwaltungsbehörde die Angaben nach ihrer Kenntniß der Verhältnisse zu ergänzen, dieselbe ist befugt, die Unternehmer nicht angemeldeter Betriebe zu einer Auskunft darüber innerhalb einer zu bestimmenden Frist durch Geldstrafen im Betrage bis zu einhundert Mark anzuhalten.
Welche Staats- oder Gemeindebehörden als untere Verwaltungsbehörden im Sinne des Gesetzes anzusehen sind, wird von den Zentralbehörden der Bundesstaaten bestimmt und öffentlich bekannt gemacht.
Im Uebrigen wird wegen der Anmeldung auf die bei= gefügte Anleitung Hingewieseu.
Berlin den 1. Oktober 1900.
Das Reichs-Versicheruugsamt.
Gaebel.
^nlettunß, betreffend die Anmeldung nnfollversichernngs- pflichtiger Betriebe.
(§ 35 des Gewerbc-Unfallversicherungsgesetzes vom 30. Juni 1900.)
1. Die Anmeldepflicht erstreckt sich auf die bisher der reichsgesetzlichen Unfallversicherung nicht unterstellten, durch die 88 1 und 2 des Gewerbc-Unfallversicherungsgesetzes vom 30. Juni 1900 für versichcrungspflichtig erklärten Betriebe. Demzufolge sind anzumcldcn, soweit diese Betriebe nicht bereits der Versichcrungspflicht unterworfen sind:
a) die gewerblichen Brauereien,
b) die Gewerbebetriebe, welche sich auf die Ausführung von Schlosser- oder Schmiedearbeiten erstrecken, sowie das Fensterputzer- und das Fleischergewerbe,
c) die gewerbsmätzigen Lagereibetriebe,
d) die Lagerungs-, Holzfällungs- oder der Beförderung von Personen oder Gütern dienenden Betriebe, wenn sie mit einem Handelsgewerbe, dessen Inhaber im Handelsregister eingetragen steht, verbunden sind,
e) Betriebe jeder Art, für welche durch thierische Kraft bewegte Triebwerke nicht blos vorübergehend zur Anwendung kommen.
2. Als „gewerbliche" Brauereien sind solche anzuschcn, deren Erzeugnisse zur Veräußerung an Dritte bestimmt sind, ohne Rücksicht auf den Umfang der Erzeugung und auf die Herstellungswcisc des Bieres (ob obergährig oder untergährig).
3. Die Gewerbebetriebe der Schlosser und der Schmiede sind allgemein vcrsicherungspflichtig, auch wenn sie nur handwerksmäßig — mit oder ohne Werkstatt — betrieben werden. Auch die Art der ausgeführten Arbeiten ist unerheblich.
4. Das Gleiche gilt für das Fleischcrgcwcrbc; insbesondere sind auch diejenigen Betriebe der Versicherung unterworfen, welche sich auf die 'Schlachtung fremden Viehs in fremden Haushaltungen beschränken.
5. Die gewerbsmäßigen gagereibetriebe unterliegen — im Gegensatz zu dem bisherigen Rechtszustande — der Ver-
Feuilleton.
Bilder aus dem geben Moltke's.
Zu Moltke's 100. Geburtstag, 26. Oktober.
Von Robert Berndt.
(Nachdruck verboten.)
1.
Im Kopenhagener Kadettenhause.
Auf dem Paradeplatz treten die Kadetten an. „Stillgestanden!" schallt das Kommando. Einer der Knaben streckt den Kopf etwas aus. der Reihe vor. Da tritt ein Offizier auf ihn zu und versetzt dem Jungen einen Stoß ins Gesicht, so daß Blyt aus seiner Nase fließt. Weinend kommt er zu seinem Erzieher heim, einem alten verabschiedeten General und klagt ihr« sein Schicksal. Aber er findet nicht viel Trost. „Warum hältst Du die Schnauze vor ?" ist die Antwort, die er erhält. Und die Eltern sind fern und die Post geht so selten und dann — es mußte wohl so sein; da gab es gar nichts zu klagen.
Diese Szene spielte sich im Land-Kadettenhause zu Kopenhagen ab, und der Knabe, dem sie wiederfuhr, hieß Helmuth von Moltke. Der Vater hatte ihn und seinen Bruder Fritz hierher gegeben, weil ihm die Mittel zur anderweitigen Erziehung seiner Söhne fehlten. Und hier waren nun die beiden Brüder, fern von den Eltern, fern von der Heimath, im fremden Lande, dessen Sprache sie sich erst zu eigen machen mußten. Das war viel für so junge empfindliche Knabenherzcn, aber es .war noch nicht Alles. Das Schlimmste war die Atmosphäre der Lieblosigkeit, die sie umgab. Wie froh und glücklich hatten sie bisher beim guten Pastor Knickebein in Hohenfelde (Holstein) die letzten zwei Jahre verlebt — und jetzt waren sie in dies große, graue, düstere Haus
schlägcr, und unverwandt horchte der blonde schlanke feine Jüngling auf ihre Gespräche und in seinen schönen blauen Augen spiegelte sich sein tiefti' Interesse .. . ,
Dann war der Sonntag vorüber und wieder grng's in das kalte düstere Haus und wieder begann die strenge Werkeltagsarbeit mit all' ihren stillen Leiden. Sieben Jahre war Helmuth Moltke in diesem Hause; sieben Jahre machte er die strenge Schule durch. Endlich schlägt die Stunde der Freiheit, er wird kgl. dänischer Sekondeleulnant. Die Kadetten- jahre haben ihre Spur hinterlassen; Moltke ist ein ernster, verschlossener, beobachtender Jüngling geworden, der den Ernst des Lebens zeitig kennen gelernt har.
* *
*
2.
Der arme Leutnant.
In seinem bescheidenen Zimmer in Berlin steht der kgl. preußische Premier-Leutnant von Moltke an einem Pulte und schreibt eifrig. Es ist tiefe Nacht und fast wollen ihm die Augen zufalldn, will ihm die Hand nicht mehr gehorchen. Kein geringes Tagewerk hat er hinter sich. Früh rufen ihn die Geschäfte des Generalstabs, zu dem er jetzt endgiltiz versetzt ist; da heißt's eine Beurtheilung der strategischen Verhältnisse des Thüringer Waldes anzuferrigen, oder an der Geschichte des Feldzugs von 1762 arbeiten, oder die laufenden Bureaugeschäftc erledigen. Dann gilt's, das Pferd auf der Promenade zu produziren; und wenn dann über mancherlei Studien der Abend herangentcht ist, rufen die gesellschaftlichen Pflichten. Der Friseur kommt, die Gala- Uniform wird angelegt, und nun geht's z« diese« Prinzen oder jenem Minister auf den Ball, oder gar zu einem déjeuner dansant bei des Königs Majestät. Und doch — es hilft nichts; in der späten Nacht müssen daheim noch ein paar Seiten von Gibbon's vielbändigem Riesenwerke übersetzt
gebannt, wo Prügel das einzige Erziehungsmittel waren und Alles einen spartanischen Zuschnitt hatte! Die Thränen kamen den Brüdern ins Auge, wenn sie des behäbigen holsteinischen Pfarrhauses gedachten und sich dann, in ihrem tristen Quartiere über dem Thorweg umsahen, daS ihnen der alte General Lorenz angewiesen hatte. Dort konnten sie Nach Herzenslust frieren, wenn's Winter war; und froren sie nicht, so konnten sic sich mit Hungern unterhalten. Denn der Alte war geizig und seine keifende Haushälterin noch geiziger. Es war ein Fest, einmal in's Lazareth zu kommen, und Helmuth war deshalb gar nicht traurig, als ihn der Typhus einmal wochenlang dort festbannte.
Aber auch in dieser Einöde von, Lieblosigkeit, Härte und Entbehrungen gab es einige liebliche und trostreiche Oasen. Die eine war das treue kameradschaftliche Verhältniß zwischen den Kadetten; rings von Mißtrauen und Strenge umgeben, schlossen sie sich um so enger aneinander an und manche dort geschlossene Frenndschaft bewährte sich durch's ganze_ Leben. Und dann gab cs ja gottlob noch alle Woche einen L-snntag und dann zing's hinaus zuni General Hezermann-Lindcn- crone auf seinen hübschen, nahe der Stadt belegenen Landsitz Rolighed oder auch auf das alte Kastell, wo der General kommandirte, und da fanden die Knaben Licht und Wärme und Liebe. Die Hegermann's hatten drei prächtige Söhne und mit ihnen konnten sich die beiden Moltke's nach Herzenslust vergnügen. Da wurde nach altrömischer Weise Diskus geworfen; da wurde um eine Festung gekämpft, ein Spiel, das die Knaben großartig den „Weg zum Tempel der Ehre" nannten; da wurden Ausflüge nach der Insel Saltholm im blauen Sund gemacht, wo Helmuth sich als ein gewandter und kühner Reiter zeigte. Und sammelte dann der Abend die Familie im Hause, da war bald ein belebtes und gehaltvolles Gespräch im Gange. Denn hier herrschte edle Bildung; hier verkehrten bedeutende Männer, wie Oersted und Oehleu-